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(de) FDA/IFA - GÇi DÃo Nr. 28 â Schluckenhauer Zipfel: Roma kÃmpfen um Selbstbestimmung und zumutbare Lebensbedingungen, Interview mit Aktivst der Initiative âWohnraum fÃr Alleâ

Date Thu, 02 May 2013 09:12:50 +0200


Durch den industrialisierten Massenmord der Deutschen an verschiedenen BevÃlkerungsgruppen in den 1940er Jahren ist die Stigmatisierung, Diskriminierung und Verfolgung ethnischer Minderheiten durch Staat und/oder Mehrheitsgesellschaft in das Augenmerk einer breiten Ãffentlichkeit geraten. Insbesondere das Schicksal der Hauptopfergruppe des Genoz ids, der Menschen jÃdischer Abstammung, wurde umfan greich thematisiert und in Schulbildung sowie staatliche Gedenkpraxis einbezogen. ---- Auch wurden vergleichbare (nicht gleichsetzbare!) historische Genozide erforscht und ins Bewusstsein gerufen. Beispiele sind verschiedene Erscheinungen des europÃischen Kolonialismus wie Verskla vung oder Ausrottung indigener B evÃlkerung, antisemitische Morde der Inquisition ebenso wie der VÃlkermord der TÃrken an den Armeniern.

Im Ergebnis ist es fÃr Staaten, um nicht diplomatisch ins Abseits zu geraten, unerlÃsslich sich zumindest offiziell zum Minderheitenschutz zu bekennen. BekanntermaÃen sind Theorie und Praxis jedoch zweierlei und hier schlieÃt sich der Kreis zur Thematik dieses Artikels: Der Lage der Roma in der EU und hier insbesondere in der westlichen Grenzregion Tschechiens.

Im Gegensatz zur Shoah war das Schicksal der Sinti und Roma kaum Thema einer
Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Die BÃrger*innen der BRD waren weder mit einem
âRomastaatâ noch mit Mitgliedern der Minderheit in der unmittelbaren Nachbarschaft
konfrontiert. GroÃe Teile der Roma blieben zudem auf grund anhaltender Diskriminierungen in einer sozial unterprivilegierten Stellung und konnten ihre Stimme in der (Welt-)Ãffentlichkeit kaum zu GehÃr bringen.

Im Ergebnis bietet der Begriff Roma oder die immer noch gebrÃuchliche Fremdbezeichnung
Zigeuner im deutschsprachigen Raum vor alle m eine exotische ProjektionsflÃche fÃr
SehnsÃchte, die im grauen Leben eines lohnarbeitenden WesteuropÃers keinen Platz zu finden
vermÃgen. Dieses Zerrbild ist zwar hÃufig wohlmeinend (Gypsy-Ska, etc.), aber verkennt
komplett die heutige Le benslage von Roma in der EU.

In vielen SprachrÃumen Osteuropas dagegen, wo im Gegensat z zum deutschsprachigen Raum
nach 1945 in grÃÃerer Zahl Roma leben, herrscht ein mehrheitlicher, unangetasteter Rassismus.
Dieser Rassismus ist dabei so selbstverstÃndlich, dass er bis in alternative Szenen hinein als vermeintliches Wissen in Erscheinung tritt. Nach dem Motto: Die Roma sind nun einmal arbeitsscheu und kriminell. Das liegt in ihrer Kultur. Da muss man eben mit leben. Oder aber immer hÃufiger je mehr sich die wirtschaftliche Lage zuspitzt: Jetzt reichts! Wir lassen uns euer Verhalten nicht lÃnger gefallen.

Jenseits der gesellschaftlichen Diskriminierung geht der ungarische Staat gelenkt durch eine rechts-konservative Regierung und ungehindert durch die restlichen Staaten der EU in eine offen rassistische Praxis Ãber. L eider sprengt die besondere Lage Ungarns den Rahmen des Artikels. Getrieben jedoch durch diese Entwicklungen verbunden mit einer VerschÃrfung der wirtschaf tlichen Lage migrieren immer mehr Roma aus Ungarn, RumÃnien und Serbien in die BRD, wodurch in den vergangenen Jahren auch hier mehr Roma in Erscheinung traten.
Allerdings ist ihre rechtliche Lage sowie ihre Stellung gegenÃber der BevÃl kerung eine
wesentlich andere als in Tschechien. Hier sind sie Teil eines Migrationsstromes, wo hingegen sie dort den Status gewÃhnlicher tschechischer StaatsbÃrger*innen besitzen. Dieses Wissen ist essentiell fÃr das VerstÃndnis der Lage der Minderheit in Tschechien.

