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(de) Interview mit AnarchistInnen aus IaÅi (RumÃnien)

Date Wed, 14 Apr 2010 19:14:36 +0200


Von der anarchistischen Bewegung in RumÃnien hÃrt man leider nur
wenig. In IaÅi organisierten GenossInnen der Actiunea Antifascista
(der Antifaschistischen Aktion) sowie der Federatia Anarhista (der
Anarchistischen FÃderation) eine Demonstration am 9. November âgegen
Faschismus, Rassismus und alle Formen der Diskriminierung.â An der
Demonstration beteiligten sich bis zu 50 Personen. Sie war die einzige
Demonstration dieser Art in diesem Jahr in RumÃnien. IaÅi (gesprochen
Jasch) ist mit knapp 310.000 Einwohnern die viertgrÃÃte Stadt in
RumÃnien. Sie liegt im Nordosten des Landes, ca. 20km von der Grenze
zur Republik Moldawien entfernt. Anarchistische Spuren finden sich
dort seit dem beginnenden 20. Jahrhundert. Anarchistische Schriften
wurden hier herausgegeben und im Land verbreitet. U.a. wurde hier auch
am 2. MÃrz 1895 der bekannte Vertreter des gewaltfreien Anarchismus,
Eugen Relgis (eigentlich Eugen Sigler) geboren.

In einem ausfÃhrlichen Interview mit Syndikalismus.tk berichten die
GenossInnen Ãber die Demonstration, die Situation der anarchistischen
Bewegung im Land und Ãber die vielfÃltigen Schwierigkeiten, mit denen
sie konfrontiert sind. An dieser Stelle noch mal ein herzliches
DankeschÃn an die GenossInnen in IaÅi fÃr das Interview. Traisca
Anarhia!

âDie Antifa- und die anarchistische Bewegung in IaÅi sind nahezu
dasselbeâ â Interview mit AnarchistInnen aus IaÅi (RumÃnien)
Syndikalismus.tk: Ihr habt am 9.11.2009 eine Demonstration in eurer
Stadt, in IaÅi, gegen âFaschismus, Antisemitismus und alle Formen der
Diskriminierungâ durchgefÃhrt. Wie verlief die Demonstration? Konntet
ihr eure Auffassungen unter der BevÃlkerung bekannt machen und wie
verhielt sich die Polizei?

Actiunea Antifascista: Als allererstes mÃssen wir sagen, das es hier
in RumÃnien wirklich Schwierig ist, eine Demonstration, speziell eine
Demonstration gegen Rassismus und Diskriminierung zu organisieren. Du
musst deine GrÃnde dafÃr, warum du diese Demo organisierst, sehr gut
zu vermitteln wissen, und dies ist sehr bizarr da du viel Ãber
Rassismus, die Zigeuner, die ungarische Minderheit, die Neo-LegionÃre
reden und debattieren musst. Du musst sehr gut erlÃutern weshalb
Menschen die Demo unterstÃtzen sollen. Ich meine dass wir denken, das
eine im Kopf Gesunde Person eigentlich keine zusÃtzlichen ErklÃrungen
benÃtigen wÃrde, warum er/sie uns unterstÃtzen sollte.



Im Ablauf der Organisation dieser Demo mussten wir zwei Wochen vor dem
9. November auf das Rathaus, die Hauptpolizeiwache und zur Gendarmerie
(eine Art polizeiliche âSchnelle Einsatz-SchlÃger-Truppeâ. In etwa
vergleichbar mit der Bereitschaftspolizei in Deutschland, aber
militÃrischer organisiert. Anm. Syndikalismus.tk) um dort genau den
jeweils gleichen Antrag zu stellen, damit diese unseren Marsch
genehmigen kÃnnen. Wir haben diesen Antifa-Blog zusammengestellt
www.actiuneaantifascista.blogspot.com und haben dort einige Infos Ãber
faschistische Tendenzen in unserem Land, die Gefahr die von der Kirche
ausgeht, die Medien und den Staat verÃffentlicht. Wir haben hunderte
von FlugblÃttern verteilt, brachten eine Menge AnkÃndigungen an den
StraÃen und in den UniversitÃten an und verschickten zig E-Mails. Wir
gingen sogar zur JÃdischen Gemeinde in unserer Stadt und luden sie zu
unserem Marsch ein. Doch nur ein einziger Mann von ihnen kam und
unterstÃtze uns.

