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(de) FDA-IFA, Gai Dào N°91 Juli 2018: Von Deutschland nach Rojava – aus der Sicht eines jungen Anarchisten Von: Serhildan Ciwan

Date Thu, 26 Jul 2018 10:31:19 +0300


Das hier ist gleichzeitig eine Art letzter Brief, als auch eine Angriffserklärung. Es ist sowohl Bekennerschreiben, als auch persönliche Reflektion. ---- "Es gibt nur eine Sache, die größer ist, als die Liebe zurFreiheit. Der Hass aufdiejenigen, die sie dir wegnehmen." ---- - Che Guevara ----- Ich fühle mich als Teil einer unterdrückten und wütenden Jugend, die man versucht, gewaltig zu verarschen. ---- Während man von uns fordert, größt(un)mögliche Leistung zu erbringen, uns den Zwängen des Kapitals zu unterwerfen, die Normen und Werte dieser heuchlerischen Gesellschaft anzunehmen, nach oben zu buckeln und nach unten zu treten und uns selbst zu "optimieren", sprich ohne Rücksicht auf unsere eigenen Bedürfnisse und ehrlichen Träume immer zu funktionieren, sollen wir das alles im Hinblick auf ein mögliches späteres "reiches" Leben tun.
Mal abgesehen davon, dass dieser Weg für nur einige
ganz wenige funktioniert, die von Anfang an in die
richtigen Klassen hineingeboren wurden, oder
die ihre Ellenbogen am rücksichtslosesten einsetzen,
während der absolute Großteil dabei auf der Strecke
bleibt, sich sein Leben lang kaputtschuften wird und da-
bei psychisch zugrunde geht, ist das, was uns da als er-
strebenswert verkauft wird, in keinster Weise ein Leben,
was es zu führen wert ist. Für das Leben, das ich gerne
führen würde, brauche ich nicht viel Geld, sondern Frei-
heit. Echte Freiheit, zu tun was ich mag, um mich frei
entfalten und leben zu können. Nicht die falsche Freiheit,
andere ausbeuten und dafür Cocktails im Mercedes
schlürfen zu können, wenn man es überhaupt bis dahin
schafft. Ihr versucht uns Scheiße als Gold zu verkaufen!

In einigen Ländern Europas haben Teile der Jugend be-
reits begriffen, dass sie in diesem System nichts zu
gewinnen und von dieser Welt nichts zu erwarten haben.
In Frankreich, Griechenland, Italien und einigen anderen
Standorten des Westens ist die Ju-
gend dabei zu revoltieren und
macht klar deutlich, dass sie dieses
verlogene Spiel, das sie nur verlie-
ren kann, nicht mitspielen wird.
Ich fühle mich als Teil dieser "Un-
governable Generation". Jedoch
habe ich das Gefühl, damit hier
weitestgehend auf verlorenem
Posten zu stehen. Die Jugend, die
eigentlich zuvorderst kämpfen
und ihr Leben selbst in die Hand
nehmen sollte, ist in diesem Land
größtenteils ein Ausdruck von
Ignoranz, Konservatismus und die
Vollendung der neoliberalen Welt-
herrschaft. Ich merkte mit der
Zeit, dass es auch von den ganzen
"Linksradikalen", "Anarchist*in-
nen" und "Revolutionär*innen" (fast) keine*r wirklich
ernst meint. Die meisten sind einfach feige Staats-
bürger*innen, die, auch wenn sie gerne jammern und
sich über die "Übel" der Welt beklagen, im Grunde als
passive Sklav*innen zufrieden sind.

Deshalb für alle, die es ernst meinen und dieses Gefühl
mit mir teilen:
Der Aufstand ist das einzige, was wir noch tun können.
Die Realität der kapitalistischen Moderne hat eine Totali-
tät erreicht, der mit "vernünftig mit den Leuten reden"
und dem Versuch des Aufbaus von Alternativprojekten
nicht mehr beizukommen ist.