In der westlichen Grenzregionen, dem Schluckenhauer Zipfel, kam es in den vergangenen
Jahren mehrmals zu weithin sichtbaren, humanitÃren Ausnahmesituationen von Teilen der
Roma-Minderheit â z.B. 2008 ErstÃrmung eines von Roma dominierten Viertels in Litvinov
durch Rechtsradikale aus dem Umfeld der Partei DS (verboten, jetzt DSSS), 2011/2012 z.T.
gewaltsame Sonntagsdemonstrationen von aufgebrachten BÃrger*innen gegen Roma
WohnhÃuser in Varnsdorf (zunÃchst auch in anderen StÃdten) und aktuell SchlieÃung eines
vorwiegend von Roma Familien bewohnten Wohnheims in Usti aufgrund illega ler baulicher
ZustÃnde mit anschlieÃender Besetzung, da keine alternativen Wohnungen gefunden werden
konnten.

Die Aneinanderreihung dieser herausragenden Ereignisse vermag jedoch nicht die Geschichte
der Roma im Schluckenhauer Zipfel zu erzÃhlen â eine Geschichte von mehrheitlichem
Rassismus, behÃrdlicher Ignoranz und privater GeschÃftemacherei oder auch eine Geschichte
des Niedergangs einer ehemaligen Industrieregion, der VerdrÃngung von Armen an die
Peripherie sowie mutigen Widerstandes der selben gegen ihr fremdbestimmtes Schicksal.

Das folgende, aus dem tschechischen Ãbersetzte Interview mit einem Aktivisten der Initiative âWohnraum fÃr Alleâ (Bydlenà pro vÅechny), welche die Besetzung des Wohnheims
unterstÃtzte, vermag einen tieferen Einblick in die Situation vor Ort zu vermitteln.

âWir waren an einem absoluten Tiefpunktâ

Ein GesprÃch mit einem Aktivisten von der Initiative âWohnraum fÃr Alleâ (Bydlenà pro
vÅechny) Ãber die HintergrÃnde und Details des âKampfes um das Wohnheim in Ãstà nad Labem, Ãber die These, dass âArmut keine Hautfarbe hatâ, Ãber Wut, TrÃnen, GlÃck, die BanalitÃt der WÃrde, den Weg aus dem Ghetto oder die Strategie, Ãffentli chen Druck zu machen.

(FuÃnote: Wohnheim meint hier eine Art Armenhaus, dass all jenen Tschechen zur VerfÃgung steht, die trotz Sozialleistungen nicht in der Lage sind auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden. Die betroffenen Roma sind selbst Tschechen. Es ist also nicht von einemAsylbewerber*innenheim die Rede. Es existieren derartige Heime von privaten und staatlichen Betreibern. Viele Menschen ziehen die Obdachlosigkeit solchen UnterkÃnften vor.)â

Ihr wart in einen Fall zwangsgerÃumter Familien a us PÅedlice involviert. Wie seid ihr dazu gekommen?

Ich mÃchte nur zwei hauptsÃchliche GrÃnde erwÃhnen, die mich dorthin ge bracht haben.
Andere Gruppenmitglieder w Ãrden wahrscheinlich andere Dinge nennen. Die StÃrke einer
Initiative liegt g enau darin â sie hat die Form horizontaler, unterschiedlicher und kaum
kontrollierbarer Netzwerke, die sich bilden und wieder auflÃsen, und nicht die Form einer
Organisation mit einer einheitlichen Meinung. Von daher werde ich das ganze Interview Ãber
aus meiner individuellen Perspektive sprechen und nicht die Positionen der g esamten Initiative âWohnraum fÃr Alleâ wiedergeben.

Der Hauptgrund fÃr meine Engagement war, dass Menschen aus diesem Ghetto, besonders aus
dem Wohnheim, um das es geht, auf sich aufmerksam gemacht â dass sie den Mut zur Revolte
hatten, dass sie genug von allem hatten, dass sie mÃde und entnervt von den Problemen waren, die sich aus ihrer Forderung nach annehmbaren Wohnungen fÃr sich selbst und ihre Familien und Kinder ergeben haben. Was ist an dieser Forderung nicht zu verstehen? Zur gleichen Zeit waren sie auf der Suche nach UnterstÃtzern, was fÃr uns ein klares Zeichen war, uns einzubringen.

