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(de) :reminder: Berlin Mo+Di: "Was tun mit Kommunismus ?!" - Veranstaltungsreihe

Date Sun, 30 Oct 2011 19:57:01 +0100


Montag blau machen und sich rote Ohren holen... Dienstag nicht dienen sondern diskutieren !!! ...und nächsten Sonntag keine Sonntagsreden halten. * http://www.eidesk.wordpress.com [> Präsenz des A-Laden BüchAtisches auf allen drei Veranstaltungstagen! <] WAS TUN mit KOMMUNISMUS ?! - 1 Veranstaltungsreihe ---- Ist Kommunismus wieder sexy für die Armen? Oder ist Kommunismus nur was für die Armen im Geiste? „Wer mit 20 kein Kommunist ist hat kein Herz. Wer mit 30 noch Kommunist ist hat kein Hirn.“? Wie hirnlos ist die verkopfte Linke? Oder doch: wie geschichts- und bewußtlos ist sie? Alte Mythen in neuen Tüten. Will das wer? ---- Ab 1989 ff ist der ganze „Warschauer Pakt“ abgeschmiert. Mensch nannte das vorher euphemistisch den „Realexistierenden Sozialismus“. Weil er mit dem utopischen Sozialismus nix mehr zu tun hatte und aus der saftig-roten Zukunftshoffnung eine dröge rostrote Schrumpelzitrone mit Südfrüchtemangel geworden war.

Statt Räte Ratlosigkeit, statt Sowjets Kampfjets mit
nuklearer Bewaffnung – letztere auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs.
Spione, Mauern, Zäune, Stacheldraht überall. Das „Arbeiterparadies“ wo
keiner hin wollte, aber aus dem abhaute wer eben konnte.

Die Entfremdung der Arbeit, die unter dem Kommunismus / Sozialismus
aufgehoben sein sollte, war real zu einer bürokratisch überwachten
Staatssklavenarbeit geworden, mies entlohnt und militarisiert. Überall wo
marxistisch geschulte sogenannte Kommunist_inn_en an der Macht waren,
fuhren sie die Wirtschaft mit Karacho vor die Wand, versauten sie die
Umwelt, ohne Angst vor peinlicher Öffentlichkeit haben zu müssen. Schuld
war einzig der böse Kapitalismus und nie die eigene Unfähigkeit.

Wer im Westen „Kommunismus“ hörte, dachte: Bolschewismus, realexitierendes
Sozialismus-Zerrbild der Mangelwirtschaft und Zwangsverwaltung unter einer
allmächtigen, parteigesteuerten Geheimpolizei mit Gewalt über Leben und
Tod.

Aber es gab auch von Beginn an die „andere Arbeiter_innen-Bewegung“, die
Bewegung eines freiheitlich denkenden und handelnden Sozialismus. Am
deutlichsten manifestierte der sich vor 75 Jahren im revolutionären
Aufstand gegen den klerikalfaschistischen Militärputsch der Spaniens linke
Republik stürzen sollte und der von Hitler und Mussolini erst ermöglicht
und massiv unterstützt wurde. Basisgewerkschaften schlugen die
Franco-Generäle zunächst zurück und setzten umgehend auf soziale
Revolution. Öffentliche Dienste, Industrie und Landwirtschaft wurden von
ihnen kollektivisiert und der „Rat der antifaschistischen Milizen“ hatte
einige Monate die faktische politische Macht inne. Doch wie in der sog.
Sowjetunion brach Stalin der Spanischen Revolution im Inneren das
moralische Rückgrat. Weder er noch die westlichen Blockade-"Demokratien"
wollten ein libertär-sozialistisches Spanien. Revolution und Krieg gingen
so beide verloren und mit dem Hitler-Stalin-Pakt in den Zweiten Weltkrieg
über: das gemeinsame Totalitaristen-Opfer hieß für den Anfang Polen.

