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(de) FdA/IFA, gai dao #81 - Ein Reisebericht zum "Rettet die Wahlen"­ Event für Stammwähler, Unentschlossene und Anarchisten! Von: Einige Menschen aus der Anarchistischen Gruppe Dortmund

Date Thu, 21 Sep 2017 08:09:13 +0300


Am 25. August waren wir von der Anarchistischen Gruppe Dortmund zu Gast bei dem "Rettet die Wahlen"-Event von Open Globe Bielefeld und vor allem der Band Unknown Skartist. ---- Doch was ist überhaubt diese „Rettet die Wahlen"-Initiative?! ---- Unknown Skartist schreiben dazu: ---- „Wir machen uns Sorgen um unser politisches System: Einflüsse von Lobbys und Konzernen werden größer, populistische Stimmungsmache alltäglicher und konstruktive Diskussionen von Menschen unterschiedlicher Meinungen gleichzeitig seltener.“ ---- Und in ihrem Song „Rettet die Wahlen“ heißt es: ---- „Redet mit allen Komplizen und Rivalen Mitte und Radikalen – Rettet die Wahlen! ---- Redet mit jedem, der Redet mit jeder, die keinen Bock mehr hat – AufDemokratie!“ ---- Da wir radikal sind, also Probleme von der Wurzel an versuchen zu lösen, sowie keinen Bock mehr auf Demokratie haben, fühlten wir uns angesprochen und schrieben die Band an, um eine mögliche Zusammen-
arbeit auszuloten. Einige Mails später wurden wir
dann zu dem "Rettet die Wahlen"-Festival in der Neuen Schmiede in
Bielefeld eingeladen, um an einer Worldcafé-Diskussion teilzunehmen.
Passenderweise hatte die Veranstaltung nun auch den Untertitel „für
Stammwähler, Unentschlossene und Anarchisten“.

Also dann voller Vorfreude auf einen spannenden Abend ab nach Biele-
feld. Beim Ankommen fällt zuallererst der für den Anlass großartige
Veranstaltungsort auf. Die Neue Schmiede ist ein sympatischer, einla-
dender Veranstaltungsraum, welcher dem stattfindenen Event solida-
risch gegenüber stand (leider mit religiös-christlichem Hintergrund).

Beim Eintreten in den Raum lief bereits eine Diskussionsrunde: In drei
Stuhlkreisen wurde hier gerade über die Legalisierung von Marihuana
diskutiert. Nach der Begrüßung bauen wir erstmal unseren mitge-
brachten Infotisch auf und nehmen an einer Vorbesprechung mit allen
anwesenden Initiativen im Backstage-Bereich zum World Café teil.

Zwischen Pause und Beginn des World Cafés kommen bereits die ersten
an unseren Positionen Interessierten zu uns, welche die Diskussion
beim World Café nicht abwarten können. Es hat für Aufregung gesorgt,
dass wir am Event teilnehmen — Wer sind diese Anarchist*innen und
was wollen sie?

Zu Beginn der Diskussion
stellen sich alle anwesenden
Intiativen zur Vorstellung
einmal auf. Von Critical
Mass bis zu AK Asyl sind
einige Initiativen dabei, die
wir sehr begrüßen und wel-
che zumindest in Teilen an-
archistischen Positionen
oder Praxis nahe stehen, wie
auch später von einigen
Diskussionsteilnehmer*in-
nen angemerkt wird. Natür-
lich sind auch kritikwürdige
hierarchische Organisatio-
nen wie Greenpeace am
Start, aber auch unsere Maxime ist „Redet mit allen“. Na gut - wir wür-
den vielleicht eher mit „Redet mit fast allen“ sagen, wenn wir z.B. an
organisierte Faschist*innen denken.

In der Vorstellungsrunde machen wir gleich grob klar, worum es uns
inhaltlich geht: „...Wir sind nicht hier um die Wahlen zu retten, uns
geht es darum, Herrschaft insgesamt zu überwinden, und wir glauben
nicht, dass dies über den Weg des Staates möglich ist...“.

Also dann rein in die Diskussion, dass World-Café-Konzept sieht vor,
dass jede Initiative einen Tisch bekommt, an dem dann circa 15 Minu-
ten diskutiert wird. Danach kann wer will an einen anderen Tisch
wechseln, bis mehrere Durchgänge abgeschlossen sind. Nach diesen
Runden kommen nochmal alle in einer großen Runde zusammen, um
über ihre Erlebnisse zu berichten.