Der nÃchste Punkt war eine Erfahrung aus PÅe dnÃdraÅÃ in Ostrava, wo sich eine neue Art
politischer AktivitÃt herausgebildet hat â fÃr Menschen in Krisensituationen einzutreten, fÃr diejenigen ganz unten auf der sozialen Leiter, die gleichzeitig den Mut haben, fÃr eine Verbesserung ihrer Lage zu kÃmpfen. Und nicht zuletzt war es Jakub PolÃk (FuÃnote:
Bekannter tschechisch-sprachiger Anarchist, MitbegrÃnder der CSAF und der A-Contra,
Starkes Engagement fÃr die Roma Minderheit und Opfer von rassistischer Gewalt, gestorben
2012 â Gaidao ?) und sein Tod. Kaum jemand mÃchte nachts von Jakub heimgesucht werden.
Er hat eine enorme Arbeit geleistet und es wÃre BlÃdsinn, nicht zu versuchen, sie fortzusetzen.

War Antiziganismus auch einer der GrÃnde, warum du gerade PÅedlice gewÃhlt hast?

Nicht ich habe PÅedlice ausgesucht. Die Leute dort haben uns ausgesucht. Aber ich verstehe, warum du fragst, und in meinem Fall war es def initiv einer der GrÃnde. Ich habe generell genug von Rassismus, aber was mich extrem aufregt ist der Rassismus gegenÃber armen Roma, die sow ohl unter WeiÃen als auch unter âihren eigenen Leutenâ ganz unten sind. Dieser Rassismus funktioniert wie eine gut geÃlte Maschine â er ist ein Teil des Staates, der Medien, der Gemeinden, vieler NGOs und auch vieler Menschen â WeiÃer und auch Schwarzer. Ichmusste mich einfach als Gadjo (Nicht-Roma) fà r diejenigen einsetzen, die am weitesten unten stehen, und nach denen alle treten, ihnen die Schuld geben und dann ihre HÃnde in Unschuld waschen. Es ist wichtig zu zeigen, dass es da ein Gruppe angepisster WeiÃer gibt, die gegen Rassismus sind, die bereit sind, sich fÃr die Leute ganz unten einzusetzen. Die klar und deutlich machen: âHÃnde weg von den Armen!â und z.B. den Hass auf die Ausgeschlossen auf sich ziehen.

Andererseits kennt Armut und Machtlosigkeit keine Hautfarbe. Und dieser soziale Aspekt ist
fÃr mich ebenfalls von zentraler Bedeutung, weil in dieser Gesellschaft insbesondere den
Armen und Machtlosen stÃndig ihr eigenes Scheitern vorgeworfen wird, ihre mangelnde
AnpassungsfÃhigkeit, AggresivitÃt und so weiter. Ich mÃchte nur sagen, dass diejenigen fÃr die wir kommen und âlautâ eintreten, nicht unbedingt Roma sein mÃssen. Das Kriterium ist nicht die Hautfarbe, sondern der Wille zu revoltieren, fÃr die Verbesserung der eigenen Situation zu kÃmpfen.

Lass uns zu den jÃngsten Ereignissen in KrÃsnà BÅezno zurÃckkommen. Wie wÃrdest du die
Sitation der Leute in dem Wohnheim dort beschreiben? Und wie sind sie eigentlich dorthin
gekommen?

Delegierte Unverantwortlichkeit â darum geht es hier. Von einem breiten Blickwinkel aus
betrachtet, ging der Mist mit der verfehlten Privatisierung durch den Distrikt PÅedlice in Ãstà nad Labem los. StÃdtische Wohnungen wurden an die Mafia verkauft, obwohl es Kaufangebote von Wohnungsgesellschaften gab. Nun, und die Mafiosi haben ein klassisches GeschÃft mit der Armut aufgezogen. Sie haben eine hohe Miete festgesetz t. Die Bewohner haben zuverlÃssig bezahlt und gefordert, dass der Besitzer anfangen soll, sich um die HÃuser zu kÃmmern â also den gÃltigen Mietvertrag erfÃllen. Der Besitzer hat das nicht gemacht und sich darauf beschrÃnkt, einmal im Monat die Miete einzusammeln. Das hat dazu gefÃhrt, dass die HÃuser allmÃhlich verfallen sind â so wie ihr Zustand jetzt ist, wo sogar mehrere HÃuser baufÃllig sind.

