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(de) FdA/IFA Gai Dao #75 - 30 Jahre "Anarchist Federation" Ein Blick zurück, ein Blick nach vorne - Von: Anarchist Federation Britain / Übersetzung: madalton

Date Fri, 17 Mar 2017 09:00:38 +0200


Die britische "Anarchist Federation" (AF) feiert ihren 30. Geburtstag. ---- Wir haben es noch nicht geschafft den Anarcho-Kommunismus zu erreichen, was natürlich eine große Enttäuschung darstellt! ---- Andererseits liegt es nicht nur an uns. Wir haben uns immer als Teil einer weitaus größeren Bewegung der arbeitenden Klasse gesehen, die aus denjenigen zusammengesetzt ist, die eine Revolution sehen wollen, welche den Kapitalismus, den Staat sowie alle Hierarchien und Unterdrückungsformen beseitigt. ---- Unglücklicherweise ist diese Bewegung immer noch klein. Aber anstatt aufzugeben, wie es viele getan haben, indem sie sich ins Private zurückgezogen haben, reformistischen Parteien beigetreten sind oder sich lediglich auf lokale Kämpfe ausgerichtet haben, glauben wir weiterhin, dass eine großbritannienweite und internationale anarchistische Organisation eine lebendige und hilfreiche Rolle spielt beim Aufbau einer revolutionären Bewegung für eine neue Gesellschaft.

Wir mögen keine Massenorganisation sein, aber wir können stolz sein,
dass wir den Kampf für 30 Jahre weitergeführt haben, indem wir unsere
Ideen entwickelt haben in Einklang mit der Veränderung der Umstände
und neuer Perspektiven von Mitgliedern. Dieser Artikel will die
Geschichte der "Anarchist Federation" mittels der Erinnerungen von
Einzelmitgliedern erzählen. Obwohl wir um eine gemeinsame Reihe
von Zielen und Prinzipien vereint sind, ebenso wie einer
organisatorischen Praxis, sind wir ebenso eine Gruppe von Individuen,
die ihre eigene Geschichten und Blickwinkel darauf hat, wie die
Geschichte der AF sich darstellt.

Am Anfang war...

Die politische Situation der frühen 1980er Jahre war reif für eine
Wiederkehr des Anarchismus. Jahre des Thatcherismus und Angriffe
auf die arbeitende Klasse, ohne wirkungsvolle Antwort von etablierten
Politikformen, schufen ein Verlangen nach etwas anderem. Diese
Wiederkehr spielte sich nicht in einem Vakuum ab. Es hatte schon
andere anarchistische Organisationen in Großbritannien vor den
1980ern gegeben und die AF stellt in mancherlei Hinsicht eine
Weiterführung dieser Tradition dar eine anarcho-kommunistische
Organisation in diesem Land aufzubauen. Anarcho- (oder libertärer)
Kommunismus ist eine bestimmte Strömung innerhalb des
Anarchismus, die an die Notwendigkeit einer speziellen anarchistischen
politischen Organisation glaubt, welche an allen Fronten kämpft. Wir
sehen die anarcho-syndikalistischen Gewerkschaften nicht als die
einzigen Instrumente für eine Revolution, sondern suchen stattdessen
die arbeitende Klasse in der Gemeinschaft zu vereinen, mit
Arbeitsplatzorganisationen, die lediglich einen Bestandteil der neuen
Gesellschaft darstellen.

N: Ich war eines der Gründungsmitglieder der "Anarchist Communist
Federation". Ich wurde 1966 Anarchist*in und trat in den frühen
1970ern der "Organisation of Revolutionary Anarchists" bei, die sich in
die "Anarchist Workers Association" verwandelte und danach in die
"Libertarian Communist Group". Danach verbrachte ich einige Zeit in
der libertär-marxistischen Organisation "Big Flame". Ich kam gegen
Ende des Minenarbeiterstreiks zurück nach Großbritannien von
Frankreich, wo ich drei Jahre lang gelebt und gearbeitet hatte und wo
ich in der dortigen libertär-kommunistischen Bewegung aktiv war. Ich
lernte einiges in meiner Zeit in der ORA, AWA, etc. Du lernst aus
deinen Fehlern und versuchst sicherzustellen, dass sie nicht wieder
passieren werden. Du versuchst aus den Fehlern und Ausführungen
Lehren zu ziehen und sie anderen weiterzugeben. Die anderen beiden
Gründungsmitglieder hatten eine leninistische Vorgeschichte. Sie waren
beide von ihren Erfahrungen in Parteien wie die "Socialist Workers
Party" angewidert und hielten Ausschau nach etwas anderem.

B: Ich war Teil des "International Socialism", der binnen kurzem die
"Socialist Workers Party" 1976 wurde. Ich mochte ihre Analyse von
Russland, das staatskapitalistisch war, und ihren Blick auf die Kämpfe
der arbeitenden Klasse. Während meiner dreijährigen Mitgliedschaft
lernte ich allerdings von den bitteren Erfahrungen der autoritären und
manipulativen Art leninistischer Parteien. Ich verbrachte einige Jahre
mit der Unterstützung eines Streiks von Catering-Arbeitenden, als ich
in diesem Industriebereich gearbeitet habe. Die SWP-Organisierenden
waren lediglich daran interessiert wen ich rekrutieren könnte und ob
der Streik die Gewerkschaftsbürokratie bloßstellen wird - nicht an
aktuellen Ergebnissen oder dem Leid, durch das die Streikenden gingen
infolge der langen Zeit des Streikens. Die Frage, die mich veranlasst hat
tatsächlich zu gehen, war die Diskussion um die Zeitschrift "Women's
Voice". Eine der Hauptstrategien der SWP lag im Aufbau von "Front"-
Organisationen, mittels der sie rekrutieren können. Ich erinnere mich
an eines der ersten Treffen in London, bei dem die männlichen SWP-
Organisierer im hinteren Teil des Raumes saßen - offensichtlich dort
um sicherzustellen, dass die Frauen nicht von der Parteilinie abwichen!
Dies war nicht lange bevor das Zentralkommittee entschied "Women's
Voice" zu beenden. Es gab keine wirkliche Erklärung oder gewiss nichts,
was ich akzeptieren konnte. Die Frauengruppe muss zu unabhängig
geworden sein und dies war nicht erlaubt. Ich fing an mich nach
alternativen Gruppen und politischen Perspektiven umzusehen. Ich las
die Zeitungen der "Libertarian Communist Group" und ich mochte sie,
aber letztendlich beteiligte ich mich bei "Big Flame", welche eine Art
Kompromiss zwischen Leninismus und Anarchismus darstellte. Dann
verschmolz die "Libertarian Communist Group" mit "Big Flame".
Aufgrund diesen Kontakts begann ich Bücher über die russische
Revolution zu lesen. Die historische Praxis der Bolschewiki vereinigte
sich mit der gegenwärtigen autoritären Praxis. Nach einem dreijährigen
Aufenthalt in Frankreich, bei dem ich mehr Anarchist*innen traf, wollte
ich unbedingt eine Organisation in Großbritannien aufbauen.
Allerdings hatte ich einige Kritikpunkte an den Organisationen in
Frankreich, bei denen ich Mitglied war, und wollte das Ganze anders
angehen. Ich fand, dass es eine Tendenz gab sich in der
Gewerkschaftsbürokratie zu beteiligen und sie waren nicht kritisch
genug gegenüber Wahlen. Ich fand, dass sie den Aufstieg des "Front
National" und Rassismus generell nicht ernst genug nahmen.

