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(de) FdA/IFA Gai Dao #75 - Anarchy in the town - ­ Ein Intro für People of Color Von: APOC (Anarchist People ofColor)-Gruppe Oakland, U.S.A. / Übersetzung: Benjamin

Date Sat, 18 Mar 2017 09:07:04 +0200


Dieser Text wurde 2015 zuerst als Infoblatt von der APOC(Anarchist People of Color)-Gruppe aus Oakland, Kalifornien verfasst und im gleichen Jahr auch auf theanarchistlibrary.org veröffentlicht. Da sich die meisten Leute der Gai Dào nicht als People of Color verstehen, soll dieser Artikel sowohl als solidarische Anerkennung als auch als herzliche Einladung an Anarchist People of Color bei uns mitzuwirken verstanden werden. ---- Anarchismus ist eine politische Philosophie, die auf Freiheit und der Idee beruht, dass Menschen(-gruppen) niemals Macht über andere Menschen etablieren sollten. Diese Macht über andere nennt sich Herrschaft und kann auf unterschiedliche Weise ausgeübt werden: Von den Reichen auf den Rest von uns, von Weißen Menschen auf People of Color, von Männern auf Frauen, von Hetero-Sexist*innen auf LGBTQI* (1) usw.

Die jeweils Machtausübenden erzwingen diese Herrschaft in
vielerlei Hinsicht: durch die Polizei, durch den KuKluxKlan, durch
häusliche Gewalt usw. Ein*e Anarchist*in ist jemensch, der*die versucht
ein Leben zu leben, in welchem er*sie diese Herrschaftsstrukturen
bekämpft, sodass wir uns alle erheben und Freiheit erlangen können,
ohne selbst andere zu unterdrücken.

"Und die alten Leute erzählen mir, dass das schon immer so war, aber das macht es für
mich nicht okay, und die Weißen Leute erzählen mir die ganze Ausbeutung und Ermordung
sei verrückt, aber sie sind diesen Schmerz nicht gewöhnt, also bitte kommt hier nicht
vorbei und erzählt mir, wir seien nur "ein Haufen Tiere" und richtet die
Kamera aufuns, wenn wir uns wehren" - Anderson Paak, aus dem Song
"Animals" (2015)

Es gibt hier viele von uns in der Stadt. Wir trafen uns beim Zerstören
von Bankenfenstern und beim Bekämpfen der Polizei in den letzten
paar Jahren, tauchten auf, in verschiedenen sozialen Bewegungen. Noch
mehr begannen wir uns gegenseitig zu bemerken während der
Aufstände 2009 nach dem Mord der Polizei an Oscar Grant. Seit damals
sehen wir, wie jedes mal, wenn wir erneut empört über einen weiteren
Mord der Polizei an einer Schwarzen Person oder einer Person of Color
auf die Straße gehen, die Polizei und die Medien schnell dabei sind, nur
die Leute zu zeigen, die diesen Wahnsinn durchbrechen und
zurückschlagen, die nicht aus unseren Communities sind. Die
Herrschenden würden alles dagegen unternehmen, um uns zu trennen,
eben weil sie Angst vor dem gefährlichen Potenzial unserer Revolte
haben. Sie benutzten die Nachrichten seit jeher, die üblichen Medien
und sogar andere People of Color, sogenannte "Community
Aktivist*innen" um uns zu täuschen. Zur Zeit versuchen sie zudem eine
trennende Linie zwischen der Black Lives Matter-Bewegung und denen
zu ziehen, denen es hart ergangen ist auf den Straßen. Aber die Zeit
ihrer Lügen ist vorbei. Wir sind hier draußen in den Straßen und setzen
uns zur Wehr sobald wir mit der Unterdrückung und den verlorenen
Leben konfrontiert werden. Und es gibt hier jedes mal mehr und mehr
anarchistische People of Color. Wir sind jetzt hier draußen und
protestieren auf die Weise, wie wir es in Oakland tun und wie sie es in
Ferguson und Baltimore tun. Wir Schwarzen Rebell*innen und
Rebell*innen of Color waren hier schon die ganze Zeit und haben uns
die Masken aufgesetzt. Wir wissen, dass der bewährte Weg, uns zu
verteidigen, wenn sie wieder mal eine*n von uns nehmen, ist, zurück zu
schlagen mit einer kollektiven Wucht und zu zeigen, dass der Horror,
den sie uns bescheren nicht toleriert wird. Wir waren die, die wie
verrückt gekämpft haben, die das Blatt gewendet haben zusammen mit
vielen anderen. Wir warten nicht und das ist hier auch kein Spiel, das
ist ein Krieg gegen unsere Unterdrücker*innen. Hier also ein kurzes
Statement darüber, was wir denken, das ein paar POC-Aktivist*innen
geschrieben haben. Zieht es euch rein und das nächste Mal, wenn
wieder Mist passiert, sehen wir uns hoffentlich draußen in den Straßen!

