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(de) Interview der German FdA für die Zeitschrift Existence (en)

Date Wed, 08 Jan 2014 14:12:22 +0200


Die Zeitschrift Existence unserer Schwesterföderation in Tschechien (CSAF) hat uns um ein Interview gebeten das wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Hier die deutsche Übersetzung. ---- Frage 1: ---- Das Hauptthema der aktuellen Ausgabe unserer anarchistischen Journals Existence ist ,,Die Zukunft des Internets" - seine positiven und negativen Aspekte, seine Anwendung in der politischen Arbeit und auch gegen politisch Aktive. Gibt es spezielle autonome oder aktivistische Internetprojekte in Deutschland und könntet ihr sie kurz beschreiben? ---- Die bekanntesten und meistgenutzten Projekte sind die Indymedia-Center, linksunten.indymedia.org lokal für den Südwesten, de.indymedia.org für Deutschland und ch.indymedia.org/de/ für die deutschsprachige Schweiz. Daneben gibt es einige Projekte mit lokaler und regionaler Bedeutung, bspw. einige bereits seit langer Zeit existierende Internetportale wie anarchismus.de oder anarchismus.at. Erwähnenswert ist auf alle Fälle noch ohne-chef.org, eine Art interaktives Branchenbuch für Kollektivbetriebe. Anarchistische Blogs gibt es natürlich einige und in letzter Zeit sind einige Projekte zum Thema foodsharing entstanden. Auf der Webseite foodsharing.de kann man Lebensmittel in seiner Gegend finden bzw. eintragen die sonst im Müll landen würden oder auf mundraub.org kann man Obst und Gemüse finden auf Grundstücken finden.

Die Nutzung der sogenannten sozialen Netzwerke wie Twitter und Facebook ist hier umstritten. Das Tech-Kollektiv nadir.org hat einen Aufruf veröffentlicht (nadir.org/txt/We_need_to_talk_about_Facebook.html), kommerzielle soziale Netzwerke zu boykottieren. Sehr viele, vor allem junge Anarchist*innen, sind dort aber präsent und aktiv. Die FdA nutzt diese Medien, hat sich aber entschlossen, einen Sicherheitshinweis für den bewussten Umgang mit seinen Daten dem Link zu ihrem Facebook-Profil voranzustellen.

Ebenfalls als Internetaktivismus lässt sich die Arbeit des Anarchistischen Radios Berlin (aradio.blogsport.de) beschreiben, einer Radiogruppe, die libertäre Sendungen und Podcasts für das Internet (auf Deutsch, Englisch und Spanisch) sowie für die Freien Radios im deutschsprachigen Raum erstellt.

Frage 2:

Welche Chancen bietet das Internet der anarchistischen Bewegung?

Das Internet birgt ein Potential, das wir noch immer nicht auch nur ansatzweise richtig nutzen: Unsere Zeitschrift Gaidao (fda-ifa.org/gaidao) ist ein exzellentes Beispiel für dieses Potential, da sie mittlerweile drei Jahre lang ausschließlich online erstellt wird. Alle Arbeit läuft über ein internes Forum, die gesamte Planung ist virtuell. Das Internet bietet die handfeste Möglichkeit, Gruppen und Projekten Skills anzubieten, die dort nicht verfügbar sind (insofern sie sich virtuell vermitteln lassen, natürlich) - oder eben, wie im Fall der Gaidao, Projekte zu stemmen, die lokal nicht oder nur unter großen Erschwernissen umsetzbar wären. Das soll jetzt aber nicht zu einem blauäugigen Plädoyer für das Internet und Virtualisierung ausarten: Natürlich kann kein Internet lokale Arbeit an der Basis und zwischenmenschlichen Beziehungen ersetzen. Es ist ein Tool, nicht mehr, aber auch nicht weniger - nämlich ein Mächtiges.

