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(de) Ein Infoblatt Ãber die Wahlen in Russland, der Protest und die Nationalisten Aktionen durch eine anarcho-sindicalist Gruppe aus Deutschland (en)
Date
Sun, 04 Mar 2012 12:45:23 +0200
ASJ jetzt auch in Bremen ---- Keine Wahl der Nation â Zu den Wahlprotesten in Russland
3. MÃrz 2012 in Soziale KÃmpfe, AntiFa und Osteuropa Am morÂgiÂgen SonnÂtag, dem 04. MÃrz,
finÂdet die Wahl des rusÂsiÂschen StaatsÂprÃÂsiÂdenÂten statt. NachÂdem es bei der
ParÂlaÂmentsÂwahl im DeÂzember zu erÂhebÂliÂchen WahlÂfÃlÂschunÂgen kam, beÂgann eine
Welle des ProÂtesÂtes neuen AusÂmaÂÃes. VieÂlerÂorts wird der âAufÂstand des rusÂsiÂschen
Volkesâ abÂgeÂfeiÂert. BeÂkenÂnenÂden NaÂtioÂnaÂlisÂten wie AlekÂsej NaÂvalny wird dabei
die MeÂdienÂbÃhÂne ohne EinÂschrÃnÂkung geÂwÃhrt und Ãber die BeÂteiÂliÂgung ulÂtra-â
naÂtioÂnaÂlisÂtiÂscher GrupÂpieÂrunÂgen hinÂweg geÂseÂhen. Dass die
rechtsÂpoÂpuÂlisÂtiÂsche AgiÂtaÂtiÂon und der anÂtiÂmusÂliÂmiÂsche, rasÂsisÂtiÂsche wie
anÂtiÂseÂmiÂtiÂsche GeÂhalt eines groÂÃen Teils der ProÂtesÂtieÂrenÂden und ihrer
FÃhÂrer*innen nicht weiÂter proÂbleÂmaÂtiÂsiert wird, ist ja mittÂlerÂweiÂle GeÂwohnÂheit.
TrotzÂdem steckt in den ProÂtesÂten auch das PoÂtenÂziÂals eines Bruchs mit den
herrÂschenÂden VerÂhÃltÂnisÂsen und eine poÂliÂtiÂsche TheÂmaÂtiÂsieÂrung der soÂziaÂlen
MissÂstÃnÂde in RussÂland. Leute fanÂgen an auf die StraÂÃen zu gehen, zu proÂtesÂtieÂren,
sie schlieÂÃen sich zu anÂtiÂfaÂschisÂtiÂschen â anÂtiÂauÂtoÂriÂtÃÂren BlÃÂcken
zuÂsamÂmen. DieÂsen LeuÂten gilt unÂseÂre SoÂliÂdaÂriÂtÃt zum AusÂdruck brinÂgen und nicht
irÂgendÂeiÂnem scheià Volk.
Um den unÂreÂflekÂtierÂten MainÂstreamÂmeÂdiÂen etwas entÂgeÂgenÂzuÂsetÂzen und einen
liÂberÂtÃÂren EinÂblick in die ProÂtesÂte in RussÂland zu bieÂten haben wir den Text
âKeine Wahl â der NaÂtiÂonâ geÂschrieÂben. Ihr finÂdet unser FlugÂblatt in den GÃtÂtinÂger
KneiÂpen und LÃden eures anÂtiÂfaÂschisÂtiÂschen VerÂtrauÂens sowie hier zum downÂloaÂden .
Oder ihr lest einÂfach diÂrekt weiÂter
Der BeÂginn eines UmÂbruchs
Die akÂtuÂelÂle poÂliÂtiÂsche SiÂtuaÂtiÂon in RussÂland fassÂte der VorÂsitÂzenÂde der
liÂbeÂraÂlen âJaÂbloÂkoâ ParÂtei, SerÂgej MitÂroÂchÂin, beÂreits weÂniÂge Tage nach den
ersÂten GroÃÂproÂtesÂten zuÂsamÂmen als : âeinen MoÂment des UmÂbruchsâ. Die WahÂlen zum
ParÂlaÂment âDumaâ sind erÂneut mit einem Sieg fÃr die ReÂgieÂrungsÂparÂtei âEdiÂnaÂja
RosÂsiÂjaâ1 ausÂgeÂganÂgen â dieÂses Jahr jeÂdoch mit nicht verÂschweigÂbaÂren
FÃlÂschunÂgen und trotzÂdem mit imÂmenÂsen StimÂmenÂeinÂbrÃÂchen. SeiÂtens
inÂterÂnaÂtioÂnaÂler WahlÂbeÂobÂachÂter*innen wurÂden Ãber 7.â000 VerÂstÃÂÃe gegen das
WahlÂproÂzeÂdeÂre geÂmelÂdet. WÃhÂrend in den GeÂbieÂten masÂsiÂver staatÂliÂcher
PrÃÂsenz, wie dem KauÂkaÂsus oder TscheÂtscheÂniÂen, StimÂmÂerÂgebÂnisÂse von bis zu 99%
erÂzielt wurÂden, brach insÂbeÂsonÂdeÂre in den grÃÂÃeÂren StÃdÂten der RusÂsiÂschen
FÃÂdeÂraÂtiÂon die ZuÂstimÂmung fÃr âEdiÂnaÂja RosÂsiÂjaâein. Trotz verÂsuchÂter
EinÂflussÂnahÂme auf die WahÂlen. DiÂrekt nach BeÂkanntÂgaÂbe der ErÂgebÂnisÂse zog es
zahlÂreiÂche MenÂschen auf die StraÂÃe, um ihren Unmut Ãber das erÂneuÂte ErÂrinÂgen einer
parÂlaÂmenÂtaÂriÂschen MehrÂheit fÃr E.R. Luft zu maÂchen. Denn nachÂdem der jetÂziÂge
StaatsÂprÃÂsiÂdent DiÂmitÂri MedÂwedÂjew Ende SepÂtemÂber beÂkannt gab, dass er den Weg
frei macht fÃr eine erÂneuÂte PrÃÂsiÂdent-âschaftsÂkanÂdiÂdaÂtur WlaÂdiÂmir PuÂtins, ist
der AusÂgang der DuÂmaÂwahl eine einÂdeuÂtiÂge ProÂgnoÂse, wie die
PrÃÂsiÂdentÂschaftsÂwahÂlen im MÃrz 2012 verÂlauÂfen werÂden. Seine ParÂteiÂtagsÂreÂde
beÂschloss MedÂwedÂjew mit den WorÂten: âDas ist eine tief durchÂdachÂte EntÂscheiÂdung,
die wir seit dem BeÂginn unÂseÂrer KaÂmeÂradÂschaft beÂsproÂchen haben. Dass wir das nicht
frÃÂher beÂkanntÂgeÂben haben, ist eine Frage der poÂliÂtiÂschen ZweckÂmÃÂÃigÂkeit.â. Die
trotz FÃlÂschunÂgen unÂÃberÂsehÂbaÂren, masÂsiÂven StimÂmenÂverÂlusÂte zeiÂgen einen
enorÂmen EinÂbruch der ZuÂstimÂmung zur herrÂschenÂden PoÂliÂtik. Diese SiÂtuaÂtiÂon
kÃnnÂte nun fÃr VerÂÃnÂdeÂrunÂgen geÂnutzt werÂden, denÂken viele. Doch steht RussÂland
tatÂsÃchÂlich vor einem UmÂbruch, wie MitÂroÂchÂin es beÂreits in den ersÂten Tagen der
ProÂtesÂte festÂstellt?