Von einer Diskussionsgruppe zu einer landesweiten Föderation

Wir waren nun zu zweit - sicherlich nicht genug um eine neue
Organisation auf den Weg zu bringen. Aber dies war das Ziel.

N: Wir gründeten die "Libertarian Communist Discussion Group"
(LCDG) und verteilten Exemplare der Organisationsplattform der
Libertären Kommunist*innen, die aus den Tagen der AWA/LCG in
Infoläden übrig waren. Der Fortschritt ging langsam vonstatten, bis wir
den kürzlich verstorbenen Colin Parker damals trafen, der "Virus"
herausgab, eine duplizierte Zeitschrift, die sich selbst als "anarcho-
syndikalistisch" bezeichnete. Colin war bei der "Communist Party" und
verschiedenen trotzkistischen Gruppen gewesen. Er hatte anarchistische
Politik ausgearbeitet zusammen mit einem tiefsitzenden Hass auf den
Leninismus. Ab Ausgabe 5 wurde "Virus" das Sprachrohr der LCDG. Es
war für uns erstaunlich wie das Projekt startete und wir erwarteten
nicht wirklich eine landesweite Organisation so schnell aufzubauen.
Wir hatten auf der anarchistischen Buchmesse 1985 einen Stand. Es gab
einiges an begeistertem Interesse. Letztlich gingen wir zu Colin zurück
und hatten unser erstes Treffen. Andere Leute begannen zur Gruppe zu
stoßen und mit deren Beiträge wandelten wir uns in die "Anarchist
Communist Discussion Group" und dann in die "Anarchist Communist
Federation".

Es war eine aufregende Zeit, als wir zusammen
daran arbeiteten unsere "Ziele&Prinzi
pien" und unsere Organisations struktur zu
entwickeln, genauso wie an den Kämpfen
dieser Zeit beteiligt zu sein.
Eine Abspaltung der anarcho-syndikalistischen Gruppe
"Direct Action Movement", die sich "Syndicalist Fight" nennt, trat uns
bei und im März 1986 wurde die "Anarchist Communist Federation"
gegründet. Im Gründungsprozess der neuen Organisation war es
äußerst wichtig Leute auf das Projekt aufmerksam zu machen. Im
Folgenden kommt die Geschichte eines der ersten Mitglieder.

D: Ich war 19 Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit den Gefährt*innen in
Kontakt kam, welche die Gründer*innen der ACF wurden. Ich begriff
mich seit ein paar Jahren als anarchistische Person, die einem
Entwicklungsverlauf folgte, der seine Ursprünge im Anarcho-Punk und
der Etablierung einer lokalen, weitbegründeten anarchistischen Gruppe
in Coventry, der Stadt meines Zuhauses, hatte. Ich verkaufte die
Zeitung "Class War" und war Teil der früheren "Class War Federation",
obwohl ich gleichzeitig von der rätekommunistischen Gruppe "Wildcat"
aus Manchester beeinflusst gewesen bin. Als ich fühlte, dass es "Class
War" - obwohl die Gruppe tatkräftig und imstande war Initiative zu
zeigen - an jeder stimmigen, zusammenhängenden Politik mangelte,
obgleich "Wildcat" mit ihrer Rolle als politisch strammes, aber
hauptsächlich lokales Gebilde zufrieden war, war ich begeistert, als ich
zum ersten Mal von der "Libertarian Communist Discussion Group" in
der "Freedom" gelesen hatte. Ich schrieb ihnen und sie antworteten mit
einem ziemlich freundschaftlichen Brief sowie einer Kopie von der
Organisatorischen Plattform der libertären Kommunist*innen. Ich hatte
"Plattformist*innen" in Irland in der "Workers Solidarity Movement"
getroffen und war von ihrer Ernsthaftigkeit und Hingabe beeindruckt,
wenn auch nicht vollständig von ihren politischen Standpunkten. Ich
fühlte instinktiv, dass Anarchismus formell und mit einer landesweiten
und internationalen Präsenz organisiert werden musste. Während ich in
einer lokalen Gruppe beteiligt war, kam ich zur Erkenntnis, dass das
Verbinden lokaler Initiativen ohne politische Einigung auf die
Grundsätze wahrlich der Aufbau schwacher Grundlagen bedeutete.
Beim Lesen der "Plattform" wurde ich zum*zur Plattformist*in und ich
bin es noch immer, obwohl ich mit vielem, was Plattformismus
begründet, in Widerspruch zu stehen scheine. Ich besuchte ein Treffen
in London von dem Kreis, der dann die "Anarchist Communist
Discussion Group" wurde. Und mich traf, wie alt alle zu sein schienen.