Es ließe sich wahrscheinlich dagen, dass das Internet mitlerweile DAS zentrale Medium für Informationsgewinnung, die Bewältigung des alltäglichen Lebens und auch für die eigenen sozialen Kontakte ist. Dabei habe ich natürlich viel Kritik daran, aber diese Realität gilt es ersteinmal anzuerkennen. Wenn es in Deutschland mittlerweile fast genausoviele Facebook-Accounts wie Einwohner*innen gibt, hilft es wenig sich besserwisserisch rauszuziehen und nur mit dem Zeigefinger zu wedeln, weil Facebook ja - natürlich - ein beschissenes Unternehmen und eine Datenkrake ist, sondern vielmehr zu überlegen, wie dieses Medium genutzt werden kann, ohne die eigenen Ansprüche in Übergebühr zu strapazieren. Informationen können beispielsweise mit so einem Medium x-mal schneller verbreitet werden als ganz klassisch über die eigene Homepage mit ein paar Dutzend Besucher*innen am Tag. Mobilisierungen funktionieren durch ein solches Prinzip weit einfacher und erreichen auch leichter Menschen ohne konkreten Bezug zur Thematik oder der Richtung, aus der sie kommt, denke ich. Aber natürlich muss immer eine kritische Reflektion da sein, inwieweit das jetzt "der Sache" nützt, oder wie weit mensch schon unkritisch auf irgendwelche Hypes aufspringt oder ihnen hinterherrennt.

Frage 3:

Nach strukturellen Veränderungen innerhalb der FdA im Jahr 2011 habt ihr ein internes Onlineforum erstellt und euch danach auch eine Netiquette für die virtuelle Kommunikation gegeben. Könnt ihr beschreiben, was es für Probleme bei der Kommunikation im Forum gab und wie die Netiquette damit umgeht?

Neue Version der Frage: Nach strukturellen Veränderungen innerhalb der FdA im Jahr 2011 habt ihr ein internes Onlineforum erstellt und euch danach auch eine Netiquette für die virtuelle Kommunikation gegeben. Könnt ihr beschreiben, was es für Probleme bei der virtuellen Kommunikation gab und wie die Netiquette damit umgeht?

Vor dem Forum hatten wir lediglich eine Mailingliste für die interne Kommunikation zwischen den Treffen. Diese Art der Kommunikation brachte allerdings zahlreiche Probleme mit sich: Insbesondere gehören dazu der fehlende Respekt bei Gesprächen und die fehlende Transparenz über Diskussionen und Entscheidungen.

Für das Problem der Transparenz führten wir das interne Forum ein, indem alle Entscheidungen transparent dargelegt sind und auch die vorherigen Diskussionen jederzeit von allen einsehbar sind. Alle FdA-Mitglieder können beim entsprechenden Thema jederzeit die entsprechenden Informationen finden und müssen nicht erst ihre alten E-Mails durchsuchen oder sind - wie im Fall neuer Mitglieder - völlig von dieser Möglichkeit abgeschnitten.

Bevor wir Forum und Netiquette hatten, war die Mailingliste von einem mitunter sehr rauen Ton geprägt. Diese Auseinandersetzungen waren vor einiger Zeit mit verantwortlich für den Austritt vieler Genoss*innen, die die Art des Umgangs nicht länger akzeptieren konnten. Für das Problem des fehlendes Respekts führten wir daher eine sogenannte "Netiquette" ein. "Netiquette" bedeutet eigentlich "Netz-Etiquette" und ist eine bereits seit mehreren Jahrzehnten im virtuellen Raum vorhandene Methode zur Bereitstellung grober Richtlinien, die dem Effekt entgegenwirken sollen, dass Kommunikation im virtuellen Raum sehr viel schärfer geführt wird als im realen Leben, unter anderem weil Gefühle sehr schlecht vermittelbar sind oder leichter missgedeutet werden können als bei einem direkten Gegenüber. Unsere Netuquette geht grob auf fünf Themen ein: Was ist der Zweck des jeweiligen Mediums? Beispielsweise dient unsere Mailingliste nicht mehr zur Diskussion, sondern lediglich zur Weitergabe von Informationen. Vorschläge zu einem angenehmeren Umgang Beispielsweise, indem wir um konstruktive Kritik bitten statt Bashing. Thematisierung von Hierarchien und Dominanz Wir erinnern uns gegenseitig daran, dass obwohl wir uns selbst als "Anarchist*innen" bezeichnen, wir trotzdem nicht frei von hierarchischem Verhalten sind. Außerdem gehen wir auf mögliche unbewusste Dominanzstrukturen ein. Umgang mit Konflikten Wir geben Tipps, wie in hitzigen Diskussionen reagiert werden kann, um diese nicht eskalieren zu lassen. Kurze Hinweise zum Thema Sicherheit Einige Tipps zum Ujmgang mit vertraulichen Informationen, die dann ergänzt werden durch einige Tipps für die Admins der Mailingliste.