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(1) Anm. d Red.: Wir haben uns dazu entschieden immer wenn es um hetero-sexistische Diskriminierung geht, den inklusiveren Begriff LGBTQI* für Betroffene zu verwenden um niemenschen auszuschließen.
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REGIERUNGEN, POLIZEI & DIE ELITE

Der Anarchismus wendet sich entschlossen gegen die Regierungen. Der
Job einer Regierung besteht letztendlich darin, eine kleine, elitäre
Gruppe und deren Besitztümer zu beschützen. Den Meisten von uns
würde es also um einiges besser gehen ohne Regierungen. Die Eliten
sind die besitzende Klasse der Reichen und Herrschenden. Aber gemeint
sind nicht die Reichen und Stars wie Beyoncé und Drake. Oh nein.
Denn die Eliten sind die nicht-talentierten Geschäftsführer*innen der
Unterhaltungsindustrie, die die Labels besitzen und sich immer eine
große Scheibe abschneiden, egal wer gerade angesagt ist. Es sind die
Besitzer*innen der Unternehmen, die Besitzer*innen der
Automobilindustrie, der Handybranche, der Waffen- und
Drohnenproduktion und -handels. Es sind die Politiker*innen, die dafür
bestochen werden, Gesetze so zu manipulieren, dass sie den gierigen
Business-Leuten helfen. Die Regierung besteht also aus den Agenturen,
den Gesetzen und den Cops, die die Macht der Superreichen gegen den
Rest von uns erhalten. Und die Polizei stellt die Frontlinie der Regierung
dar. Ihr Job ist es zu kriminalisieren, draufzuhauen, einzuschüchtern,
einzuknasten und uns willlkürlich zu töten, sodass wir erst gar keine
Chance bekommen sollen, uns gegen die Elite aufzulehnen.

SCHEISST ALSO AUF DIE POLIZEI UND SCHEISST AUF DIE
POLITIKER*INNEN.

Als Anarchist*innen verstehen wir, dass die meisten Dinge, die die
Regierung behauptet Bullshit sind. Auch wenn sie behaupten, dass sie
von und für die unterschiedlichsten Leute innerhalb der Gesellschaft da
seien, dienen sie immer noch der Elite, die stark damit beschäftigt ist,
den Rest von uns zu unterdrücken. Ein historisches Beispiel hierfür ist
wie wir dazu gebracht werden, die berühmte Erklärung der
Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten zu verinnerlichen, dass "alle
Menschen gleich geboren sind...". Eigentlich wissen wir nämlich, dass
das, was sie über Gleichheit gesagt haben, eine Lüge war, weil zu der
Zeit die Versklavung immer noch legal war! Anscheinend redeteten sie
nicht über Schwarze Menschen, Natives, neue Einwander*innen oder
Frauen und LGBTQI*. Als sie "Menschen" sagten, meinten sie
anscheinend nur Cis-Männer. Als Anarchist*innen fühlen wir, dass
diese verzerrte Erklärung uns dazu veranlassen sollte, sie auf ihren Mist
aufmerksam zu machen, da dieser immer noch und immer wieder
präsent ist. Wenn Leute, die für die Regierung arbeiten wie
Stadtratmitglieder und Cops sich selbst "Diener der Öffentlichkeit"
nennen, während sie uns "Gang-Mitglieder" nennen, Protest
einschränkende Gesetze schreiben und Ausgangssperren verstärken
und uns in den Straßen terrorisieren, dann ist das einfach
nur Schwachsinn! Der Anarchismus organisiert sich nicht
in einer Partei. Wir haben es satt zur Wahl zu rennen. Wir haben
erkannt, dass die einzige Wahlmöglichkeit, die wir haben, sich
irgendwelche Leute mit viel zu viel Geld ausgedacht haben.
Letztendlich macht es auch keinen Unterschied, ob du die "Democrats"
oder die "Republicans" wählst. Es kommt auf's Selbe hinaus.