Sie waren locker in ihren 30ern! Ich nahm beinahe nicht teil, weil ich
einen leichten Anflug von Grippe hatte und mich hundeelend fühlte.
Aber ich mochte, was ich hörte und ich fühlte, dass wenn ich mich
einer Gruppe anschloss, es diese Gruppe sein würde. Bevor ich mich
versah war ich beim Gründungstreffen der "Anarchist Communist
Federation" mit dabei. In derselben kleinen Wohnung in der Mitte von
London! Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Namen, weil ich dachte er
enge uns ein (Ich wurde im Grunde genommen von
rätekommunistischen Ideen beeinflusst und ich war sicherlich mehr
"kleines-m-Marxist*in" als viele der frühen ACF-Gefährt*innen, aber
ich sprach dies in dieser Zeit wohl nicht aus. Zu schüchtern! Ich hängte
mich voll in die ACF und wurde landesweite*r Sekretär*in bevor ich 21
wurde.

Warum beteiligten sich die Leute?

In den ganzen Jahren zogen wir Leute mit einer Vielzahl politischer
Hintergründe an. Von Anfang an beteiligten sich Leute, die nicht bereit
waren passive Mitglieder zu sein. Sie waren erfahrene Gefährt*innen,
die Teil der Organisationsgestaltung sein wollten. Davon handelt
anarchistische Organisation überhaupt. Darüber hinaus sahen die Leute,
dass wir Dinge taten und eine anarchistische Präsenz auf Demos und
bei Protestaktionen hatten.

R: Ich beteiligte mich bei der ACF damals 1986, wenige Wochen
nachdem sie gegründet worden ist. Und um ehrlich zu sein war ich
nicht vollständig bezaubert von den politischen Aktivitäten der neuen
Föderation und obwohl die ursprünglichen "Ziele&Grundsätze" ein
bisschen etwas von linkoidem Sammelsurium hatten. Zuvor hatte ich
mich bei Gruppen wie "Careless Talk" in North Staffordshire beteiligt,
die sich einem Anarcho-Kommunismus verschrieben haben, welcher
vielleicht dem Rätekommunismus näher stand. Sie fusionierten mit
"Wildcat", aus denen später die "Subversion Group" wurde. Also
weshalb schloss ich mich der ACF dann an? Ich vermute ich reagierte
in dieser Zeit auf den hohen Grad an Borniertheit in der
anarchistischen Szene. Abgesehen von der Vorreiterorganisation von
"SolFed", der "Direct Action Movement (DAM)" agierte so gut wie
jede*r in der kleinen anarchistischen "Bewegung" mittels verschiedener
lokaler Gruppen in den verschiedenen Städten. Gelegentlich
verknüpften wir uns mittels Initiativen wie beispielsweise der "North
West Anarchist Federation" (aktuell ein sehr lockeres Netzwerk) und
den verschiedenen anarchistischen Kongressen, die ab und zu
stattfanden, aber dies ist in etwa das Höchstmaß unserer Handlungen
über die Borniertheit hinauszugehen. Deshalb mochte ich die Tatsache,
dass die ACF nicht zögerte auf Landes- (und internationaler) Ebene
agieren zu wollen. Und ich spürte, dass diese Art von Organisation
etwas war, was die Bewegung tatsächlich brauchte, falls sie es jemals zu
etwas bringen sollte. Warum schloss ich mich dann nicht der DAM an,
wenn ich für eine landesweite/internationale Organisation war? Nun,
obwohl ich ihre Zeitung mochte und mit den DAM-Mitgliedern zurecht
kam, wusste ich, dass sie anarcho-syndikalistisch waren und ich von
dieser Strategie persönlich noch nie überzeugt war. Obwohl ich bei der
ACF Mängel sah, dachte ich auf der anderen Seite, dass sie das Potential
hatte sich zu einer effektiven anarchokommunistischen Organisation zu
entwickeln. Wie ich schon sagte, glaubte ich, dass dies etwas war, was
wir brauchten, besonders als die größten und sichtbarsten Gruppen
jener Zeit die staatskapitalistischen, leninistischen und trotzkistischen
Linken waren, deren Buchstabensuppe aus SWPs, RCPs und anderen
kollektiv nummerierten viele Tausenden von Mitgliedern bestand.
Währenddessen waren die Anarchist*innen nicht einmal auf dem
Schirm der Trotzkist*innen, geschweige denn bemerkt von der breiteren
Klasse der Arbeitenden oder dass sie es schafften, dass die
blutsaugenden Kapitalist*innen sich aufrichteten und eine Augenbraue
hochzogen. Ein weiterer Grund, weshalb ich der ACF beitrat, war, weil
einige großartige, wirklich engagierte Leute beteiligt waren. Ein paar
von ihnen wurden lebenslange Gefährt*innen und Freund*innen. Ich
denke an einige der Gründungsmitglieder unten in London und im
Südosten und oben in Stirling, ebenso wie an diejenigen, die später
beitraten, in Nottingham, Manchester und anderen Städten überall im
Land. Ich denke auch an Gefährt*innen, die traurigerweise nicht mehr
bei uns sind wie der verstorbene Colin Parker und Bob Miller.

A1: Bevor ich Interesse am Anarchismus
entwickelte, war ich in der Partei der
Grünen beteiligt, die ich - um ehrlich zu
sein - bei wenigen Gelegenheiten dulde,
aber ich kam zur Erkenntnis, wie
aufrichtig und hilfsbereit einige ihrer
Mitglieder auch waren, dass sogar wenn
einige gewählt werden, sie nicht fähig
wären ihre Politik zu verwirklichen
aufgrund der Art wie das System unter
dem Kapitalismus funktioniert. Nachdem
ich etliche Bücher gelesen hatte, fing ich
an zum Anarchismus zu neigen als eine Möglichkeit irgendeine positive
Veränderung auf der Welt zu bewirken. Ich nahm die Anarchistische
Föderation zum ersten Mal auf der 1. Anarchistischen Buchmesse in
Norwich um 2004 wahr, aber trat ihr derzeit nicht bei, bis ich 2006
zurück nach London-Süd zog. Eine meiner ersten Tätigkeiten bestand in
der Teilnahme an einer Demo gegen die Regierungspläne
Personalausweise einzuführen und ich erinnere mich an ein AF-
Mitglied und sein Auftreten im Stile eines alten Zeitungsverkäufers,
wenn er Exemplare von den "dem Personalausweis trotzen"-
Flugblättern verteilt. Seit damals war ich auf zahlreichen Demos,
besuchte anarchistische Buchmessen und half bei Veranstaltungen aus.
Nach meinen ersten zehn Jahren als Mitglied komme ich zum Schluss,
dass jegliche Chance, die wir haben den Kapitalismus umzustürzen, in
der Bildung der Menschen liegt, was Anarchismus ist und dass es eine
alternative Lebensweise zum gegenwärtigen System gibt. Ich hoffe Teil
davon zu sein.