Die PaÂroÂle:âZuÂsamÂmen!â â Aber fÃr â was eiÂgentÂlich?
GeÂraÂde inÂnerÂhalb eines derÂart auÂtoÂriÂtÃÂren und reÂpresÂsiÂven SysÂtems, wie dem
rusÂsiÂschen Staat, ist es groÃÂarÂtig tauÂsenÂde MenÂschen auf den StraÂÃe zu sehen.
Nicht nur in den beiÂden MeÂtroÂpoÂlen MosÂkau und Sankt PeÂtersÂburg, sonÂdern in allen
grÃÂÃeÂren StÃdÂten RussÂlands, von EuÂroÂpa bis Asien. Am 10. DeÂzember kamen in der
MosÂkauÂer InÂnenÂstadt bis zu 100.â000 DeÂmonsÂtrant*innen zuÂsamÂmen. PoÂliÂtiÂsche
VerÂsammÂlunÂgen dÃrÂfen in RussÂland erst nach langÂwieÂriÂgen bÃÂroÂkraÂtiÂschen
ProÂzeÂdeÂre durchÂgeÂfÃhrt werÂden und sind an strenÂge AufÂlaÂgen geÂbunÂden. So muss
bspw. der komÂpletÂte KundÂgeÂbungsÂplatz durch die PoÂliÂzei geÂschlosÂsen abÂgeÂzÃunt
sein. BeÂwegÂliÂche DeÂmonsÂtraÂtioÂnen gibt es in den selÂtensÂten FÃlÂlen. Gegen die
Masse an ProÂtesÂtieÂrenÂden hatte die PoÂliÂzei aber kaum eine ChanÂce ordÂnend
einÂzuÂgreiÂfen. GeÂraÂde desÂhalb wird verÂsucht, nun den Druck auf die
ProÂtesÂtieÂrenÂden zu erÂhÃÂhen. WÃhÂrend Putin die USA als StripÂpenÂzieÂher der
ProÂtesÂte darÂstellt und von beÂzahlÂten DeÂmons-âtrant*innen spricht, verÂsuÂchen die
ReÂpresÂsiÂonsÂbeÂhÃrÂden die ProÂtesÂte durch FestÂnahÂmen und SchnellÂverÂfahÂren zu
unÂterÂbinÂden. Doch der WiÂderÂstand reiÃt nicht ab, es gibt fast tÃgÂlich
KundÂgeÂbunÂgen und die KriÂtik bleibt prÃÂsent.
AlÂlerÂorts wird von einem AufÂstand des rusÂsiÂschen Volkes gegen das PuÂtinÂreÂgime
geÂsproÂchen. Die poÂliÂtiÂschen KomÂmenÂtaÂtoÂren, insÂbeÂsonÂdeÂre aus den
nordÂatÂlanÂtiÂschen StaaÂten, verÂgleiÂchen die ProÂtesÂte mit jenen in der EndÂphaÂse
der SoÂwjetÂuniÂon und eiÂniÂge spreÂchen beÂreits von einer wahlÂweiÂse âwinÂterâ-,
âweiÂÃen-ââ oder âslaÂwiÂschen ReÂvoÂluÂtiÂonâ. Die eiÂgentÂliÂche geÂsellÂschaftÂliÂche
SiÂtuaÂtiÂon bleibt dafÃr vÃlÂlig unÂreÂflekÂtiert. AnÂstatt sich mit den soÂziaÂlen
VerÂhÃltÂnisÂsen in RussÂland zu beÂschÃfÂtiÂgen, greiÂfen die hieÂsiÂgen MeÂdiÂen lieÂber
zum reÂgelÂrechÂten FeaÂtures fÃr soÂgeÂnannÂte FÃhÂrungsÂkÃpÂfe der ProÂtesÂte. So hat
der vorÂnehmÂlich im InÂterÂnet akÂtiÂve ReÂgimeÂkriÂtiÂker AlekÂsej NaÂvalny in der
ReÂdakÂtiÂon der TAZ scheinÂbar einen richÂtiÂgen FanÂclub geÂfunÂden. Jeder ArÂtiÂkel zur
SiÂtuaÂtiÂon in RussÂland gibt auch kurz wieÂder, wie es NaÂvalny geÂraÂde so geht. Dass
selÂbiÂger aber gute KonÂtakÂte zu naÂtioÂnaÂlisÂtiÂschen GrupÂpieÂrunÂgen pflegt und am
04.âNovember, dem Tag der naÂtioÂnaÂlen EinÂheit, mit dem geÂsamÂten rusÂsisch-â
naÂtioÂnaÂlisÂtiÂschen SpekÂtrum mitÂmarÂschierÂte wird vÃlÂlig ignoÂrierÂt2. NaÂvalny
merkt sehr genau, dass die moÂmenÂtaÂne SiÂtuaÂtiÂon seine groÃe StunÂde sein kÃnnÂte.
Denn sein Blog hat zahlÂreiÂche Leser*innen und er ist moÂmenÂtan mit AbÂstand der
poÂpuÂlÃrsÂte OpÂpoÂsiÂtioÂnelÂle. Von den OpÂpoÂsiÂtiÂonsÂparÂteiÂen wird NaÂvalny
geÂraÂde masÂsiv anÂgeÂworÂben, da diese in ihm jenen chaÂrisÂmaÂtiÂschen
HerÂausÂforÂdeÂrer PuÂtins sehen, der moÂmenÂtan fehlt. Auch NaÂvalny scheint der Idee in
eine ParÂtei ein-âzuÂtreÂten nicht abÂgeÂneigt zu sein und verÂsucht sich alle TÃren offen
zu halÂten.