KOLONISATION

Für Jahrhunderte haben unsere Leute von ihrem Land gelebt, welches
genug geboten hatte, um davon leben oder damit Handel betreiben zu
können. Auf der ganzen Welt aber wurde unser Land erobert, in
Grundstücke eingeteilt und dessen wertvollste Ressourcen geraubt. Dies
setzte weitestgehend durch den Genozid und die Versklavung durch das
Projekt der Weißen Vorherrschaft ein und nennt sich Kolonisation. Für
500 Jahre sind Europäer*innen um die Welt gesegelt, stahlen Land und
zerstörten unsere Lebensstile. Es machte ihnen auch nichts aus,
während sie von Religion redeten, gegen unsere Leute zu kämpfen oder
sie zu töten. Ein Hauptbestandteil ihrer Strategie war es, uns ihre
vermeintlichen Werte verinnerlichen zu lassen, uns beizubringen,
unsere eigene Haut zu verachten, patriarchalisch zu leben oder
homophob zu werden. Für viele bestand Würde deshalb nur noch im
Überleben. Für andere bestand Würde nur noch darin, für das
vermeintlich Unmögliche zu kämpfen. Die meisten dieser anti-
kolonialen Kämpfer*innen wurden vergessen und ihre Geschichten
werden wohl nie erzählt werden. Aber manche schafften es
durchzuhalten, manchmal tief in den Wäldern, hoch in den Bergen oder
irgendwie untergetaucht in den Städten, um sich dann später in
dekolonialen Kämpfen ihrer weißen Regierungen zu entledigen. Manch
andere schafften es zumindest, partielle Siege zu erkämpfen, wie z.B.
"bürgerliche Rechte" innerhalb der repressiven Herrschaftsstrukturen.
Sogenannte "Geschichtsschreiber*innen" wollen, dass wir denken, die
Fehler der Vergangenheit seien mittlerweile vom Fortschritt korrigiert
worden. Lehrer*innen sagen, der Schlüssel zur Zukunft sei es, einen
"guten Job" zu kriegen. Spürt ihr nicht auch wie sie euch einer
Gehirnwäsche unterziehen? Dieser "gute Job" ist eure fortgesetzte
Versklavung. Diese Geschichtsbücher wurden geschrieben, um euren
Verstand zu kolonisieren, um euch weiterhin ihre Werte aufzuzwingen.
Deswegen muss auch der Kampf für Dekolonisierung und Würde
heutzutage weitergehen. Und dieser beginnt damit, unseren
Verstand zu dekolonisieren, indem wir uns auf die Seite unserer
Vorfahr*innen stellen und uns der andauernen Unterdrückung
unserer Leute widersetzen.

Kennt also eure Geschichte und
bekämpft eure Feind*innen!

"Anarchist*innen wissen, dass eine lange Bildungsperiode jeder großen
fundamentalen Veränderung vorangehen muss. Deshalb glauben sie
auch nicht an das Bettelprinzip der Wahlen oder an Kampagnen von
Parteien, sondern stattdessen an die Entwicklung von selbst denkenden,
autonomen Individuen." - Lucy Parsons

