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(de) Ein Offener Brief von Anarchistischen Gefangenen in der TÃrkei an die Ãffentlichkeit (tr, en, it, ca, gr)

Date Tue, 05 Jun 2012 16:59:46 +0300


wie bekannt sein dÃrfte, gab es von einigen anarchist_innen aus dem anarchistischen block am ersten mai 2012 angriffe auf einige banken und firmen im istanbuler stadtteil mecidiyekÃy-ÅiÅli. ---- wir, neun der 60 menschen, die durch die polizeibehÃrde in gewahrsam genommen wurden, wir, neun anarchistische gefangene, die durch die entscheidung des neunten strafgerichts gefangen genommen und in das tpy-t-gefÃngnis in metris gesperrt wurden, schreiben diesen brief. ---- die meisten von uns wurden von antiterror-einheiten um 5 uhr am morgen des 14. mai in gewahrsam genommen und einige am folgenden tag. unsere computer, telefone, festplatten, bÃcher und viele andere persÃnliche dinge wurden von der polizei beschlagnahmt. es waren zwischen zehn und 20, die in unser haus kamen. die polizeibehÃrde warf uns "zerstÃrung Ãffentlichen eigentums im namen einer terroristischen organisation" vor.

die gefangenen, die sehr unterschiedliche auffassungen der
anarchistischen idee und die sich zum ersten mal im polizeigewahrsam
gesehen haben, wurden der bildung einer terroristischen organisation
beschuldigt und einige wurden wÃhrend der befragung durch die polizei
gezwungen, zuzugeben, deren fÃhrer_innen zu sein. auch wenn
fÃhrerschaft total im gegensatz zur anarchistischen idee steht und
dadurch unmÃglich ist, war es die absicht der polizei dieses zu
beweisen, genauso wie "die mitgliedschaft der gleichen terroristischen
organisation". diese unterstellungen sind tragisch-komische dummheit.
die menschen, die von der polizei beschuldigt werden, mitglieder einer
terroristischen organisation zu sein, hatten keine waffen oder
munition zu hause. allerdings wurden in der befragung durch die
polizei bÃcher von autor_innen wie kropotkin, die in jeder
buchhandlung gefunden werden kÃnnen, als beleg fÃr eine organisation
herangezogen. die artikel, die sie gelesen hatten und die videos, die
sie in sozialen netzwerken geteilt hatten, wurden dem gericht von der
polzei als beweise vorgelegt. auch die mitgliedschaften der leute in
einer rechtshilfe-organisation, die zu tierbefreiung, menschenrechten
und Ãkologischen fragen arbeitet, mussten als beweise, vorgelegt durch
die polizei, herhalten.
all der psychische druck, der auf die leute ausgeÃbt wurde: sie waren
vier tage in gewahrsam und es war ihnen nicht erlaubt, ihre
familienmitglieder zu sehen. es war ihnen nicht einmal erlaubt,
jemanden anzurufen, auch nicht ihre anwÃlt_innen. einer unsere
lgbt-freunde wurde durch verbale gewalt angegriffen. alle wurden dazu
gezwungen, die existenz einer terroristischen organisation zuzugeben
und falschaussagen Ãber die mitgefangenen zu machen. auch tÃtigten
zwei menschen, die mit 15-20 jahren gefÃngnis wegen mitgliedschaft in
einer terroristischen organisation bedroht wurden, falschaussagen Ãber
leute, Ãber die sie gar nichts wussten. unter dem druck der polizei,
beschuldigten sie einige leute, gegen die die polizei keine beweise
hatte, sei es durch telefongesprÃche, internet- oder irgendeine andere
kommunikation mit anderen, fÃhrer_innen der organisation zu sein und
"identifizierten" sie als angreifer_innen.
die meisten unserer freunde wurden eingesperrt, nur weil sie Ãhnliche
taschen, schuhe, gÃrtel etc. hatten (wie sie millionen menschen haben
kÃnnen) wie die menschen, die wÃhrend des angriffes gefilmt wurden.
natÃrlich wird mit diesen mangelhaften und irrationalen beweisen nicht
