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(de) Gai Dao #84 - Ein paar Worte an meine Kritiker Von: Maurice Schuhmann

Date Sun, 10 Dec 2017 08:00:43 +0200


Es freut mich, dass mein polemischer Beitrag aus der Oktoberausgabe der Gai Dao zur Diskussion führt und auch Reaktionen provozierte. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob das Format der Gai Dao geeignet ist, diese Diskussion zu führen. Dennoch möchte ich kurz
auf ein paar Aspekte eingehen. ---- Ad "Einen Anarchismus bitte...": ---- Ich gehe damit konform, dass der Anarchismus stets darauf bedacht sein muss, Herrschaft zu kritisieren und zu bekämpfen. Damit bin ich völlig konform. Ich halte es aber für notwendig, dass diese Herrschaftskritik aus den theoretischen Grundlagen des Anarchismus und von dessen Basisüberlegungen her kommt. Dies sehe ich in den klassischen anarcha-feministischen Texten aus den USA (z.B. Carol Ehrlich und Peggy Kornegger) allerdings nicht. Zum anderen möchte ich mich auch dagegen verwehren, den Anarchismus auf die Herrschaftskritik zu reduzieren. Ich denke, dass dies eine Verkürzung dessen ist, was Anarchismus ausmacht. Hierzu zählen für mich u.a. Föderalismus und freie Assoziation.

Was die Debatten um den Anarcho-Syndikalismus angeht, gestehe ich
ein, dass es sehr kurz geraten ist - daher vielleicht zu verkürzt
ausgedrückt ist. Die Auseinandersetzung mit dem Anarcho-
Syndikalismus würde auch jetzt etwas den Rahmen sprengen und
würde ich wenn gerne in einem anderen Rahmen darlegen.

Ad "So wie es ist, darf es nicht bleiben!":

Ich muss dem Autoren gleich widersprechen. Ich meine Aussagen
schon ernst. Es ist zwar richtig, dass ich das Wort "rein" in
Anführungszeichen gesetzt habe. Die "reine Lehre" assoziiert man
eher mit anderen Strömungen und ich wollte daher diesen Begriff
nicht unreflektiert benutzen. Zum anderen ist mir aber kein besserer
Begriff in den Sinn gekommen, um mein Vorstellung zu beschreiben.

Die Kritik, die sich im dritten Abschnitt äußert ("Schaue ich auf..." )
geht an meiner Intention vorbei. Mir geht es darum, den Anarchismus
als eine Theorie zu verstehen, d.h. es werden gewisse
Grundannahmen getroffen, auf deren Grundlage mensch
Rückschlüsse zieht, den aktuellen Zustand beschreibt, Herrschaft
kritisiert und Gegenentwürfe entwickelt. Die Entwicklung dieser
kann immanent nur auf Basis jener Fragmente logisch entstehen.
Wenn ich einzelne Fragmente austausche oder negiere bzw. mit
anderen Elementen versehe, komme ich automatisch zu anderen
Ergebnissen. Hierfür fehlt mir bei vielen die Reflexionsebene. Es
werden einzelne Facette der Basis mit unterschiedlichen
Schlussfolgerungen, die auf völlig anderen theoretischen Grundlagen
beruhen, zusammengewürfelt und es fehlt völlig eine Kohärenz, die es
ermöglicht eine theoretisch fundierte Praxis zu entwickeln.

Eine Weiterentwicklung des Anarchismus kann meiner Meinung
nach nur stattfinden, wenn aus sich heraus die Grundlagen reflektiert
und erweitert werden, aber nicht, wenn es zu einer unreflektierten
Verbindung mit anderen Theorem kommt. Darauf bezieht sich auch
mein - hier wertneutral benutzter - Begriff "rein".

Was den Lifestyle-Anarchismus angeht, hoffe ich dir mit meinen auch
nur sehr kurzen Ausführungen über Theorie eine Gegenposition
offeriert zu haben. Der Lifestyle- oder Gefühlsanarchismus kann sich
ja gerne als anarchistisch gebärden und anarchistische Positionen
vertreten, aber mir geht es um einen theoretisch fundierten
Anarchismus, der es ermöglicht gesellschaftliche Veränderungen
herbeizuführen oder zumindest anzuregen.

Ich denke, dass der Lifestyle- und Subkulturanarchismus sowie
Neoanarchismus den Anarchismus zeitweilig zwar wiederbelebt hat,
ihn aber gleichzeitig auch in eine neue Sackgasse geführt hat.

Basierend auf den Reaktionen fände ich es spannend, wenn es
vielleicht eine Sonderausgabe der Gai Dao zum Thema gäbe, wo die
Beitragenden auch ein bisschen mehr Platz für Ihre Beiträge hätten.
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