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(de) FdA/IFA - Gai Dào N° 80 - Bericht von der radical bookfair in Leipzig 22./23. Juli Von: Mona Alona

Date Thu, 17 Aug 2017 09:05:47 +0300


Nach einer erfolgreichen Durchführung der radical bookfair (radicalbookfairleipzig.black-blogs.org/) vor einem Jahr, entschlossen sich einige Menschen auf dem RizomiA-Wagenplatz im Osten Leipzigs ein weiteres Zusammenkommen dieser Art zu organisieren. Dieser Versuch ist definitiv erneut geglückt und so bliebe eigentlich nur, sich auf viele öffentliche Momente des Austauschs und der Begegnung zu freuen - wenn der anarcha-queere Wagenplatz nicht bereits die Aufforderung zur baldigen Räumung ihrer geduldeten Besetzung erhalten hätte. Wie es also weitergeht mit dem anarchistischen Wurzelwerk im Leipziger Osten bleibt wie so häufig offen und dafür zu streiten... Doch festzuhalten gilt auch das, was war und ist, und die schönen und bedeutenden Momente zu sehen und zu benennen, die sich ergeben, wenn wir uns bewegen.

In diesem Sinne kann ich zunächst einmal schreiben, dass auf der Rhi-
zomiA eine sehr angenehme Atmosphäre bestand und die Bewoh-
ner*innen sich auch generell mit einem Infowagen, queeren Barabenden
und einer FLTI*-Schraubwerkstatt ansprechbar zeigen. Samstagnach-
mittag füllte sich der Platz langsam mit Freund*innen und Neugierigen,
die Vorträge besuchten, sich an einigen Ständen informierten und Bü-
cher kauften, oder auch einfach ein bisschen quatschen konnten. Vorge-
stellt wurden beispielsweise Foto-Collagen von unofficial pictures und
Zeugnisse von geflüchteten Frauen* aus
dem Buch "In unseren eigenen Worten"
des International Womans Space. Span-
nend waren auch die Vorträge über isla-
mischen Feminismus, Antisemitismus
und/in Anarchismus, Postanarchismus
und zu den Protesten in Belarus im
Frühjahr 2017.

Der Abend fand noch einen gemütlichen
Ausklang an der Bar, wobei es relativ
ruhig wurde, da ein größerer Teil der
"Szene" wohl auf ein Festival gefahren
war, während sich weiterhin viele Leute
beim Jahresfest auf einen anderen Wa-
genplatz wiederfanden... So spektakulär
und nett ich es da auch fand und eine gute Zeit hatte, frage ich mich, ob
die Flucht in die Subkultur und in sonst wie alternative Lebensstile
nicht gerade in Leipzig ein Ausmaß angenommen hat, dass es entpoliti-
sierend wirkt. Möglicherweise unterstelle ich aber auch tätowierten, ge-
piercten Menschen mit interessanten T-Shirts-Aufdrucken, speziellen
Frisuren, Verhaltens- und Redeweisen auch ein politisches Bewusstsein,
dass sie in Handeln umsetzen müssten - was sie aber gar nicht haben...
Ach ja, die Großstadt. Immer wieder verwirrend.

Doch weiter am Sonntag, wo wiederum einige Leute nach und nach zur
RhizomiA fanden. Zu hören war von einer Prozessbeobachtung des Ge-
richtsverfahrens gegen die - von der Bundesanwaltschaft so genannten -
"Gruppe Freital", welche der Gründung einer terroristischen Vereini-
gung angeklagt werden. Eine von vielen aktiven und militanten Fascho-
Zusammenhängen in Sachsen und darüber hinaus. Aber Hauptsache
Justiz, Medien und Politik haben einmal ihren Schauprozess, damit an-
sonsten die Gewalt so weiterlaufen kann... Weiterhin sollte der Profes-
sor für Sexualwissenschaft aus Merseburg, Heinz Jürgen Voß einen
kritischen Blick auf die "bürgerliche Homo-Emanzipation" im neolibe-
ralen Kapitalismus werfen und über das Buch "Schwule Sichtbarkeiten
- schwule Identität" sprechen. Schließ-
lich wurde auch diskutiert, wie die An-
sprüche der "Care Revolution" nun
praktisch umgesetzt werden können
und theoretische Erkenntnisse über
gleiche Arbeitsteilung in der Reproduk-
tion nicht durch den Druck gesell-
schaftlicher Gegebenheiten belanglos
werden.

Zudem hatte sich während der bookfair
eine Diskussion darum entsponnen, ob
der Sammelband "Beißreflexe", welches
eine polemische Kritik an autoritären
Tendenzen im queeren Aktivismus vor-
tragen will, bei den Ständen ausliegen
solle oder nicht. Meine persönliche Meinung dazu ist, dass ich es unbe-
dingt erforderlich halte, fortwährend Kritik zu formulieren und auch
Selbstkritik einzuüben, wozu es manchmal polemische Hinweise
braucht. Ob letztere aber wirklich zu einer gelingenden Auseinander-
setzung mit dem jeweils eigenen politisch-lebensweltlichen Ansatz
führt oder im Gegenteil eher zu Abwehrtendenzen, stelle ich wiederum
in Frage und finde es relevant, die Empfindungen von Menschen da-
hingehend zu achten. Jedenfalls passte diese Diskussion sehr gut zur
diesjährigen bookfair. Ich fände es wunderbar, wenn es in Leipzig
nächstes Jahr wieder eine gibt und am allerschönsten, wenn sie auch
wieder am selben Ort auf dem RhizomiA-Wagenplatz stattfindet!
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