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(de) FdA/IFA Gai Dao #75 - Solidarische Netzwerke -- Innovationen, Neuzusammensetzung und Fragen Von: Scott Nappalos, Toni (Einleitung)/ Übersetzung: IWWFrankfurt a.M. und Gruppe Zweiter Mai Hamburg

Date Fri, 24 Mar 2017 10:23:00 +0300


Einleitung ---- Die Broschüre, aus der folgender Text entnommen ist, erschien unter dem Titel "Solidarische Netzwerke - Ein Leitfaden" und wurde von Seattle Solidarity Networks herausgegeben. Die Broschüre wurde aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Die Übersetzenden schreiben im Vorwort: "In der radikalen Linken wächst seit einigen Jahren wieder das Interesse am Aufbau konkreter Gegenmacht durch Selbstorganisation und direkte Aktion". Auch von Anarchist*innen gab es in letzter Zeit einige Beiträge, die sich mit Strategien auseinandersetzen, wie libertäre Ideen und Praxen mehr Verbreitung finden könnten (wie z.B. die Broschüre "Revolution ist mehr als ein Wort: 23 Thesen über den Anarchismus" von Alpine Anarchist Productions , eine Diskussion der Thesen in der Graswurzelrevolution (GWR) Nr. 411 + 415, sowie in der Gai Dào).

Meine Motivation diesen Text hier zu präsentieren ist, einen Beitrag zur
laufenden Strategiedebatte zu liefern. Die Nähe von Solidarity
Networks zu anarchosyndikalistischen Ansätzen ist unübersehbar,
wenngleich es auch Unterschiede gibt. Hervorheben möchte ich den
Ansatz, an Alltagserfahrungen anzusetzen: Durch die Praxis werden
Prinzipien wie Gegenseitige Hilfe und Solidarität erfahrbar gemacht.
Besonders hervorzuheben ist auch die Erfahrung der eigenen
Ermächtigung, "Macht"-Einfluss auf das eigene Leben/Alltag zu
nehmen, die bei solchen direkten Aktionen (z.B. Lohneinforderung) mit
einhergeht. Anders gesagt, die Erfahrung die einem das Gefühl gibt,
"Hey, ich selbst kann in meinem Alltag ja doch etwas verändern, wenn
ich mich mit anderen zusammenschließe". Solche oder ähnliche
Ansätze sollten praktisch mehr Verbreitung finden (ohne sie natürlich 1
zu 1 zu kopieren!), denn sie sind im Gegensatz zu Vorträgen,
Broschüren, Büchern und Aufklebern kein alltägliches Arbeitsfeld von
Anarchist*innen oder sonstigen linksradikalen Gruppen. Und wenn von
Selbstorganisation, Selbstverwaltung oder Gegenmacht gesprochen
wird, kommt man an solchen Ansätzen nicht vorbei.

Noch kurz was zu der Gruppe, die diese Broschüre verfasst hat:
Solidarity Networks sind eine kleine, aber wachsende Arbeiter*innen-
und Mieter*innenorganisationen. In zahlreichen Städten Nordamerikas
nutzen sie Gegenseitige Hilfe und kollektive, direkte Aktionen um
konkrete Forderungen durchzusetzen. Der Ansatz der Solidarity
Networks kommt aus der syndikalistischen Gewerkschaft "Industrial
Workers of the World" ( IWW ).

Deren Ortsgruppe aus Frankfurt am Main war, neben der Gruppe
"Zweiter Mai" aus Hamburg an der Übersetzung ins Deutsche beteiligt.
Die IWW sind eine,1905 in den USA gegründete Basisgewerkschaft,
welche heute noch existiert. Die Gruppe "Zweiter Mai" aus Hamburg
bezeichnet sich selbst als Ort zur Reflexion sozialer Kämpfe, welche u.a.
Artikel schreibt oder Übersetzungen veröffentlicht. Ein zentrales
Interesse ist der Aufbau lokaler Gegenmacht, der Transformation des
Alltags und die Befreiung von der Arbeit.

