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(de) berlin.fau: Stühlerücken in Zeiten von Corona - zur Gefährdung von Beschäftigten der HU Bibliotheken

Date Wed, 25 Mar 2020 07:44:37 +0200


Veröffentlicht am 19.03.2020 - Kategorien: HU Berlin TV Stud ---- Viel zu lange hielt das Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität (HU) Berlin den Betrieb trotz der Corona-Krise aufrecht. Unsere HU-Betriebsgruppe erachtete eine sofortige Schließung des Arbeitsalltags bereits zu Beginn der Woche (16.03.) für notwendig! ---- Erst am kommenden Freitagabend (20.03.) wird die Universität die Tore zur Bibliothek schließen. Geschlossen war das Jakob-und-Wilhelm-Grimm Zentrum zwar seit dem 14.03 - jedoch nur für den Publikumsverkehr. Beschäftigte hatten den Dienst weiterhin anzutreten. Abseits dieser Schließung für die Öffentlichkeit verläuft der interne Betrieb bis morgen ungehindert weiter. Das beinhaltet die Anfahrt der Beschäftigen im beschränkten ÖPNV, dem Arbeiten in einem recht umfangreichen Kollegium - all das widerspricht den mittlerweile mantraartig wiederholten Hinweisen, soziale Kontakte und das Verlassen des Hauses so stark
wie möglich einzuschränken. Als die Humboldt-Universität unter Leitung von Sabine Kunst und das dazugehörige Jacob- und-Wilhelm-Grimm Zentrum unter Andreas Degkwitz ihre Pforten am 14.03. für den öffentlichen Verkehr schlossen, folgten sie der Verordnung des Berliner Senats (Teil 3 §11). Am Montag (16.03.) ließ der regierende Bürgermeister Michael Müller, verlauten, Berlin schließe "alle nicht zwingend notwendigen Einrichtungen des täglichen und kulturellen Lebens". In der Interpretation der HU über diese beiden gesundheitspolitischen Verlautbarungen blieben die Beschäftigten der Kultureinrichtung Grimm Zentrum ausgeschlossen. Für sie ging die Arbeit entgegen aller Empfehlungen weiter - mit weitreichenden Folgen.

Bibliotheksleitung ignoriert Bedenken der Beschäftigten
Bereits zu Beginn der Woche (16.03.) traten Mitarbeiter*innen der Bibliothek an Vorgesetzte und Verwaltung heran, um herauszufinden, wie in diesem Ausnahmefall beispielsweise mit Krankschreibungen verfahren wird. Bereits Anfang der Woche forderte der Kassenärztliche Bundesverband Arbeitgeber*innen dazu auf, für das Erhalten der Krankmeldung gegebenenfalls längere Fristen zu genehmigen, da die Krankschreibung nun auch telefonisch möglich ist. Schon hier zeigte sich die Verwaltung uneinsichtig: Die Frist verblieb bei 3 Tagen. Auch Forderungen nach Einstellung des Betriebes, die der ohnehin absehbaren angeordneten Schließung lediglich eine Woche zuvor gekommen wären, wurden abgelehnt, E-Mails dazu ignoriert. Stattdessen gaben die Vorgesetzten neue Arbeitsanweisungen.
Darauf basierend könnte nun wohl davon ausgegangen werden, dass die
Bibliotheksbelegschaft für die öffentliche Infrastruktur dringend nötige Aufgaben zuerledigen hatte. Doch das Gegenteil ist der Fall: Nach mehrfachen Aufforderungen der Belegschaft, die Aufrechterhaltung des Betriebes zu überdenken, erging am Dienstag (18.03.) die Arbeitsanweisung, reparaturbedürftige Stühle im Haus zu suchen und zu sammeln. Eine "kritische" oder "systemrelevante" Tätigkeit sieht anders aus (ganz abgesehen davon, dass
diese Tätigkeit zwar angewiesen werden kann, aber in keinem Fall den Tätigkeitbeschreibungen der Belegschaft entspricht). Diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wäre vielleicht einfach ein absurdes Kuriosum, wenn an ihr nicht die mögliche Weiterverbreitung des Covid-19 Virus hinge: Mit den Wegen der Beschäftigten durch die Öffentlichkeit und im begrenzten Raum der Bahnen und Bussen mehrt sich die Gefahr, sich Corona einzufangen und/oder das Virus weiterzuverbreiten. Konkret bedeutet dies: Stühle rücken - im Zweifelsfall auch auf Kosten von Menschenleben!