Vor allem die nach rechts.
GeÂnauÂso geht im MeÂdiÂenÂrumÂmel aber auch unter, welÂche SpraÂche die ProÂtesÂte
spreÂchen. So beÂgrÃÂÃensÂwert eine KriÂtik an Putin auch ist â der doÂmiÂnieÂrenÂde
VorÂwurf, dass das rusÂsiÂsche Volk von einer âParÂtei der Diebe und GauÂnerâ4 anÂgeÂfÃhrt
wird, stellt nicht mehr als bÃrÂgerÂliÂchen Unmut dar. Somit wird nicht einÂfach nur
KriÂtik geÃbt, sonÂdern immer auch das KonÂstrukt eines geÂschÃÂdigÂten rusÂsiÂschen
Volkes mitÂtransÂporÂtiert. MoÂtiÂvaÂtiÂon fÃr die ProÂtesÂte hat also das Wohl des Volkes
zu sein. So stimÂmen auch die um die Macht geÂbrachÂten ParÂteiÂen mit ein und nutÂzen die
SiÂtuaÂtiÂon, um sich als RetÂteÂrinÂnen des rusÂsiÂschen Volkes anÂzuÂbieÂten. Auch wenn
verÂsucht wird den akÂtuÂelÂlen ProÂtesÂten ein VerÂÃnÂdeÂrungsÂpoÂtenÂziÂal
zuÂzuÂschreiÂben, welÂches dem der ProÂtesÂte AnÂfang der 90er gleichÂkommt, so ist doch
klar, dass auch eine AbÂwahl des PuÂtinÂreÂgimes nur zu marÂgiÂnaÂlen KursÂÃnÂdeÂrunÂgen
fÃhÂren wÃrde.
Auf die KriÂtik an den korÂrupÂtiÂonsÂfÃrÂdernÂden MachtÂhaÂbern wird aber geÂraÂde aus
dem AusÂland zuÂgeÂstimmt, da die staatÂliÂche LenÂkung und verÂbreiÂteÂte KorÂrupÂtiÂon
den MarktÂzuÂgriff von auÃen stark erÂschwert. RussÂland stellt geÂraÂde in
KriÂsenÂzeiÂten einen wichÂtiÂgen Markt da, insÂbeÂsonÂdeÂre als LieÂfeÂrant von
RohÂstofÂfen oder KreÂditÂgeÂber. Die hohe BeÂdeuÂtung der BeÂzieÂhunÂgen zwiÂschen der EU
und RussÂland zeiÂgen immer wieÂder auch PerÂsoÂnen, wie die des eheÂmaÂliÂgen deutÂschen
BunÂdesÂkanzÂlers GerÂhard SchrÃÂder (SPD), desÂsen KomÂmenÂtar Ãber Putin als
âluÂpenÂreiÂner DeÂmoÂkratâ noch immer in aller Munde ist. Die UnÂterÂstÃtÂzung
opÂpoÂsiÂtioÂnelÂler GrupÂpen kÃnnÂte sich fÃr die nordÂatÂlanÂtiÂschen StaaÂten im
NachÂhinÂein als InÂvesÂtiÂtiÂon in zuÂkÃnfÂtiÂge GeÂschÃfÂte ausÂzahÂlen. Doch eine
einÂdeuÂtiÂge PoÂsiÂtioÂnieÂrung erÂfolgt nicht. Auch wenn die KonÂtakÂte zu
evenÂtuÂelÂlen neuen MachtÂhaÂber*innen aufÂgeÂbaut werÂden, finÂdet keine
DisÂtanÂzieÂrung von Putin statt. Ganz im GeÂgenÂteil, im VorÂfeld des EU â RussÂland
GipÂfels AnÂfang DeÂzember erÂklÃrÂten PoÂliÂtiÂker*innen verÂschieÂdeÂner deutÂscher
ParÂteiÂen, dass es nun ja an Putin lÃge, zu zeiÂgen welÂche KlasÂse von StaatsÂmann er
sei. So werÂden also alle TÃren offen geÂhalÂten, um auch ja nicht durch eine
ÃberÂschwÃngÂliÂche UnÂterÂstÃtÂzung von DeÂmoÂkraÂtieÂbeÂweÂgunÂgen GeÂschÃfÂte aufs
Spiel zu setÂzen. AmÃÂsant ist dabei, dass vor weÂniÂgen WoÂchen der rusÂsiÂsche WTO
BeiÂtritt stattÂgeÂfunÂden hat und das lang erÂsehnÂte ZwangsÂmitÂtel der ÃkoÂnoÂmiÂschen
ÃffÂnung RussÂlands nun durchÂgeÂsetzt wird. Den hieÂsiÂgen MeÂdiÂen als Fans der
rusÂsiÂschen GeÂsellÂschaft war dies im besÂten Fall nur eine AgenÂturÂmelÂdung wert.
EmanÂziÂpaÂtoÂriÂsche PerÂspekÂtiÂven?
Das GeÂreÂde vom sich wehÂrenÂden rusÂsiÂschen Volk wirft die Frage auf, inÂwieÂweit die
ProÂtesÂte fÃr ordÂnungsÂgeÂmÃÂÃe ParÂlaÂmentsÂwahÂlen ÃberÂhaupt ein Weg
geÂsellÂschaftÂliÂcher EmanÂziÂpaÂtiÂon sein kÃnnÂten. GeÂraÂde die in den VorÂderÂgrund
geÂschoÂbeÂnen WortÂfÃhÂrer der OpÂpoÂsiÂtiÂon verÂsuÂchen die UnÂzuÂfrieÂdenÂheit zu
einem VolksÂbeÂwusstÂsein fÃr GeÂrechÂtigÂkeit zu kaÂnaÂliÂsieÂren. Den GroÃÂteil der
DeÂmonsÂtrieÂrenÂden stelÂlen nicht jahÂreÂlang unÂterÂdrÃckÂte ReÂgimeÂkriÂtiÂker*innen
dar, sonÂdern von ausÂbleiÂbenÂden poÂliÂtiÂschen InÂnoÂvaÂtioÂnen entÂtÃuschÂte
MitÂtelÂschichtÂler*innen. Der GroÃÂteil hatte HoffÂnunÂgen in MedÂwedÂjew geÂsetzt, die
nun endÂgÃlÂtig entÂtÃuscht wurÂden. DemÂentÂspreÂchend sind ForÂdeÂrunÂgen nach
tiefÂgreiÂfenÂden geÂsellÂschaftÂliÂchen VerÂÃnÂdeÂrunÂgen auch kaum zu verÂnehÂmen. Klar
ist, dass es nicht so weiÂterÂgeÂhen soll wie bisÂher. Was sich alÂlerÂdings verÂÃnÂdern
kÃnnÂte, wird den selbstÂerÂnannÂten WortÂfÃhÂrern ÃberÂlasÂsen. Denn auch wenn EdiÂnaÂja
RosÂsiÂja den RÃckÂhalt verÂloÂren hat, wurde sich nicht fÃr einen einÂdeuÂtiÂgen neuen
Weg entÂschieÂden. Der StimÂmenÂzuÂwachs fÃr die KomÂmuÂnisÂtiÂsche ParÂtei bspw. ist eher
AusÂdruck eines ProÂtestÂwahlÂverÂhalÂtens, denn einer ÃberÂzeugÂten StimÂmenÂabÂgaÂbe.