Auf der Demo waren wir leider nur zwischen 40-50 Leuten. Doch wir
hatten 12 Plakate und ein groÃes Transparent, das von zwei Personen
getragen wurde, zwei schwarz&rote anarchistische Fahnen, und eine
groÃe Antifa Fahne (welche wir diesen Sommer in Berlin gekauft
hatten). Weiterhin hatten wir zwei groÃe schwarze Transparente mit
roter Aufschrift. Auf ihnen stand: âSolidaritÃt mit den Arbeitern aus
China und Bangladeshâ (wir haben einige asiatische ArbeiterInnen in
unserer Stadt) und âRassismus ist die krankhafteste Bedrohung des
Menschen gegen den Menschen â Das Maximum an Hass fÃr ein Minimum an
Grundâ. Wir hatten auch ein Megaphon welches sich als sehr nÃtzlich
und laut herausstellte und spielten einiges an Musik â Alerta
Antifascista/Sin Dios, Keny Arkana- la rage und einiges an rumÃnischer
Anarcho-Punk Musik (The terror art band). Wir verteilten eine Menge
FlugblÃtter und es hatte den Anschein dass die Menschen auf den
Strassen uns freundlich gesonnen waren. Einige sagten uns das es eine
gute Idee (mit der Demo) ist, das wir aber einen Brief an Corneliu
Vadim Tudor, den FÃhrer der PRM (GroÃ-RumÃnien-Partei. Anm.
Syndikalismus.tk) schicken und ihn darin verarschen sollten. Da waren
aber auch ein paar Typen die mit einem noblen Auto nah an uns
heranfuhren und sie schrieen uns zu: âHeeeyâwas lÃuft verkehrt mit
euch? Geht nach Haaaauseâ.

Die Polizei verhielt sich nicht wirklich korrekt uns gegenÃber. Da
waren die Leute die Transparente und Plakate auf der linken Seite der
Demo trugen und zwei Polizeiautos fuhren exakt neben ihnen her, und
das so, daà es zeitweise fÃr die Leute auf der gegenÃberliegenden
StraÃenseite unmÃglich war die Plakate zu lesen. Ein Bulle kam zu mir
und sagte mir âes ist nicht erlaubtâ auf die Plakate âFuck Hitler!
Fuck Stalin! Fuck Corneliu Zelea Codreanu!â zu schreiben. Doch ich
hÃrte nicht auf ihn und so war seine Aufforderung vergebens. Sie
versuchten auch uns gegenÃber besonders cool aufzutreten, sprachen
sehr schnell, erwÃhnten einige Gesetze und andere Dinge doch sie
blickten schlieÃlich wie Verlierer drein, als wir ihnen einige
ausgedruckte Gesetzestexte zeigten und ihnen so zu verstehen gaben,
das wir genau wussten was wir taten. Nach der Demo sah ein Genosse von
uns einen Mann ein Hotel mit einem grÃnen T-Shirt mit der Aufschrift
POLIZEI betreten. Genau, es war ein deutscher Bulle. Doch wir wissen
nicht weshalb er hier in RumÃnien so gekleidet war.


Ein Redebeitrag auf der Demonstration vom 9. November.
Die Medien wirkten nicht so sehr an unserer Demo interessiert. Nur
zwei TV-Programme kamen her und nur eine Zeitung rief uns an. Wie auch
immer, wir verweigerten ihnen gegenÃber Interviews, denn sie hatten
das ganze Jahr Ãber eine Menge rassistischer Meldungen verÃffentlicht,
sie prÃsentierten eine Menge Ãbelster News gegen Zigeuner, sie
assoziieren das Wort Anarchie mit Krankheit, mit Katastrophen und,
natÃrlich, mit Chaos. So verlieà ein TV-Team die Demo, doch das andere
schien wirklich an der Demo interessiert zu sein. Und sie haben dann
auch wirklich gute Dinge Ãber uns in ihren Nachrichten berichtet. Sie
haben zwei Passanten auf der Strasse interviewt, die sehr
enthusiastisch Ãber unsere Aktion sprachen, und sie interviewten eine
Genossin aus Frankreich. Auch die Zeitung (Buna Ziua IaÅi (Guten Tag
IaÅi). Anm. Syndikalismus.tk) berichtete gut Ãber uns.