Toni

Das Auftauchen von Solidarischen Netzwerken (engl.:
Solidarity Networks) hat nicht nur in den USA, sondern auch
international zu Experimenten und Debatten geführt.
Soweit wir wissen, ist ihre Entstehung auf das Seattle
Solidarity Network zurückzuführen.

Einfach gesagt ist ein Solidarisches Netzwerk eine Gruppierung, die
direkte Aktionen durchführt, um Kämpfe von Einzelnen oder Gruppen,
typischerweise Arbeiter*innen oder Mieter*innen, zu unterstützen. Im
Unterschied zum traditionellen gewerkschaftlichen Organizing begann
das Seattle Solidarity Network (kurz: Seasol) ein Milieu zu mobilisieren,
das bereit war Probleme zu bearbeiten, die Menschen aus der
Arbeiter*innenklasse haben, egal wo sie leben oder arbeiten. Das
bedeutet auch zu kämpfen, wo es bereits eine Gewerkschaft gibt, wo
jemand auf sich allein gestellt ist oder wo sich viele Mieter*innen und
Beschäftigte engagieren. Eine ausführliche Beschäftigung mit diesen
Erfahrungen wäre bestimmt umfangreich. Wir stellen hier einige der
Hauptargumente aus den Diskussionen und Artikeln vor, die sich mit
Solidarischen Netzwerken beschäftigt haben, um sie bekannt zu machen
und aus ihnen zu lernen.

Dieser Ansatz hat viele Stärken, die etwas über Organisierung in der
Gegenwart aussagen. Solidarische Netzwerke ermöglichen es
Revolutionär*innen als kleine Gruppe zu beginnen, öffentliche Kämpfe
zu führen und sich durch Konflikte zu vergrößern und zu entwickeln.
Die meisten Solidarischen Netzwerke nehmen sich Problemen wie
unausgezahlten Löhnen oder zurückgehaltenen Mietkautionen an, weil
sie Menschen betreffen, die den Ort der
Auseinandersetzung bereits verlassen haben.
Dadurch werden negative Auswirkungen
und Probleme verringert, die
normalerweise bei der Organisierung im
eigenen Haus (aus dem du rausgeschmissen
werden kannst) oder bei der
eigenen Arbeit (die du verlieren
kannst) entstehen.

So können Menschen, die normalerweise
nicht in einer guten Lage sind,
um sich zu organisieren, Kämpfe führen
und aus ihnen lernen. Die Stadt
ist der Aktionsbereich und die Gesamtheit des Lebens der
Arbeiter*innenklasse ist das Ziel. In einer Zeit zunehmend unsicherer
Erwerbstätigkeit, sinkender Lebensstandards und einer generellen
Entfremdung und Entpolitisierung vieler Lohnabhängiger bieten
Solidarische Netzwerke mögliche Ansatzpunkte, wie revolutionäre
Politik geeignete Lösungen hervorbringen kann.

Diese Strömung entstand Ende der 2000er Jahre. Einige radikale
Gewerkschafter*innen der IWW begannen mit Organisationsmodellen
zu experimentieren, die sie aus Kämpfen in den USA und Kanada
kannten, und daraus entwickelte sich Seasol. Der stärkste Aspekt dieses
Experiments war die Fähigkeit, die Methoden der IWW und anderer
auf eine veränderte taktische Orientierung anzuwenden. Gemäß ihrer
Analyse nahmen sie den proletarischen Alltag ins Visier und
bestimmten die kämpfenden Menschen als neue Protagonist*innen. Sie
begannen damit, bewusst oder unbewusst, nachdem andere
Experimente der IWW in Portland, Philadelphia, Chicago und der San
Francisco Bay Area zur erfolgreichen Organisierung von schnellen,
mobilen Aktionen durch Restaurant-, Baustellen-, Kurierdienst- und
Einzelhandelsbeschäftigte geführt hatten. Seasols Arbeit unterschied
sich zu der Zeit nicht
besonders von der
Arbeit anderer, ihr Plan
und ihr Konzept jedoch
sehr. Das führte
vermutlich zu der
Begeisterung und der
rasanten Ausbreitung
ihres Modells in den
folgenden Jahren.