Ideen werden entwickelt

Im Laufe der 1980er Jahre verfeinerten und entwickelten wir unsere
Politik mittels Diskussionen über die "Ziele&Grundsätze". Dieser
Prozess wurde durch Gefährt*innen aus Nottingham gefördert, die
weiterhin eine lebendige Rolle bei der Entwicklung unserer Politik
einnahmen genauso wie sie die anarchistische Geschichte mit dem
"Sparrow's Nest" bewahrten, einem landesweiten Archiv für
anarchistisches Material und Veröffentlichungen.

D: Ich spürte jedoch dass wir ein paar unserer politischen Aktivitäten
festziehen mussten, besonders hinsichtlich der Fragen der
Gewerkschaften und Nationalitäten. Als eine Gruppe von uns 1989
mandatiert wurde die "Ziele&Grundsätze" neu zu schreiben, fühlte ich,
dass wir eindeutig Fortschritte machten. Diese "Ziele&Grundsätze" sind
immer noch bei uns und halfen uns eine wirkungsvolle Kritik der
Gewerkschaften und der nationalen Befreiungskämpfe zu entwickeln.
Der Prozess des Neu-Schreibens verlief schwierig, aber die neuen
Mitglieder brachten frische Ideen ein und binnen kurzem waren die
"älteren" Mitglieder komplett dabei.

In Kämpfen tätig

Es ging nicht allein darum anarchistische
Ideen zu theoretisieren oder zu
diskutieren. Wir brauchten sowohl
Theorie als auch unmittelbare
Beteiligung in den Kämpfen der
arbeitenden Klasse.

J: Ich schloss mich 1992 in Liverpool der
AF an. Ich trat der "Labour Party" 1974
mit 16 Jahren bei und blieb darin bis ich
1990 ausgeschlossen wurde. Ich brauchte
etwas bedeutenderes und direkteres und während ich die
Bibliotheksregale durchstöberte entdeckte ich wieder Emma Goldman,
Alexander Berkman, Kropotkins "Gegenseitige Hilfe" sowie
"Landwirtschaft, Industrie und Handwerk" und später Bakunin,
Malatesta und die spanische Revolution. Was mich zur AF zog war der
Enthusiasmus, die Scharfsichtigkeit und Entschlossenheit ihrer
Mitglieder, die erkannte, dass Einheit und speziell Einheit um den
Klassenkampf herum, keine Frage der Jugend, der Bücher oder lediglich
der Theorie war, sondern etwas, was durch Erfahrung und oftmals
harten Lehrstunden erworben wird. Ich mag ebenfalls ihre Kampfeslust,
ihre Bereitschaft falsche Ideen der Linken genauso wie reaktionäre
Dogmen der Rechten infrage zu stellen. Und ich fand die vier
Grundsätze des organisierten Anarchismus - Gleichheit, freie
Vereinbarung, freie Meinungsäußerung und Gegenseitige Hilfe -
außerordentlich bedeutend, weil sie die Basis - die einzige notwendige
Basis - für eine funktionierende gerechte menschliche Gemeinschaft
bereitstellen. Alles was wir sagten und taten - der Kampf - alles wurde
auf die Auswirkung erprobt und gefiltert, was es auf das
Klassenbewusstsein sowie die Bereitschaft und Fähigkeit der
arbeitenden Klasse haben würde dem Kapitalismus die Stirn zu bieten.

A2: Ich schloss mich der ACF 1987 an, im selben Jahr wie der
Druckerstreik in Wapping. Ich war eine*r der Organisierenden von
"Stop the City" und war in der Claimants-Gewerkschaft involviert. Ich
traf mich zunächst mit den Leuten auf eine der Wapping-Demos. Ich
mochte die Vorstellung eine landesweite Organisation mit lokalen
Kämpfen zu verbinden.

R: Die ACF wurde kurz nach dem Streik der Minenarbeiter*innen
aufgebaut und eine der ersten Dinge, an denen wir meiner Erinnerung
nach sofort beteiligt waren, war die große Aussperrung der "News
International" des Rupert Murdoch Wapping-Betriebs. Es war eine Zeit
der Massenmahnwachen, offener Feldschlachten mit der Polizei und
Arbeiter*innenschlägergruppen, welche die Streikbrecherlastwagen mit
Pflastersteinen und Betonklumpen angegriffen haben. Wie ich mich
erinnere waren wir auch ungefähr zur selben Zeit an pro-choice-
Aktivitäten gegen David Altonas Anti-Schwangerschaftsabbruch-
Gesetzesentwurf beteiligt. Mitglieder waren ebenso in verschiedenen
Basisinitiativen wie beispielsweise der Kommunikationsarbeitsgruppe
der Postangestellten. Wir leisteten auch eine Menge an Rund-um-
Streikunterstützung bei der späteren Seeleute-Auseinandersetzung bei
P&O und andere Mitglieder waren in der Claimantsgewerkschaft und
der Hausbesetzer*innenszene aktiv.

Die Wahlsteuer

Die Anti-Wahlsteuerbewegung war für viele Anarchist*innen eine
prägende Bewegung. Die Militanz der Bewegung, die
Graswurzelbestandteile und die Tatsache, dass es mit einem Sieg endete
stellte einen riesigen Schub dar. Die ACF spielte darin eine Rolle - mit
Mitgliedern, welche an den ersten Demos in Schottland teilnahmen und
sich in ihren Wohnsiedlungen organisierten.