Von einem rein juristischen Blickwinkel aus sind die EigentÃmer, die sich Ãberhaupt nicht
gekÃmmert haben, fÃr diese ZerstÃrung verantwortlich â die Kommunalverwaltung betont das
natÃrlich sehr gerne. Aber wenn sich die Besitzer nicht kÃmmen, dann muss die Verwaltung
eingreifen und die Interessen ihrer BÃrger verteidigen. Aber erst als das erste Haus
zusammenbrach und eine Person starb, hat die Verwaltung begriffen, dass so eine Situation
schlecht fÃr sie selbst ist und angefangen, sich mehr fÃr diese HÃuser zu interessieren.
Angeblich hat das Bauamt eine Liste mit fast dreiÃig einsturzgefÃhrdeten GebÃuden
ausarbeiten lassen (die aber niemand zu Gesicht bekommen hat, auch nicht die Bewohner
dieser HÃuser) und entschieden, ein Haus in der BeneÅe-LounskÃho-StraÃe zu rÃumen. Die
Leute, die eine Ãberzogene Miete bezahlt und den Besitzer gedrÃngt hatten, sich zu kÃmmern, sollten plÃtzlich in eine Turnhalle ziehen. Niemand hat ihre Meinung berÃcksichtigt und manhat sie nicht zu den Sitzungen eingeladen, wo Entscheidungen Ãber ihre Zukunft getroffen wurden. Nach acht Tagen hat die Stadtverwaltung sie in ein Wohnheim mit Wuchermieten gesteckt. Das hatte ein Mensch namens MiÅigÃr seinerseits von der Firma CPI gemietet. Er wurde Ãbrigens dabei erwischt, wie er sich an den Familien bereichert hat, indem er sie sogar noch ein paar T ausender mehr hat bezahlen lassen als im Mietvertrag vorgesehen.

Was ist das â so eine konzeptlose und erniedrigende Behandlung durch die
Kommunalverwaltung, Leuten gegenÃber, die unter den Ghetto-Gesetzen der Mafia leiden?

Das riecht nach einer Art Vergeltung gegen die Familie ÄerveÅÃkovi, die seit den 90er einen langen Rechtsstreit mit der Stadtverwaltung gefÃhrt hat. Bevor das vor ein europÃisches Gericht ging, hatte die Verwaltung damals lieber eingelenkt. Aber das sind nur Spekulationen.

Die Familien dort waren ziemlich unglÃcklich wegen all dieser Dinge, aber gleichzeitig waren sie bereit, durch eigene AktivitÃt aus diesem Teufelskreis auszubrechen â sie haben auf eigene Faust nach Wohnraum gesucht, aber ohne Erfolg. Das Wohnheim sollte Ende Januar
geschlossen werden. Alles, was die Stadtverwaltung anbieten konnte, war es, die Familien zu trennen und in der ganzen Region zu verteilen, die MÃtter und Kinder in staatliche Heime zu stecken und die MÃnner mitten im Winter ihrem Schicksal auf der StraÃe zu Ãberlassen.
Wundert sich irgendjemand, dass die Familien diese Option zurÃckwiesen? Ich frage mich
eher, warum es nicht viel mehr mutige Familien gibt, die Nein sagen zu sol ch einem Abgleiten vom Wohnheim ins Heim und wieder zurÃck in HÃuser mit Wuchermieten. Sie haben uns eingeladen und wollten unsere UnterstÃtzung in ihrem Kampf und damit gleichzeitig auf das Problem aufmerksam machen.

In den Medien wurde berichtet, dass den Familien Wohnungen angeboten wurden. Diese
hÃtten sie aber abgelehnt, manchmal sogar ohne irgendeinen Grund anzugeben.