Denn die KP stand beÂkannÂterÂmaÂÃen noch nie fÃr groÃÂarÂtig fortÂschrittÂliÂche Ideen
und tritt in RussÂland eher wie eine hieÂsiÂge VolksÂparÂtei auf. Zudem hatte die KP die
letzÂten Jahre auch den DuÂmaÂvorÂsitz inne. Sie ist also keiÂnesÂwegs eine groÃe
AlÂterÂnaÂtiÂve zum BeÂsteÂhenÂden.
Dass es damit also nur um MachtÂverÂschieÂbunÂgen geht, wird am UmÂgang mit dem
ReÂpresÂsiÂonsÂapÂpaÂrat deutÂlich. ObÂwohl ein rieÂsiÂges AufÂgeÂbot an PoÂliÂzei-â und
ArÂmeeÂkrÃfÂten des InÂneÂren aufÂgeÂzoÂgen wird und staatÂliÂcherÂseits sogar priÂvaÂte
SiÂcherÂheitsÂfirÂmen anÂgeÂheuÂert werÂden, apÂpelÂliert die ProÂtestÂfÃhÂrung stets,
dass die PoÂliÂzei ein Teil des Volkes sei und man fÃr die selÂben Ideen kÃmpÂfe. Dass
dies in keiÂner Weise der ReaÂliÂtÃt entÂspricht, zeigÂten die MasÂsenÂfestÂnahÂmen seit
dem BeÂginn der ProÂtesÂte. In St. PeÂtersÂburg wurde eine groÃe GrupÂpe von
DeÂmonsÂtrant*innen im SchnellÂverÂfahÂren zu 15 Tagen Haft verÂurÂteilt. Der ebenÂfalls
inÂhafÂtierÂte AnÂarÂchist FiÂlipp KosÂtenÂko beÂfand sich seit der FestÂnahÂme in einem
mehrÂwÃÂchiÂgen HunÂgerÂstreik gegen die poÂliÂtiÂsche ReÂpresÂsiÂon. Nach der
FreiÂlasÂsung der mit ihm VerÂhafÂteÂten wurde KosÂtenÂko in einem weiÂteÂren VerÂfahÂren
zu erÂneuÂten zwei WoÂchen Haft verÂurÂteilt. Der deutÂlich kÃrÂperÂlich anÂgeÂschlaÂgeÂne
war nicht in der Lage sich vor GeÂricht zu verÂteiÂdiÂgen und konnÂte wÃhÂrend seiÂnes
PlÃÂdoyÂer kaum noch steÂhen. Es hÃtte ihm jeÂdoch wohl auch wenig geÂbracht, denn die
RichÂteÂrin brachÂte unÂmissÂverÂstÃndÂlich ihren Hass zum AusÂdruck und der
VerÂhandÂlungsÂraum war volÂler Agent*innen des âZenÂtrums fÃr ExÂtreÂmisÂmus-â
beÂkÃmpÂfungâ. Grund der VerÂurÂteiÂlung war ÃbÂriÂgens ein VorÂwurf des HooÂliÂgaÂnisÂmus
vom OkÂtoÂber.
Die vielÂfach ziÂtierÂte proÂgresÂsiv anÂmuÂtenÂde ForÂdeÂrung nach âFreiÂheit fÃr alle
poÂliÂtiÂschen GeÂfanÂgeÂnenâ, die auf den ProÂtesÂten kund getan wird, ist somit nicht
viel mehr als ein FeiÂgenÂblatt. Denn statt konÂseÂquent soÂliÂdaÂriÂschen VerÂhalÂtens
mit den BeÂtrofÂfeÂnen von ReÂpresÂsiÂon wird UnÂterÂstÃtÂzung von den ReÂpresÂsiÂons-â
orÂgaÂnen geÂwÃnscht. So werÂden PerÂspekÂtiÂven, die jene ProÂtesÂte bieÂten kÃnnÂten,
verÂspielt. Dies zeigt sich auch durch TransÂpaÂrenÂte wie âKeine ReÂvoÂluÂtiÂon. Nur
faire WahÂlen!â. Eine âreÂvoÂluÂtioÂnÃÂre SiÂtuaÂtiÂonâ ist nur herÂbeiÂgeÂreÂdet von
jenen, die den Unmut inÂstruÂmenÂtaÂliÂsieÂren wolÂlen. Dies erÂinÂnert in eiÂniÂgen
PunkÂten stark an die âOranÂgeÂne ReÂvoÂluÂtiÂonâ 2004/05 bei der jede Rede von einem
ApÂpell âruhig bleiÂbenâ beÂgleiÂtet war.
