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(de) Anarchie.de - WO GEHT'S HIER BITTE ZUR EMANZIPATION?
Date
Wed, 27 Jun 2012 09:59:28 +0300
Eine Polemik über und gegen antideutschen Unfug, arabische Formen des Staatskapitalismus
und für etwas ganz anderes -- Alles verkürzt, oder was? ---- Sind Antideutsche
SpalterInnen? Na klar! Doch damit soll sich hier nicht primär beschäftigt werden. Wir
lehnen antideutsche Ideologiemuster in jedem Fall ab. Allerdings wollen wir dies hier
nicht wegen ihrem durchaus sektiererischen Auftreten oder ihres „Zionismus“ begründen. --
Zunächst schlagen sich antideutsche Strömungen auf die Seite des Kapitals, unterstützen
ihre Hegemonie in Form der tonangebenden Staaten wie den USA, Großbritannien und der EU.
Des weiteren befürworten sie Angriffskriege, wie zuletzt gegen Libyen. Die Unterdrückung
in vielen Staaten wird als gravierender empfunden, als die der westlichen Mächte des
globalen Kapitals. Das rechtfertigt Bombardements ideologisch.
Wir sind gewiss keine PazifistInnen, aber eine solche Logik ist nicht nur zynisch, sondern
auch hochgradig pervers. Zum anderen liegt dem auch nur ein bürgerlicher Idealismus zu
Grunde und keine materialistische Grundhaltung. Obwohl man als Ziel einen „Communismus“
benennt, wird sich in keiner Weise mit den reellen Klassengegensätzen auseinander gesetzt.
Nein, man verwirft andere Analysen und Sichtweisen zumeist als „verkürzte
Kapitalismuskritik“, die bereits Grundzüge von Antisemitismus beinhaltet. So einfach geht
das - aus ihrer Sicht.
Natürlich kann man sich die berechtigte Frage stellen, wie sinnvoll es ist, den
Kapitalismus zu erklären, indem man ihn personifiziert. Der Kapitalismus ist ein
Verhältnis von Besitz und Nichtbesitz, und wir, die frei von Besitz, aber auch frei von
feudaler Leibeigenschaft sind, müssen unsere Arbeitskraft verkaufen, um zu leben. Ein
Leben lang. Man kann sagen, dass wir schon dadurch ein grundlegend materielles Interesse
daran haben, dieses Verhältnis aufzuheben. Um das kapitalistische System zu zerschlagen
braucht es einen klaren Klassenstandpunkt. Auch wenn sich der Kapitalismus stetig weiter
entwickelt hat, geht es immer noch um den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital.
Oder klassisch ausgedrückt: Es ist immer noch das Proletariat gegen die Bourgeoisie.
Laut so einem vulgären Text im Schachbrettmuster soll das verkürzt sein. Nein, ist es
nicht. Wir halten den Antideutschen entgegen, dass ihr theoretischer Murks keinerlei
Klassenstandpunkt beinhaltet und damit nix mit Materialismus zu tun haben kann, dass ihre
Praxis nur unseren GegnerInnen zu Gute kommt, sie sich somit im Gegensatz zu
linksradikalen Positionen befinden. Allerhöchstens sind antideutsche Ideologiemuster
bürgerlicher, pseudointellektueller bis liberaler Scheiß. Wer die kapitalistische
Ausbeutung nur theoretisch erfasst, ist im besten Falle kleinbürgerlich. Zwar können sich
auch KleinbürgerInnen auf die Seite der Revolution und des Sozialismus schlagen, aber
Antideutsche wollen dies scheinbar gar nicht. Indem sie hauptsächlich die Linke angreifen,
sind wir immer schön mit uns selber beschäftigt.
Antisemitismus
Grundsätzlich ist es ein positives Anliegen antisemitische Tendenzen innerhalb der eigenen
Bewegung versuchen aufzuzeigen und zu bekämpfen. Die Form, wie es sich bei Antideutschen
äußert grenzt an Wahnwitz. Eine, wie auch immer, verkürzte Kapitalismuskritik ist nicht
automatisch antisemitisch, sie ist einfach nur verkürzt und damit wenig bis gar nicht
brauchbar.