Das wurde den Medien entweder von der Stadtverwaltung oder durch die Organisation
âMenschen in Notâ (ÄlovÄk v tÃsni, ÄvT) mitgeteilt, als die Situation zu eskalieren begann. Ich denke, das ist ein Skandal. Es ist sehr unverantwortlich in dieser sehr kritischen Situation so etwas zu verÃffentlichen, das den Anschein erweckt, al s seien die Leute selbst an allem schuld.
Ohne ÄvT nahetreten zu wollen, aber das hat mich ernsthaft wÃtend gemacht. PR und
Kleinkrieg mit dem lokalen Aktivisten BroÅ waren ihnen wichtiger als Menschen in verdammt
groÃer Not.

Da âMenschen in Notâ sich seit 20 Jahren mit dem Thema b eschÃftigt, wissen sie besser als
sonst jemand, dass das Problem komplex und strukturell ist. Das Problem liegt weitaus tiefer als auf der Ebene von individuelle n Versagen oder Nicht-Versagen. AuÃerdem si nd sie sehr professionell im Bereich der Medien. Von daher wissen sie ganz genau, dass es wieder eine Welle antiziganistischer StraÃengewalt geben kann, wenn man diese Familien stÃndig Ãbel verleumdet. Denn es ist in Tschechien nicht modern, sich fÃr Roma einzusetzen und imNorden des Landes umso wenige r. Indem sie in einer Pressemitteilung den einzelnen Menschen die Schuld an der Situation zugewiesen haben, haben sie ihre eigenen HÃnde reingewaschen. Wahrscheinlich wollten sie auch Mira BroÅ schlecht wegkommen lassen.
Jedenfalls scheint mir das fÃr eine professionelle WohltÃtigkeitorganisation ein
unprofessioneller, dreckiger Trick zu sein.

Wir haben zudem dokumentiert, was fÃr Wohnungen âMenschen in Notâ den Leuten
angeboten hat. Manche Kontakte waren nicht erreichbar, manche Wohnungen existierten nicht
einmal und andere waren in einem furchtbaren Zustand. Und man sollte nicht vergessen, dass
wir uns hier in einem Umfeld bewegen, wo auf dem Wohnungsmarkt Diskriminierung
herrscht, wo diesen Familien Ãbel nachgeredet wird, wo 97% des Wohnungsbestandes in ÃstÃ
nad Labem in Privatbesitz sind. Dass wir uns hier in einem Umfeld von Mafia-Strukturen im
Ghetto und GeschÃften mit der Armut bewegen, in einem Umfeld, wo es kaum
Sozialwohnungen gibt und so weiter.

Du hast mir gesagt, dass diese Familien manchmal wÃhrend der Wohnungssuche von der
stÃdtischen Polizei begleitet wurden. Richtig?

Das ist ei ne Entwicklung der letzten Jahre, Ãber die kluge Frauen und MÃnnern von
auslÃndischen UniversitÃten als Bestrafung von Armut schreiben. Das passiert direkt vor
unseren Augen: Die soziale Agenda der Stadtverwaltung verschiebt sich insbesondere hin zu
repressiven MaÃnahmen â zur stÃdtischen Polizei. Sie sehen Roma a priori als potenzielles
KriminalitÃtsproblem. Deshalb verbinden sie ihre soziale Agenda mit MaÃnahmen der
Kontrolle und Repression. Staatliche Wissenschaftler wie Marek Jakoubek sprechen sogar
direkt von Roma-KriminalitÃt.

Einen Wendepunkt sehe ich nach Janov, als Komorous Ãber die Notwendigkeit sprach, etwas
gegen Rechtsextremismus zu machen. Aber was hat er vorgeschlagen? Eine Sozialprogramm
namens Ãsvit (Morgen) in ab gelegenen Orten unter der Kontrolle der Polizei. In anderen
Worten sagte er: Wenn wir das Problem mit dem Rechtsextr emismus lÃsen wollen, mÃssen wir
das Problem der Ghettos lÃsen. Implizit hat er damit den Nazis Recht gegeben â durch ihre
Aktivit Ãten haben sie auf das Problem aufmerksam gemacht und sie werden das so lange
machen, bis das Prob lem gelÃst wird. Kannst du diese Verbohrtheit erkennen? Mit anderen
Worten hat er gesagt, dass Extremismus bedeutet, arm, ausgeschlossen und anders zu sein.
Damit macht er die Roma zum Problem und nicht den Neonazismus. Nun, und heute schreiben
MareÅ und andere vom Center for Security Studies in Brno, das mit dem Innenministerium
zusammenhÃngt, bereits Ãber sogenannten âRoma-Extremismusâ.