Syndikalismus.tk: Wie ist die Situation in RumÃnien mit Neonazis
(genauer NeolegionÃren) und Faschisten? Sind diese Ãffentlich prÃsent
und aktiv? Was denkt ihr, wie sie gestoppt werden kÃnnen?

Actiunea Antifascista: Das Problem mit dem Faschismus in RumÃnien ist,
das nahezu jeder faschistische Gedanken hat. Wenn du jemanden auf der
Strasse fragst âbist du ein Faschist?â, wird er/sie sagen ânein,
natÃrlich nicht, was zum Teufelâ, doch âwas denkst du Ãber die
Zigeuner oder die Ungarn, oder Ãber Homosexuelle?â er/sie sagt âIch
kann keine Verbindung zwischen Faschismus und den Zigeunern erkennen.
Hitler ist eh tot, so gibt es also auch keinen Faschismus mehr. Und,
Ãber die Zigeuner. Ich hasse diese Scheiss-Leute, verbrennt sie,
schmeiÃt sie aus dem Land heraus, lasst sie fÃr uns arbeiten. Die
Ungarn sollten lernen rumÃnisch zu sprechen, denn das hier ist
RumÃnien, nicht Ungarn, wenn sie das nicht wollen sollen sie nach
Ungarn gehen. Und die Homosexuellen sind der letzte Dreck. ErschieÃt
sie!â. Es ist nahezu ausgeschlossen jemanden zu treffen der die
Zigeuner nicht hasst. Die Medien sind auch daran Schuld.

Es scheint so als ob die Neonazis und die Neo-LegionÃre nicht wirklich
eine gute Beziehung untereinander haben. GewÃhnlich hassen sie sich,
es kam sogar zu kÃmpfen unter ihnen â denn die meisten Neonazis sind
Atheisten und âNoua Dreaptaâ (ND) (Neue Rechte â Neo-LegionÃre) sind
christlich. Doch einige Neonazis unterstÃtzten eine Demonstration von
ND in Bukarest. Es gibt eine groÃe Anzahl von Neonazis unter den
FuÃballfans aus Temeswar und Bukarest, und eine Menge von ihnen gibt
es auch in Bacau (nahe IaÅi!). Doch es gibt mehr Neo-LegionÃre als
Neonazis. Die âNeue Rechteâ (Noua Dreapta), die neolegionÃre
Organisation, ist sehr aktiv in Bukarest, Cluj, Temeswar und GalaÅi
(Galatz). In IaÅi sind sie nur um die 20-30 Leute, aber es gibt hier
eine Menge Rocker die sie unterstÃtzen, die aber nicht mit allen von
ihren Ideen Ãbereinstimmen. Der FÃhrer von Noua Dreapta ist ein
Rechtsanwalt aus Bukarest, er ist um die 30 Jahre alt. Eine Menge
ND-Mitglieder sind um die 30 Jahre alt, haben Familien und Kinder,
doch es gibt auch einige fette Skinheads, im Alter so um die 25 Jahre.

Die Antifa-Demo in IaÅi war die einzige Antifa-Demo im ganzen Land! In
allen anderen StÃdten haben Antifas und AnarchistInnen Probleme mit
der ND, spezieller jedoch mit dem SRI (âServiciul Roman de
Informatiiâ, dem rumÃnischen Informations Dienst.) (RumÃnischer
Innlandsgeheimdienst, Anm. Syndikalismus.tk). Wir denken das die ND
vom SRI unterstÃtzt wird. Als ein Beispiel: im Jahr 2008, als einige
Bukarester AntifaschistInnen zum Rathaus gingen um die Genehmigung fÃr
einen antifaschistischen Marsch zu bekommen, war der ND-FÃhrer bereits
im Rathaus und lachte sie aus. Sie erhielten keine Genehmigung fÃr den
Marsch, sie erhielten nur eine Erlaubnis fÃr eine stationÃre
Kundgebung, mussten auf einem kleinen Platz stehen und jeder der dazu
kam wurde angehalten und von der Polizei durchsucht.

