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(de) FDA-IFA Gai Dào N°82 - Wie Anarchismus lieber nicht verteidigt werden sollte - zu Jens Störfrieds Kritik an Daniel Loick Von: Hyman Roth

Date Wed, 25 Oct 2017 10:13:03 +0300


Anmerkung der Redaktion: Die Veröffentlichung dieses Textes hat sich aufgrund von technischen Gründen verzögert, sodass ein Erscheinen erst in dieser Ausgabe möglich war. ---- In "Gai Dào" Nr. 79 rezensierte Jens Störfried das Buch "Anarchismus zur Einführung" von Daniel Loick. Durch die ganze - durchaus lesenswerte - Rezension zieht sich die folgende Kritiklinie durch, über die es nötig erscheint, ein paar Wörter zu verlieren. Störfried nimmt Loick übel, dass dieser über Anarchismus schreibt, ohne selber Anarchist zu sein (als "nicht-involvierter Sozialwissenschaftler" ), dass er Anarchismus analysiert, anstatt Anarchist*innen zu interviewen: ---- "Wenngleich ich persönlich hierbei vollkommen mitgehe, stört mich die anmaßende Perspektive eines sozialwissenschaftlichen Erklärbären, der über, aber nicht mit Anarchist*innen redet."

Klar, mit Anarchist*innen zu reden ist meist eine ganz gute Idee, aber
wenn sich ein*e Autor*in vorgenommen hat, über Bakunin oder Kro-
potkin zu schreiben, dann ist es durchaus legitim, sich auf schriftliche
Quellen zu stützen. Auch zeitge-
nössische Anarchist*innen schrei-
ben ihre Gedanken auf, damit
andere Menschen ihnen zustim-
men oder widersprechen können,
ohne sie persönlich zu treffen. Das
sind schlicht die Vorteile der
Schriftsprache, darüber mögen die
Anarchoprimitivist*innen an diese
Stelle nicht sauer sein.

Anarchismus ist doch weder eine
säkulare Religion, noch bloße Ge-
schmackssache. Wenn jemand -
sei es ein Akademiker wie Loick,
sei es ein Putzmann oder eine KfZ-
Mechanikerin - Einwände gegen
anarchistische Argumente hat,
dann sollten sie ernst genommen werden. Oder dürfen nur Anar-
chist*innen über Anarchismus schreiben - dann sollten sich auch nur
die Anhänger*innen der FDGO über die Bundesrepublik und nur gläu-
bige Moslems über die IS äußern dürfen?

"So gut die Einführung inhaltlich ist, wird auf den letzten Seiten noch
mal deutlich, dass der Autor trotz aller Sympathie eine Betrachtung von
außen vornimmt. Um noch mal was diskutieren und seine theoretische
Brillianz darzustellen zu können, konstruiert Loick am Ende eine[sic!]
künstlichen Widerspruch zwischen einer Ordnung - die Anarchie laut
Proudhon wäre - und der Unordnung, die sie tatsächlich auch ist und
sogar sein sollte, damit alles immer in Bewegung bleibt (S. 218ff.). Noch-
mals wird hier von außen oder gar von oben herab, erklärt, dass anar-
chistisches Denken an einigen Stellen zu kurz greife, aber mit dem
Begriffder "Praxis" das Potenzial besitzen würde, Anarchie zu verwirk-
lichen. So muss der nicht-involvierte Sozialwissenschaftlicher offensicht-
lich erst die Gegensätze aufmachen, die er dann clever vermitteln
kann."

Über künstliche und echte Widersprüche sollte der Verfasser der Rezen-
sion, der wie die Leserschaft von "Gai Dào" seit Ausgabe Nr. 74 wissen
darf, in erklärter Feindschaft zur aristotelischen Logik steht, lieber
Schweigen bewahren. 1 Wenn Störfried ernsthaft die Position vertritt,
dass es "im anarchistischen Denken nicht um Entweder-Oder, sondern
um das Denken von Ineinander und Gleichzeitigkeiten" geht, bedeutet
dies eigentlich, dass der Staat
gleichzeitig abgeschafft und nicht
abgeschafft sein kann, dass Anar-
chokommunismus und Anarcho-
kapitalismus ineinander gedacht
werden können usw.?

Schließlich resümiert Störfried:
"Er sollte sich aber nicht zum Guru
machen lassen oder nun als Anar-
chismus-Experte auftreten. Wird
Anarchismus expertenhaft erklärt
anstatt gelebt zu werden, ist er ver-
loren. Angemessen wäre es, wenn
der Autor etwas vom verdienten
Geld an die kämpfende Bewegung
weitergibt."

Wieso soll eigentlich Radikaldemokrat Loick Geld einer "kämpfenden"
Bewegung spenden, wenn er, wie es Störfried nicht entgangen ist, Kritik
an dieser hat? Wenn Anarchismus mehr als Lifestyle ist, dann soll er
auch erklärbar sein, wenn nicht - kann mensch niemandem verübeln,
dass ihm andere Lifestyle-Angebote besser gefallen.
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[1]Jens Störfried: Syndikalismus als verinnerlichte Haltung? Was wird und was will "Tsveyfel"? // Gai Dào. Nr. 74. 2017. S. 28. Dort bemängelt Störfried den Anspruch, etwas begrifflich zu
erfassen. Es wird quasi als allgemein-gültige Erkenntnis behauptet, dass Erkenntnis nicht allgemein-gültig sein kann; wenn der Anspruch aufWahrheit als "falsch"zurückgewiesen wird,
unterstellt das schon die Unterscheidung von richtig und falsch, also Wahrheit (anders gesagt: eine Vorstellung als Irrtum zurück zu weisen unterstellt, dass man auch Richtiges wissen kann);
es wird für die Einsicht gestritten, dass richtige Einsicht nicht geht.
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