Kommen wir nun zu ihrer ausgeprägten ArbeiterInnenfeindlichkeit. Man hat oft den Eindruck,
dass sie Rassismus, Antisemitismus und Sexismus größtenteils der ArbeiterInnenklasse
zuschreiben wollen. Dem tumben deutschen männlichen Arbeiter mit der Bild-Zeitung in der
Hosentasche. Den gibt es natürlich, und das zu hauf, aber Rassismus, Antisemitismus und
Sexismus ziehen sich durch alle Bereiche der Gesellschaft, unabhängig der Zugehörigkeit zu
einer Schicht und müssen klar bekämpft werden. Etwas anderes zu behaupten ist ganz schön
verkürzt, belegt aber die bürgerliche Herkunft solcher Argumentationsmuster.
Es sind auch schon Äußerungen von Antideutschen gefallen, die die NSDAP als
ArbeiterInnen-Partei bezeichneten. Damit wird nicht nur der Charakter des NS umgebogen,
der eine klar bürgerliche Herkunft hatte. Die Unterstützung aus der Großindustrie wird
völlig unter den Tisch fallen gelassen. Natürlich gab es keine flächendeckende und
insgesamt nicht im Ansatz ausreichende Gegenwehr von Seiten der ArbeiterInnenklasse gegen
den NS. Daran waren nicht nur der konforme Kurs der Gewerkschaften und die hanebüchene
„Sozialfaschismus“-These der KPD schuld. Auch stimmt es, dass Deutschland von außen
befreit werden musste. Dennoch gibt es keinen Grund die politische und damit auch
ökonomische Struktur der Alliierten abzufeiern.
Ein weiteres Merkmal ist ihre Fixiertheit auf den Staat Israel. Damit stehen sie
gestandenen Antiimps in nichts nach. Der Staat Israel ist aus einem Grund entstanden: Dem
weltweiten, speziell europäischen pogromartigen Antisemitismus und letztendlich der Shoa,
der, in der Geschichte der Menschheit, wohl einzigartigen industriellen Massenvernichtung
von menschlichem Leben. Vergleiche damit zu ziehen sind in jedem Falle nicht nur
unzulässig, sondern, ob gewollt oder ungewollt, verharmlosend und relativierend.
Eine Kritik am Staat Israel ist aber nicht per se antisemitisch. Entscheidend ist die
Form. Wir lehnen sämtliche Konstrukte ab, die die Ausbeutung des Menschen durch den
Menschen aufrecht zu erhalten beabsichtigen. Dass es beispielsweise bereits im Zuge der
Staatsgründung Israels zu Vertreibungen gekommen ist, ist unumstritten. Heute handelt es
sich bei Israel um einen kapitalistischen Staat mit einer reaktionären rechten Regierung,
eine militarisierte Gesellschaft und um eine in großen Teilen rassistische Haltung des
Staates gegenüber Menschen palästinensische Herkunft, sowie die militärische Unterdrückung
und Besiedelung ursprünglich palästinensischer Gebiete. Es ist unseres Erachtens nicht
antisemitisch dies zu benennen.
Als allerdings das Gedicht von Grass für Wirbel sorgte, konnte ein Phänomen beobachtet
werden. Ob die USA einen Angriffskrieg gegen den Irak oder die EU einen selbigen in Libyen
vom Zaun treten. Sobald Argumente gegen Israel fallen gehen bei vielen BundesbürgerInnen
die Lampen aus. Reflexartig wird sofort gegen diesen Staat gegeifert, als ob von ihm
allein die größte Bedrohung für die Welt ausgeht. Noch einmal, wir möchten hier
unterscheiden von einer berechtigten antikapitalistischen Kritik auf materialistischer
Grundlage, aber dennoch verdeutlichen, dass wir latent vorhandenen antisemitische
Ressentiments, beispielsweise vom „jüdischen Finanzkapital“, nicht noch Vorschub leisten
dürfen.
Der Imperialismus als höchste Stufe des politischen Bewusstseins?
Klassische antiimperlialistische Strömungen ziehen immer die klare Grenze. Hier die
imperialistischen Bestrebungen der westlichen Welt, also des Kapitalismus, dort die
unterdrückten „Völker“ im Trikont. Jahrzehntelang setzte man Hoffnung in alle möglichen
nationalen Befreiungsbewegungen in Vietnam, Algerien, Nicaragua, Iran und natürlich
Palästina. Dass all diese Befreiungen nie in unserem Sinne waren und bestenfalls über
einen Staatskapitalismus nicht hinaus gingen, wird im Nachhinein höchstens kleinlaut zur
Kenntnis genommen.