Durch Poster, Leitfäden und regelmäßige
Veröffentlichungen über ihre Kämpfe wurden
die Bedingungen, unter denen die kleinen,
zersprengten, radikalen Gruppen arbeiteten,
verbessert und der Zugang zu ihnen erleichtert.
Ihre Publikationen sind oft ansprechend
gestaltet und zeugen von der Bereitschaft, unterschiedliche Formate, wie
z.B. kurze, innovative Videos, auszuprobieren. Solnets, wie die
Solidarischen Netzwerke auch genannt werden, breiteten sich in den
USA, Großbritannien, Kanada und Australien aus. Solnets sind für
Revolutionär*innen eine adäquate Organisierungstaktik gegen die
schärfsten Verfehlungen im Bereich Löhne und Wohnraum und sie
zeigen, dass sie imstande sind, insbesondere vorenthaltene Löhne und
Mietkautionen zu erstreiten. Tatsächlich wird in den Veröffentlichungen
der Solnets das Erringen nachweisbarer Siege als zentraler Teil ihres
Konzepts betont.

Die ersten Siege stärkten die Fähigkeiten und Kenntnisse der
engagierten Radikalen in den Solidarischen Netzwerken, aber sie
führten auch zu anspruchsvolleren Auseinandersetzungen und
verlangsamten das Wachstum außerhalb von Seattle. Viele Solnets
hatten Schwierigkeiten außerhalb von Seattle, wo auf eine starke
Gewerkschaftslinke gezählt werden konnte. In Gegenden mit einer
anderen politischen Landschaft konnten nicht so einfach Siege erzielt
werden und teilweise war es eine Herausforderung, die Solidarischen
Netzwerke am Leben zu halten. Seasol selbst sah sich dem Zorn der
institutionellen Linken und Rechten ausgesetzt, als es sich mit stärkeren
Gegner*innen anlegte, die von SEIU (nordamerikanische
Dienstleistungs-gewerkschaft, Anm. der Übersetzer*innen),
Nichtregierungsorganisationen oder Lokalpolitiker*innen unterstützt
wurden. Die Organizer von Seasol führten ihre zentralen Kämpfe trotz
Verleumdungen in den Medien,
Einschüchterungen und Gewalt zu Ende. Der
Beginn der Wirtschaftskrise veränderte das
politische Terrain und erwischte viele Solnets
unvorbereitet.

Die Debatten um das Solnet-Modell haben
sich in verschiedene Richtungen entwickelt,
aber scheinen sich auf die Frage zu
konzentrieren, wie aus der radikalen Politik
der Solidarischen Netzwerke eine beständige
Aktivität im Alltag der Arbeiter*innenklasse
erwachsen kann. Die Grundidee wird in
Seasols Leitfaden für den Aufbau eines
Solidarischen Netzwerks dargelegt. Als er
dieses Modell anwandte, bemerkte Ryan
Spourgitis, ein Organizer aus Iowa City, das
Spannungsverhältnis zwischen der Rolle als
sozialer Dienstleister und der angestrebten
Strategie der Organisierung. Ähnliche Fragen
stellten Organizer von Unity & Struggle, die
das Southwest Defense Network
mitaufbauten. In beiden Szenarien unterschied
sich das Umfeld stark von Seattle. Ebenso brachten die positiven wie
negativen Herausforderungen durch Occupy und die Haltungen zur
Krise die Schritt-für-Schritt-Taktik der frühen Solnets durcheinander.
David, einer der zentralen Organizer von Seattle Solidarity, schlug
während einer Präsentation im Januar 2013 vor, sich den zwei
Herausforderungen, die die oben genannten Autor*innen beschrieben
hatten, zu stellen. Erstens erkannte er, dass es schwierig ist, die kurzen,
meist individuellen Kämpfe zu nutzen, um weitere Organizer zu
gewinnen (statt bei der Unterstützung der Arbeiter*innen auf
Aktivist*innen zu setzen). Es stellte sich als schwierig heraus, die Politik
von Seasol den kämpfenden Menschen näherzubringen, obwohl das
Seasol bewusst war und sie es zu ändern versuchten. Zweitens war
Occupy eine Gegenthese zum geradlinigen Aufbau von Bewegungen
und er hätte sich gewünscht, besser auf die Veränderungen reagieren zu
können, und betonte deshalb den Bedarf für neue Experimente, um sich
auf Kämpfe dynamischer einlassen zu können. Miami Autonomy &
Solidarity hat die Gedanken eines Zuhörers auf ihrer Internetseite
veröffentlicht.