Insgesamt ist es so, dass alleine das Vorhandensein der Netiquette sowie die Möglichkeit, darauf verweisen zu können, bereits zu einem viel angenehmeren Diskussionsklima geführt haben. Auch wir sind nicht frei von Konflikten (manche Genoss*innen sind sogar der Meinung, dass scharfe Auseinandersetzungen auch sehr positiv sind...). Wir arbeiten allerdings dran, die Atmosphäre so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen in der Föderation Interesse und Bereitschaft entwickeln, sich an den internen Diskussionen zu beteiligen. Angstfreiheit sowie ein bewusster, kritischer Umgang mit Hierarchien und unterschwelliger Dominanz sind eine wichtige Grundlage dafür.

Frage 4:

Die Kommunikation über das Internet unterscheidet sich deutlich von einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Wie verlaufen die Entscheidungsprozesse innerhalb der FdA? Habt ihr Regeln, mit denen ihr festlegt, welche Themen oder Diskussionen übers Forum laufen können und welche lieber bei realen Treffen entschieden werden sollten?

Treffen sind nur beim Thema Mitgliedschaften erforderlich - sowohl bei der Aufnahme als auch beim Ausschluss. Alle anderen Entscheidungen werden virtuell vorgenommen. Konkret funktioniert das so, dass entweder eine Mitgliedsgruppe oder -einzelperson, ein Referat oder das Treffen selbst Entscheidungsvorschläge einbringt. Diese werden allen Mitgliedern der Föderation bekannt gegeben - über das Forum, aber auch per E-Mail. Dann gibt es eine Frist, bis zu der der Vorschlag angenommen ist, wenn nicht ein Veto oder der Wunsch nach mehr Zeit zur Diskussion geäußert wird. Im konkreten Ausgestaltungsprozess gibt es eine dynamische Diskussion im Forum zwischen einzelnen Mitgliedern verschiedener Gruppen der Föderation aber auch von Gruppen als solchen, die auf ihren jeweiligen Treffen vielleicht eine Entscheidung zum aktuellen Thema treffen. Da wir uns mindestens alle 4 Monate treffen, kommt es sehr häufig dazu, dass große Themen in Arbeitsgruppen auf dem Treffen diskutiert werden und ein Entscheidungsvorschlag erarbeitet wird, an dem bereits Menschen aus verschiedenen Gruppen mitgewirkt haben. Dies erhöht wohl die Wahrscheinlichkeit, einen Vorschlag zu entwickeln, der in der Gesamtföderation auf Zustimmung treffen wird.

Frage 5:

In der aktuellen Ausgabe der Existence gibt es einen Artikel über die Internetsicherheit von Aktivist*innen und es wird ein von Antifas in Deutschland ausgelöster Fall dargestellt. Einige Aktivist*innen wollten auf den unzureichenden Umgang mit dem Internet in der Antifa-Szene in Deutschland hinweisen. Also hackten sie eine Menge E-Mail-Accounts bei riseup, was möglich war, da die Benutzer*innen dieser Accounts sehr schwache Passwörter hatten. Dies resultierte in der Verbesserung der obligatorischen Sicherheit bei den Accounts auf dem Server. Meint ihr, Leute aus der anarchistischen und antiautoriären Bewegung sind jetzt vorsichtiger oder hat sich die Situation nicht geändert?

