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(de) Kasachstan: Polizei richtet Massaker unter ÖlarbeiterInnen an
Date
Fri, 23 Dec 2011 21:03:00 +0200
Seit mehr als sechs Monaten streiken in der kasachischen Provinz Mangystau tausende von
ÖlarbeiterInnen gegen Ausbeutung und für höhere Löhne. Mehr als 1.000 wurden wegen des
Streiks gefeuert. Am 16. Dezember griff die Polizei des diktatorischen Regimes eine
Kundgebung in der Stadt Zhanaozen (Jañaözen) an. Nach Berichten von AugenzeugInnen soll es
dabei bis zu 70 Tote und 700 bis 800 Verletzte unter den Streikenden und ihren
UnterstützerInnen gegeben haben. ---- Seit mehr als sechs Monaten streiken in der
kasachischen Provinz Mangystau tausende von ÖlarbeiterInnen gegen Ausbeutung und für
höhere Löhne. Mehr als 1.000 wurden wegen des Streiks gefeuert. Am 16. Dezember griff die
Polizei des diktatorischen Regimes eine Kundgebung in der Stadt Zhanaozen (Jañaözen) an.
Nach Berichten von AugenzeugInnen soll es dabei bis zu 70 Tote und 700 bis 800 Verletzte
unter den Streikenden und ihren UnterstützerInnen gegeben haben.
Das Massaker in Zhanaozen ereignete sich, nachdem die Polizei am ersten Tag der
kasachischen Unabhängigkeitsfeiern eine Kundgebung von mehr als 3.000 Menschen mit
Tränengas angriff, die sich dort versammelt hatten, um auf die Forderungen der Streikenden
aufmerksam zu machen. Als DemonstrantInnen daraufhin eine Festbühne stürmten, eröffnete
die Polizei das Feuer mit scharfen Waffen. Binnen zweier Stunden gab es nach Angaben von
BeobachterInnen mehr als 50 Tote und hunderte von Verletzten. Im Zuge der
Auseinandersetzungen zündeten DemonstrantInnen später u.a. ein Gebäude der Ölgesellschaft
Uzenmunaigaz und den Sitz der Lokalregierung an.
Medien aus der Region berichteten, dass im Laufe des Tages mehr als 1.500 Soldaten mit
Panzerfahrzeugen aus der Stadt Aktau nach Zhanaozen verlegt wurden. Über der Stadt
kreisten am Nachmittag Hubschrauber. Das Mobilfunknetz soll nach Angaben einer
österreichischen Tageszeitung zusammengebrochen sein. Oppositionelle kasachische Medien
berichten hingegen, dass systemkritische Websites, soziale Netzwerke und andere Medien im
Laufe des Tages gezielt vom herrschenden Nazarbayev-Regime blockiert worden seien. In der
gesamten Region um Aktau sei gegen Abend keine Kommunikation mit Mobiltelefonen und kein
Internetzugriff mehr möglich gewesen.
Nach dem Einfall des Militärs in die Stadt soll sich bis zum frühen Abend nach Angaben von
Augenzeugen die Zahl der Toten auf mindestens 70 erhöht haben. Der Strom in Zhanaozen sei
abgeschaltet worden. Gesundheitszentren in der gesamten Region hätten zu Blutspenden für
die riesige Zahl von Verletzten aufgerufen.
Die Behörden selbst sprechen davon, dass es 10 Tote als Folge eines „Massenchaos“ gegeben
habe, als eine Versammlung, die den Unabhängigkeitstag habe feiern wollen, von „einer
Gruppe Hooligans“ angegriffen worden sei. Diese seien daraufhin von der Polizei vertrieben
worden. Man werde eine Sonderkommission zur „Bestrafung der Verantwortlichen für die
Proteste gegen den Staat“ einrichten. Die Berichterstattung der wenigen ausländischen
Medien, die überhaupt bislang vom Massaker Notiz nahmen, beschränkt sich häufig auf die
ungeprüfte Wiedergabe der offiziellen Verlautbarungen des Regimes.
Nach Angaben von socialistworld.net sind in Folge des Massakers jetzt auch ArbeiterInnen
anderer Ölfirmen und Beschäftigte anderer Sektoren in einen Solidaritätsstreik getreten.
Die Ölförderung rund um Zhanaozen sei komplett zum Erliegen gekommen. Im Moment würde
versucht, einen Generalstreik zu organisieren. Für die kommenden Tage seien überall im
Land Protestaktionen gegen das Massaker und zur Unterstützung der Streikenden geplant. In
verschiedenen europäischen Städten gab es im Laufe des 16. Dezembers Protestaktionen u.a.
vor kasachischen diplomatischen Einrichtungen.
Quellen: standard.at, socialistworld.ru, The Guardian
Freie ArbeiterInnen Union - FAU*
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* Anarchosyndicalist
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