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(de) Germany, LIKOS: Kein Kriegsdienst für das Kapital - Redebeitrag zum Schulstreik am 05.03.2026 (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Sat, 18 Apr 2026 08:20:39 +0300
Am 05. März fanden in vielen Städten Schulstreiks gegen die Wehrpflicht
statt. Auch in Osnabrück waren 200 Menschen auf der Straße. Wir haben
dort folgenden Redebeitrag verlesen:
Liebe Schüler:innen und Angehörige, Unterstützer:innen und solidarische
Menschen, Wir stehen heute gemeinsam auf der Straße um unserem
Widerstand Ausdruck zu verleihen. Um zu sagen: Wir sind nicht
einverstanden mit der Militarisierung der Gesellschaft! Wir sind nicht
einverstanden mit Aufrüstung und Wehrpflicht! Wir sind nicht damit
einverstanden, dass junge Menschen zur Verteidigung von Staats- und
Kapitalinteressen zum Kriegsdienst gezwungen werden!
Seit Jahren müssen wir uns sagen lassen, dass wir uns Investitionen in
Bildung, in die Gesundheit oder die öffentliche Grundversorgung, dass
wir uns den "Sozialstaat" nicht mehr leisten können. Gleichzeitig wird
uns eine von staatlichen Investitionen subventionierte Rüstungsindustrie
als wirtschaftlicher Aufschwung verkauft. Wirtschaftlicher, sogenannter
Aufschwung, dessen Profite sich die Eigentümer der Rüstungskonzerne
aneignen und damit weiter und weiter von unten nach oben umverteilen.
Noch dazu werden diese Profite durch die zerstörerischste Form der
Produktion generiert. Waffen können nichts anderes, als töten und zerstören.
Warum subventioniert der deutsche Staat diese zerstörerische Produktion?
Es ist Ziel und Zweck des Staates die eigenen Machtinteressen sowie
politische und wirtschaftliche Einflusssphären zu erhalten und zu
erweitern. Notfalls auch mit militärischer Gewalt. Der ehemals "große
Bruder" USA wird zunehmend unzuverlässiger. Dieser Wegfall der USA als
de-facto Weltmacht führt zu einer Neuaushandlung staatlicher
Einflusssphären und Territorialansprüche. Der Überfall Russlands auf die
Ukraine, der Überfall der USA auf Venezuela und den Iran sind Ausdruck
dieses Kampfs. Und nein, um es ganz deutlich zu sagen: Nur weil diese
Staaten überfallen wurden, stehen wir noch lange nicht auf der Seite der
dort Herrschenden! Bei der Aufteilung der Welt wollen europäische
Regierungen auch einen "Anteil am Kuchen" und rüsten auf, um wieder
selbstständig fähig zu sein, ihre imperialistischen Interessen
durchzusetzen. Dafür wird die Gesellschaft militarisiert.
Doch was macht diese Militarisierung mit einer Gesellschaft? Selbst wenn
die deutsche Beteiligung an Kriegen verhindert wird bleibt die
aufgebaute Industrie. Bleibt die Normalisierung einer militarisierten,
kriegsfähigen Gesellschaft.
Wir kennen das aus der Autoindustrie: Weil dort Profit gemacht wird und
viele Arbeitsplätze dranhängen, wird die ökologisch und sozial
notwendige Verkehrswende verhindert. Wie soll es uns mit einem starken
Militärisch-Industriellen-Komplex anders ergehen, wenn es um Frieden und
Abrüstung geht?
Auch die gesellschaftliche Akzeptanz von Militärpräsenz im öffentlichen
Raum, Kriegsrhetorik in der Politik oder dem Zwangskriegsdienst für
junge Menschen ließe sich nicht einfach rückgängig machen. Die
Bundeswehr galt schon einmal als "Schule der Nation", in der
hierarchisches Denken, Gehorsam und als Kameradschaft verklärtes
Vertuschen von übergriffigem Verhalten gegenüber Schwächeren eingeübt
wird. Der aktuelle Kurs führt uns also, wenn nicht in einen Krieg, so
doch mindestens in eine militärische und damit kriegstreiberische
Gesellschaft.