Die Situation scheint sich allgemein zu verbessern. Der von euch geschilderte Fall zeigt ja nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Unsicherheiten in elektronischer Kommunikation auf. Aber Fälle wie dieser und nicht zuletzt die Enthüllungen von Edward Snowden erhöhen die Sensibilität für das Thema in Aktivist*innenkreisen und überwinden den Widerwillen Vieler sich neben der Politik noch mit Technix befassen zu müssen. Dabei ist es jedoch auch wichtig der allgemeinen Paranoia gerade in Antifazusammenhängen Einhalt zu gebieten, denn diese Paranoia lähmt uns. Vielmehr muss fundiertes technisches Wissen verständlich vermittelt werden und das geschieht auch. Zum Glück existieren im deutschsprachigen Raum viele Zusammenhänge technisch interessierter Menschen, die freiheitlichen, emanzipatorischen Ideen sehr aufgeschlossen sind und gegenüber einer breiten Öffentlichkeit zumindest liberale Ansichten vertreten. Das sind zum Beispiel Teile des Chaos Computer Club(CCC) aber auch explizit linke Technikprojekte.
In der aktivistischen Szene bleibt die Emailkommunikation über Listen jenseits schlechter Passwörter sicherheitstechnisch der größte Schwachpunkt. Diese Kommunikationsform ist im Grunde lange überholt, aber dafür für fast alle bedienbar und erfordert kein Erlernen neuer Software. Leider kann sich PGP, als Möglichkeit der End-To-End-Verschlüsselung auch jenseits von Listen im Emailverkehr nicht durchsetzten. Die Implementierung in geläufige Mailclients ist zu benutzerunfreundlich und gerade Gruppen bekommen die Verwaltung ihrer Schlüssel kaum geregelt. Dafür kann sich der dezentrale Chatstandard XMPP/Jabber zunehmend durchsetzen, der dank OTR-Verschlüsselung mit automatischem Schlüsselaustausch sicheres kommunizieren einfach realisierbar macht. Die Entwicklung ist auch besonders erfreulich, da die hiesigen Staatsanwaltschaften dubiose Verfahren zum Teil auf Telefonaten aufzubauen versuchen. Für die angestrebte Indizienbeweisführung ist dabei egal ob strafrelevante Dinge besprochen werden. Aber eine genaue Erörterung der verschiedenen Kommunikationswege würde Seiten füllen.
In der Föderationen werden diese Themen häufig kontrovers diskutiert und es offenbart sich ein Spannungsfeld zwischen Gewohnheit und Benutzerfreundlichkeit auf der einen und Sicherheit auf der anderen Seite. Insgesamt hat Kommunikationssicherheit bei uns nicht den höchsten Stellenwert, denn wir verstehen uns mehr als eine relativ offene Struktur, die libertäre Ideen in die Gesellschaft hinein zu tragen versucht, denn als konspirativer Kreis.

Frage 6:

In der aktuellen Ausgabe der Existence setzen wir uns auch mit Rassismus in Tschechien auseinander. Die FdA und einige Gruppen aus dem Süden Deutschlands interessieren sich für die Situation der Roma in Tschechien und haben angefangen mit Anarchist*innen aus Tschechien zusammenzuarbeiten, um die Situation zu verbessern. Was war der Grund oder der Impuls für dieses Interesse?

Als Anarchist*innen wollen wir Grenzen und national beschränktes Denken überwinden. Wenn in weniger als hundert Kilometer Entfernung Pogromstimmungen entstehen und Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft in ihrer Existenz bedroht sind, ist es für die Meisten von uns Grund zur Tat zu schreiten. Wir können ja nicht in unserem direkten Umfeld, häufig einer Szeneblase, für eine herrschaftslose Gesellschaft eintreten und ignorieren, was im Umfeld geschieht. Allerdings stießen wir aufgrund der Sprachbarriere schnell an unsere Grenzen und waren im politischen Geschehen jenseits der Grenze etwas desorientiert. Daher gaben die Ereignisse einen direkten Anlass uns mit unseren föderierten Genossen aus der CSAF in Kontakt zu setzen. Schließlich ist die IFA kein Selbstzweck, sondern gerade bei solchen Geschehnissen eine sehr praktische Ebene der Organisierung. Diese Kontakte intensivierten sich letztendlich soweit, dass ein grenzübergreifendes Netzwerk verschiedener auch nichtanarchistischer Gruppierungen zu diesem Thema ins Leben gerufen wurde. Wir übergeben Hilfsgüter, beteiligen uns an Protesten, informieren über die aktuellen Ereignisse und mobilisieren zu Demonstrationen oder Blockaden.