BeÂteiÂliÂgung liÂberÂtÃÂrer GrupÂpen
ObÂwohl es sich um ProÂtesÂte fÃr geÂrechÂte ParÂlaÂmentsÂwahÂlen hanÂdelt, nehÂmen auch
zahlÂreiÂche liÂberÂtÃÂre ZuÂsamÂmenÂhÃnÂge an den DeÂmonsÂtraÂtioÂnen teil. FÃr
AnÂarÂchist*innen in RussÂland sind die WahÂlen schon vor dem BeÂkanntÂwerÂden der
MaÂniÂpuÂlaÂtiÂon ein groÂÃes Thema geÂweÂsen. Mit der KamÂpaÂgne âUnser KanÂdiÂdat â
SelbstÂorÂgaÂniÂsieÂrungâ hat das anÂarÂchisÂtiÂsche NetzÂwerk âAuÂtoÂnoÂme AkÂtiÂonâ die
ParÂlaÂmentsÂwahÂlen als AnÂlass geÂnomÂmen, um zu zeiÂgen, dass WahÂlen nichts brinÂgen
und nur die eiÂgentÂliÂchen MÃgÂlichÂkeiÂten einer geÂsellÂschaftÂliÂchen
OrÂgaÂniÂsieÂrung von unten verÂschleiÂern. Neben einer InÂforÂmaÂtiÂonsÂkamÂpaÂgne gab es
im VorÂfeld der Wahl in ganz RussÂland zahlÂreiÂche diÂrekÂte AkÂtioÂnen. ZielÂscheiÂbe
waren dabei vor allem EinÂrichÂtunÂgen von EdiÂnaÂja RosÂsiÂja aber auch BÃros von
âGazÂpromâ sowie InÂfraÂstrukÂtur der PoÂliÂzei. AbÂgeÂbrannÂte WahlÂkampfÂbÃÂros
erÂschwerÂten die ArÂbeit der PutÂinÂtreuÂen vieÂlerÂorts.
In den ProÂtesÂten sehen viele AnÂarÂchist*innen ein ersÂtes AufÂbeÂgehÂren gegen den
Staat ohne sich jeÂdoch falÂsche HoffÂnunÂgen zu maÂchen. Die verÂkÃrzÂte KriÂtik, der
VerÂsuch einer LenÂkung der ProÂtesÂte sowie der naÂtioÂnaÂlisÂtiÂsche Kurs, den die
selbstÂerÂnannÂten WortÂfÃhÂrer*innen einÂnehÂmen wird offen kriÂtiÂsiert. Trotz der
zahlÂreiÂchen KriÂtikÂpunkÂte an âder BeÂweÂgungâ zieÂhen sich die AnÂarÂchist*innen nicht
zuÂrÃck, sonÂdern verÂsuÂchen aktiv zu inÂterÂveÂnieÂren. Denn ob eine VerÂeinÂnahÂmung
der ProÂtesÂte erÂfolgt, hÃngt von den ProÂtesÂtieÂrenÂden selbst ab. GeÂraÂde die
raÂdiÂkaÂle Linke ist sich der anÂgeÂspannÂten soÂziaÂlen VerÂhÃltÂnisÂse beÂwusst und
spÃÂtesÂtens seit AnÂfang 2000 auch verÂmehrt in soÂziaÂle KÃmpÂfe inÂvolÂviert. So sind
die WahlÂproÂtesÂte fÃr viele liÂberÂtÃÂre ZuÂsamÂmenÂhÃnÂge auÂÃerÂhalb der (BeÂweÂgungs-
â)MeÂtroÂpoÂlen MosÂkau und St. PeÂtersÂburg eine MÃgÂlichÂkeit von den bisÂheÂriÂgen
parÂtiÂkuÂlaÂriÂsierÂten KÃmpÂfen aus nun offen auf die StraÂÃe zu gehen und liÂberÂtÃÂre
PoÂsiÂtioÂnen in die GeÂsamtÂgeÂsellÂschaft zu arÂtiÂkuÂlieÂren.
Der naÂtioÂnaÂlisÂtiÂschen VerÂeinÂnahÂmung der ProÂtesÂtieÂrenÂden setÂzen
AnÂarÂchist*innen eiÂgeÂne anÂtiÂnaÂtioÂnaÂle und anÂarÂchisÂtiÂsche BlÃÂcke bei den
DeÂmonsÂtraÂtioÂnen entÂgeÂgen. Durch die TeilÂnahÂme an den ProÂtesÂten zeiÂgen sie sich
soÂliÂdaÂrisch mit den AnÂlieÂgen der Leute. So waren es bspw. AnÂarÂchist*innen, die
wÃhÂrend der GroÃÂdeÂmonsÂtraÂtiÂon am 24.â12.â11 in MosÂkau durch MeÂgaÂfoÂne den
ProÂtesÂtieÂrenÂden die MÃgÂlichÂkeit gaben, sich selbst frei zu arÂtiÂkuÂlieÂren. Ihre
AkÂtiÂon âFreie BÃhneâ entÂzog dem von oben geÂlenkÂten ProÂtest den Boden und gab der
ForÂdeÂrung nach SelbstÂbeÂstimÂmung einen prakÂtiÂschen ChaÂrakÂter. WÃhÂrend der
AbÂschlussÂkundÂgeÂbung zogen AnÂarÂchist*innen, FeÂmiÂnist*innen, LGBT AkÂtiÂvist*innen
und BaÂsis-âgeÂwerkÂschaftÂler*innen geÂmeinÂsam vor die HauptÂbÃhÂne, um sich dort dem
ProÂtestÂmainÂstream entÂgeÂgenÂzuÂsetÂzen. Den AufÂtritt des OligÂarÂchen und
PrÃÂdiÂdentÂschaftsÂkanÂdiÂdats Michail ProÂchoÂrov bloÂckierÂten sie, bis die SeÂcuÂriÂty
aufÂzog. Somit wird deutÂlich, dass die raÂdiÂkaÂle Linke trotz BeÂteiÂliÂgung an
WahlÂproÂtesÂten die eiÂgeÂnen ÃberÂzeuÂgunÂgen nicht aus den Augen verÂliert. Mit
zahlÂreiÂchen AkÂtioÂnen traÂgen die rusÂsiÂschen AnÂarÂchist*innen Ideen einer
beÂfreiÂten GeÂsellÂschaft in die neue geÂsellÂschaftÂliÂche BeÂweÂgung hinÂein. Und dies
trifft auf viele InÂterÂesÂsierÂte â und zuÂgleich auch auf FeinÂde. WÃhÂrend der
AbÂschlussÂkundÂgeÂbung rief der, spÃÂtesÂtens seit den ProÂtesÂten im Wald von ChimÂki,
sehr beÂkannÂte AnÂarÂchist AlekÂsej GasÂkaÂrow auf, keine falÂschen AlÂliÂanÂzen
einÂzuÂgeÂhen und diÂrekÂte DeÂmoÂkraÂtie aufÂzuÂbauÂen. Eine ZuÂsamÂmenÂarÂbeit mit
ReÂpresÂsiÂonsÂorÂgaÂnen wie PoÂliÂzei und Armee oder mit NaÂtioÂnaÂlist*innen , wie sie
von zahlÂreiÂchen RedÂner*innen proÂpaÂgiert wird, dÃrfe es nicht geben, denn diese seien
die FeinÂde jedes deÂmoÂkraÂtiÂschen ProÂzesÂses. WÃhÂrend seiÂner Rede verÂsuchÂten
rechÂte DeÂmoÂteilÂnehÂmer*innen GasÂkaÂrow anÂzuÂgreiÂfen. Am liÂberÂtÃÂren Block war
jeÂdoch EndÂstaÂtiÂon. DafÃr gab es nach dem Ende der KundÂgeÂbung jeÂdoch Rache, indem
beÂkannÂte UlÂtra-âNaÂtioÂnaÂlist*innen geÂmein-âsam mit der PoÂliÂzei eine GrupÂpe auf
die Metro warÂtenÂder AnÂarÂchist*innen anÂgriff.