Der Einfluss von mittlerweile jahrzehntelanger Indoktri-
nierung durch einen ideologisch-technologisch-sozialen
Machtkomplex hat sich tief in die Gesellschaft einge-
schrieben. Wir scheinen an einen Punkt gekommen zu
sein, an dem sich die Herrschaft neben einem sich zu-
nehmend faschisierenden autoritären Polizei- und Über-
wachungstaat, vor allem auf die Kollaboration und
Unterwerfung der Menschen stützt. Freiwillige Unter-
werfung ist das Mantra unserer Zeit. Dazu braucht es
nicht einmal unbedingt die offene Repression. Die Herr-
schaft dieser Welt ist soweit vorangeschritten, dass sie in
den Menschen selbst zu stecken scheint. Sie hat die Mo-
ralvorstellungen pervertiert, beeinflusst die zwischen-
menschlichen Beziehungen, verändert den Umgang
miteinander/gegeneinander (die "radikale Linke" nicht
ausgenommen), lenkt die Bedürfnisse der Menschen und
unterzieht alles dem Zwang der "Alternativlosigkeit". Sie
ist auch bis in die letzte Nische menschlichen Lebens ein-
gedrungen und hat dort die Kontrolle übernommen.
Nicht zuletzt durch seine technologisch-soziale Kompo-
nente hat das System die Menschen in den imperialis-
tischen Metropolen dazu gebracht, seine ideologischen
Diktate als eigene Werte anzunehmen und
sich selbst eifrig zu einem Zahnrad zu
verstümmeln, das mit der geringstmögli-
chen Reibung funktioniert.

Für mich scheint es in der hochtechnolo-
gisierten städtischen Gefängnisgesell-
schaft nur noch die Wahl zu geben
zwischen vollständiger Unterwerfung
oder vollständiger Revolte.

Es scheint mir pure Naivität und Blauäu-
gigkeit, zu glauben, hier noch etwas be-
einflussen oder zum Besseren lenken zu
können und auf ein "Erwachen" der Men-
schen zu hoffen. Schaut man sich die Aus-
wirkungen dieser Welt der
kapitalistischen Moderne auf die Men-
schen in den imperialistischen Metropolen an, auf wen
will man da hoffen? Etwa auf diejenigen, die zwar mit
erschöpften Augen auf die Welt schauen, sich in ironi-
schem Fatalismus aber doch an die Ordnung halten? Auf
die verbitterten Konsument*innen und Kinder dieser un-
verfroren heuchlerischen, nach Geld verrückten Gesell-
schaft? Auf die Zyniker*innen, die sich nichts Besseres
für sich vorstellen zu können scheinen, als das, was ih-
nen die mit dem Hamsterrad hausieren gehende Gesell-
schaft anbietet? Oder auf die, die die Köpfe in den Sand
des Idealismus stecken, um sich ihrer individuellen Fä-
hig- und Möglichkeiten und den daraus folgenden Ver-
antwortlichkeiten zu entziehen? Die Wahrheit ist doch,
dass allen die dem System inhärente, zum Himmel
schreiende Ungerechtigkeit dieser Welt bewusst ist, es
sind nur die meisten schon derart entfremdet und ver-
sklavt, dass es sie nicht einmal zu berühren scheint. Die-
se in der Gefängnisgesellschaft Eingeschlossenen
klammern sich an den zunehmend totalitären und re-
pressiven Staat wie ein Ertrinkender an einen Ast, da er
die letzte Barriere zu sein scheint, die ihre Lebensweise
noch schützt, inmitten der im Chaos versinkenden Welt.
Einem Chaos, das jedoch von genau diesem Staat durch
Krieg, Verarmung, Massenvertreibung, Zerstörung des
Ökosystems usw. verursacht wird.

In einer derart verroteten Gesellschaft kann es keinen
Aufbau geben, es muss erst der Abriss der alten Welt
sein. Unsere Praxis sollte sein, eine anarchistische Ver-
schwörung zu organisieren mit dem Ziel, alle Staaten
Europas zu zerstören!

In Rojava und auch anderen kurdisch bewohnten Teilen
des Mittleren Ostens findet derzeit ein Aufbauprozess
statt, der aufgrund seines rätedemokratischen, emanzi-
patorischen und ökologischen Charakters als revolutio-
när bezeichnet werden kann.

Im Zuge des sogenannten "Arabischen Frühlings" bra-
chen 2011 auch in Syrien Proteste gegen das autoritäre
Assad-Regime aus. Der mehrheitlich kurdisch bevölkerte
Norden Syriens war dabei eine der oppositionellen
Hochburgen. Mit der gewaltsamen Niederschlagung der
Proteste und der Bewaffnung vieler verschiedener Grup-
pen entwickelte sich der Protest schon bald zu einem
Bürgerkrieg, in dem verschiedenste Gruppen verschie-
denste Ziele verfolgen.

