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(de) Libertäre Kommunist*innen Osnabrück LIKO: Kundgebung gegen den Sieg der Taliban in Afghanistan: Redebeiträge

Date Sun, 29 Aug 2021 08:43:27 +0300


Wir waren am 20.08.2021 mit über 150 Menschen auf dem Rathausplatz in Osnabrück, um zusammen mit der Seebrücke Osnabrück, No Lager Osnabrück, dem Exil - Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge e.V. und vielen afghanischen Menschen gegen den Sieg der Taliban in Afghanistan zu demonstrieren. ---- Unser erster Redebeitrag: Am 15. August 2021 nahmen die Taliban die Hauptstadt Afghanistans, Kabul, ein und brachten damit auch den letzten Teil des Landes unter ihre Gewalt. Die Ausrufung des zweiten islamischen Emirats in Afghanistan folgt damit 20 Jahre auf die Zerschlagung des ersten. Vor allem Frauen und Mädchen werden unter ihm leiden, aber auch alle anderen Menschen, denen die islamistische Friedhofsruhe der Taliban die bloße Existenz zur Hölle machen wird.

Der nahezu ohne Widerstand staatlicher Kräfte erzielte Sieg der Taliban entlarvt dabei auch das Gerede westlicher Regierungen, ganz gleich ob in Washington oder Berlin, von Menschenrechten und Demokratie als innen- wie außenpolitische Propaganda. Als Propaganda die aufgegeben werden kann, wenn sie sich im Rahmen imperialistischer und kapitalistischer Interessen nicht mehr rechnet. Vollkommen ohne Rücksicht auf die Menschen, die schließlich die Konsequenzen tragen müssen, weil sie sich nicht unter Militärschutz ausfliegen lassen können.

Das bedeutet nicht, dass der Sturz des ersten Taliban-Emirats nicht zu begrüßen gewesen wäre. Nur sollten sich keine Illusionen darüber gemacht werden, dass dies aus Menschenfreundlichkeit geschehen sei. Sind doch mit Saudi-Arabien und Pakistan als Aufbauhelfer der Taliban zwei der größten Förderer islamistischen Terrors die engsten Verbündeten des Westens in der Region. Und hat doch die US-Regierung in ihrem so genannten "Friedensabkommen" mit den Taliban von 2020 diesen die Menschen in Afghanistan als Freiwild überlassen, solange sie nur westliche Uniformträgerinnen und Uniformträger in Ruhe lassen.

In der politischen BRD herrscht derweil vor allem die Sorge, dass Menschen tatsächlich versuchen könnten, der mitverschuldeten elenden Situation in Richtung Europa zu entkommen. Währenddessen möchte die österreichische Regierung möglichst schnell wieder Geflüchtete in die islamistische Barbarei abschieben.

Dem gegenüber gilt unsere Solidarität all den Menschen in Afghanistan, die von islamistischer Gewalt bedroht und betroffen sind, vor allem Frauen, Mädchen und allen anderen, die durch ihre bloße Existenz Opfer dieser Gewalt werden. Unsere Solidarität gilt all denen, die zur Flucht aus Afghanistan gezwungen sind.

Unsere Solidarität gilt all denen, die sich für ein besseres Leben nicht auf da Jenseits vertrösten lassen können oder wollen.
Und unsere Solidarität gilt all den emanzipatorischen Menschen und Gruppen in Afghanistan, die sich der Gewaltherrschaft der Taliban widersetzen und sie bekämpfen.

Deshalb sagen wir:
Nieder mit den Taliban!
Freiheit für die Menschen in Afghanistan!
Unser zweiter Redebeitrag:

Nun mochten wir uber die lebensgefahrliche Lage der Frauen in Afghanistan sprechen.

Aus unserer Perspektive als materialistische Feministinnen ergeben sich zwei Hauptgrunde fur die Unterdruckung der Frauen in Afghanistan und anderen islamistisch gepragten Staaten.

1. Geopolitische Ziele, kriegerische Interventionen und ein korrupter, afghanischer Staat sind zentrale Grunde fur das Erstarken der Taliban und anderen islamistischen Organisationen. Ohne die USA, Pakistan und Saudi-Arabien hatte sich die Taliban nicht in heutiger Form herausbilden konnen. Diese Staaten sorgten fur Geld, Waffen und sorgten dafur, dass die afghanischen Kinder in den pakistanischen Fluchtlingslagern sich dem heiligen Krieg verpflichteten, in dem sie in den USA produzierte Lehrbucher lasen. Ohne den Kalten Krieg und die Unterstutzung der USA, Pakistan und Saudi-Arabien wurde es die Taliban in der heutigen Form nicht geben.