Das sture Beibehalten der betrieblichen Abläufe führt neben einer unnötigen Steigerung des Infektionsriskos auch dazu, dass Beschäftigte vor dem regulären Ende ihrer Arbeitszeit nach Hause gehen müssen, da schlichtweg nicht genug Aufgaben zu erledigen sind. Selbst unter Absehung von humanitärer Fahrlässigkeit bedeutet das für das Kollegium somit nicht nur den sinnlosen Antritt der Arbeit, sondern auch noch das Entstehen von Minusstunden, die in der regulären Arbeitszeit nachzuarbeiten sein werden. Dabei ist das irrationale Verharren der HU im Angesicht der Krise keinesfalls alternativlos: Andere öffentliche Stellen haben längst die Initiative ergriffen und sind der ohnehin absehbaren Einstellung des Betriebes durch Anordnungen der Politik zuvorgekommen (so zum Beispiel die ZLB Berlin). Universitäts- und Bibliotheksleitung scheinen dies hingegen auszusitzen. Sie arbeiten gegen das Virus nur an, wo es auf Regierungsebene bereits festgeschrieben ist. Damit gefährden sie aktiv die Gesundheit ihrer Belegschaft und der Menschen auf dem Weg vom und zum Arbeitsplatz.

Systematische Benachteiligung
Unverantwortlich verhält sich die HU nicht erst seit der Pandemie: In der Krise wiederholt sich der Alltag, in dem die Universitäts- und Bibliotheksleitung notwendige Maßnahmen auf- und die damit zusammenhängende Verantwortung abschieben. Innerhalb der Belegschaft gibt es bereits seit Längerem Forderungen nach besserem Arbeits- und Gesundheitsschutz
(Schutzkleidung gegen Schimmel und Staub hätte sich im Zuge des Virus nun sogar als doppelt sinnvoll herausgestellt), anderen Arbeitszeitregelungen und zu anderen Themen, wie bspw. der Umstellung der nicht-wissenschaftlichen Tätigkeiten von TVstud in den TV-L sowie deren angemessene Eingruppierung.

In Zeiten von Covid-19 auf den Arbeitsantritt zu beharren erscheint angesichts der zu verrichtenden Arbeiten und der momentanen Beschäftigungstherapie (wie man die aktuellen Arbeitsanweisungen wohl nennen kann) für die Belegschaft grotesk. Viel zu spät, erst Freitag nach Dienstschluss, kommt die Universität ihrer Verantwortungspflicht nach und schließt bis auf wenige Kernaufgaben vollständig. Endlich! Doch muss die Universität für ihr spätes Handeln nichtsdestotrotz gerügt werden! Der autoritäre und verantwortungslose Umgang mit der Belegschaft muss Konsequenzen haben!

Mittlerweile wurden deswegen mit Dringlichkeit alle Personalräte der Humboldt-Universität (Gesamtpersonalrat, Personalrat des Hochschulbereiches, Personalrat der studentischen Beschäftigten) sowie die Stelle für Arbeits- und Gesundheitsschutz und der Direktor der Zentralbibliothek von der Belegschaft direkt kontaktiert - Antworten stehen zur Zeit noch aus. Folglich bleibt nur, die Aufmerksamkeit und den Druck zu erhöhen,uns endlich Gehör zu verschaffen. Deshalb wenden wir uns an die Öffentlichkeit, deshalb wenden wir uns an Euch.

Beschwerden an: info@ub.hu-berlin.de, andreas.degkwitz@hu-berlin.de sowie
praesidentin@hu-berlin.de

https://berlin.fau.org/news/stuehleruecken-in-zeiten-von-corona-zur-gefaehrdung-von-beschaeftigten-der-hu-bibliotheken
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