Als die syrische Regierung Ende 2013 die Kontrolle über
die Regionen an der Nordgrenze des Landes aufgab und
ihre Truppen abzog, übernahmen die YPG/YPJ dort Stück
für Stück die Kontrolle, in dem sie den sogenannten IS
heldenhaft und unter großem Opfern vertrieben. Jedoch
verlor das Regime nicht nur militärisch die Kontrolle
über Rojava, sondern mit dem Zusammenbruch und
Zerfall der staatlichen Institutionen und Infrastruktur
auch politisch, und es kamen die schon zuvor in der
Region existierenden Strukturen der kurdischen Kräfte
zunehmend zum Tragen und versuchten die gesellschaft-
liche Verwaltung zu übernehmen. Anfang 2014 wurde
dann in den drei Kantonen Cizîrê, Kobanê und Efrîn
nacheinander die Selbstverwaltung etabliert. Seitdem
wird nach dem von Öcalan entworfenen Konzept des De-
mokratischen Konföderalismus unter den schwierigen
Bedingungen des Krieges versucht, mit anderen in der
Region lebenden Volksgruppen ein neues autonomes und
demokratisches Gesellschaftsmodell aufzubauen.

Öcalan schreibt, dass ein Chaosintervall, welches er als
chaotischen krisenhaften Prozess beschreibt und welches
sich qualitativ von den "normalen" Krisen des Kapitalis-
mus abhebt, die notwendige Voraussetzung für radikale
Veränderung darstellt. Symptom eines solchen Chaosin-
tervalls ist z.B. der staatliche Zerfall, wie er aktuell im
Mittleren Osten nicht nur in Syrien zu beobachten ist.

Laut Öcalan sind wir gerade Zeug*innen davon, wie im
Mittleren Osten der Staat als Institution dort, wo er vor
6000-7000 Jahren in Mesopotamien auch entstanden ist,
in seine größte Krise gerät und Auflösungserscheinun-
gen zeigt. Natürlich ist das alleine keine Garantie für ge-
sellschaftlichen Fortschritt, aber das Zerfallschaos
eröffnet uns die Möglichkeit, Territorium zu überneh-
men. Dort liegt es dann an uns, was wir aus unserem
Territorium machen und daran, die Form, welche das
Chaos annehmen wird, zu beeinflussen.

"Das Leben in unsere eigenen Hände zu nehmen bedeutet,
fähig zu sein, uns selbst zu schützen aus Gründen der
Selbstachtung. Es bedeutet Gegenangrifffür die Anarchie."

- Unbekannte aus Athen -

Jedoch wird hier in den imperialistischen Zentren, den
Metropolen des Kapitals - angesichts der wachsenden
Übermächtigkeit und Stärke des Staates und der Ver-
bundenheit großer Teile der Bevölkerung mit seiner Welt
– der Staat nicht von selbst zerfallen. Die Tatsachen, dass
Staaten hier gewachsen sind und nicht wie im Mittleren
Osten willkürlich geschaffen wurden, somit auf einem
starken Narrativ beruhen, das durch große Teile der Be-
völkerung geglaubt und reproduziert wird, dass eine
(kleiner werdende) Mehrheit der Bevölkerung tendenzi-
ell noch Profiteur*innen sind, da der Staat die von ihm
produzierten aufkommenden Krisen immer wieder auf
andere abwälzen kann und dass das deutsche Bürgertum
traditionell eher faschistoid als aufständisch eingestellt
ist, machen es sehr unwahrscheinlich, dass wir in den
nächsten Jahren Zeug*innen von staatlichen Auflö-
sungserscheinungen werden - unser Chaosintervall müs-
sen wir selbst herbeiführen!

Den Staat angreifen, zur insurrektionellen Propaganda
und um ihn logistisch zu schwächen. Ihn in Communi-
qués politisch diffamieren. Ihn immer mehr in seine Wi-
dersprüche verwickeln, die Lage zuspitzen, ihn politisch
und logistisch in seine größte Krise treiben. Aufständi-
sche Aktionen wie Sabotage, Plünderungen/Enteignun-
gen, Vandalismus, gezielte Angriffe (insbesondere auf
Orte deutsch-türkischer Zusammenarbeit) etc. durchfüh-
ren.

