A - I n f o s

ein mehrsprachiger Informationsdienst von, fr und ber Anarchisten **
Nachrichten in allen Sprachen
Die letzten 40 Artikel (Homepage) Artikel der letzten 2 Wochen Unsere Archive der alten Artikel

Die letzten 100 Artikel, entsprechend der Sprache
Greek_ Castellano_ Català_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ The.Supplement

Die ersten paar Zeilen der letzten 100 Artikel auf:
Greek_ 中文 Chinese_ Castellano_ Català_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe
Die ersten paar Zeilen aller Artikel der letzten 24 Stunden

Links zu den Listen der ersten paar Zeilen aller Artikel der letzen 30 Tage | von 2002 | von 2003
| von 2004 | of 2005 | of 2006 | of 2007 | of 2008 | of 2009 | of 2010 | of 2011 | of 2012 | of 2013 | of 2014 | of 2015 | of 2016 | of 2017 | of 2018 | of 2019

(de) FDA-IFA, Gai Dao #103 - Sachsen braucht weiterhin Support von außen - Dabei muss es aber um die Bedarfe der Aktiven vor Ort gehen -- Interview: critique'n'act

Date Sat, 10 Aug 2019 11:47:11 +0300


Die Landtagswahlen 2019 rücken näher und die hiesigen Ergebnisse der Europa und Kommunalwahlen lassen nichts Gutes erahnen. So rangiert die AfD mit 25,3% vor der völkisch-nationalistischen Sachsen-CDU und kam in vier von dreizehn Landkreisen auf über 30%. Görlitz könnte die erste deutsche Stadt seit 1945 mit einem faschistischen Bürgermeister werden. Teile der CDU, wie zum Beispiel der Vorsitzende der CDUFraktion im Sächschen Landtag, schließen eine Koalition mit der AfD nicht (mehr) aus und die kündigt an, dass sich die CDU der AfD nach der Landtagswahl "unterzuordnen" habe. Angesichts dessen, wollen wir uns jetzt schon einmal für Unterstützungsangebote und Anfragen bedanken, welche bisher bei uns eingingen. Für alle, die noch fragen werden: "Was braucht Ihr?", ist folgender Text gedacht.

Wir, das ist critique'n'act, ein Zusammenschluss links-
radikaler Gruppen in Dresden. Dieses Papier ist unser
Versuch, einige Vorschläge für sinnvolle Unterstützung
zu machen.

Wie in jeder Halb-Millionen-Stadt gibt es auch in Dres-
den eine ausdifferenzierte und thematisch breit aufge-
stellte linke/linksradikale Szene. Viele Menschen widmen
sich wie in anderen Städten vergleichbarer Größe Fragen
der sozialen Wohnraumversorgung, solidarischer Ge-
sundheitsversorgung, organisieren sich feministisch, in-
ternationalistisch, antikapitalistisch und/oder
anarchosyndiakalistisch. Sie sind in Arbeitskämpfe invol-
viert, organisieren queer-feministische Festivals, den
Frauen*streik 2019, Pro-Choice-Demonstrationen in An-
naberg-Buchholz, sie organisieren oder unterstützen See-
notrettung, sie protestieren gegen Abschiebungen und
gegen Bettelverbote - und sind neben diesen Kämpfen
und Organisierungen zu jeder Zeit bereit, alles stehen und
liegen zu lassen um bei Hetzjagen und Pogromstimmun-
gen antifaschistisch zu intervenieren.

-----------------------------------------
Hinweis der Redaktion

An dieser Stelle der aktuellen Ausgabe solllte eigentlich, wie in der Gai Dao N o 102 06/2019 angekündigt, der zweite Teil des Interviews des A-Radios Berlin zu Chinas Social Credit System erscheinen. Aufgrund schwerwiegender Versäumnisse der Redaktion in der Abstimmung mit der Gesprächspartnerin möchte diese jedoch nicht weiter mit der Gai Dao zusammenarbeiten, sodass ein zweiter Teil nicht zustande gekommen ist. Wir bitten um Entschuldigung für die Fehler, die uns im Rahmen der Veröffentlichung des Interviews unterlaufen sind.
--------------------------------------------

Anders als in anderen (westdeutschen) Großstädten
gibt es in Dresden allerdings keine große kritische Zi-
vilgesellschaft. Es gibt Willkommensinitiativen und
immer mehr engagierte Personen und Institutionen,
doch sie sind nicht zahlreich.
Wo sich in anderen Gegenden selbstverständlich meh-
rere zehntausend Bürger*innen gegen Naziaufmärsche
zusammenfinden, kommen hier gerade 1.000 Leute zu-
sammen.