Die ND ist sehr aktiv. Sie machen eine Menge Aktionen und es sieht so
aus, als ob sie auch eine Menge Geld haben. MÃglicherweise von der
Forza Nuova aus Italien und von der NPD aus Deutschland. Es sieht so
aus das sie alle in einer guten Beziehung zueinander stehen. Sie sind
sehr populistisch, besonders im letzten Jahr. Ich denke sie sind nicht
so viele als zu ihrem Beginn im Jahr 2000. Am 24. Januar 2010 werden
sie mÃglicherweise nach IaÅi kommen â alle von ihnen. Sie waren auch
dieses Jahr hier und tranken auf den Strassen (In RumÃnien ist es
nicht erlaubt auf den Strassen zu trinken) und waren sehr laut. Sie
entdeckten einen unserer Genossen, einen Anarchisten, und schrieen ihn
an âHey, du Kommunist!â. Doch glÃcklicherweise konnte er aus dieser
Gegend entkommen. Sie Ãbermalten auch eine Menge an Graffiti und
Parolen an den WÃnden in der Innenstadt â und das bei Tageslicht! Und
wenn wir ein Graffiti anfertigen wollen mÃssen wir es Nachts tun,
mÃssen sehr vorsichtig sein, besonders weil einer von uns von der
Polizei zusammengeschlagen wurde, nachdem er ein Graffiti nahe der
Polizeiwache angebracht hatte. Das Schlimmste daran ist, das die
Polizei wirklich erwartete das er das Graffiti anbringt. Sie waren mit
5 Streifenwagen in der Gegend und warteten auf ihn und wussten schon
im voraus seinen Namen und seine Adresse.

Doch das witzigste passierte als wir um 12.00 Uhr den Treffpunkt fÃr
die Demo erreichten. Denn, ein NeolegionÃr â ein wirklich geistig
behinderter â kam auch dort hin. Er hatte ein kleines Pappschild dabei
auf welchem Stand: âGott ist der Herr unseres Landes. Lang lebe die
Legion und der Capitan.â Die Legion bezieht sich auf die Faschisten
aus der Zwischenkriegszeit in unserem Land, der Capitan (Corneliu
Zelea Codreanu) war ihr FÃhrer. Wir alle schrieen ihn an und ich
versuchte ihn zu schlagen, doch die Polizei war auch da. Er begann
panisch zu werden und forderte die Polizisten auf, mich zu verhaften,
da ich zu ihm sagte er solle âzu den GÃttern seiner Mutterâ gehen. In
RumÃnisch klingt das sehr lustig und ist nicht gerade freundlich. Doch
die Polizei hatte selber Schiss, denn wir waren alle maskiert, schwarz
gekleidet und schrieen. Sie brachten den Faschisten fort und dann
begannen wir unseren Marsch. Es war wirklich etwas Bizarres an diesem
Faschisten. Du wirst Ãber ihn lachen. Wir alle glauben dass er
wirkliche seriÃse mentale Probleme hat. Geistig verwirrt, wirklich ein
Kamikaze-Kerl.

Ich denke, zumindest in IaÅi, haben wir jedes ND-Mitglied
niederzuschlagen und ihre Nachbarschaften mit antifaschistischem
Graffiti zu terrorisieren. Und wir brauchen entschieden mehr
AnarchistInnen.

Syndikalismus.tk: Viele Demonstrationen richten sich âgegenâ etwas.
Was sind die Ziele von Actiunea Antifascista? Welche Form von
Gesellschaft wollt ihr erreichen?

Actiunea Antifascista: Hm, ich denke das ist die schwierigste Frage.
Wir sind nicht wirklich eine homogene Gruppe. Und wenn ich Ãber unsere
politischen oder philosophischen Ãberzeugungen spreche, dann ist es
etwas schwer fÃr mich auch fÃr alle anderen zu sprechen.