Doch auch das poÂliÂtiÂsche EnÂgaÂgeÂment auÂÃerÂhalb der ofÂfiÂziÂelÂlen ProÂtesÂte
trifft auf viel ZuÂstimÂmung.
Im GeÂgenÂsatz zu den LipÂpenÂbeÂkenntÂnisÂses von SoÂliÂdaÂriÂtÃt mit GeÂfanÂgeÂnen, sind
es liÂberÂtÃÂre ZuÂsamÂmenÂhÃnÂge, die SoÂliÂdaÂriÂtÃt prakÂtisch maÂchen. Mit einer guten
BeÂrichtÂerÂstatÂtung Ãber die SiÂtuaÂtiÂon poÂliÂtiÂscher GeÂfanÂgeÂner wie FiÂlipp
KosÂtenÂko und ÃfÂfentÂliÂchen SoÂliÂakÂtioÂnen wird der breiÂte KonÂtext staatÂliÂcher
ReÂpresÂsiÂon aufÂgeÂzeigt. PoÂliÂtiÂscher ProÂtest wird so in unÂterÂschiedÂliÂchen
ForÂmen immer wieÂder in TaÂgesÂgeÂscheÂhen einÂgeÂbracht. Das in einer Zeit, in der viele
MenÂschen alÂlein schon aus perÂsÃnÂliÂcher BeÂtrofÂfenÂheit, viel empÂfÃngÂliÂcher fÃr
poÂliÂtiÂsche KriÂtik sind.
Viele der DeÂmonsÂtrant*innen sind das erste Mal bei einer nicht staatÂlich geÂdulÂdeÂten
poÂliÂtiÂschen AkÂtiÂon und komÂmen das erste Mal mit ReÂpresÂsiÂon in KonÂtakt. Das linke
PrinÂzip der diÂrekÂten SoÂliÂdaÂriÂtÃt zeigt ihnen, dass kolÂlekÂtiÂve
HandÂlungsÂfÃÂhigÂkeit entÂsteÂhen kann, wenn man nicht auf das der PoÂliÂzei gute
ZuÂreÂden von irÂgendÂwelÂchen ParÂteiÂchefs warÂtet, sonÂdern selÂber aktiv wird.
Damit die ProÂtesÂte weiÂterÂgeÂhen, hat âAuÂtoÂnoÂme AkÂtiÂonâ die KamÂpaÂgne âUnÂseÂre
Wahl â SelbstÂbeÂstimÂmungâ geÂstarÂtet. Bei den weiÂteÂren ProÂtesÂten wird weiÂterÂhin
konÂseÂquent auf anÂarÂchisÂtisch-âanÂtiÂfaÂschisÂtiÂschen BlÃÂcke und TheÂmenÂsetÂzung
geÂbaut. Unter dem SloÂgan âWir sind die 146 %â werÂden WahlÂbeÂtrug wie auch die
inÂterÂnaÂtioÂnaÂle OcÂcuÂpy BeÂweÂgung scherzÂhaft ziÂtiert und zu einer poÂliÂtiÂschen
BeÂweÂgung aufÂgeÂruÂfen, die Staat und NaÂtiÂon in Frage stellt.
Die anÂgeÂspannÂte soÂziaÂle Lage und der WahlÂbeÂtrug haben zu ersÂten RisÂsen im
auÂtoÂriÂtÃÂren rusÂsiÂschen StaatsÂsysÂtem geÂfÃhrt. Ob aus dieÂsen RisÂsen eine
BeÂdroÂhung fÃr den Staat wird, ist unÂgeÂwiss. Die kreaÂtiÂve und akÂtiÂvisÂtiÂsche
anÂarÂchisÂtiÂsche Szene in RussÂland ist aber geÂwillt eiÂniÂges dafÃr zu tun.
Ein Text der AnÂarÂcho-âSynÂdiÂkaÂlisÂtiÂschen JuÂgend GÃtÂtinÂgen / SÃdÂnieÂderÂsachÂsen
BeÂdacht auf eine stÃrÂkeÂre VerÂnetÂzung soÂziaÂler KÃmpÂfe ist die UnÂterÂstÃtÂzung von
AkÂtiÂvist*innen in OstÂeuÂroÂpa / Ex-âUdSSR ein wichÂtiÂges Thema fÃr uns. DemÂnÃchst
erÂscheint der erste Band unÂseÂrer PuÂbliÂkaÂtiÂonsÂreiÂhe âEmanÂziÂpaÂtoÂriÂsche
PoÂliÂtik in OstÂeuÂroÂpaâ mit SchwerÂpunkt auf liÂberÂtÃÂrer PoÂliÂtik in RussÂland und
der UkraiÂne.
FuÃÂnoÂten
1Die ParÂtei âVerÂeiÂnigÂtes RussÂlandâ hatte bisÂher die abÂsoÂluÂte MehrÂheit im
rusÂsiÂschen ParÂlaÂment âDumaâ. Auch der seÂpaÂrat geÂwÃhlÂte PrÃÂsiÂdent der
RusÂsiÂschen FÃÂdeÂraÂtiÂon DiÂmitÂri MedÂwedÂjew ist MitÂglied der ParÂtei.
ParÂteiÂvorÂsitÂzeÂner ist Ex-âStaatsÂprÃÂsiÂdent und bisÂheÂriÂger MiÂnisÂterÂprÃÂsiÂdent
WlaÂdiÂmir Putin, der jeÂdoch in keiÂner eiÂniÂziÂgen rusÂsiÂschen ParÂtei MitÂglied ist.