Eine weitere Besonderheit ist hier
eine Lokalpresse, die ihre Verant-
wortung als 4. Gewalt in einer De-
mokratie scheinbar aufgegeben hat,
um sich zum willfährigen Lautspre-
cher der Staatsräson zu machen.

Leider reicht die Aufmerksamkeit
für #Kaltland von außerhalb oft
nicht viel weiter als für die Kritik an
Skandalen und sächsischen Verhält-
nissen. Wir wollen hier nicht miss-
verstanden werden, Kritik an
Sachsen bitte immerzu und so in-
tensiv, wie die Umstände es erfordern. Aber ebenso
wichtig ist das Interesse am Verstärken der hier statt-
findenden emanzipatorischen Kämpfe.

Was wir brauchen:

1.) Folgt linken Gruppen über Mailinglisten, Blogs, soziale Medien

...und verstärkt sie, widmet ihnen Aufmerksam-
keit, besucht und interviewt sie. Lest ihre Analy-
sen, sie wissen um die lokalen Verhältnisse oft am
Besten Bescheid. Liken und Retweeten reicht lei-
der nicht.

2.) Gezielt unterstützen: Fragt, was gebraucht wird
Ihr könnt kaum "Sachsen" an sich helfen. Einzel-
ne Großmobilisierungen sind wichtig, aber oft
nicht nachhaltig. Also sucht euch politische
Gruppen, Initiativen, Vereine oder Räume und
haltet Kontakt mit ihnen. Fragt sie, was sie brau-
chen. Unterstützt sie längerfristig und nicht nur
punktuell. Bildet "Partnerschaften" zwischen eu-
rer Organisierung und einer im ländlichen Raum
(das schlägt auch David Begrich vor: (http://tele-
graph.cc/liebe-westdeutsche-freund-innen/). So
seid ihr im Bilde, was wirklich benötigt wird, die
Unterstützung kommt an und ist nachhaltig.

3.) Finanzielle Unterstützung:
Es gibt einige linke Räume in Dresden, die unab-
hängig von staatlicher oder sonstiger regelmäßi-
ger finanzieller Bezuschussung selbstorganisiert
betrieben werden. Mieten und andere Unkosten
werden über Fördermitgliedschaften finanziert.
Menschen von außerhalb können durch eine För-
dermitgliedschaft den Bestand dieser Räume si-
chern, in denen Organisierung, Veranstaltungen,
Vernetzung, Gruppentreffen, Workshops, Semina-
re etc. stattfinden.

4.) juristische Unterstützung:
Es gibt in Dresden Anwält*innen, die linke Akti-
vist*innen im Falle von Repression unterstützen
und Vertretung bei Prozessen übernehmen. Diese -
wenigen Personen - sind allerdings dieselben, die
sich mit Asylrechtsfragen befassen und Geflüchte-
te unterstützen. Sie sind seit geraumer Zeit stark
überlastet. Für künftige juristische Auseinanderset-
zungen wäre es daher sehr hilfreich, wenn An-
wält*innen von außerhalb unterstützen könnten!