Es gibt einige Neo-Marxisten, einige Anarcho-Kommunisten, einige
Anarcho-Individualisten, einige Anarcho-Primitivisten, einige von uns
sind einfach Antifas, einige von diesen sind Antikapitalisten und
Anti-Kriegs-Aktivisten, einige sind Anarcha-Feministinnen. Als
Beispiel: Ich bin Anarchist, ich glaube wirklich an den
Anarcho-Kommunismus und auch an Anarcho-Primitivismus. Viele von uns
sind Vegetarier und einige sind vegan.

Doch die meisten von uns sind Ãberzeugt das Actiunea Antifascista (die
antifaschistische Aktion) die Neue Rechte und die Kirche zerschlagen
will, das sie einige direkte Aktionen gegen die pro-faschistischen
Medien unternimmt, ein Bewusstsein Ãber die Gefahr des Rassismus
schafft und einiges an Informationen verbreitet. Denn hier gibt es
einen groÃen Mangel an wirklichen Infos Ãber Antikapitalismus,
Anarchismus, Antifaschismus.

Ich weis wirklich nicht in welcher Art von Gesellschaft die anderen
Leben mÃchten, doch ich bin mir Sicher die Gesellschaft wÃre ohne
Kapitalismus, ohne Parlamentarismus, ohne Klassen, ohne
Umweltverschmutzung und ohne Faschismus.

Als ein Beispiel: Ich bin AnhÃnger von Proudhons Idee, dass eine
Revolution Jahrhunderte an Vorbereitung benÃtigt, bis sie gemacht
werden kann, denn die Menschen mÃssen sich Ãndern. Doch ich warte
nicht nur darauf dass sie sich verÃndern oder warte auf das Eintreten
der groÃen Revolution. Ich glaube an die tÃgliche Revolution im
Alltag, in Form der Direkten Aktion. Ich wÃnsche mir zu sehen wie alle
diese âZivilisationenâ, alle Staaten, alle Kirchen, alle
Polizeistationen, alle Armeen, alle faschistischen Organisationen,
alle Schulen zerstÃrt werden. Ich bin Ãberzeugt das AnarchistInnen
gesunde, stabile Gemeinschaften/Gesellschaften entwickeln kÃnnen. Doch
ich glaube nicht das andere Menschen so enthusiastisch Ãber Anarchie
sind. Einige haben eine echte SklavenmentalitÃt, das ist der Grund
warum ich an Proudhons Theorien glaube. Diese Menschen brauchen eine
lange Zeit bis sie sich selber verÃndern kÃnnen. Sie haben sich weit
von ihrer Natur fortentwickelt, von ihren Instinkten. Wenn sie nun
jemand frei lassen wÃrde, wÃren sie wie ein wildes Tier, das sein
ganzes Leben Ãber in einen KÃfig gesperrt war. Und wenn es nun hinaus
in die Wildnis geht sehr geschwÃcht ist und mÃglicherweise stirbt.

Das ist der Grund warum ich nicht an Ideologien glaube, denn diese
beanspruchen fÃr jeden zu entscheiden was der beste Weg zu Leben ist
und ich betrachtete Anarchismus nicht als eine Ideologie. Anarchismus
bedeutet nicht darÃber zu entscheiden, was die beste LÃsung fÃr alle
Individuen auf der Welt ist, sondern darÃber zu entscheiden, was das
Beste ist, wenn es keine beste LÃsung fÃr alle gibt, weil es keine
gute Regierung gibt. Anarchismus bedeutet Direkte Aktion, freie
Initiative des Individuums.

Aber, natÃrlich ist es hier nicht der Punkt alle anarchistischen
Theorien darzustellen, da ihr sie selber alle kennt.

Syndikalismus.tk: Erfreulicherweise ist in eurem Logo die schwarze
Fahne die grÃÃere. Wie steht ihr zur anarchistischen Bewegung? Gibt es
in IaÅi anarchistische oder anarcho-syndikalistische Gruppen?

