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(de) fda-ifa: Gai Dao #97 - Zak Kostópoulos ist nicht vergessen Von: RalfDreis

Date Fri, 18 Jan 2019 08:04:12 +0200


Ralf Dreis berichtete in der Gai Dao No 95 11/2018 über den Mord an Zak Kostópoulos. ---- Über zwei Monate nach dem schrecklichen Lynchmord durch Geschäftsleute und Polizeibeamte am 33-jährigen LGBT-Aktivisten Zak Kostópoulos, am 21. September 2018 in Athen, wurde am 20. November endlich der offizielle Obduktionsbericht veröffentlicht. Zak Kostópoulos starb demnach an akutem Herzversagen auf Grund seiner vielen Verletzungen und des dadurch hervorgerufenen körperlichen und psychischen Stresses. Er hatte keinerlei Drogen konsumiert. Ohne jeden Zweifel sind das die Ergebnisse der toxikologischen und histologischen Untersuchungen des Gerichtsmediziners Grigóris Léon, des Vorsitzenden der Griechischen Gerichtsmedizinischen Gesellschaft.

Zak Kostópoulos litt also weder an einem Herzlei-
den, noch wurde in seinem Körper irgendeine "ver-
dächtige" Substanz nachgewiesen. Er verstarb auf
Grund der vielen verschiedenen Verletzungen an
stressbedingtem Herzversagen, eine halbe Stunde
nach dem ersten auf diversen Videos festgehaltenen
Lynchversuch der beiden Geschäftsinhaber in der
Gladstónosstraße. Dies bedeutet, dass sein Herz
während der folgenden Misshandlungen durch die
Polizeibeamten der berüchtigten DIAS-Motorradein-
heit, aufhörte zu schlagen.

Der Gerichtsmediziner Léon schließt in einer Stel-
lungnahme gegenüber der linken Athener Tageszei-
tung Efimerída ton Syntaktón (EfSyn) vom 21.
November "Drogenmissbrauch von Zak Kostópoulos
aus". Da alle Untersuchungen negativ waren, bedeu-
tet dies, "dass dieser Mensch in letzter Zeit keine
Drogen zu sich genommen hatte." Dies ist insofern
von Belang, weil viele Massenmedien, Nazis und die
beiden Geschäftsbesitzer von einem "versuchten
Diebstahl eines Junkies" gesprochen hatten. Im Ob-
duktionsbericht ist von "vielfachen Verletzungen am
ganzen Körper" die Rede,
wodurch "extremer körperli-
cher Stress" ausgelöst wurde,
der zum Tode führte. "Der
Herzmuskel bekam zu wenig
Sauerstoff um weiter Blut zu
pumpen und hörte auf zu ar-
beiten."

Eltern, Freund*innen, Akti-
vist*innen der außerparla-
mentarischen Bewegungen
und die EfSyn hatten wo-
chenlang auf verschiedenen
Ebenen Druck gemacht, da-
mit der Lynchmord aufge-
klärt und die Mörder zur Rechenschaft gezogen
werden. Erwähnt sei hierbei, dass in den ursprüngli-
chen Ermittlungsakten der Polizei weder die Miss-
handlungen der Ladenbesitzer noch diejenigen der
Polizeibeamten erwähnt wurden. Dagegen ist in den
Akten "von einem versuchten Überfall" und "Not-
wehr des Geschäftsinhabers" die Rede. Durch die
Veröffentlichung der Videos, die Demonstrationen in
vielen griechischen Städten, die wiederholten mas-
senhaften Plakataktionen in Athen und Thessaloníki
und die regelmäßige Berichterstattung linker Medi-
en, war Bürgerschutzministerin Olga Gerovasíli (Sy-
riza) Anfang November gezwungen im staatlichen
Sender ERT öffentlich zu versprechen, dass "der Fall
bis ins letzte Detail untersucht und aufgeklärt" wer-
de.

Der am Lynchmord beteiligte 55-jährige Häusermak-
ler, der darüber hinaus seit Jahren als Pressekoordi-
nator der kleinen rechtsradikalen Partei Patriotikó
Métopo (Patriotische Front) in Athen fungiert und
über gute Kontakte zu Chrysí Avgí (Goldene Mor-
genröte) verfügt, war - wohl ermutigt durch den
langen Stillstand der Ermittlungen - im Oktober
durch schwulenfeindliche und faschistische
Hetze gegen Zak und seine Familie in den
sozialen Netzwerken aufgefallen.


Bürgerschutzministerin Gerovasíli sah sich
im Radiosender "News24/7" vom 21. No-
vember zu der Stellungnahme gezwungen,
den "Abschluss der polizeilichen Untersu-
chungen in wenigen Tagen" anzukündigen,
und führte die Verzögerungen darauf zu-
rück, "dass drei Mal der verantwortliche
Leiter der Untersuchung ausgewechselt
werden musste".

Am 28. November schloss sich Amnesty In-
ternational (AI) der breiten Bewegung zur
Aufklärung des Mordes an Zak Kostópoulos an. In
der Stellungnahme von AI wird die schwere Verant-
ortung der Polizei am Tod des LGBT-Aktivisten
hervorgehoben, die dafür zur Rechenschaft gezogen
werden müsse.

Am 30. November verhängte die Nationale Radio-
und Fernsehkommission, eine Art nationaler Ethi-
krat, gegen den Fernsehsender ART TV, der sich im
Besitz des rechtsradikalen, christlichen Fundamenta-
listen und ehemaligen Parteivorsitzenden der rechts-
fundamentalistischen Partei Laós befindet, eine
Strafe von 150.000 Euro wegen der Durchführung ei-
ner abartigen Meinungsumfrage zum Lynchmord.
Die Kommission bewertete dies als "Beleidigung und
Schädigung des Ansehens Verstorbener".

Am selben Tag kam schließlich auch der zweite, von
der Familie Kostópoulos beauftragte, unabhängige
Gutachter Sotíris Tsantíris zu dem gleichen Ergebnis
wie der Gerichtsmediziner Léon. In seinem Gutach-
ten führt er 22 Verletzungen auf, wovon die 14
Schwersten am Kopf des Opfers zu finden sind.

Am 3. Dezember wurden Teile der Anklageschrift
bekannt. Darin ist laut informierten Quellen davon
die Rede, dass die Schläge und Tritte der Polizeibe-
amten todesrelevant gewesen sein könnten. Die Be-
amten erhielten bis zum 12. Dezember Zeit ihre
Aussagen vorzubereiten.

Am 6. Dezember 2018, dem zehnten Jahrestag der
Ermordung des 15-jährigen Schülers Aléxandros
Grigorópoulos, der in der anarchistischen Szene
Athens aktiv war, demonstrierten zehntausende
Menschen in vielen griechischen Städten gegen Poli-
zeigewalt und staatliche Unterdrückung. In Athen,
Thessaloíki und Vólos kam es dabei zu heftigen Aus-
einandersetzungen mit starken Polizeikräften. Die
Demonstrant*innen errichteten brennende Barrika-
den und griffen die Polizei mit Steinen und Molo-
towcocktails an, während diese Tränengas,
Blendschockgranaten und in Athen Wasserwerfer
einsetzte. Es kam zu 65 vorläufigen Festnahmen in
Athen und 52 in Thessaloníki.
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