5.) Online-Aktivismus:
Wer nicht hier wohnt, kann nicht hier sein, um
Strukturen aufzubauen, zu Demos zu fahren. Aber
politische Debatten bzw. der rechte Meinungs-
kampf finden auch im Internet statt. Hier könnt
ihr uns einfach unterstützen: Macht euch Ac-
counts und diskutiert in regionalen Medien mit.
Verabredet euch mit euren Freund*innen. Macht
dort linke Inhalte stark. Wir können nicht das
ganze Internet bespielen, aber wichtige Artikel in
den großen Medien müssen wir nicht den rechten
Hassbürger*innen überlassen. Die Redaktionen
orientieren sich an den Kommentarspalten.
Wichtige Nachrichten-Seiten
https://www.sächsische.de/
www.dnn.de
www.mdr.de

6.) Umziehen:
"Das Potential aus dem in Städten wie Hamburg,
Berlin, oder auch Leipzig geschöpft werden kann,
wenn es um politische Ideen und Kreativität geht,
fließt Euch nicht unwesentlich aus den ländlichen
und kleinstädtischen Regionen Ostdeutschlands
zu! Merkt ihr das nicht?" Das hat David Begrich
in seinem offenen Brief "Liebe westdeutsche
Freund/innen" sehr treffend formuliert
http://telegraph.cc/liebe-westdeutsche-freund-innen/ . Wir
brauchen Menschen, die mit uns kämpfen. Zieht
nach Sachsen!

7.) Berichterstattung, die den Namen verdient:
Wir brauchen medialen Support, der emanzipato-
rische Forderungen und Kämpfe in den Vorder-
grund rückt und ihnen Öffentlichkeit verleiht.

Die sächsische Lokalpresse nimmt ihre journalistische
Funktion nicht wahr. Dazu zwei Beispiele:
I.) Im Mai 2019 hat das sachsenweite Bündnis pro-
Choice zum sechsten Mal in Folge nach Annaberg-
Buchholz mobilisiert, um gegen christlichen Funda-
mentalismus zu demonstrieren. Wieder mit dabei eine
Bühne und feministische Bands, Küche für alle und
zahlreiche Stände queerfeministischer und antifaschis-
tischer Initiativen - ein feministisches Straßenfest,
welches einen schillernden Rahmen für unsere Protes-
te bildete - diesmal zentral auf dem Annaberger
Marktplatz. Leider offenbar nicht schillernd genug, um
Medieninteresse jenseits der "Freien Presse Chemnitz"
zu wecken.

II.) Am 17. April 2018 wurde Christopher W. im erzge-
birgischen Aue bestialisch von drei (Neo-)Nazis er-
mordet. Der Tat gingen schon Wochen zuvor
physische Angriffe und schwulenfeindliche Äußerun-
gen voraus. Die sächsische Polizei kategorisierte die
Tat umgehend als politisches Tötungsdelikt, was die
Staatsanwaltschaft bis heute vehement verneint. Wenn
die lokale Presse überhaupt berichtete, übernahm sie
unkritisch die Aussagen von Staatsanwaltschaft und
den Anwält*innen der Täter. Unter dem Hashtag
#17zuViel gab es am ersten Todestag Christopher W.' s
sachsenweit Gedenkaktionen, welche die Dresdner
Medienlandschaft (außer www.addn.me) trotz Presse-
mitteilungen, Fotos und Video komplett ignorierten.

Bei all diesen Ereignissen haben wir (bis auf Einzelfäl-
le) aber auch die überregionale Berichterstattung ver-
misst, gerade von linken und solidarischen Medien.
Wo waren die Kolleg*innen vom ND, der taz, die lin-
ken Wochen- und Tageszeitungen? Uns ist klar, dass
das normalerweise die Aufgabe der Lokalpresse wäre,
aber die nimmt sie nur unzureichend wahr. Wenn Ihr
es nicht macht, macht es niemand.

Wir wollen hier nicht missverstanden werden. Das ist
kein 7-Punkte Plan, wie wir Sachsen bis zum Herbst
retten können. Egal wie die Wahl im Herbst ausgeht,
es wird hier in den nächsten Jahren oft anstrengend.
Natürlich werden wir die nächsten Monate dafür
kämpfen, dass es keine Koalition aus CDU und AfD
geben wird. Dafür brauchen wir auch euren Support.

Solidarische Grüße
critique'n'act // dresden
_________________________________________
A - I n f o s Informationsdienst
Von, Fr, und Ber Anarchisten
Send news reports to A-infos-de mailing list
A-infos-de@ainfos.ca
Subscribe/Unsubscribe http://ainfos.ca/mailman/listinfo/a-infos-de
Archive: http://www.ainfos.ca/de