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(de) Portugal: Generalstreik gegen die neoliberale "Krisenbewältigung" by ArbeiterInnen Union - FAU
Date
Tue, 29 Nov 2011 14:26:03 +0200
Die sozialen Kämpfe und Proteste entwickeln sich in Portugal in Wellenbewegungen. --- Nach
den Massenprotesten im März 2011 mit 200.000 Menschen, die zum Sturz der
sozialdemokratischen Regierung beigetragen haben, bildeten sich Vernetzungen, um weiter
gegen die Verschlechterung der Lebensumstände zu kämpfen. Ebenso gab es viele kleinere
Proteste, etwa gegen Preiserhöhungen im Nahverkehr oder gegen die Stilllegung von
Bahnstrecken. Allerdings ist aus diesen kleineren lokalen Initiativen nicht sofort eine
Massenmobilisierung gewachsen. ---- Ebenso konnten die linken Oppositionsparteien (PCP und
B.E.) nach den Wahlen recht lange keine kämpferische Position entwickeln. Jenseits von
„kämpferischen“ Reden und schwachen politischen Kampagnen war wenig erkennbar. Dies
änderte sich im Herbst 2011.
Der der KP nahestehende Gewerkschaftsverband CGTP mobilisierte am 1. Oktober zu
Demonstrationen in Lissabon und Porto. Nach (eher übertriebenen) Gewerkschaftsangaben
waren ca. 150.000 Menschen auf der Straße. Dies waren die ersten Massenproteste seit den
Wahlen im Juni 2011. Als nächstes folgte eine Aktionswoche der CGTP Ende Oktober, in der
in einigen Städten Kundgebungen und kurze Warnstreiks stattfanden. Die öffentlich
sichtbaren Aktionen konzentrierten sich auf die Hauptstadt. Die CGTP setzte (gemeinsam mit
dem sozialdemokratischen Gewerkschaftsverband UGT) für den 24. November einen
Generalstreik an.
Gleichzeitig organisierten partei- und gewerkschaftsunabhängigere Kräfte Proteste am 15.
Oktober, die sich an die globalen Krisenproteste anschlossen. In zahlreichen
portugiesischen Städten fanden Aktionen statt. In Porto, der zweitgrößten Stadt der Landes
mit ca. 400.000 EinwohnerInnen, nahmen nach Presseangaben 20.000 Menschen an den Protesten
teil. Die Zahl dürfte nach eigenen Schätzungen sogar eher höher liegen. Wie bereits bei
den Märzprotesten war das öffentliche Bild nicht von Partei- und Gewerkschaftsfahnen geprägt.
Die Mobilisierung zum Generalstreik wurde hauptsächlich von der CGTP getragen, während die
UGT kaum sichtbar war. Ebenfalls hatten anarchistische, libertär-sozialistische und
linksradikale Kräfte für den Generalstreik mobilisiert und eigene Aktionen dazu
organisiert. Allerdings sind die Kräfteverhältnisse zwischen CGTP und den unabhängigen
Akteuren recht eindeutig.
Der Generalstreik selbst war mehr als spürbar. In vielen Städten fiel das öffentliche
Nahverkehr aus, was vielfach zu einem Verkehrschaos führte, da alle Pendler versuchten mit
PKWs zur Arbeit zu kommen. Behörden und Schulen blieben geschlossen, Flughäfen und
Hafenanlagen konnten nicht genutzt werden. In der Hauptstadt ging die Polizei gegen
Streikposten vor, die den Betrieb von Bussen und Straßenbahnen aufgehalten hatten. In
größeren Städten fanden Kundgebungen und Demonstrationen statt. In Lissabon kam es vor dem
Parlamentsgebäude zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten.
Ebenso in der Hauptstadt wurden Finanzbehörden mit
Molotowcocktails und Farbkanister angegriffen. Die Demonstration in Porto war dagegen
weitestgehend ohne solche Zwischenfälle. Einige tausende Gewerkschafter nahmen an einer
Kundgebung der CGTP teil, während anarchistische, libertär-sozialistische und
linksradikale Gruppen am Rande der Kundgebung eigene (kreative und gewaltfreie) Aktionen
durchführten.
In den nächsten Wochen und Monaten wird zu beobachten sein, ob die gegenwärtige Phase der
Proteste und Streiks anhalten wird. Auffällig ist, dass es zunehmend ein gegenseitiges
Wahrnehmen der linken Parteien und Gewerkschaften einerseits und den unabhängigen Kräften
andererseits gibt. Beide Seiten verfolgen die Aktivitäten der anderen Seite und beteiligen
sich an einzelnen Aktionen. Ob dies zu tiefergehenden Lern- und Kooperationsprozessen
führen wird, ist noch offen.
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