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(de) Comic-Biografie zu B. Traven (Tagesspiegel 7.1.2012)]

Date Sun, 15 Jan 2012 13:58:39 +0200


http://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/comic-biografie-das-literarische-raetsel/6042618.html ---- *Romane wie „Das Totenschiff“ und „Der Schatz der Sierra Madre“ machten ihn berühmt. Dennoch blieb der Schriftsteller B. Traven zeitlebens ein Mysterium. Eine Comic-Biografie spürt ihm nach. * ---- Heimliches Leben: Die Identität von B. Traven war lange Zeit Gegenstand fantastischer Hypothesen. Foto: Avant ---- April 1969, Lacandonen-Urwald, Chiapas, Südost Mexiko...- ein Flugzeug überfliegt den Rio Jatate und verstreut die Asche des Mannes, der vierzig Jahre zuvor geschrieben hatte: „Ich betrachte die mexikanischen Indianer und das mexikanische Proletariat als meine engsten Freunde....“ - so beginnt der französische Comic-Autor Golo sein Werk: „B. Traven - Porträt eines berühmten Unbekannten“, eine zeichnerische Hommage an den weltbekannten Autor, der seit 1951 mexikanischer Staatsbürger war und am 26.3. 1969 in Mexico City verstarb.

Golo, so nennt sich der französische Comicautor Guy Nadeau, 1948 in
Bayonne geboren, der seit vielen Jahren in der Nähe von Kairo lebt und
dort für die „Cairo Times“ arbeitet.

In den 1970ern zeichnete er für namhafte französische Magazine und
publizierte knapp 20 Alben, so den 2007 in Frankreich und nun auf Deutsch
erschienenen weltweit ersten Comic-Band zum Leben von Traven.

*Als Hochverräter zum Tode verurteilt*

B. Traven, so (unter anderem) nannte sich der in viele Sprachen übersetzte
deutsche Star-Autor der Büchergilde Gutenberg, welcher zu Recht als das
größte literarische Geheimnis des 20. Jahrhunderts bezeichnet worden ist.
Unter dem Namen Ret Marut war er vor seiner Flucht nach Mexiko in
Deutschland als Schauspieler, Autor und Herausgeber der anarchistischen
Antikriegs-Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“ in Bayern tätig. Wegen seiner
Beteiligung an der Münchner Räterepublik wurde er als „Hochverräter“ zum
Tode durch Erschießen verurteilt, konnte seinen Wächtern aber noch
entkommen.

Golo zeichnet chronologisch Episoden dieses abenteuerlichen Lebens nach -
die Zeit in Europa bis zur Weimarer Republik fast durchgehend in
Schwarzweiß, sein späteres Leben in Mexiko dann in Farbe, durchsetzt von
ganzseitigen historischen Wimmelbildern, um die Weltereignisse zu
verbinden.

Manchmal schimmert George Grosz hindurch: Eine Szene aus dem Band. Foto:
Avant
Manchmal schimmert George Grosz hindurch: Eine Szene aus dem Band.- Foto:
Avant

Um historische Genauigkeit bemüht, ist der liebevoll und handwerklich
sicher gestaltete Band im Stil schlicht gehalten und gerade dadurch - auch
farblich - einfach schön. Fast altmodisch kommt dieser Band zunächst
daher, durchaus passend am Comicstil der 30er und 40er Jahre orientiert,
aussagekräftig, simpel, und dennoch mit gekonntem Spannungsaufbau
gezeichnet. Anklänge finden sich vielerlei; manchmal scheint George Grosz
hindurchzuschimmern. Oft erinnert Golos Stil auch an die großartigen
Zeichnungen eines Walter Trier, der Erich Kästners „Emil und die
Detektive“ illustrierte, oder an den belgischen Tim-und-Struppi-Zeichner
Hergé.

Golo stieß nach eigenem Bekunden durch ein Buchgeschenk schon als Kind auf
B. Travens Roman „Das Totenschiff“. Fasziniert durch das Thema der
Ausbeutung, bald auch politisiert, las er alles, was er von ihm erlangen
konnte und kam vom Thema der indigenen Bevölkerung in Mexiko nicht mehr
los. Angeregt durch die Forschungen des verstorbenen Leipziger
Traven-Forschers Rolf Recknagel zur Identität Ret Maruts/B. Travens, nahm
er ausführlich auch das Frühwerk von Ret Marut ins Visier.

*„Wer zum Teufel sind Sie?“*

So ist es ihm nun gelungen, ein lebendiges Bild von Travens Leben in
Mexiko erstaunlich werkgetreu in groben Zügen zusammenzusetzen, ohne seine
Spuren im vorrevolutionären Deutschland der Jahrhundertwende zu negieren.

Man merkt, dass Golo sich intensiv mit Travens Biografie beschäftigt haben
muss. Er ist auf dem neuesten Stand der Traven-Forschung, die ja bis heute
die eigentliche Herkunft des Autors nicht genau ermitteln konnte. So lässt
Golo dann auch, leider sprachlich etwas krumm übersetzt, sein
zeichnerisches Werk mit der Gretchenfrage der Travenforschung ausklingen,
wenn er ihm in den Mund legt: „Ich hätte gern auf die Frage ‚Wer zum
Teufel sind Sie?’ antworten gekonnt. Aber es stimmt: Ich weiß es selbst
nicht! Und wenn ich es gewusst hätte, hätte ich vielleicht meine Bücher
nicht schreiben können.“

Mann mit vielen Gesichtern: Das Titelbild des Buches. Foto: Avant
Mann mit vielen Gesichtern: Das Titelbild des Buches.- Foto: Avant

Man geht bei Travens Werk inzwischen von einer Weltauflage von 35
Millionen aus. Dennoch sind seine Bücher im deutschsprachigen Raum heute
weitgehend vergriffen. Nur „Das Totenschiff“ und „Der Schatz der Sierra
Madre“ sind noch erhältlich. Möge Golos - auch für schulische Zwecke
hervorragend geeignete - Comic-Biografie B. Travens eine Anregung für
mutige Verleger sein, wenigstens einen Teil des Travenschen Werkes wieder
aufzulegen.

/Golo: B. Traven - Porträt eines berühmten Unbekannten, Avant, 144 Seiten,
24,95 Euro, Leseprobe auf derVerlags-Website
<http://www.avant-verlag.de/index.php?b=avant&ID=114&rg=6&kat=t>/

/Unser Gastautor Christoph Ludszuweit ist im Vorsitz der Internationalen
B. Traven Gesellschaft e.V., Berlin <http://www.btraven.com/deutsch/>/


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