R: ACF'ler*innen waren auch im Anti-Wahlsteuerkampf stark beteiligt.
Genau genommen organisierte die Londoner ACF die allererste Anti-
Wahlsteuer-Versammlung in England und unsere "Beating the Poll
Tax"-Broschüre, die von der Nottinghamer Gruppe erstellt worden ist,
falls ich mich richtig erinnere, wurde sehr bekannt, immer wieder
gedruckt und von allen möglichen Gruppen des Landes weit und breit
verteilt

Veröffentlichungen

Wir erstellten zwei Broschüren während der Wahlsteuerkämpfe und
dies waren nur ein paar der vielen Veröffentlichungen, die von der
ACF/AF über die Jahre erstellt worden sind. Wie beispielsweise bei der
Wahlsteuer standen unsere Broschüren oftmals direkt mit Kämpfen in
Zusammenhang, in denen wir beteiligt waren, zum Beispiel bei "Defy
ID". Wir änderten den Namen von "Virus" zu "Organize!", begannen das
Nachrichtenblatt "Resistance" zu erstellen und stellten eine Menge
Broschüren her. Wir pflegen eine Kultur, in der jede Person Dinge
schreiben kann und wir arbeiten kollektiv an unseren
Veröffentlichungen.

J: Ich finde was über "Resistance" hinaus gemacht wurde: "Ein Manifest
für das Millenium" - solch eine maßgebliche Arbeit ist die Form, dass es
offen war. Jede Zeile wurde von Hand gemacht, gestaltet, ausgetauscht,
wenn neue Gedanken und Ideen von verschiedenen Leuten und
Blickwinkeln in eine zusammenhängende und schlagkräftige
Kapitalismuskritik und einen Fahrplan für die Zukunft gegossen
wurden. Eine Menge davon wurde im Haus, in welchem ich lebte,
geschrieben, in Echtzeit während eines landesweiten
Delegiertentreffens, das sich in einen Schmelztiegel von Ideen und
Worten verwandelte. Dieses Treffen inspirierte mich später die AF-
Broschüre "Arbeit" zu schreiben und später "Die Rolle der
revolutionären Organisation" neu zu schreiben und die Wiederauflage
der "Tyrannei der Strukturlosigkeit/Struktur" voranzutreiben und dann
auszugestalten. Aber kein Vergleich zu diesem Moment kollektiver
Kreativität, der Bewusstsein und Zielstrebigkeit freigab - an ein
einziges Publikum gerichtet - die arbeitende Klasse - und mit einem
einzigen Ziel: Revolution. Alle unsere Veröffentlichungen handeln von
der Entwicklung unserer Vorstellungen und den Aufbau einer
effektiven anarchistischen Präsenz in Großbritannien. Viele
Mitstreiter*innen wirkten über die Jahre an unseren Veröffentlichungen
mit. Der verstorbene Bob Miller, der sich uns in den späten 1990er
Jahren von "Subversion" anschloss, beteiligte sich an der Entwicklung
unserer Veröffentlichungen genauso wie an anderen Themen der AF. Er
stellte nicht nur die Logistik für Layout und Druck bereit, sondern war
ein Hauptverteiler all unserer Veröffentlichungen. Die Broschüre
"Gegen Nationalismus" beruht hauptsächlich auf seinem Wirken
zusammen mit einer anderen Person.

Kampf gegen Unterdrückung

Eine der bedeutendsten Entwicklungen der neueren Geschichte der AF,
die sich 1999 von ACF umbenannte, war der Einfluss des Anarcha-
Feminismuses, queerer und transgender-Politik. Die AF war eine
hauptsächlich männlich-dominierte Organisation und Arbeit zu
Geschlechterfragen wurde vernachlässigt. Das Gewicht lag auf der
Einheit der arbeitenden Klasse. Dies war ungeachtet einer unserer
klaren Aussagen unserer "Ziele&Prinzipien", dass wir Kämpfe gegen
Unterdrückungsstrukturen nicht als zweitrangig zum Klassenkampf
ansahen.

B: Ich war mir nicht sicher, wann ich als erstes die Veränderungen
bemerkte. Ich war mit Arbeit und anderen Verpflichtungen sehr
beschäftigt gewesen, so dass ich nicht landesweit involviert war. Ich
war es gewohnt eine der wenigen Frauen zu sein und an die Tatsache
gewöhnt, dass Geschlechterfragen nicht im Interesse der meisten
Mitglieder lagen. Es war nicht so, dass die Leute gegen das Nichtstun
waren, Kämpfe zu reproduktiven Rechten wurden immer unterstützt,
aber sie waren einfach nicht Teil des Schwerpunkts der meisten Leute.
Aber irgendwann bemerkte ich, dass ich nicht alleine war! Mit neu
beigetretenen Gefährt*innen, die ausschließlich anarcha-feministische
Politik bekundeten, änderten sich die Dinge. Wir führten vermehrt
Diskussionen zu Geschlecht, wir bildeten ein Frauengremium (jetzt das
gender-unterdrückte Gremium) und das queere Gremium und wir
halfen die anarcha-feministische Konferenz zu organisieren.
Gefährt*innen, welche die binäre Einteilung in männlich und weiblich
ablehnten, Gefährt*innen, die sich weigerten die biologische
Feststellung des Geschlechts zu akzeptieren, forderten die Sichtweise
derjenigen Leute heraus, welche diese Themen nicht kannten. Einige
Gefährt*innen leisteten Pionierarbeit zu einer safer-space-Vereinbarung.
Unsere Veröffentlichungen spiegeln die Themen und Kämpfe gegen
geschlechtsspezifische Unterdrückung besser wieder. Eine Ausgabe von
"Resistance" wurde Geschlechterkämpfen gewidmet und wir haben eine
Broschüre veröffentlicht, die den Titel "Revolutionäre Frauen" trägt.

Mitstreiter*innen regten eine Debatte an, indem sie Leute in die
Privilegien-. und Intersektionalitätskonzepte einführten. Einige dieser
Analysen wurden nicht vollständig von allen Mitgliedern unterstützt
und der Prozess der Sicherstellung, dass Kämpfe gegen
Unterdrückungsstrukturen ernst genommen werden, genauso wie den
Dialog mit allen Mitgliedern offen zu halten, ist eine Sache, an der wir
weiterarbeiten müssen. Allerdings spüre ich, dass wir großartige
Fortschritte bei der Verwirklichung gemacht haben, was eines unserer
Hauptgrundsätze war - dass Frauen und andere unterdrückte Gruppen
sich autonom organisieren können und dass wir keinen
Anarchokommunismus haben können bis alle
Unterdrückungsstrukturen beseitigt sind.