bewiesen, dass eine anarchistische terrororganisation existiert. darum
wurden wir beschuldigt, Ãffentliches eigentum zerstÃrt zu haben.
wir wollen deutlich machen, dass es uns, als anarchist_innen, die alle
gesetze und authoritÃten ablehnen und die alle staaten als mÃrder
ansehen, egal ist, ob der staat uns als terrorist_innen bezeichnet
oder nicht. der gleiche staat, der in "roboski" dutzende von menschen
umbringen lieÃ, der den elf jahre alten uÄur kaymaz mit 13 kugeln
ermordete und die tÃter_innen nicht bestrafte. der staat, der 1977 34
menschen umgebracht hat und dafÃr nicht eine person in gewahrsam nahm,
aber kein problem damit hatte, 60 menschen in gewahrsam zu nehmen und
einzusperren fÃr 3-5 zerbrochene bankschaufenster.
zwei der eingesperrten freund_innen konnten nicht an den
abschlussexamen ihrer universitÃten teilnehmen. es besteht die
mÃglichkeit einer untersuchung durch die universitÃten und die beiden
kÃnnten suspendiert oder entlassen werden. eine_r unserer freund_innen
bereitet sich auf die aufnahmeprÃfung der universitÃt vor. es ist
klar, dass es nicht mÃglich ist, im gefÃngnis dafÃr genug zu
studieren. eine_r unserer freund_innen, der/die m.a./m.s. studiert,
wird die diplomarbeit nicht weiterschreiben. wir erhielten die
nachricht, dass drei freund_innen nach ihrer festnahme, entlassen
wurden.
seit wir in gewahrsam genommen wurden, machten wir unsere erfahrungen
mit dem rechtssystem, von dem der staat immer behauptet, dass es so
groÃartig sei: in wahrheit ist es nichts anderes, als ein
unterdrÃckungs- und normierungswerkzeug. ideen wie gerechtigkeit und
recht gibt es nur in der theorie.
wir wollen jetzt drauÃen sein. aber lasst uns klarstellen, dass wir
weder darum bitten, noch darum betteln werden.
wir wissen, dass wir nur wegen unserer politischen ideen im gefÃngnis
sind. darum bereuen wir auch nicht, was wir getan oder nicht getan
haben. der grund, diesen brief zu schreiben, ist einzig der, der
Ãffentlichkeit die wahrheit zu erzÃhlen. er soll sie dabei
unterstÃtzen, zu erkennen, was vor sich geht.
wir wissen, dass diejenigen, die uns eingesperrt haben, nicht nur
bezwecken, uns fÃr die teilnahme an einer aktion zu bestrafen. sie
wollen uns in diejenigen verwandeln, die angst davor haben, ihre
ureigenen rechte wahrzunehmen. aber eines wissen sie nicht: die
gefÃngnisse ihrer abscheulichen zivilisation kÃnnen unsere ideen nicht
unterdrÃcken und wir fÃhlen uns stÃrker als jemals zuvor.
wir begreifen alle anarchist_innen der welt als unsere genoss_innen
und schicken unsere grÃÃe, unsere liebe und unseren ruf nach
solidaritÃt an alle aufstÃndischen der welt, die das feuer der
freiheit in ihren herzen tragen und die aus athen, amed, chiapas,
gaza, toronto oder seattle kommen... ihr mÃsst wissen, dass ihr nicht
alleine seid und dass menschen in diesen orten auch kÃmpfen.
wir danken allen diesen fÃr die solidaritÃt und fÃr die aktionen, die
uns unterstÃtzen.
es ist unmÃglich, unsere gefÃhle fÃr die Ãrtlichen anarchist_innen,
die uns unterstÃtzen und aktionen fÃr uns machten (wie der rest der
welt), zu beschreiben. diese seiten sind zu kurz fÃr unseren dank an
sie.
wir umarmen sie mit unseren sehr innigen grÃÃen.
lasst sie wissen, dass wir wissen, dass sie bei uns sind und dass wir
uns nie alleine fÃhlen, nicht einen einzigen moment.
mit wÃnschen von uns fÃr viele lange tage der aufstÃnde und solidaritÃt.

anarchistische gefangene:

beyhan ÃaÄrÄ tuzcuoÄlu
burak ercan
deniz
emirhan yavuz
murat gÃmÃÅkaya
oÄuz Topal
Sinan gÃmÃÅ
Ãnal can tÃzÃner
yenal yaÄcÄ
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