Den sozialen Krieg eskalieren, denn wenn die Bevölke-
rung polarisiert wird, zeichnen sich die Fronten klarer ab
und es kann die Verbundenheit und Unterstützung für
den Staat deutlicher als das gesehen werden, was sie ist:
aktive Teilnahme an der Unterdrückung und Repression.
Dann wird sich auch zeigen, wer aus der Bevölkerung
letztendlich bereit ist zu kämpfen und für wen aus der
"linksradikalen Szene" das alles von Anfang an nur theo-
retische Überlegungen waren, um sich bei der eigenen
Integration ins System trotzdem noch moralisch überle-
gen fühlen zu können.

Natürlich besteht der Aufstand nicht nur aus der Mili-
tanz auf der Straße, wir brauchen insurrektionelle Paral-
lelstrukturen, sonst bleibt das ganze eine Eintagsfliege.
Um einen deutschen Anarchisten, der in der YPG kämpf
tzu zitieren: "Heute ist nicht die Zeit, um zuhause zu
sitzen und über das, was sein könnte zu fantasieren, heu-
te heißt es Aufstand und Widerstand." Jedoch nicht aus
purem Altruismus, moralischer Erhabenheit oder irgend-
einer revolutionären Pflicht heraus. Sondern für uns
selbst. Um uns von dieser Welt, die uns fesselt und ent-
fremdet, die uns verzweifelt und depressiv macht und die
uns für Träume und Verlangen, die wir haben, bestraft
und ausschließt, zu befreien. Durch die Zerstörung dieser
Welt. Im Riot fühle ich etwas Großes, was über mich hin-
ausgeht. Du denkst nicht mehr, du wirst dich selbst los,
du handelst nur noch und diese Handlungen sind ehrlich.
In dieser falschen, verlogenen, heuchlerischen Welt fin-
den wir Ehrlichkeit im Abriss all dessen, was uns so
kaputt macht und uns so verhasst ist. Dabei sollten aus
meiner Sicht gerechterweise Frauen* zuvorderst angrei-
fen dürfen.

"Nobody wants to talk to me
but everyone wants to walk with me
yeah i've always been that kid
maybe i won't be ifi lived
long enough but i think i'ma die now
i just keep it to myselfand try not to cry too loud"

- Lil Peep -

Das Grausamste an der herrschenden Welt ist für mich,
was sie mit unserer Psyche und unseren Emotionen
macht. Sie fügt manchen von uns mit Worten nicht zu
beschreibende innere Schmerzen zu. Menschen werden
in diesem System zunehmend isoliert und verkümmern
als einsame, belanglose Individuen. Diese Welt lässt sie
sich alleine und verlassen fühlen und ihre Existenz als ei-
ne einzige Sinnlosigkeit erleben. Uns wird das Gefühl ge-
geben, nichts wert zu sein und einige von uns gehen an
Depression und Selbstzweifeln zugrunde. Viele entwi-
ckeln Schutzmechanismen dagegen, härten ab, werden
taub, gefühllos, rücksichtslos, zynisch, fangen an, das
Verhalten zu reproduzieren, das sie einmal so verletzt
hat. Andere fühlen sich zu schwach – was nichts
schlechtes über sie aussagt – haben Angst, ziehen sich
zurück, verzweifeln, wollen nicht mehr leben. Die meis-
ten versuchen zu verdrängen. Für viele ist das Leben in
diesem System ein täglicher Kampf mit den eigenen Ge-
fühlen und Gedanken. Viele haben traumatisierende Er-
fahrungen hinter sich. Alle stehen unter
Leistungszwang, unter innerer Anspannung angesichts
des Drucks, funktionieren zu müssen, obwohl sie sich in-
nerlich eigentlich nur nach Ruhe und Frieden sehnen.
Viele fühlen sich kraftlos, haben das Gefühl, einfach
nicht mehr weiter zu können. "Burnouts" nehmen zu,
Suizide nehmen zu. Ich denke, dass es mehr Menschen so
geht, als jene die es zugeben wollen. Mir geht es so.

"We are not in the least afraid ofruins. We are going to in-
herit the earth.
We carry a new world here, in our hearts. That world is
growing in this minute."