MÄNNLICHES DOMINANZVERHALTEN

Durch die Kolonisation unserer Leute haben europäische Männer
außerdem die repressive Idee verstärkt, dass es nur zwei verschiedene
Gender gäbe, "Männer" und "Frauen". Sie erfanden ein System, in
welchem Menschen sich innerhalb dieser Kategorien auf eine
bestimmte Weise zu verhalten hätten und indem männliches
Dominanzverhalten normalisiert wurde. Dieses System nennt sich
Patriarchat. Diese soziale Struktur leugnete die Existenz von LGBTQI*
und wurde durch sexuelle Übergriffe, häusliche Gewalt und Hetero-
Sexismus noch verschlimmert. Ebenso wurden Frauen und LGBTQI*
von bestimmten Arbeiten abgehalten. Rassismus, Klassismus und
Sexismus sind aber auch sich überschneidene
Unterdrückungsstrukturen, die vor allem elitären Weißen Cis-Männern
dienen und die die Menschen voneinander trennen und ganze
Gesellschaften beeinflussen. Als Anarchist People of Color sollten wir
genauestens reflektieren wie wir diese vermeintlichen Werte bereits
internalisiert haben, um daraufhin diese Unterdrückungsmechanismen
in uns selbst und unseren Communities zu dekonstruieren. Wenn wir es
mit der Bekämpfung der Weißen Vormachtstellung also ernst meinen,
muss das Patriachat jeder Zeit mit gleicher Stärke bekämpft werden!
Grundlegende Wege patriachale Strukturen zu bekämpfen, können zB.
sein, Frauen und LGBTQI* einfach zu respektieren, ihnen vor allem
zuzuhören und ihre Standpunkte nachzuvollziehen. Vielleicht muss
einigen Cis-Männern auch immer noch erklärt werden, dass es
überhaupt nicht cool oder normal ist, Frauen oder LGBTQI* blöd
anzumachen. Und vielleicht muss einigen Typen endlich mal klar
gemacht werden, dass physische oder verbale Gewalt ernsthafte
Konsequenzen hat. Außerdem sollten wir diskriminierende Begriffe
einfach auch aus unserem Sprachgebrauch streichen.

GEGENSEITIGE HILFE UND EIN BESSERES LEBEN

Anarchist*innen kämpfen für eine bessere, emanzipiertere Welt. Vieles
bei uns beruht auf der gegenseitigen Hilfe, was grundsätzlich bedeutet,
sich Zeit zu nehmen, um Leuten zu helfen, wenn die Möglichkeit dazu
besteht und gleichzeitig zu wissen, dass Leute das anerkennen und
gegebenenfalls wieder zurück geben. Diese Art sich gegenseitig zu
helfen, steht exemplarisch dafür wie unsere Leute schon Jahrhunderte
der Unterdrückung überlebten. Das bedeutet, dass auch "ganz normale"
Leute eine Rolle spielen, wenn es darum geht Regeln zu vereinbaren
und die Arbeit zu machen, die es eben braucht, um gemeinsam zu
überleben und das Leben zu genießen. In einer anarchistischen
Gesellschaft gibt es deshalb keine Elite. Anstatt dessen müssen wir uns
auf unsere Weise organisieren, um zu überleben, mit dem Ideal, dass
auch wirklich jede Stimme gehört wird und zählt. Wenn wir also
Missstände sehen, stehen wir gemeinsam als Zeug*innen dagegen und
zwar nicht indem wir die Cops rufen, sondern indem wir es
untereinander klären. Das bedeutet auch, dass es nicht viel bringt, nur
auf die Idiot*innen zu zeigen, die wir nicht leiden können. Wir wissen
nämlich auch, dass eventuell sogar Leute, die sich noch dumm anstellen
vielleicht eines Tages Verbündete im Kampf sein können. Anarchismus
scheint uns die Sache oder die politische Philosophie zu sein, die am
meisten den Ideen entspricht, die wir unterbewusst fast unser ganzes
Leben schon irgendwie gefühlt haben und uns so ähnlich ja auch von
unseren Ältesten und Freund*innen überliefert wurde, dass nämlich
keine*r ein Leben im Kriegszustand einem Leben in Harmonie mit
anderen bevorzugen würde. Und dies lässt sich durchaus auf den
Überlebenswillen als Gruppe zurückzuführen, dass wir eben nicht nur
für uns selbst leben, sondern auch zum Interesse unserer Liebsten,
unserer Gemeinschaft oder halt unserer "Szene". Unsere Gruppe darf
aber genausogut unabhängig von anderen anarchistischen Gruppen
sein, wenn wir das denn so wollen und deshalb kann sie auch mal ihr
eigenes Ding machen. Wir tun das eben alles, weil wir wissen, dass nur
durch freie Beziehungen ohne Dominanzgehabe ein besseres Leben
möglich sein kann.