Die Wiedereinführung der Wehrpflicht ist der nächste logische Schritt
und fügt sich nahtlos in die Militarisierung der letzten Jahre. Dass wir
uns heute noch auf Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes berufen können,
mag für einige beruhigend wirken. Dieser besagt: "Niemand darf gegen
sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden".
Dies kann auf den ersten Blick wie ein einfacher und sicherer Weg zur
Kriegsdienstverweigerung wirken. Wir müssen uns jedoch klarmachen, dass
die Formulierung "gegen sein Gewissen" bewusst vage ist und von
entsprechenden Stellen beliebig interpretiert und verschoben werden
kann. Wer bestimmt letztlich welcher Gewissensgrund eine ausreichende
Begründung darstellt? Diese Entscheidung würden Militärs treffen, die im
Rahmen einer "Gewissensprüfung" feststellen, ob ein bestimmter Grund
ausreichend und glaubwürdig ist. Wir alle kennen die Willkür in der
Bewertung von Tests aus der Schule.
Schauen wir zurück und Fragen unsere Eltern oder Großeltern nach ihren
Erfahrungen: Gewissensprüfungen waren in der Vergangenheit durch
Fangfragen und gezielte Tricks geprägt. Viele haben schon mal die
Geschichte gehört, dass zum Beispiel Pazifisten in der Anhörung gefragt
werden, was sie tun würden, wenn "jemand ihre Partnerin des Nachts
angreift und zufällig eine Waffe zu ihren Füßen liegt". Eine unüberlegte
Antwort auf diese Frage und der Gewissensgrund kann als nicht
ausreichend angesehen werden. Doch selbst wenn diese oder ähnliche
Fragen "richtig" im Sinne der Prüfung beantwortet werden, ist eine
Beteiligung am Krieg nicht ausgeschlossen. Die Formulierung des Artikels
im GG besagt "Kriegsdienst mit der Waffe". Es ist also durchaus
beabsichtigt, uns trotz anerkannter Gewissensgründe zu einem
Militär-Dienst als Sanitäter, Logistiker oder Verwalter zu zwingen, der
die Kriegsfähigkeit aufrechterhält.
Hier tritt der autoritäre Charakter des Staates klar zu Tage. Unter dem
Schein der Verteidigung "westlicher Werte" und "Freiheit" wird die
Freiheit der eigenen Bürger:innen massiv eingeschränkt. Wie oben bereits
kurz erwähnt geht es dem Staat bei Kriegseinsätzen um die staatlichen
Interessen und gerade nicht die Interessen der Bürger:innen des Staates.
Wenn Schüler:innen und Arbeiter:innen an der Front Schüler:innen und
Arbeiter:innen anderer Nationalstaaten gegenüberstehen, so töten sie
sich gegenseitig zur Verteidigung ihrer nationalen Staatsräson. Sie
kämpfen gegen ihr eigenes Interesse, gegen das Interesse ihrer Klasse um
den nationalen Wirtschaftsstandort zu schützen und die Absicherung
nationalstaatlicher Herrschaft und Territorialansprüche zu gewährleisten.
Darum:
Keine Fragebögen und keine Musterungen, die den Zwang zum Kriegsdienst
vorbereiten!
Dem Militär die Räume nehmen, die Militarisierung der Gesellschaft stoppen!
Keine Jugendoffiziere an den Schulen!
Keine Waffenschauen auf Stadtfesten!
Keine Rüstungsproduktion in Osnabrück und auch nicht anderswo!
Nein zum Kriegsdienst in jeder Form!
https://likos.noblogs.org/2026/03/06/kein-kriegsdienst-fuer-das-kapital-redebeitrag-zum-schulstreik-am-05-03-2026/
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