Heute geht es mehr um die Erhaltung staatskapitalistischer Gebilde, wie aktuell Syrien und
vor kurzem Libyen. Dessen ungeachtet ist eine militärische Intervention, sowie eine
Unterstützung der neoliberalen Opposition klar abzulehnen. Die dortige Unterdrückung und
ganz klare Existenz der Schaffung von Mehrwert, spielte und spielt für manche dennoch eine
untergeordnete Rolle, da diese Staatsgebilde ja grundsätzlich antiimperialistisch waren
oder sind.
Stellt sich wieder die Frage, ob staatlicher Besitz und kostenlose Gesundheits- und
Bildungseinrichtungen den hiesigen Zuständen des durchkapitalisierten Lebens vorzuziehen
wären? Wären wir lieber in der BRD oder der DDR aufgewachsen? Lieber am Bauzaun von
Wackersdorf oder auf der Pritsche in Bautzen? Antiimps verlangen, dass wir uns immer voll
und ganz auf eine Seite schlagen müssen. Es wird ein bipolares Weltbild gezeichnet, das
denen der Antideutschen in weiten Teilen ähnelt – mit dem Unterschied, dass antideutsche
Argumentationen nicht als links gewertet werden können. Aber auch hier wird der
Klassenstandpunkt zu Gunsten weltpolitischer Argumentation vernachlässigt, von manchen
sogar aufgegeben.
Von vielen Linken wird heute versucht den Begriff Imperialismus zu umgehen. Wer das Wesen
des Kapitalismus versucht zu untersuchen, wird schnell feststellen, dass eine auf
Akkumulation ausgerichtete ökonomische Grundsätzlichkeit auch prinzipiell expansiv sein
muss. Und ja, der Kapitalismus ist, in seiner heutigen Form noch viel mehr,
imperialistisch. Aber es müssen unserer Ansicht nach nicht zig Begriffe für ein und das
selbe Dreckssystem herhalten.
Eine Welt zu gewinnen
Wir sind durch unsere Lage in dieser Klassengesellschaft, auf Grund unseres Daseins als
Lohnabhängige und mit allem was wir denken und fühlen gegen den Kapitalismus, für die
Aufhebung eines Verhältnisses das uns zu Ausgebeuteten macht. Jeden Tag. Wir wollen keine
sozialere Ausbeutung, keinen Staatsbesitz, der uns Geschenke macht. Auch wenn es in Teilen
der Welt, in manchen Staaten solche sozialen Zugeständnisse gab, werden wir diesen deshalb
noch lange nicht den Vorzug geben. Solange der Wert beim Warenaustausch darauf basiert,
dass unsere Arbeitskraft mehr Wert erzeugt als unsere Arbeitskraft wert ist. Ob sich der
Besitz in Händen eines kapitalistischen Konzerns oder eines Staates befindet, spielt für
uns LohnarbeiterInnen primär keine Rolle!
Es ist uns klar, dass der Kommunismus bzw. die Anarchie nicht vom Himmel fallen wird.
Gerade deshalb versuchen wir ja das jetzige System zu Fall zu bringen. Das gelingt viel
besser, wenn wir unsere alltäglichen Lebensbereiche wieder auf die praktische Agenda
setzen, statt schriftlich große Weltpolitik zu machen. Dem Kapital kann viel mehr
geschadet werden, wenn wir es hier in den westlichen Metropolen angreifen - dort wo wir
arbeiten (müssen), dort wo wir leben (müssen). Es geht um die Wiederaneignung des sozialen
Raums, Schritt für Schritt, Zone um Zone. Dabei sollten wir immer über den Tellerrand
hinaus schauen, uns verbunden fühlen mit allen anderen Lohnabhängigen, Unterdrückten und
Gefangenen, ob in der offenen Auseinandersetzung oder nicht. Und niemals militärischen
Interventionen der kapitalistischen Staaten zustimmen.
Hoch die internationale Solidarität
andere aus AnaRKomM
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