In welcher Situation seid ihr dann zu dem Wohnheim in KrÃsnà BÅezno gekommen?
Das war mehr oder weniger bereits eine krisenhafte Situation. Den Vorwurf haben wir uns
spÃter bei d er Selbstreflexion gemacht. Wir haben gesehen, dass âMenschen in Notâ dieZusammenarbeit mit einigen Familien abgebrochen hatte und dass dort immer noch Familien
waren, di e keinen Erfolg hatten und noch keine angemessenen UnterkÃnfte gefunden hatten.
Also haben wir angefangen, uns mit den in diesem Fall zustÃndigen Institutionen und
Organisationen auseinander zu setzen.
Wir haben uns telefonisch a n die Familie BunclÃkovi gewandt, die das ursprÃngliche Haus in der BeneÅe-LounskÃho-StraÃe in PÅedlice besitzt und gefragt, was sie mit dem Haus machen werden. Die Antwort war, dass sie das Haus nach und nach reparieren wÃrden und dann
kÃnnten die Familien wieder einziehen. Wir haben es nicht geschafft, nach eine LÃsung fÃr die aktuelle Krisensituation zu fragen, weil sie aufgelegt haben und es unmÃglich war, sie
nochmals telefonisch zu erreichen. Am nÃchsten Tag sind wir zu ihrem Wohnsitz in Povrly,
einem Dorf in der NÃhe von Ãstà nad Labem gefahren, aber auch da hatten wir keinen Erfolg.
Es war dann ziemlich klar, dass die Besitzer nichts machen werden, nachdem sie die ganze
Zeit nichts gemacht hatten, auch nicht nach der RÃumung der Familien.
Also haben wir die Stadtverwaltung besucht, um die Sozialabteilung in den Fall einzuschalten
und eine konstruktive LÃsung zu finden. Anstatt einer LÃsung prÃsentierte Zuzana Kailovà vor laufenden Kameras eine PresseerklÃrung, in der sie BroÅ und den Familien selbst die Schuld an allem gab â die Verwaltung hÃtte alles gemacht, was sie sollte, aber die Familien wÃren zu wenig aktiv bei der Wohnungssuche.
WÃhrend dieser kalten Dusche von der Stadtverwaltung trafen wir Leute von âMenschen in
Notâ ( ÄvT ) die schauen wollten, was los ist. Wir haben mit ihnen Ãber die PlÃne von ÄvT
gesprochen, mit denen sie diese Situation lÃsen wollen. Ihren Ansatz haben wir schlicht und ergreifend abgelehnt, weil sie meinten, dass sie jetzt einfach nichts machen werden. Die GrÃnde fÃr ihre Tatenlosigkeit haben un s nicht interessiert, weil die Situation kritisch war und wir ihren ablehnenden Standpunkt nicht akzeptieren wollten. Es gab keine Alternative.
Wahrscheinlich weil Frau Kailovà in ihrer PresseerklÃrung Ãber die Zusammenarbeit mit dem
Non-Profit-Sektor gesprochen hat, hat sich ÄvT aus LoyalitÃt mit der Stadtverwaltung dazu
herabgelassen, uns wenigstens eine aktualisierte Liste mit WohnungsmÃglichkeiten zu geben.
Schritt fÃr Schritt haben wir alle zustÃndigen Organe kontaktiert. D iese haben sich geweigert, auch nur einen Finger krumm zu machen und wir haben festgestellt, dass âWohnraum fÃr alleâ sich in einer Sit uation befindet, wo wir in Rekordzeit und einer akuten Krise die Rolle dieser Organe Ãbernehmen mÃssen. Trotzdem sind wir von âWohnraum fÃr alleâ meiner Meinung nach keine Sozialarbeiter, sonde rn eine Gruppe, die verschiedene politische Taktiken einsetzt, um Menschen in Krisensituationen, die bereit sind zu protestieren, zu helfen. Wir wollen ihnen helfen, ihre selbstformulierten Forderungen zu erreichen und durch solche Aktionen die Aufmerksamkeit der Medien auf bestimmte gesamtgesellschaftliche Probleme lenken. Ich gebe zu, dass wir nicht mit allen mÃglichen Situationen, mit denen wir vielleicht umgehen mÃssen, gerechnet haben.