Der Beitritt zur Internationelen der anarchistischen Föderationen (IFA) 1994

Dies war ein großer Schritt für uns und war einer der positivsten
Aspekte unserer politischen Aktivitäten. Wir trafen einige fantastische
Leute genauso wie wir unser Wissen, was international vor sich geht,
erweiterten. Wir hatten immer einen internationalen Blickwinkel in der
AF, aber durch die Aufnahme in die IFA waren wir fähig dies in die
Praxis umzusetzen. Wir stellten das Sekretariat von 1994-1998 und
beteiligten uns jüngst für die nächsten vier Jahre nach dem IFA-
Kongress diesen Sommer[2016](siehe den Artikel in dieser Ausgabe
[der Organize]über den Kongress).

Neue Gruppen

Die Lokalgruppe stellt die Grundlage der Föderation dar. Obwohl wir
viele Einzelmitglieder haben, die überall verstreute sind, beruht das
Wohlergehen der Organisation darauf zuverlässige Lokalgruppen zu
haben. Im vergangenen Jahrzehnt haben
wir uns auf alle Teile des Landes
ausgebreitet, von Schottland bis
Cornwall.

1. Schottland und Wales

Eine der weiteren Hauptentwicklungen
lag im Aufbau der AF Alba und in
jüngerer Zeit der AF Wales. Wir sind
keine Nationalist*innen, aber die
föderale Struktur eignet sich für
Gruppen in verschiedenen Gebieten,
weil die Gruppen über ihre eigene
Autonomie verfügen. Obwohl es jedoch
einige Themen gibt, die relevanter für
verschiedene Regionen sind (wie
beispielsweise Nationalismus in
Schottland), finden wir immer noch,
dass die meisten der Themen die gleichen sind, beispielsweise die
Austeritätspolitik, (arbeitsrechtliche) Angriffe auf Arbeiter*innen sowie
Solidarität mit Einwanderer*innen.

2. Bristol
Seit dem Beitritt in die AF 2010, ist die Gruppe aus Bristol für uns alle
eine Inspiration. Von jüngeren Gefährt*innen gegründet, erzielte sie
immer größere Erfolge. Sie ist ein Beispiel wie eine effektive Gruppe
auf einer starken kollektiven Identität beruhen muss ebenso wie eine
nicht-sektiererische Haltung gegenüber anderen zu haben, die in ihrer
Region aktiv sind. Wir fügen hier einen ausführlichen Beitrag von der
Gruppe ein, weil er am besten ausdrückt, was die AF heute ist.

Die Bristol-Gruppe

Die Afed-Gruppe aus Bristol wurde von Einzelpersonen gegründet, die
glaubten, dass eine Lücke in der Stadt existiert für eine organisierte,
allgemeine anarchistische Gruppe. Zu dieser Zeit legten die anderen in
Bristol bestehenden Gruppen ihren Schwerpunkt auf bestimmte
Bereiche wie beispielsweise "No Borders", Tierrechte, Klimawandel etc.
Unsere Gruppe war klein, relativ jung und unerfahren, aber wir waren
engagiert und schnell machten wir uns in der Stadt herum bekannt. Für
einige von uns gründeten wir uns als Reaktion auf den aktivistischen
Ist-Zustand. Wir zogen es nicht vor das für bare Münze zu nehmen was
uns von Langzeitaktivist*innen erzählt wurde, sondern zu lernen,
indem wir Dinge ausprobierten. Wir machten Fehler, hatten Erfolge,
zogen unsere Lehren daraus und verbrachten ziemlich viel Zeit in
Polizeizellen oder warteten auf unsere Gefährt*innen, dass sie daraus
entlassen wurden. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts unserer Gründung
hätte nicht besser für solch eine Gruppe sein können. Die
Konservativ/Demokratische Koalition kam an die Macht,
Studiengebührenproteste, die Bauernhof-
Aufstände von Stoke, Aktionen gegen
Sparmaßnahmen und eine aktivistische
Gemeinschaft in vollem Gange in Bristol
spielten alle ihre Rolle während unserer
Gründungsjahre. Sie bedeuteten
unheimlich viel Spaß und harte Arbeit,
aber unser anfängliches Modell war
nicht zukunftsfähig. Wir hatten
regelmäßige Ingewahrsamnahmen durch
die Polizei, aber wir scheiterten jegliche
Wirkung zu zeigen und es fehlte viel an
politischer Analyse oder sogar Richtung.
Während den unbesonnenen Tagen 2011
fühlten wir uns jedoch als ein Teil einer
größeren aufständischen Jugend und
arbeitenden Klasse. Und es gibt eine Menge zu sagen über die
Freisetzung deiner Wut auf der Straße. Es ist etwas was ich heutzutage
weniger beobachte. Obwohl einige der Probleme, welche den meisten
lokalen aktivistischen Gruppen begegnen, noch heute eine Rolle spielen,
brachte es die Gruppe weit. Unsere ansteigende Beteiligung in der
größeren Föderation half uns dabei, weil wir vom Austausch von Ideen
und Erfahrungen mit Afed-Gruppen aus anderen Städten lernten. Die
Gruppe ist tragfähiger, reifer, beteiligt sich an einer breiteren Anzahl an
Aktivitäten, und sie ist produktiver. Und doch bleibt in ihrem Kern die
Philosophie, mit der sie anfing: Zusammenarbeit mit anderen Gruppen,
Solidarität und Unterstützung zeigen, Diskussionen fördern, gewillt sein
etwas zu riskieren und dazu zu lernen.