Actiunea Antifascista: Die Antifa- und die anarchistische Bewegung in
IaÅi sind nahezu dasselbe. Ich meine, man kann nur schwer von einer
anarchistischen Bewegung in IaÅi sprechen, solange hier 10 oder 20
AnarchistInnen das Maximum darstellen. Wir haben auch einen
anarchistischen Blog eingerichtet:
www.federatia-anarhista.blogspot.com, mit dem Anspruch mehr
Informationen Ãber den Anarchismus zu verbreiten. Die anderen Antifas,
die keine AnarchistInnen sind, stehen in einem guten VerhÃltnis mit
uns, doch sind sie nicht so involviert, so aktiv beim Kampf gegen
Faschismus oder Kapitalismus. Wie auch immer, wir organisieren
zusammen eine monatliche Food not Bombs-Aktion. Wir haben auch einen
Blog dazu eingerichtet, um mehr Informationen Ãber Anti-Militarismus
und Vegetarismus darzustellen: : www.hrananubombeiasi.blogspot.com

So viel wie wir wissen gibt es keine Anarcho-Syndikalisten in dieser
Stadt. Es gab eine Form des Beginns einer anarcho-syndikalistischen
Bewegung einige Jahre zuvor, in einer Stahl-Fabrik dieser Stadt. Doch
die Bewegung war mehr syndikalistisch als anarchistisch. Wie auch
immer, es war eine der aktivsten und seriÃsesten syndikalistischen
Bewegungen RumÃniens. Doch die Bewegung kam im Jahre 2000 zu ihrem
Ende, als der GewerkschaftsfÃhrer vor dem Eingang seines Wohnblocks
von zwei Typen mit einem Messer ermordet wurde. Es handelt sich um
Virgil Sahleanu welcher eine Menge Streiks und Demonstrationen
organisierte. Es ist sehr interessant daà die ND-Bewegung auch im
Jahre 2000 gegrÃndet wurde, doch wir wissen nicht, ob es wirkliche
Verbindungen zwischen dem Neubeginn einer neolegionÃren Bewegung und
dem Ende einer wirklich starken syndikalistischen Bewegung gibt.
MÃglicherweise weià der SRI da einiges!

Jetzt trÃgt die Gewerkschaft in diesem Stahlwerk seinen Namen. Die
âVirgil Sahleanu Gewerkschaftâ und es gibt ein Buch das Ãber ihn
Geschrieben wurde â âDie Geschichte der ersten Ermordung eines
Gewerkschafters in RumÃnienâ. Wir kÃnnen nicht wirklich sagen ob sie
Anarcho-Syndikalisten waren. Als ein Beispiel: Als wir einmal diese
Gewerkschaft besuchten hatten sie eine schwarzrote Fahne. Doch als wir
sie fragten was es mit dieser auf sich hat (in der Hoffnung sie wÃrden
sagen das es eine anarchistische Fahne ist), erzÃhlte uns der
GewerkschaftsfunktionÃr das diese Farben einfach nur indianische
Farben seien, eine Form von Symbolik, weil der Chef der Stahl-Fabrik â
Arcelor Mittal â ein Indianer sei.

Es gibt auch einige weitere AnarchistInnen aus IaÅi die die Stadt
verlassen haben â es ist sehr offensichtlich weshalb. Jetzt sind
einige von ihnen in Italien, einige leben in besetzten HÃusern in
Ãsterreich, einige sind in GroÃbritannien. Es gibt nicht soviel
Hoffnung fÃr die anarchistische Bewegung in IaÅi, doch wir versuchen
unser bestes zu tun. Wir sind in guten Beziehungen mit den
AnarchistInnen von Cambridge und Sheffield in GroÃbritannien und
korrespondieren viel mit ihnen Ãber email.

Es ist wirklich hart hier Anarchist zu sein. Ich sage nicht dass es in
anderen westlichen LÃndern einfacher ist, doch schlussendlich gibt es
dort mehr Menschen, die verstehen was Anarchismus ist. Wenigstens gab
es in diesen LÃndern anarchistische VorgÃngerInnen (Beginnend mit
1848, 1871, 1900, 1968 etc.) und auch jetzt gibt es dort in den
westlichen LÃndern mehr AnarchistInnen als hier. In RumÃnien gab es
keine historische anarchistische Bewegung, nur einige isolierte
Individuen die AnarchistInnen waren oder anarchistische Gedanken
hatten. Heute, wenn du hier âAnarchieâ sagst, denkt jeder das dies
Chaos bedeutet und nichts anderes. Eine groÃe Anzahl weià nicht einmal
was das ist â Kapitalismus, was das ist, Faschismus und eine Menge von
ihnen sind Ignoranten und Heuchler. Und ich beziehe dies hier
ausdrÃcklich auf die Jugend.

