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(de) FdA-IFA, Gai Dào Nr. 74 - Syndikalismus als verinnerlichte Haltung? - Was wird und was will "Tsveyfl"? Von: Jens Störfried

Date Sun, 26 Feb 2017 09:35:54 +0200


Anm. d. Red.: Kurze Zeit, nachdem uns der unten abgedruckte "Call for Papers" erreichte, landete in unserem Postfach auch gleich eine Replik dazu. Diese möchten wir hier auch dokumentieren, sind aber in jedem Fall gespannt, wie es mit dem Projekt weitergeht. ---- Da macht mal wieder wer was vermeintlich Neues, will Debatten oder so anstoßen, die angeblich nicht geführt werden würden und schreibt einen "Call for Papers", damit sich Autor*innen für ihr*sein Projekt bewerben. Ihr alle könnt euch einbringen bei der ersten Ausgabe von "Tsveyfl" (https://tsveyfl.blogspot.de). Wenn ihr durch die Prüfung gelangt und eure "Eckdaten" angebt, dürft ihr dort vielleicht was veröffentlichen. Und womit startet ein neues Projekt - wie wahrscheinlich viele von uns mal ein neues Projekt angefangen haben?

Selbstverständlich erst mal damit, zu behaupten, dass es eine
grundsätzliche Neuerung braucht - hier ausschließlich anarchistische
Theorie - und alte Annahmen in Zweifel gezogen werden sollen. Dieser
These ist durchaus zuzustimmen und es wird spannend, ob Tsveyfl es
schafft, hierzu einige Beiträge zu versammeln, die unsere Debatten
möglicherweise wirklich weiterbringen können.

Jedoch irritierte mich die Passage "Über uns" auf der Website doch
schon arg beim ersten Lesen. Den Begriff des Anarchismus gälte es
"trennscharf" zu bestimmen, um darüber befinden zu können, wer sich
zu dieser kämpfenden Bewegung dazugehörig fühlen darf. Was heißt
"kämpfende Bewegung"? Um Bewegungen soll es bei Tsveyfl ja
eigentlich nicht gehen, denn diese wären allgemein "regressiv" und
würden die "Totalität lediglich transformieren". Bei diesen Worten stellt
sich die Frage, ob die*der Autor*in der Passage schon mal was von der
Komplexität sozialer Revolution gehört hat, die viele von uns auf
widersprüchliche Weise schon vollziehen. Weiterhin lesen wir: "Eine
Debatte um den Anarchismusbegriff ist notwendig und richtig, aber nur
als Reflexion auf sich selbst, sein Verhältnis zum Individuum und der
Welt; nicht um das Bedürfnis nach Bewegung und Praxis zu erfüllen.
Solcherart Diskussion ist keine, legt sie doch bereits vorher fest, wo sie
hinführen soll. Sie entfremdet sich zu Gunsten der Tat von ihrem
Gegenstand und fällt hinter ihren eigenen Ursprung zurück." Tsveyfl
hingegen will mit Sicherheit nicht festlegen, wo seine Diskussion
hinführen soll, wenn es derartige Reden schwingt? Nur als idealistische
Reflexion auf sich selbst soll der Anarchismus sich bestimmen - und
nicht in konkreten Auseinandersetzung, in denen Menschen sich mit
anderen befinden? Im Begriff liegt wohl die Wahrheit begründet,
welche es zu ergründen gilt? Ja, sind wir denn hier beim
Gegenstandpunkt gelandet?

Das Individuum wird angepriesen, die "Befindlichkeitspolitik"
anarchistischer Gruppen wird hingegen abgelehnt und für den Verfall
anarchistischer Theorie verantwortlich gemacht. Um Bedürfnisse von
Menschen geht es Tsyefl also offenbar nicht, sondern um das abstrakte,
isolierte, - also das bürgerliche - und von der realen anarchischen
Bewegung abgelöste Individuum, was nun den anderen erklären will,
warum ihr Anarchismus falsch sei. Die "barbarische Vielfalt", nach der
sich alle möglichen Leute mit anarchistischem Denken identifizieren
können, will Tsveyfl nicht. Denn dann müsste es ja in direkte
Auseinandersetzung mit Menschen gehen und den Austausch über
verschiedene Ansichten (und möglicherweise sogar Erfahrungen!)
aushalten. Eine "versöhnte Vielfalt[...]in der die Differenz Ausdruck
der gemeinsamen Idee ist" wäre für Tsveyfl hingegen wünschenswert.
Jetzt also doch Versöhnung statt Dissenz? So einfach und unlogisch
kann's gehen, wenn mal jemand wieder was Neues wagen will.
Entgegen der Gefühlsduselei der "A-Gruppen" scheine als "Fixpunkt am
Horizont" der "Syndikalismus" zu stehen. Er scheine da zu stehen.
Warum auch immer, abgesehen davon, dass er sich auf ökonomische
Faktoren besinnt. Da kann er sich aber freuen, der Syndikalismus,
welcher so dasteht als asketische Haltung anarchisierender Besinnung
und Innerlichkeit.

Überspanne ich hiermit nun den Bogen und zerrede ein neues Projekt
in seinen zarten Anfängen, ohne dass ich wohlwollend abwarte und
darauf sehe, wie es sich möglicherweise entwickelt - was ja nun auch
davon abhängt, welche Menschen dort schreiben möchten und
zugelassen werden? Ich denke nicht. Ich ziehe das Anliegen und die
Herangehensweise nur in Zweifel und orientiere mich dabei - ohne
persönliche Vorbehalte, weil ich die*den Autor*in nicht kenne - einfach
am geschriebenen Wort. So wie es in einer Theoriedebatte doch sein
soll, die sich laut Tvseyfl nicht im Zusammenhang mit
emanzipatorischer Bewegung sehen möchte. Ich würde die Debatte
gern führen, allerdings bitte mit Bezug zur Wirklichkeit, was immer die
Gefahr in sich trägt, an dieser zu verzweifeln. Die Frage vom Verhältnis
von "Anarchismus und Menschenrechten", mit welcher sich die erste
Ausgabe beschäftigen soll, klingt allerdings schon mal interessant. Dass
es da sicherlich verschiedene Ansichten drüber gibt und die
Problematik, welche sich schon im Begriff zumeist durch Staaten
verliehener Menschenrechte von Tvseyfl gesehen wird, könnte eine
spannende Debatte eröffnen - würde nicht die völlig übertriebene und
identitätsstiftende Behauptung aufgestellt werden, dass es dabei gar
keine Zusammenhänge geben dürfe und Anarchist*innen den
Schulterschluss mit dem Staat suchen würden, wenn sie sich an
Diskussion um Menschenrechte beteiligten. Um's kurz zu machen: Was
ist Tvseyfl und was will es eigentlich, was Anarchist_innen anzugehen
hätte?
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