Stellungnahme des Starts der Bristol AF, zuerst veröffentlicht auf Indymedia

Im Januar diesen Jahres gründete eine Gruppe von Einzelpersonen, die
in Bristol leben, den neuesten Ableger der "Anarchist Federation". Die
Afed ist die größte landesweite anarchistische Gruppe in
Großbritannien. Es ist ein Netzwerk von klassenkämpferischen
Anarchist*innen, die das Ziel haben den Kapitalismus und alle Formen
von Unterdrückung abzuschaffen um eine freie und gerechte
Gesellschaft zu erschaffen - eine Gesellschaft ohne Führer*innen und
Chef*innen, ohne Krieg und Umweltzerstörung. Als neue Gruppe will
Bristol AF antikapitalistische Graswurzelkämpfe in Bristol und
Umgebung unterstützen. Wir wollen Solidarität mit Arbeitenden und
denjenigen ausdrücken, die sich am Kampf der arbeitenden Klasse und
direkten Aktionen beteiligen um das Vordringen multinationaler
Konzerne in jeden Aspekt unseres Lebens zu verhindern. Wir bemühen
uns auch darum direkte Unterstützung für Ein-Themen-
Kampagnengruppen in der Region anzubieten, die unsere Ziele und
politische Aktivitäten teilen und die Anarchismus als eine lebendige
Alternative zum auf Kapital und Macht basierenden Staatssystem
darstellen. Während wir wünschen ein nützlicher Teil von - und wir
haben eine Menge Respekt vor - der lokalen anarchistische Bewegung
zu sein, gründeten wir uns, weil wir genug haben von der engstirnigen
Arroganz, dem Mangel echter Gleichheit und versteckten Hierarchien,
die in dieser gleichen Gemeinschaft bestehen. Einige Leute können
spüren, dass sie von denjenigen von oben herab angesehen werden, die
über mehr Erfahrung und mehr Wissen über die anarchistischen
Bewegung verfügen, und dass sie eben nicht von denjenigen unterstützt
werden; deutlich ausgesprochen von denjenigen, welche anarchistische
Veranstaltungen und Aktionen länger geplant haben, als sie
Belehrungen gegeben haben; aus der Angabe durch diejenigen, die
mehr anarchistische Literatur untersucht haben als von ihr belehrt
worden zu sein. Wir haben es satt, dass Klassenkampf für viele Leute,
nicht mehr die Selbstermächtigung der arbeitenden Klasse und der
Kampf für eine bessere Lebensqualität bedeutet. Stattdessen wird
Klassenkampf als die Handlungen und Meinungen einiger elitärer
Einzelpersonen aus der Vergangenheit und (leider auch) der Gegenwart
wiedergegeben, die denken arbeitende Klasse bedeutet dem Bier
saufenden, ungebildeten, gleichgültigen Vorurteil gerecht zu werden,
das von den herrschenden Klassen selbst erschaffen wurde. Wir hoffen,
dass die Gründung der Bristol Afed dieses Jahr, IWW Bristol und der
Neugründung von "Bristol Class War" letztes Jahr irgendwie diese
Sichtweisen verändern wird - wir können lediglich abwarten. Wir
haben es satt, dass Umweltzerstörung von grünen Kapitalist*innen
verwendet wird ihre Gier nach immer größeren Profiten
voranzubringen, und eben nicht als eine der vielen Aspekte des
Versagens eben diesen Systems dargestellt wird. Wir haben genug von
denjenigen Libertären, welche die antikapitalistische Bewegung für ihre
eigene Macht gekapert haben, indem sie Zwecke verfolgen welche eben
die Hierarchien aufrechterhalten, welche wir erstreben sollten
abzuschaffen. Wir haben genug von dem phasenweisen Mangel an
Kommunikation und Organisierung zwischen anarchistischen Gruppen,
aufgrund von unbedeutenden Nuancen in politischer Ausrichtung,
Taktiken und Organisierung oder sogar belangloserer persönlicher
Missstände. Wir streben danach uns durch jegliche
Meinungsverschiedenheit durchzuarbeiten um eine wirkungsvollere
und kohärentere Bewegung in Bristol aufzubauen - allerdings bleiben
wir nach wie vor der anarchokommunistischen Aufgabe treu: "Ein
Angriff auf eine*n ist ein Angriff auf uns alle". Wir haben genug davon,
dass "Anarchismus" von vielen innerhalb des Freundeskreises als eine
Entschuldigung verstanden wird um ihre finanziellen Erträge für
Ketamin und eine neue Leine für ihren Hund auszugeben, "A im Kreis"
auf Tafeln zu zeichnen und denken, dass der Kapitalismus einfach
spontan kollabieren wird. Wir streben jedoch nicht danach uns auf
jegliche Art von Selbstgerechtigkeitspodest zu stellen, sondern
Menschen in unsere Arbeit politisch einzubinden. Bristol AF hofft, dass
wir durch harte Arbeit, gegenseitige Hilfe, Kommunikation und
Zusammenarbeit mit anderen anarchistischen Organisationen und
Graswurzelkampagnengruppen diese Probleme überwinden und dass
die Grundlagen für sozialen Wandel errichtet werden können. Wir
unterstützen anarchistische Kampagnen und Gruppen sowohl lokal,
landesweit als auch international. Wir hoffen Barrieren und Grenzen in
all ihren Formen zu untergraben um eine zusammenhaltende
anarchistische Gemeinschaft aufzubauen, die auf sozialen Wandel
hinarbeitet.

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorne

Wir fassen diesen Artikel mit einigen allgemeinen Reflexionen von
älteren Gefährt*innen zusammen, die sich immer noch voll engagieren
und aktiv sind, genauso wie von neueren Mitgliedern, die darüber
berichten, warum sie dazugekommen sind. Dies stellt das Beste an der
AF dar - die Erfahrung und das Langzeitengagement der älteren
Mitglieder zusammen mit neueren Mitgliedern, die neue Ideen und
Enthusiasmus mitbringen.

N: Ich machte mit der Organisation ihre Höhen und ihre Tiefen durch.
Die Teilnahme der AF an den Wapping-Streik Massenmahnwachen, die
wilden Aktivitäten der Wahlsteuerrevolte, die Kampagne gegen "Section
28" (einem Gesetz, das die Verbreitung von Homosexualität verbietet),
der Kampf gegen den Strafrechtsgesetzesentwurf, Millbank und die
Studierendenagitation, Streikunterstützung und einfach herkömmliches
an einer Straßenecke stehen und Flugblätter und Broschüren verteilen,
Plakate und Aufkleber kleben. Ich bleibe voll engagiert um eine
wirkungsvolle anarchistische Präsenz in Großbritannien zu stärken und
aufzubauen. Ich erinnere und erfreue mich an viele wundervolle
Menschen, die ich in der AF getroffen habe, und gedenke und betrauere
die toten Gefährt*innen wie Colin Parker und Bob Miller, die so viel für
die AF getan haben. Ich finde die AF kämpfte jahrelang über ihrer
Gewichtsklasse und ich denke die Geschichte wird zeigen, dass sie
einen wichtigen Einfluss auf den Anarchismus sowohl hier als auch im
Rest der Welt gehabt hat.