- Buenaventura Durruti -

Ich spreche die ganze Zeit von "dieser Welt". Damit mei-
ne ich die herrschende Welt, in der wir auf dieser Erde
leben. Es wäre auch eine andere Welt auf dieser Erde
möglich. Ich benutze den Begriff, weil angesichts der
Annahme und Reproduktion der Herrschaft durch viele
Menschen, vor allem auf der psychisch-emotionalen
Ebene, es zu kurz gegriffen wäre, zu behaupten es sei nur
der Staatsapparat, der uns beherrscht, denn es ist auch
das Soziale. Die meisten Menschen, auch viele "Genos-
s*innen", reproduzieren die herrschende Mentalität und
daraus folgende Verhaltensweisen, Habitus und Umgang
miteinander und tragen einen großen Teil zu den Leiden
derjenigen bei, die noch ehrlich fühlen und die Härte
und Kälte des Systems nicht aushalten.

Das ist der Hauptpunkt, der sich im Aufstand von An-
fang an ändern muss. Diejenigen, die es ernst meinen
und entschlossen sind, als eine Art Metropolen-Guerilla
den Kampf David-gegen-Goliath gegen den Staat und
seine Welt zu führen, dürfen im Aufstand nicht verrohen
und die patriarchale Kultur der Männlichkeit und Härte
reproduzieren. Vielmehr sollten wir versuchen, den Geist
dessen, für was wir kämpfen, schon im Kampf in uns zu
tragen und durch die insurrektionelle Praxis wahre He-
valtî, echte Kompliz*innenschaft entstehen zu lassen.
Dazu gehört, Rücksicht aufeinander zu nehmen, ehrlich
zu sein, auch mal Schwäche zuzulassen, Geschlechter-
rollen, sowie die Konkurrenz untereinander zu überwin-
den und aufzuhören neoliberal-kapitalistische Logik und
bürgerliche Eigenschaften zu reproduzieren.

"Ifyou can't find something to live for, you best find some-
thing to die for."

- Tupac Shakur -

Den Angriff des faschistischen türkischen Staates auf
Afrin begreife ich als einen Angriff auf mich selbst und
auf alle Revolutionär*innen weltweit. Es ist nicht bloß
Zufall, dass alle großen Mächte des Systems dem faschis-
tischen Angriffskrieg der Türkei ihre stille Zustimmung
durch Schweigen bis offene Unterstützung durch Waf-
fenlieferungen und die Verfolgung kurdischer Revolutio-
när*innen in der Diaspora geben. Sie wollen das
revolutionäre Projekt Rojava vernichtet sehen, genauso
wie alles andere revolutionäre und aufständische welt-
weit. Dieser Angriff ist nicht nur eine kurdische Angele-
genheit, sondern er gilt allen, die gegen die herrschende
Ordnung dieser Welt kämpfen. Es ist der Krieg der
Mächtigen und ihrer dummen Diener*innen gegen alle,
die sich nicht unterwerfen wollen.

Ich werde dieser Welt nie verzeihen, was sie mit mir
gemacht hat.

Die Entscheidung nach Rojava zu gehen, um ein Revolu-
tionär zu werden ist sowas wie mein persönlicher/indi-
vidueller Aufstand und der Ausbruch aus dem Gefängnis,
das die Herrschenden in Europa um unseren freien Geist
gebaut haben. Es ist der Entschluss, mich zu erheben und
zu kämpfen, anstatt mich zu un-
terwerfen und aufzugeben. Ich
will hier lernen, Perspektiven
entwickeln und unseren größten
revolutionären Hoffnungsschim-
mer verteidigen!

Niemand wird kommen um dich
zu retten, Genoss*in!
Erhebe dich jetzt!
Befreie dich von allem!
Lang lebe die Anarchie!

Anmerkung des Autors:

Dies ist keine umfassende
politische Analyse. Wer an so et-
was interessiert ist, dem empfehle
ich “Das Unsichtbare Komitee –
Jetzt” und “Öcalan – Jenseits von
Staat, Macht und Gewalt” zu le-
sen. Das hier sind nur subjektive
Ansichten, Eindrücke und Gefühle - resultierend aus
meiner alltäglichen Erfahrung.

Da ich mich selbst, was so etwas angeht, nicht so gut
ausdrücken kann, habe ich einige Formulierungen aus
bereits existierenden Texten von Gleichgesinnten über-
nommen, die das vor mir bereits besser hingekriegt ha-
ben und die ich bitte, mir das nicht übel zu nehmen.
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