Heute gibt es keinen sowjetischen Machtblock mehr und die Maoisten Chinas
sind offenbare Staatskapitalisten. Kein effektives Gegengewicht hält den
Turbokapitalismus von maßloser Expansion, Auspowerung von Völkern und
Naturressourcen, Umweltzerstörung, sowie endlosen Kriegen in aller Welt
ab.
Aber der Konsens des „sozialen Friedens“ in den Ländern des globalen
Kapitalismus zerbricht. Die andauernde Umverteilung von unten nach oben
hat grotesk gierige Züge angenommen und das Universaltauschmittel Geld ist
das Papier nicht mehr wert, auf das es pausen- und deckungslos gedruckt
wird. Wirr wuselnde Politikerlarven gleichen hilflosen Krisenkurieren, die
die Krisen nicht kurieren können. Die Krise ist System geworden. Das
System ist die Krise an sich.

In dieser Situation sucht die emanzipatorische Linke erneut nach Lösungen
jenseits des kapitalen Elends, das ständig weltweit vermehrt wird. Hilflos
wird versucht, ein „revolutionäres Subjekt“ herbei zu lamentieren, das die
verbetonierten Verhältnisse zum Bröseln, wenn nicht gar zum Tanzen bringen
soll. Emma Goldman sei's geklagt!

Zuflucht nehmen viele bei (n)ostalgischen Vorstellungen von
obrigkeitsstaatlicher und „avantgarde“-parteilicher Führung,
Kadersozialismus, als hätte es Tscheka und Gulag nie gegeben. Viele Junge
wissens leider kaum besser und die Alten schießen die alten Böcke von
neuem – im rosig-verklärenden Büchsenlicht einer mythologisierten
blutigrostroten Vergangenheit. „Arbeiter an die Gewehre ...“ ...

Wenn wir nicht von neuem in alte Fallen tappen wollen, müssen wir diesen
Mythen zu Leibe rücken und uns den historischen Tatsachen des Versagens
des Sozialismus in allen seinen Varianten stellen. Ohne klar zu haben, was
falsch, dumm und Lüge war, kommen wir keinen Schritt in Richtung Freiheit
und Sozialismus weiter. Wir brauchen keine neuen Kasernen! Und sicher
keine neuen Führer und Arbeitslager.

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass heroisches Ringen
im Pulverdampf von Barrikadenrevolutionen out und mehr Köpfchen gefragt
ist. Gewaltsamstumpfes Revoluzzen ist genau das, was die Gegenseite von
uns erwartet – damit sie uns kräftig auf die Schnauze und uns alle
zusammen in die Pfanne hauen kann. Das kann sie nämlich am besten. Wie wir
sehen, sind Revolutionen, die es verstanden haben auf Gewalt möglichst zu
verzichten, die nachhaltigsten. Militarismus hingegen führt zu
militarisierten Gesellschaften mit abgehoben-korrupten Eliten und nicht zu
einem humanen Umgehen miteinander auf der Basis der Gleichberechtigung und
Gegenseitigkeit. Darum sind neue Lösungen gefragt, die kapitalistische
Misere zu überwinden.

Wo wollen wir hin? Ist dieser ominöse „Kommunismus“ noch eine Option und
wenn ja, dann welche? Kann Kommunismus frei sein, wie es Anarchist_inn_en
und Rätekommunist_inn_en meinen? Oder brauchen wir jenseits der alten
abgedroschenen Worthülsen ganz andere und tatsächliche Lösungen für eine
nichtkapitalistische soziale Gesellschaft in Freiheit?

Dem wollen wir in unseren drei aufeinander aufbauenden Veranstaltungen
nachgehen. Vielleicht gibt es dann auch eine Lösung (oder zumindest einen
Ansatz dazu) für das „Ei des Kommunismus“, das die ganze Zeit ratlos
[sic!] herumgereicht wird. Köpfen oder Aufklopfen? Und wer darf (oder muß)
es am Ende auslöffeln?

Wir sind gespannt.


Anmerkung: Dieser Text ist R@lf G. Landmesser's Eigeninterpretation
innerhalb der „Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK)“
-im Herbst 2011- Version1.1 * 11.9.2011
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