D: Der Unterschied zwischen der ACF und der AF war die Art, die ihr
nicht erlaubt hat in ihren politischen Aktivitäten weder zu eng noch zu
breit zu werden. Trotz unserer Größe möchte ich annehmen, dass wir
niemals eine Sekte oder übermäßig selbstverliebt und engstirnig
geworden sind. Was sich nicht ereignet hat ist die Entstehung einer
inoffiziellen Führung. Vorstellungen von Menschen wie mir, der etwa
seit dem Beginn dabei war, wurden immer von jüngeren Gefährt*innen
infrage gestellt und es gibt nicht viel Verehrung von Älteren. Ich denke
ohne die ACF und AF - beständige, klassenbasierte anarchistische
politische Aktivitäten in einer organisierten Form - würde die
anarchistische "Szene" in Großbritannien in einem weitaus prekäreren
Zustand als gegenwärtig sein.

R: Für alles was ich früher über uns gesagt habe, dass wir eine
wirkungsvolle anarcho-kommunistische Organisation werden,
schwankte die Mitgliedschaft ironischerweise für viele jener frühen
Jahre um eine winzig kleine Zahl von 30-35 Mitgliedern. Immerhin
schlugen wir uns akzeptabel mit unseren 30-ungerade Mitstreiter*innen,
weil wir es geschafft haben eine regelmäßige Zeitschrift sowie eine
Zeitung herauszubringen und darüber hinaus unzählige andere
Veröffentlichungen, Broschüren und Flugblätter. Wir waren ebenso bei
einer größeren Reihe von Themen, Kampagnen und Unternehmungen
unglaublich aktiv und es gab nie genug Zeit am Tag um alles zu
erledigen. An unserer beständigen kleinen Größe war nicht viel zu
ändern bis nach dem Zusammenbruch des Staatskapitalismus und der
Sowjetunion. Jetzt sind die verbleibenden leninistischen und
trotzkistischen Organisationen fahle Schatten ihres früheren Selbsts.
Aber mehr Leute fingen an sich an anarchistischen Aktivitäten zu
beteiligen und Gruppen wie die ACF/AF und SolFed wuchsen in ihrer
Größe an trotz der weitläufigen Entpolitisierung, die innerhalb der
arbeitenden Klasse stattgefunden hat. Als ich beitrat gab es ein oder
zwei Dinge in der ACF, mit denen ich nicht übereinstimmte. 30 Jahre
vergingen und wir haben eine deutlich bessere Zusammenstellung der
"Ziele&Prinzipien" und wir haben eine landesweit und international
begründete anarchokommunistische Organisation, die fortfährt sich
über ihre Gewichtsklasse hinaus gut zu schlagen. Das genügt mir.

J: Dies mag großspurig klingen, aber letztendlich glaube ich wirklich,
dass der soziale und organisierte Anarchismus, den ich in den 1990ern
innerhalb der AF gefunden habe, immer noch den besten Weg für die
Menschen bietet um zu leben und vielleicht der einzige Weg, der die
Menschheit nicht enden lässt indem sie sich selbst zerstört. Aber die AF
muss auf das Vorschlagen praktischer Lebensformen zurückkommen -
auf organisierter Arbeit, Bildung, Leben an sich - das vom Rest der
Menschheit aufgenommen werden kann. Die heutigen Kämpfe werden
in ansteigendem Maße von Schreihälsen und pathetischen
Redner*innen angeführt - und oftmals auch innerhalb der Linken, die
sich - statt auf Denker*innen und Lehrende oder Führer*innen - auf
Ideen bezieht, nicht auf Menschen; Kämpfer*innen, ja, aber wir sind
oftmals nicht frei von der Notwendigkeit uns einzusetzen.

Und von neuen Mitgliedern

P: Ich trat unlängst der Afed bei, nachdem ich mich seit langer Zeit als
Anarchist*in bekannt habe und im Umfeld von allem gewesen bin so
lange ich mich erinnern kann. Ich wurde sozialistisch aufgezogen, mit
dem Gesang der Roten Fahne und der Erinnerung der marxistischen
Wurzeln der "Labour-Partei". Ich wurde erzogen zu protestieren und
politisch zu denken mit einem stark ausgeprägten Sinn für soziale
Gerechtigkeit. Eines Tages erkannte ich, dass ich kein*e Sozialist*in war.
Meine Entscheidung Afed beizutreten war sehr überlegt. Ich war
niemals ein*e Teilnehmer*in von Dingen und zog es vor ein bisschen
anonym zu sein, aber ich fühlte vor kurzem, dass es Zeit ist Farbe zu
bekennen, also zu sprechen und die Dinge offiziell zu machen. Das
vergangene Jahr verbrachte ich Zeit mit anderen Gruppen der
"Linksradikalen". Ich wollte sehen wie sie als Menschen ebenso wie als
Organistionen sind; Sind sie einladend? Wollen sie mich nur
rekrutieren? Wie gestalten sich ihre politischen Aktivitäten? Sind sie
beständig? Organisiert? Sind sie lediglich ein cliquenähnlicher sozialer
Verein? Ich schaute sehr viel auf mich selbst, wie ich mich im Leben
benahm; lebte ich gemäß der politischen Ausrichtung, auf die ich mich
berief? All diese Dinge halfen mir bei dem Entschluss der Afed
beizutreten und ich bin mit dieser Entscheidung zufrieden. Ich habe
Freund*innen, die vom Anarchismus abgerückt sind, weil sie spürten,
dass er zu "idealistisch" sei, aber mit ansteigendem Nationalismus in
Schottland, einer rechten Regierung in Großbritannien und steigendem
offen rassistischen rechtsradikalen Großbritannien (ganz zu schweigen
von der USA) spüre ich, dass eine Menge Leute gerade sehr idealistisch
werden, in einer Art und Weise, die mich sehr entsetzt. Deshalb ist jetzt
die Zeit idealistisch zu sein und ich habe damit kein Problem.

Link zur "Organise!" #87 / Winter 2016 inkl. Originalartikel:
https://afed.org.uk/organise-magazine-issue-87-winter-2016/
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