2. Armut und Perspektivlosigkeit sind Ausdruck gescheiterter Versprechen des westlichen Kapitalismus und des arabischen Nationalismus. Hier konnen islamistische Organisationen das Versprechen eines gesicherten Einkommens geben, denn es sind v.a. Manner der verarmten Unterschicht, die die Masse an islamistischen Kampfern darstellen. Die Mittelschicht tritt v.a. als religiose und ideologische Fuhrer auf, wahrend die in- und auslandische Oberschicht also v.a. Land- und Fabrikbesitzer Finanzierungsquellen darstellen. Somit wird das Credo des Familienernahrers gestarkt und hierarchische Gesellschaftssysteme geben Orientierung und Sicherheit, der Islamismus ist eine autoritare, patriarchale, vermeintliche Krisenlosung. Das heißt er ist nicht ohne die sozialen Verhaltnisse zu erklaren und auch nicht erfolgreich zu bekampfen.

3. Monotheistische Religionen basieren auf der Mannerherrschaft, dem Patriarchat. Manner haben durch die monotheistischen Religionen sich ein Konstrukt erbaut, welches ihre eigene Macht sichert. Ohne Religion kein religioser Fundamentalismus. Islam verhalt sich zum Islamismus, wie Alkohol zum Alkoholismus. Viele Menschen konnen mit dem Islam gut leben, entwickeln emanzipatorische Ansatze und Gesellschaften- auch wir erkennen den muslimischen Feminismus und Freiheitsbewegungen im Nahen Osten an. Jedoch darf man den Teil der Menschen nicht vergessen, die den Islam bzw. Religion nutzen, um die eigene Macht zu sichern. Wir als westliche Feminist*innen mussen endlich wieder Religion kritisieren. Ohne Religionskritik kann keine Frau auf dieser Welt frei sein! Unsere Mutter und Großmutter haben teils verbittert gegen die Kirche gekampft. Nun sollten wir unsere Schwestern in ihren Kampfen unterstutzen. Wir durfen unsere Schwestern keinen Islamisten ausliefern, nur weil wir uns einem falsch verstandenen Antirassismus widmen. Wir werden jede Muslimin vor Rechten und Rassisten schutzen. Wir schutzen jedoch auch jede Frau vor dem religiosen Zugriff auf sie! Wir mussen endlich verstehen, dass Musliminnen genau so vielseitig sind wie wir. Viele von uns westlichen Feministinnen feiern Weihnachten, jedoch kampfen wir gegen die Zugriffe von Staat und Religion auf unsere Korper. Und genauso vielschichtig sind muslimische Frauen!

Aktuell werden in Afghanistan Flugblatter verteilt. Auf diesen kundigt die Taliban an, dass alle unverheirateten oder verwitweten Frauen zwischen 15-45, also Frauen im gebarfahigen Alter zwangsverheiratet werden. Behinderte Frauen werden von dieser Regelung ausgenommen. Frauen und ihre Reproduktionsfahigkeit sind grundlegend fur den Aufbau

einer islamistischen Gesellschaft, denn sie konnen den ideologisch vereinnahmten Nachwuchs gebaren. Andere Flugblatter sollen daruber aufklaren, dass ein Kopftuch nicht mehr erlaubt ist. Frauen in Afghanistan mussen sich nun mittels einer Burka vollverschleiern. In Gebieten, in denen die Taliban herrscht und herrschte, werden Frauen exekutiert, wenn sie ihre Vergewaltiger nicht heiraten bzw. dieser ein verheirateter Mann ist. Sie durfen sich außerhalb des Hauses nicht bilden.

Frauen werden jedoch auch in den westlichen Landern zur Verhandlungsmasse. So will NRW nur Frauen aus Afghanistan aufnehmen. Sie gelten als die "besseren Fluchtenden". Sie gelten somit als Menschen ohne eigenen Willen. Es muss aufhoren, dass Frauen als willenlos gelten. Frauen sind eigenstandig denkende und agierende Individuen.

Gegen jede Auspragung des Patriarchats, in Afghanistan, in Deutschland und uberall auf der Welt.
Fur eine anti-patriarchale Revolution.
Fur die Freiheit!

https://likos.noblogs.org/2021/08/25/kundgebung-gegen-den-sieg-der-taliban-in-afghanistan-redebeitraege/
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