Die Kehrseite der Medaille war, dass die positiven Erfahrungen mit
Solnets und ihre vermeintliche Überlegenheit gegenüber dem Rest der
oftmals entfremdeten und stagnierenden Linken einige Mitglieder dazu
verleitete, sie als Herausforderung für die Linke zu sehen. Walter
Winslow schrieb einen langen Artikel über die Erfahrungen mit Seattle
Solidarity, in dem er die Arbeiter*innenbewegung kritisierte und die
IWW ablehnte. Er verortet Seasol in der
anarchosyndikalistischen Tradition und führt
Taktik und Konzept auf die Fähigkeit des
Anarchosyndikalismus zurück, revolutionäre
Aktionen an die sich ständig verändernden
und sich verallgemeinernden Kämpfe und
Lebensbedingungen der arbeitenden Klasse
anzupassen. So könne die
Arbeiter*innenklasse gegen die Macht der
herrschenden Klasse und ihre Gesellschaft
im Ganzen in Stellung gebracht werden.

Diese Diskussionen und Erfahrungen werfen
für alle, die sich in Arbeiter*innenvierteln
und an Arbeitsplätzen organisieren,
unabhängig von der eigenen Position eine
Reihe wichtiger Fragen auf. Ein guter Teil
des rasanten Erfolgs der Solnets beruht auf der Präsentation ihres
Modells, das neu war und die Leute begeisterte. Obwohl das eigentlich
eine Stärke ist, kann es zu enttäuschten Hoffnungen und dem Rückgang
von Solnets beigetragen haben, die ohnehin schon mit einer
ungünstigen politischen Landschaft zu kämpfen haben. Auf
bauend aufeinem Kern engagierter Organizer mit revolutionären Ideen und
Überzeugungen – ein Kennzeichen anarchosyndikalistischer Praxis –
zeigen Solnets, dass das Leben der Arbeiter*innenklasse wieder in das
Zentrum der Politik gerückt werden muss. Die Rolle der Radikalen, ihre
Beziehung zu denen, die sie organisieren, und welche Rolle Politik in
dem Ganzen spielt, muss kontrovers diskutiert werden. Einerseits sind
Solnets Netzwerke für Militante in der Nachbarschaft und am
Arbeitsplatz, aber mit einer klaren Funktion und Organisation. Solche
Ideen ähneln dem, was ich unbeholfen Zwischenebenen der Kämpfe
genannt habe und entfernt auch anarchistischen und kommunistischen
Projekten, in denen revolutionäre Arbeiter*innen in breiteren
Zusammenschlüssen wie Versammlungen, Räten und Syndikaten
zusammenarbeiten. Andererseits scheinen Solnets manchmal
allgemeine Gremien ohne politischen Anspruch zu sein, ein Ansatz zur
kämpferischen, sozialen Organisation, der von Anarchist*innen
begründet wird, die dann aber das Politische meiden.