KAPITALISMUS

Ein Haupthindernis für eine anarchistische Gesellschaft heutzutage ist
der Kapitalismus. Im Gegensatz zu vielen natürlichen, sozialen
Traditionen, die unsere Leute über Generationen unterstützt haben,
zwingt der Kapitalismus alle dazu, um Jobs, Wohnungen und Status zu
konkurrieren und uns von der lebendigen Welt, der Erde um uns herum
und uns gegenseitig zu isolieren. Dadurch enden wir alle, auch wenn
wir Teil einer unterdrückten Gruppe von Leuten sind, in einem
gegeneinander gerichteten Wettkampf, um im Kapitalismus
"voranzukommen". Und die Erfolgreichen kommen vielleicht aus der
Armut heraus, ihnen geht es aber immer noch schlecht, wenn sie
mitbekommen wie über sie hinweg entschieden wird. Aber dieses
System zwingt sie dazu, über andere genauso zu dominieren. Und so
bemerken wir das gemeinsame Interesse der Reichen und ihrer Polizei,
alle anderen dominieren zu wollen. In einer Gesellschaft, in der die
superreiche Klasse der Elite tun und lassen kann, was immer sie will,
erkennen Anarchist*innen um was es sich dabei tatsächlich handelt: um
einen Krieg gegen die Besitzlosen. Diese verdammte Struktur sehen wir
auch auf anderen Ebenen, wenn bspw. reiche POC arme POC
dominieren oder reiche Schwarze arme Schwarze usw.

NON-PROFITS

Viele Regierungsvorhaben und Services wurden aufgebaut, um armen
Leuten vorzumachen, die Regierung würde ihnen helfen. Was sie aber
eigentlich machen, ist uns damit zu beschäftigen in Schlangen zu
stehen, Formulare auszufüllen, verschiedene Büros anzurufen, nur um
einen Stempel zu bekommen oder zu einer*einem Ärztin*Arzt gehen zu
können. Während wir aber mit alldem zu tun haben, bleibt uns kaum
noch Zeit, über die Rolle der Regierung im Bestärken des Kapitalismus
zu sprechen, uns zusammen zu tun und zu organisieren wie wir das
zurücknehmen, was eigentlich uns gehörte. Wenn dann aber militante
Gruppen wie die nötig gewesene Black Panther Party in den 60ern und
70ern Frühstücksprogramme für Kinder organisierten, um die
Gesundheit und das Leben vieler Menschen zu verbessern, attackierte
sie die Regierung dauerhaft und tötete viele ihrer Mitglieder oder
knastete sie ein. Als diese Bewegung dann aber anwuchs, musste die
Regierung eine Lösung anbieten: Non-Profit-Organisationen.

Heutzutage spielen nun viele Non-Profits eine wichtige Rolle in der
Bereitstellung von benötigten Services, wie zB. Frühstücksversorgung
für Kinder, heute aber ohne den militanten Zweig der damaligen
revolutionären Gruppen, da sich seitdem die Regierung selbst in die
Non-Profit Struktur eingebaut hat. Ähnlich wie staatliche und
kirchliche Hilfsorganisationen verstärken Non-Profitorganisationen
aber leider auch irgendwie die Dominanz der Besitzenden über die
Besitzlosen und können lediglich beim viel zu langsamen Prozess der
Verteilung von geringen Mengen an Lebensmitteln und ein bisschen
Selbstbewusstsein helfen. Aber es ist immerhin schon mal besser,
anstatt sich dem zerstörischem System auszusetzen, das uns dazu
zwingt um Krümmel zu betteln.