Ihr habt auch in Prag versucht, auf das Problem der Leute in dem Wohnheim in ÃstÃ
aufmerksam zu machen und eine Demonstration vor dem Ministerium fÃr Arbeit und Soziales
durchgefÃhrt. War auch da keine verantwortliche BehÃrde bereit zu handeln und eine LÃsung
zu finden?

Die Wahl unserer taktischen Schritte war direkt abhÃngig davon, wie beschwerlich und kritisch die Situation der Leute in dem Wohnheim war. Deswegen haben wir direkt im Ministerium gefragt, wie das mÃglich ist, dass Menschen im Norden des Landes durch die Trennung von Familien und den Entzug von Kindern bedroht werden und wie das Ministerium damit umgehen will. Der stellvertretende Minister sagte Journalisten gegenÃber, dass die Trennung von Familien illegal ist. Die Medien begannen sich fÃr den Fall zu interessieren und ein paar Tage spÃter fuhren wir wieder nach Ãstà nad Labem, um die Familien in dem besetzten Wohnheim zu unterstÃtzen.

Der Besitzer des Wohnheimes, die Firma CPI, hatte entschieden, den Betrieb des Wohnheimes
einzustellen. Hast du eine Ahnung, au s welchem Grund sie das tun mussten, wÃhrend sie sich zu der Zukunft des Hauses nicht geÃuÃert haben?

CPI ist in die ganze Sache a us purem Zufall reingeraten, denn als die Stadtverwaltung einen Ort fÃr die Leute suchte, die zunÃchst in der Turnhalle untergebracht waren, fand sie dieses Wohnheim. Die Verwaltung hat aber nicht mit CPI kommuniziert, sondern mit einer Person, die das Wohnheim ihrerseits von CPI gemietet hatte â Herrn MiÅigÃr. Als die Leute von CPI spÃter bemerkt haben, in welcher Situation sie sich befanden, haben sie MiÅigÃr Schritt fÃr Schritt beiseite geschoben und haben Druck auf die Stadtverwaltung ausgeÃbt â allerdings ohne Erfolg.

Als Leute von CPI Ende Januar zum Wohnheim kamen, waren sie entsetzt, dass es hier eine
Gruppe mutiger Leute gibt, die sich weigern, dass Wohnheim zu verlassen, bis die Situation
dieser Familien gelÃst sein wird. CPI wusste nicht genau, was sie tun sollten. Obwohl sie
versucht haben, die Staatspolizei davon zu Ãberzeugen, die Kontrolle Ãber das Objekt zu
Ãbernehmen, hat sich die Polizei jedoch geweigert, auf der Grundlage, dass es sich nicht um einen strafrechtlichen Streitfall handelte. Und einen solchen gibt es nicht, solange es keinen Konflikt zwischen den Leuten, die das Wohnheim verteidi gen, und den Sicherheitsleuten von CPI gibt.
Schritt fÃr Schritt hat CPI das Wohnheim von Strom, Heizung und Wasser abgeschnitten mit
dem Argument, dass die Kosten fÃr sie zu hoch seien. Das ist ein ziemlicher Witz, wenn man
das damit vergleicht, wie groà die Firma ist, wie sie sich ihr Eigentum angeeignet haben,
welche Reputation sie im Norden haben oder auch wie viele kleine Kinder sich in dem
Wohnheim befanden. Nichtsdestotrotz mussten wir uns seit Freitag um die Notversorgung des
Wohnheims kÃmmern.

Kannst du kurz darlegen, wie sich die Situation entwickelt hat?

Das Hauptziel der Familien war zunÃchst, zu verhindern, dass ihnen die Kinder
weggenommen werden. Also haben wir sofort mit ihnen zusammen mit der Wohnungssuche
begonnen. Das nÃchste Ziel war es, die Versorgung des Hauses mit Energie und WÃr me
sicherzustellen. Wir haben uns in mehrere Gruppen aufgeteilt und intuitiv und tÃtig mit all unseren KrÃften und unter Zeitdruck all das bewÃltigt. Zur gleichen gab es Plena, wo wir alles mit den Leuten aus dem Wohnheim geregelt haben oder genauer gesagt mit ihren Vertretern â etwa acht bis neun Familien waren dort geblieben und es waren etwa 30 bis 40 Kinder dort.
Eine Menge. Wir haben versucht, alles Wichtige mit ihnen zu beraten. Falls das jemand von
diesen groÃen NGOs, von der Stadtverwaltung oder vom Staat liest â bitte haltet an diesem
Punkt inne und Ãberlegt, welche Rolle die armen Leute selbst in euren
Entscheidungsprozessen spielen.