Im Allgemeinen bewegen sie sich zwischen diesen Polen. Trotzdem
haben sie Mühe, Arbeiter*innen zu rekrutieren und zu radikalisieren,
obwohl sie sich als Netzwerk nicht offen auf ihre revolutionäre Politik
beziehen. Solche Spannungen treten nicht nur in Solnets auf, sondern
gehören für alle, die Ähnliches versuchen, zu den verbreitetsten
Problemen infolge fragmentierter Sozialräume, einer fehlenden sozialen
Kraft, die in Kämpfe interveniert, und politischer Isolation. Heutzutage
ist das nicht überraschend und spiegelt ähnliche Dynamiken anderer
Gruppen wider, auch wenn diese andere Ausgangspunkte haben. Solche
Debatten innerhalb der IWW haben einige von uns dazu gebracht,
unsere Politik in das Zentrum der Organisierung zu stellen, statt sie als
äußeren oder impliziten Aspekt der Organisierung zu begreifen. In den
Veröffentlichungen betonen Autoren des Recomposition-Blogs wie Juan
Conatz, Nate Hawthorne oder ich selbst das politische Wesen aller
Kämpfe und dass sie explizite und konkrete Inhalte benötigen. In
jüngerer Zeit hat die Wobblyism-Gruppe daran gearbeitet, eine
Methode zu finden, und sich theoretisch mit ihrem Ansatz des
langfristigen, revolutionären Organizing am Arbeitsplatz
auseinandergesetzt. Zu guter Letzt wuchsen Solnets, nachdem sie ihr
gewohntes Terrain (z.B. bestimmte Firmen oder Wohnhäuser) verließen,
aber dadurch gab es Schwierigkeiten, ihre Tätigkeiten
aufrechtzuerhalten und Militante zu binden. Nach anfänglichen
Erfolgen wurden Solnets, die versuchten sich weiter zu entwickeln,
indem sie sich auf das langfristige Organizing und Kämpfen
konzentrierten, vor die gleichen Schwierigkeiten gestellt.

Es gibt kaum Gründe anzunehmen, dass es anders sein sollte. Viele
suchen organisatorische, theoretische oder taktische Lösungen für die
grundlegenden Probleme, nämlich Inaktivität und Niederlagen der
Klasse. Dieser Fehler ist in der Linken heutzutage verbreitet. In
Wirklichkeit steckt hinter der Bereitschaft zu kämpfen und Macht neu
aufzubauen mehr als nur unsere eigenen Aktionen. Ich möchte die
Inkompetenz der Linken, die den Alltag der Arbeiter*innenklasse als
wichtigstes Politikfeld aufgegeben hat, nicht entschuldigen. Aber wir
sollten nicht in das andere Extrem verfallen und annehmen, dass
unabhängig von den richtigen gesellschaftlichen Bedingungen eine
technische Herangehensweise an das Organizing die realen Hindernisse
für eine revolutionäre Bewegung überwinden kann. Ich glaube
allerdings nicht, dass die Menschen in den Solidarischen Netzwerken
diesen Fehler notwendigerweise begehen. Das ist etwas, das die IWW
und Anarchosyndikalist*innen in der Geschichte, aber auch in den
vergangenen 20 Jahren des Experimentierens in den USA und Kanada
wiederholt lernen mussten. Wir haben in den langwierigen
Organisierungsprozessen der IWW die transformative Kraft der
Kämpfe, die aus Teilnehmer*innen Revolutionäre macht, ebenso
gesehen wie die lähmende Wirkung, die die Gesellschaft in normalen
Zeiten auf revolutionäre Initiative ausübt. Heute kann sich das zu
unserem Vorteil verändern, weil Menschen beginnen sich zu wehren,
ihre Ansichten ändern und sich für Alternativen öffnen. Trotzdem
sollten wir unsere Hauptaufgabe nicht aus den Augen verlieren und
nicht nur Kämpfe unterstützen, sondern in ihnen auch revolutionäre
Politik zum Leben erwecken. Die Erfahrungen mit Solidarischen
Netzwerken bieten dafür einen ebenso hervorragenden Ausgangspunkt
wie für die stärkere Verankerung von revolutionärem Anarchismus in
solchen Kämpfen.
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Scott Nappalos lebt in den USA, ist Mitglied der Industrial
Workers of the World (IWW) und schreibt regelmäßig für den
Blog „Recomposition – Stories About Work and Resistance“
Link zur Broschüre: hxxp://zweiter-
mai.org/files/2016/01/seasol-leitfaden-web-final.pdf
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