2Der âRusÂsiÂsche Marschâ ist eine AkÂtiÂon der rusÂsisch-ânaÂtioÂnaÂlen und ulÂtra-â
rechÂten GrupÂpieÂrunÂgen RussÂland. Die MosÂkauÂer DeÂmonsÂtraÂtiÂon âRusÂsiÂscher
Marschâ wurde ÃbÂriÂgens von einem âRussÂland den RusÂsenâ TransÂpaÂrent anÂgeÂfÃhrt. FÃr
weiÂteÂre InÂforÂmaÂtioÂnen zum RusÂsiÂschen Marsch, lest bitte unÂseÂren ArÂtiÂkel in der
âGai Daoâ FeÂbruÂar AusÂgaÂbe
3DieÂsen SloÂgan prÃgÂte NaÂvalny auf seiÂnem Blog
http://asjgoe.blogsport.de/selbstverstaendnis/
SelbstverstÃndnis
AnÂarÂcho-âSynÂdiÂkaÂlisÂtiÂsche JuÂgend GÃtÂtinÂgen / SÃdÂnieÂderÂsachÂsen
So wie wir und die VerÂhÃltÂnisÂse in denen wir leben â in stÃnÂdiÂger VerÂÃnÂdeÂrung
SelbstÂverÂwalÂtung in allen LeÂbensÂbeÂreiÂchen
Wir sind eine loÂkaÂlisÂtiÂsche und anÂarÂcho-âsynÂdiÂkaÂlisÂtiÂsche GrupÂpe und Teil
eines NetzÂwerÂkes aus anÂarÂcho-âsynÂdiÂkaÂlisÂtiÂschen und/oder daran oriÂenÂtierÂten
liÂberÂtÃÂren JuÂgendÂgrupÂpen.
AnÂarÂchisÂtiÂschen und synÂdiÂkaÂlisÂtiÂschen Ideen verÂbunÂden, streÂben wir eine
herrÂschaftsÂfreie und selbstÂverÂwalÂteÂte GeÂsellÂschaft an.
Als JuÂgendÂnetzÂwerk liegt unser SchwerÂpunkt bei der OrÂgaÂniÂsieÂrung von
SchÃÂler*innen, StuÂdent*innen, PrakÂtiÂkant*innen und JuÂgendÂliÂchen inÂnerÂhalb oder
auÂÃerÂhalb von LohnarÂbeitsÂverÂhÃltÂnisÂsen.
Warum JuÂgendÂliÂche?
Wir nenÂnen uns nicht wegen unÂseÂrer GrupÂpenÂstrukÂtur anÂarÂcho-âsynÂdiÂkaÂlisÂtiÂsche
JuÂgend sonÂdern wegen unÂseÂres poÂliÂtiÂschen AnÂsatÂzes. Dass es ÃberÂhaupt eine
TrenÂnung zwiÂschen âErÂwachÂseÂnenâ und âJuÂgendÂliÂchen / KinÂdernâ gibt, bringt
beÂreits jene HerrÂschaftsÂverÂhÃltÂnisÂse zum AusÂdruck, die wir abÂlehÂnen. Nicht
erÂwachÂsen zu sein beÂdeuÂtet, als unÂerÂfahÂren, unÂmÃnÂdig und unÂreif anÂgeÂseÂhen zu
werÂden und damit kein vollÂwerÂtiÂges MitÂglied der kaÂpiÂtaÂlisÂtiÂschen GeÂsellÂschaft
zu sein. Um Teil dieÂser GeÂsellÂschaft zu werÂden, muss Mensch zum einen seine
ArÂbeitsÂkraft verÂedeln, das heiÃt also das (Aus)BilÂdungsÂsysÂtem zu ÃberÂsteÂhen und
einen staatÂliÂchen AbÂschluss zu erÂwerÂben. Zum anÂdeÂren aber muss sich mensch der
kaÂpiÂtaÂlisÂtiÂschen WeltÂanÂschauÂung unÂterÂordÂnen, was da heiÃt eine
geÂsellÂschaftÂliÂche HierÂarÂchie als naÂturÂgeÂgeÂben anÂzuÂerÂkenÂnen und desÂhalb um
den hÃchsÂten Rang in der LeisÂtungsÂgeÂsellÂschaft zu konÂkurÂrieÂren. DieÂses
WerÂteÂkonÂstrukt wird einem beÂsonÂders inÂtenÂsiv als junÂger Mensch durch elÂterÂliÂche
ErÂzieÂhung, SchuÂle und MeÂdiÂen einÂgeÂtrichÂtert.
Zum richÂtiÂgen VerÂhalÂten als UnÂterÂtan*in werÂden wir von allen SeiÂten her beÂlehrt:
HerrÂschaft soll so als gut, richÂtig und norÂmal anÂerÂkannt werÂden, die UnÂterÂwerÂfung
unter die ZwÃnÂge des SysÂtem soll als BeÂdÃrfÂnis geÂseÂhen werÂden. Somit gibt es nicht
mehr einÂfach nur UnÂterÂdrÃÂcker*innen und ihre Sklav*innen, wir sind alle RÃdÂchen im
SysÂtem und reÂproÂduÂzieÂren es stÃnÂdig.
Die SiÂtuaÂtiÂon, in die JuÂgendÂliÂche geÂzwunÂgen werÂden, zeigt wie MenÂschen in den
Knast der kaÂpiÂtaÂlisÂtiÂschen GeÂsellÂschaft geÂsperrt werÂden und wie dieÂses
GeÂfÃngÂnis verÂinÂnerÂlicht wird. Eben desÂhalb sind wir eine anÂarÂcho-â
synÂdiÂkaÂlisÂtiÂsche JuÂgendÂgrupÂpe, weil genau hier, als JuÂgendÂliÂche, gegen das
EntÂsteÂhen von HerrÂschaft geÂkÃmpft werÂden muss. Und weil wir alle als JuÂgendÂliÂche
verÂsteÂhen, die nicht geÂhorÂchen wolÂlen und die nicht erÂwachÂsen werÂden wolÂlen, weil
sie nieÂmanÂden Ãber sich und nieÂmanÂden unter sich akÂzepÂtieÂren.
Worin unÂterÂscheiÂden wir uns von zenÂtraÂlisÂtiÂschen JuÂgendÂorÂgaÂniÂsaÂtioÂnen?
OriÂenÂtiert an unÂseÂren inÂdiÂviÂduÂelÂlen BeÂdinÂgunÂgen und BeÂdÃrfÂnisÂsen stelÂlen
wir uns auf konÂkreÂte SiÂtuaÂtioÂnen ein â unÂseÂre OrÂgaÂniÂsaÂtiÂon sind wir selbst.