Unser Tisch war jede der drei Runden gut besucht, einige Menschen
blieben auch gleich zwei Runden da. Für die Diskussion am Tisch galt
das gleiche wie für den restlichen Abend, wir sind auf viele offene,
wissbegierige Menschen gestoßen. Entgegen einer häufig verbreiteten
Umgehensweise mit Revolutionär*innen, denen lediglich versucht wird
zu vermitteln, dass sie verrückt sind oder einfach weltfremde Träumer,
herrschte hier der ernst gemeinte Versuch von vielen vor, sich mit unse-
ren Positionen zu beschäftigen.

Ebenso fanden wir die Fragen und Erwiederungen, die uns entgegen
gebracht wurden, sehr bereichernd. Es war wirklich ein gutes Umfeld,
welches unserem Anspruch von einer Diskussionskultur des Zuhörens
und aufeinander acht geben gerecht wurde. Inhaltlich drehten sich die
Diskussionen an unserem Tisch ganz allgemein um die anarchistische
Idee sowie über unsere Einstellungen zur Demokratie im Speziellen. Wir
haben die Hoffnung, einige Punkte angebracht zu haben, die dazu füh-
ren, dass zumindest einzelne sich mit anarchistischer Theorie und Pra-
xis intensiver beschäftigen werden.

Grundlage für unsere Argumentationen bot uns unsere vor kurzem er-
schienene Broschüre „Gegen die Illusion der Wahlen – Warum wir die
Freiheit nicht mit dem Stimmzettel erreichen können“ (welche ihr hier
findet 1 ), in der es uns nicht darum geht, den Menschen zu empfehlen,
ob sie ein Stück Papier in eine Urne werfen oder nicht, sondern in erster
Linie darum, die Illusion zu zerstreuen, dass von Wahlen wirkliche Ver-
änderungen ausgehen werden.

Für alle, die mit uns diskutiert haben und/oder sich unsere Broschüre
schnappten, schreibt uns gerne bei Fragen/Kritik an agdo@riseup.net,
kommt zu einer der zahlreichen Veranstaltungen von uns im September,
die ihr auf unserer Webseite agdo.blogsport.eu findet, oder schneit ein-
fach so mal ins anarchistische Zentrum Black Pigeon rein (blackpige-
on.blogsport.eu/).

In der großen Runde wurde vor allem die angenehme solidarische At-
mosphäre hervorgehoben, welche wir auch genossen haben und an-
sonsten eher aus unseren eigenen Zusammenhängen kannten.

Im folgenden gab es noch politischen Poetry Slam, einen Liedermacher
und zum Ende trat dann nochmal die Band Unknown Skartist auf, was
Jung und Alt dazu bewegte ausgelassen das Tanzbein zu schwingen.

Auch wenn wir sicherlich mit vielen Positionen, die das Event oder
Menschen auf ihm vertraten, nicht einverstanden sind, empfanden wir
die Veranstaltung als rundum gelungen. Glückwunsch und Dank an die
Organisator*innen für ihren tollen selbstorganisierten Abend. Für uns
hat er gezeigt, dass Anarchismus in der „Mitte der Gesellschaft“ mög-
lich und denkbar ist.

Zum Abschluss unserer Reise statteten wir unseren Freund*innen von
der Freien Arbeiter*innen Union Bielefeld & dem Anarchistischen Fo-
rum Ostwestfalen-Lippe, welche leider nicht an dem Event teilnehmen
konnten, in ihrem Gewerkschaftslokal einen Besuch ab. Wir berichteten
über unsere Erfahrung bei dem "Rettet die Wahlen"-Event, ließen ein
kleines Paket Broschüren da und verabschiedeten uns in der Gewiss-
heit, dass es auch in Bielefeld eine Menge Leute gibt, die den anarchis-
tischen Kampf vorantreiben und die wir auch in Dortmund immer
wieder gerne mit offenen Armen empfangen.

Wer jetzt aus Bielefeld Interesse an einem weiteren Austausch mit An-
archist*innen bekommen hat, dem sei hier die Webseite der Freien Ar-
beiter*innen Union Bielefeld: http://bielefeld.fau.org/ sowie dem
Anarchistischen Forum Ostwestfalen-Lippe: http://aforumowl.blogs-
port.de/ ans Herz gelegt.

Unsere Teilnahme setzen wir in den Kontext der Kampagne der Födera-
tion deutschsprachiger Anarchist*innen „Solidarische Perspektive ent-
wickeln – jenseits von Wahlen und Populismus“
(fda-ifa.org/perspektiven/).

[1] http://agdo.blogsport.eu/2017/08/22/broschuere-gegen-die-illusion-der-wahlen-warum-wir-die-freiheit-nicht-mit-dem-stimmzettel-erreichen-koennen/
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