Frage 7:

Neulich haben wir auf unserer Webseite einen kurzen Artikel über die Demonstrationen gegen Refugees in Greiz und Schneeberg veröffentlicht. Wie ist die Situation dort? Gab/gibt es Solidaritätsaktionen mit den Refugees? Beteiligt ihr euch an den Aktionen? Meint ihr, es ist möglich die Situation der Roma in Tschechien mit der der Flüchtlinge in Deutschland zu vergleichen?

Die Situation der Flüchtlinge in Deutschland ist rechtlich gesehen eine andere. Die Roma in Tschechien sind eine ethnische Minderheit, die zugleich die tschechische Staatsbürgerschaft und so zumindest formal Bürgerrechte besitzt. Bei den Flüchtlingen in Deutschland handelt es sich mit Ausnahme von Roma mit Staatsbürgerschaften der Europäischen Union um Asylsuchende. Gegen sie richtet sich zusätzlich zu Formen zivilgesellschaftlicher Diskriminierung die systematische Diskriminierung der deutschen Asylgesetzgebung, die durch Einschränkung des Grundrechts auf Asyl Anfang der neunziger Jahre und das Dublin-II-Abkommen eine Verschärfung erlebt hat.
Da sich die Zahl der Asylsuchenden aufgrund der zahlreichen politischen und ökonomischen Krisen nach einer lange sinkenden Tendenz ab dem Jahre 2012 stark erhöht hat, ist die Schaffung neuer Asylbewerber*innenheime notwendig geworden. Im Zuge dieser Entwicklung haben sich vielerorts mehr oder weniger versteckt rassistisch argumentierende Bürger*inneninitiativen gegründet, die gegen neue Heime in ihrer Nachbarschaft protestieren. Diese Proteste durchziehen alle Gesellschaftsschichten und tragen sich in unteren Schichten vorwiegend durch rassistische Ressentiments und in höheren zusätzlich über die Angst vor Immobilienpreisverfall oder schlechterer Schulbildung der eigenen Kinder in integrierten Schulklassen. Organisierte Nazistrukturen versuchen entweder in diesem Umfeld mit ihrem festen rechten Weltbild Platz zu finden oder organisieren in Regionen verbreiteter Akzeptanz rechter Organisationen diese Initiativen selbst. So gehen zum Beispiel in Schneeberg die Proteste direkt von der NPD aus, die sonst politisch weitestgehend in der Mitte geächtet, hier massive Unterstützung der Bevölkerung erhält. Hier folgten ca. 2000 Anwohner*innen ihrem Aufruf. Alle relevanten gesellschaftlichen Organisationen distanzieren sich von diesen Protesten, denn die offene Nähe zu rassistischem oder nationalsozialistischem Gedankengut bedeutet in Deutschland den politischen Tod. Gleichzeitig fordert aber z.B. der konservative sächsische Innenminister Ulbig eine Beschleunigung der Asylverfahren, was einer schnellen Abschiebung ohne ,,faires" Verfahren gleich kommt. Glücklicherweise organisiert sich schnell Gegenprotest gegen die rassistischen Demonstrationen. Jedoch stammen die Gegendemonstranten in rechten Hochburgen wie Schneeberg größtenteils aus angereisten Aktivist*innen. Insgesamt ähnelt die Stimmung in vielen sächsischen Provinzstädten jener in der tschechischen Grenzregion. Jedoch scheint das Potential für antirassistische Interventionen größer zu sein. Zwar sind rassistische Ressentiments durchaus in der Mitte der Gesellschaft etabliert, aber erreichen nicht annähernd den Status eines gesellschaftlichen Konsens, wie der Antiziganismus in Tschechien.
Die FDA ist zur Zeit in keinem antirassistischen Bündnis vertreten, aber viele Einzelmitglieder beteiligen sich in den Zusammenhängen und an Aktionen. Eine offizielle Beteiligung anarchistischer Gruppen an solchen Zusammenschlüssen zeigt sich aufgrund von Vorbehalten und Ängsten gegenüber den etablierten Zerrbildern des Anarchismus als schwierig.
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