SoÂliÂdaÂriÂtÃt und SelbstÂbeÂstimÂmung sind fÃr uns keine leeÂren Worte, sonÂdern
IdeaÂle, die wir ofÂfenÂsiv verÂtreÂten und mit InÂhalt fÃlÂlen. DesÂhalb unÂterÂstÃtÂzen
wir uns geÂgenÂseiÂtig, egal ob in der SchuÂle, bei der LohnarÂbeit oder auf dem Amt.
Wir lehÂnen jede Form von HerrÂschaft und damit von DisÂkriÂmiÂnieÂrung ab.
DesÂhalb zÃhlt fÃr uns: Keine FÃhÂrung, keine FunkÂtioÂnÃÂre, keine BÃÂroÂkraÂtie, keine
HierÂarÂchiÂen, keine aufÂgeÂbunÂdeÂnen InÂhalÂte. Bei uns kann und sollÂte sich jedes
MitÂglied aktiv einÂbrinÂgen, EntÂscheiÂdunÂgen werÂden von den GrupÂpenÂmitÂglieÂdern
geÂmeinÂsam geÂtrofÂfen. Die auÂtoÂnoÂme und fÃÂdeÂraÂle StrukÂtur und VerÂnetÂzung
richÂtet sich gegen MachtÂkonÂzenÂtraÂtiÂon und BeÂvorÂmunÂdung.
Wir setÂzen auf die MoÂbiÂliÂsieÂrung aller GeÂnoss*innen und auf DiÂrekÂte AkÂtioÂnen.
Wir proÂpaÂgieÂren dabei den synÂdiÂkaÂlisÂtiÂschen KlasÂsenÂkampf, welÂchen wir
geÂmeinÂsam und soÂliÂdaÂrisch mit anÂdeÂren anÂtiÂnaÂtioÂnaÂlen, anÂtiÂauÂtoÂriÂtÃÂren
und emanÂziÂpaÂtoÂriÂschen GrupÂpen sowie OrÂgaÂniÂsaÂtioÂnen fÃhÂren wolÂlen. Wir
erÂstreÂben eine wirkÂlich freie GeÂsellÂschaft, die dabei der alÂterÂnaÂtiÂven
selbstÂbeÂstimmÂten LeÂbensÂgeÂstalÂtung im Hier und Jetzt und der ÃberÂwinÂdung der
herrÂschenÂden OrdÂnung als grundÂleÂgenÂde Idee unÂseÂrer PraÂxis entÂspringt. Was wir
nicht beÂkomÂmen, dafÃr wolÂlen wir kÃmpÂfen. UnÂseÂre MitÂtel wÃhÂlen wir selbst!
Wir verÂsuÂchen dabei perÂmaÂnent unser eiÂgeÂnes VerÂhalÂten und unÂseÂre GeÂdanÂkenÂwelt
zu reÂflekÂtieÂren. Da rasÂsisÂtiÂsche und paÂtriÂarÂchaÂle StrukÂtuÂren durch
geÂsellÂschaftÂliÂche PrÃÂgung in uns allen vorÂhanÂden sind, mÃsÂsen wir uns tÃgÂlich von
dieÂsen emanÂziÂpieÂren.
Wir sind nicht Volk, wir sind KlasÂse!
KlasÂsenÂkampf auf der Basis einer soÂziaÂlen ReÂvoÂluÂtiÂon ist inÂter-â und letztÂlich
anÂtiÂnaÂtioÂnal. Wir JuÂgendÂliÂchen brauÂchen fÃr unser Leben keine KonÂstrukÂte von
NaÂtiÂon und VaÂterÂland, die uns kolÂlekÂtiv entÂmÃnÂdiÂgen und uns geÂfÃÂgig fÃr
HerrÂschaft und KaÂpiÂtaÂlisÂmus halÂten solÂlen. Dies baÂsiert auf der erÂzwunÂgeÂnen
IdenÂtiÂfiÂkaÂtiÂon mit NaÂtiÂon, zu deren Wohl wir nunÂmehr nur als konÂsuÂmieÂrenÂdes
StaubÂkorn in der Masse unÂterÂgeÂhen, um priÂviÂleÂgierÂten MenÂschen ProÂfit durch
UnÂterÂordÂnung und LohnsÂklaÂveÂrei zu siÂchern. AufÂgrund von marktÂoriÂenÂtierÂten
StandÂortÂinÂterÂesÂsen sorÂgen die kÃnstÂliÂchen GeÂbilÂde von NaÂtioÂnalÂstaaÂten fÃr
eine SpalÂtung der ArÂbeiÂter*inÂnenÂklasÂse.
Die GrenÂze verÂlÃuft nicht zwiÂschen den StaaÂten, sonÂdern zwiÂschen oben und unten,
desÂweÂgen erÂfÃllt nur ein anÂtiÂnaÂtioÂnaÂler KlasÂsenÂkampf seiÂnen Zweck. LetztÂlich
eint uns das, was die NaÂtiÂon uns nicht geben kann: ein selbstÂorÂgaÂniÂsierÂtes Leben in
FreiÂheit und geÂgenÂseiÂtiÂge Hilfe auf gleiÂcher AuÂgenÂhÃÂhe.
Auf die BarÂriÂkaÂden!
Als anÂarÂcho-âsynÂdiÂkaÂlisÂtiÂsche JuÂgendÂorÂgaÂniÂsaÂtiÂon fÃhÂlen wir uns der FAU /
IAA, sowie anÂdeÂren anÂtiÂnaÂtioÂnaÂlen und anÂtiÂauÂtoÂriÂtÃÂren GrupÂpen und
OrÂgaÂniÂsaÂtioÂnen nahe und wolÂlen reÂgelÂmÃÂÃiÂgen AusÂtausch mit dieÂsen pfleÂgen.
UnÂseÂre geÂmeinÂsaÂme AufÂgaÂbe ist es, eine anÂdeÂre geÂsellÂschaftÂliÂche
PerÂspekÂtiÂve zu schafÂfen. Dies wolÂlen wir nicht alÂlein, sonÂdern es gilt, geÂmeinÂsam
unÂseÂre KrÃfÂte fÃr die ÃberÂwinÂdung dieÂser GeÂsellÂschaftsÂverÂhÃltÂnisÂse zu bÃnÂdeln.
ASJ GÃtÂtinÂgen / SÃdÂnieÂderÂsachÂsen im SepÂtemÂber 2010
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