KNÄSTE

Das wahrscheinlich schlimmste Beispiel staatlicher Kontrolle über
unser Leben stellen die Knäste und Haftanstalten dar. Die USA sperren
einen höheren Prozentsatz ihrer eigenen Bevölkerung ein als irgendein
anderes Land auf der Welt und bestimmte Privatfirmen profitieren
davon umso mehr, umso mehr Leute eingelocht sind. Und die
Gefängniswärter*innen stiften die Gefangenen auch noch dazu an, sich
aufgrund rassistischer Kategorien zu bekriegen, um sicher zu gehen,
dass die Gefangenen sich nicht vereinen und gegen ihre Einbunkerung
revoltieren, weil sie gegen die Gesetze der Reichen verstoßen haben.
Und außerhalb der verschlossenen Riegel kämpfen Familien darum,
wenigstens mit ihren Angehörigen in Verbindung bleiben zu können,
werden stattdessen aber selbst unter Beobachtung gestellt, einfach nur
weil eine*r von ihnen hinter Gittern sitzt.

STRATEGIEN

Wenn wir Anarchist*innen uns organisieren, tun wir das auf dezentrale
und disziplinierte Weise. Das heißt, wir streben danach, Verantwortung
und Richtlinien zu teilen, weil wir eben nicht das gleiche bescheuerte
System nachahmen wollen, das wir bekämpfen und dulden deshalb
auch keine Herrschaftsstrukturen unter uns. Dezentralisation ist eine
vielgenutzte Stategie auf der ganzen Welt, welche sich krass von Staats-,
Polizei- und Miltärstrukturen unterscheidet. Diese beruhen konträr
dazu auf hierarchischen Strukturen, Befehlen und Gehorsam . Wir
wissen, dass unsere Feind*innen viel Erfolg dabei haben, wenn sie
nämlich einzelne, hervortretetende Personen attackieren, einknasten
oder ermorden können, so wie sie es in den 1960ern mit den militanten
Bewegungen gemacht haben. Wir nutzen daher Strategien, die sich gut
auf unser weiteres Bestehen auswirken, indem wir z.B. Jeans tragen,
unsere Gesichter bedecken oder Kapuzenpullies tragen, so dass sie,
wenn sie uns etwas anhaben wolle, neben nicht erkennen können wer
wer ist. Es ist aber auch wichtig, dass wir durchweg neue Strategien
durchdenken und planen, um uns und unsere Leute weiterhin gegen die
Unterdrückung verteidigen zu können.

KONKLUSION

Es lässt sich also zusammenfassen, dass Anarchist*innen Regierungen
und alle anderen Formen von Herrschaft dekonstruieren wollen. Da
hierarchische Strukturen wie Rassismus, Patriarchat und
Heterosexismus leider immer noch zwischen den Individuen existieren,
müssen diese eben bekämpft werden, weil sie die Fundamente des
Systems sind, das uns alle unterdrückt. Dieses System nennt sich
Kapitalismus und steht im Mittelpunkt, da es unsere Arbeitskräfte
ausbeutet und unsere Erde zerstört. Als Anarchist*innen schließen wir
uns also dem Kampf gegen den Kapitalismus an, da wir die
Verblendung in angeblichen "Demokratien" erkannt haben. Es ist also
entscheidend, dass wir Widerstand gegen alle diese Strukturen
organisieren, so wie es auch schon unsere Vorfahr*innen gemacht
haben, selbstbestimmt und basierend auf dem, was uns eint. So können
wir unseren Kampf eben auch in einzelne Kämpfe von der
Unterdrückung betroffenen Gruppen aufteilen. Es ist daher genauso
wichtig, dass wir es nicht zulassen, dass uns jemensch gegeneinander
aufhetzt. Anstatt uns also gegenseitig zu bekämpfen, können wir auch
an gemeinsamen Projekten arbeiten, um Wege zu finden, die Eliten
herauszufordern, zu sabotieren und sie zu besiegen und die
Machtstrukturen, die unserer Befreiung im Wege stehen, von den
Wurzeln her zu erschüttern. Anarchismus ist also auch eine Einstellung,
eine Haltung, eine Art, die Welt zu betrachten, um befreite
Communities aufzubauen und daran zu arbeiten wann, wie und
inwiefern wir zurückschlagen müssen gegen die Herrschaftsstrukturen,
die uns und unser Leben bedrohen.

https://theanarchistlibrary.org/library/anarchist-people-of-color-anarchy-in-the-town
https://theanarchistlibrary.org/category/topic/anarchist-people- of-color
https://www.facebook.com/AnarchistPOC
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