Du wirst von der Polizei verfolgt wenn du einen Aufkleber oder eine
AnkÃndung klebst. Und wenn sie dich erwischen schlagen sie dich
zusammen. Zumindest aber musst du Strafe bezahlen. Das gleiche
passiert wenn du ein Graffiti anfertigst. Sie stoppen dich auf der
Strasse immer wenn sie dich sehen. Checken deinen Ausweis und fragen
dich dumme Fragen âWie geht es ihnen, Misterâ, âWo gehst du hin?â
âWoher kommst du?â. SelbstverstÃndlich Ãnderst du deinen
Personalausweis nicht tÃglich aber sie machen weiter damit, dich jeden
Tag aufzuhalten. Manchmal schreien sie hinter dir her âHeeeey. Mister
X (oder Mister Y, etc. GewÃhnlich kennen sie unseren vollen Namen und
unsere Adresse), pass heute auf, wir patrouillieren in dieser Gegendâ.

Einige von uns wurden auf der StraÃe festgenommen und zur Polizeiwache
gebracht. Dort wurden die FingerabdrÃcke genommen und Fotos
angefertigt. Ihre Aktion begrÃndeten sie damit, das in der Gegend ein
RaubÃberfall stattgefunden hÃtte und wir verdÃchtig seien. NatÃrlich
gab es keinen RaubÃberfall in der Gegend.

Als ein Beispiel: Am 16. Oktober wurden 5 von uns zur Polizeistation
gebracht, weil wir einige FlugblÃtter gegen McDonalds verteilten. Wir
wurden zwei Stunden lang auf der Station festgehalten. Sie behielten
alle FlugblÃtter und stellten uns viele Fragen. Danach lieÃen sie uns
gehen.


Ohne Gott - Ohne Herrscher.

An der Schule oder in der UniversitÃt haben eine Menge Lehrer SpaÃ
daran, den Anarchismus lÃcherlich zu machen, wenn sie herausfinden
dass es dort einige anarchistische StudentInnen gibt. Eine Menge an
Leuten will auch nicht mehr mit dir reden wenn sie herausfinden dass
du AnarchistIn bist. Die meisten kÃnnen sich eine Gesellschaft ohne
Gott nicht vorstellen! Das ist die Hauptsache, die sie Ãngstigt, dass
wir Atheisten sind. Die meisten von ihnen schÃtzen sich selber so ein
das sie nicht in der Lage sind ihr eigens Leben zu meistern und
wirklich einen FÃhrer brauchen.

Auf der Demo, als ein Beispiel, fragte ein groÃe Anzahl âwer hat das
organisiert? Wer ist euer FÃhrer?â und ich versuchte ihnen zu erklÃren
das es hier keine FÃhrer gibt, das wir AnarchistInnen sind, das wir
alle das gemeinsam organisiert haben und nicht eine einzelne Person.
Hier gibt es keinen Chef, keinen Meister. Doch die meisten von ihnen
konnten das nicht verstehen; âIrgendwer muss euch bezahlt habenâ.
âIrgendjemand steht hinter alledemâ sagten sie gewÃhnlich.

Syndikalismus.tk: Vielen Dank fÃr das Interview und viel Erfolg mit
eurer Arbeit!

Weitere Infos finden sich auf den Webseiten der GenossInnen aus IaÅi
Actiunea Antifascista (Antifaschistische Aktion)

Federatia Anarhista (Anarchistische FÃderation)

Hran nu bombe IaÅi â Food not Bombs

Zu Eugen Relgis siehe auch den Artikel von O.M. Saenger-Pascendi:
Eugen Relgis â Der rumÃnische VorkÃmpfer fÃr eine neue Menschheit auf
www.syndikalismusforschung.info

Quelle:
Syndikalismus.tk
http://syndikalismus.wordpress.com/2009/11/12/interview-mit-anarchistinnen-aus-iasi-rumanien/
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