Wir waren unterschiedlich viele Leute vor Ort, einige Dutzend. Wichtig ist, dass wir primÃr Aktivisten sind und nicht RechtsanwÃlte, Sozialarbeiter oder Experten fÃr die LÃsung einer Situation, die meiner Meinung nach nah an einer humanitÃren Krise dran war. Deshalb haben wir uns an vieles erst herangetastet und wÃhrend des Prozesses gelernt. Ich habe in diesen wenigen Tagen viel Ãber soziale Arbeit, juristische Fragen und andere Dinge gelernt... ich habe mich selbst Ãberrascht. Einerseits streue ich mir heute Asche aufs Haupt, weil ich so unvorbereitet war. Andererseits sollte man wahrscheinlich so eine Erfahrung mal durchmachen, um das in der Zukunft zu vermeiden. Mit einer neuen Art von Aktivismus zu starten bringt das wahrscheinlich mit sich.
Diese kritischen Tage begannen mit einem Treffen frÃh morgens, wo wir das Programm fÃr
den Tag besprochen haben â wer macht was, mit wem und so weiter. Und dann hat man nicht
aufgehÃrt, bis irgendwann am Ab end, irgendwann am Morgen, wenn Pr esseerklÃrungen
geschrieben wurden und es dann Zeit war, schlafen zu gehen.
Einige Leute haben gekocht, andere nach Wohnraum gesucht, einige haben Lebensmittel und
andere Sachen eingekauft, wieder andere haben sich um die Sicherheit gekÃmmert. Einige
haben koordiniert, andere gefilmt, um Material und Beweise zu haben, und wieder andere
haben Politiker und andere Leute angerufen oder sich um Leute aus dem Ausland gekÃmmert.
Einige haben sich um die Heizung fÃr die RÃume, wo die Kinder schliefen, gekÃmmert und
andere haben mit den Medien gesprochen und PresserklÃrungen verfasst und so weiter. Freitag, Samstag, Sonntag. Am kritischsten war der Samstag.

Was war am Samstag so kritisch?

Wir haben die Info bekommen, dass die Stadtverwaltung einen vorlÃufigen Bescheid ÃberHeimerzi ehung fÃr die Kinder erlassen hat, der am Montag zugestellt werden kÃnnte â mit anderen Worten die Vorbereitung den Leuten ihre Kinder wegzunehmen. Ich denke jetzt, dass es uns auf Ãhnliche Weise mitgeteilt wurde, wie es den Roma-Familien langfristig gesagt wird â als Drohung. Ich glaube aber, dass es eine reale Bedrohung war, dass am Montag Sozialarbeiter (von der staatlichen Organis ation fÃr den sozialen und rechtlichen Schutz von Kindern) mit Polizeibegleitung kommen, um die Kinder mitzunehmen. Das konnten wir nicht zulassen.

Deshalb haben wir soviel Wohnraum gesucht, wie wir nur konnten und wir ha tten auch schon
vorher etwas vorbereitet, aber fÃr einige Familien war immer noch nichts gefunden worden.
Einige Familien blieben sogar aus SolidaritÃt dort, sogar wenn sie schon eine andere
Unterbringung organisiert hatten. Und die Zeit lief uns davon. Das waren schwere Moment e.
Die Wegnahme der Kinder war die schlimmste Vorstellung. Die Familien und auch wir
weinten, waren rasend vor Wut, hatten hysterische und cholerische AnfÃlle, aber wir alle
versuchten immer noch, vernÃn ftig nachzudenken, alle mÃgl ichen Alternativen zu bedenken
und so weiter. Ich glaube, wir alle waren an einen absoluten Tiefpunkt gekommen.
Am Samstagabend erschien ein Mann im Wohnheim, der als Verwalter von Wohnungen im
Stadtzent rum arbeitet â Wohnungen der ersten Preiskategorie zu den Ãblichen Preisen. Er
sagte, er hÃtte uns im Fernsehen gesehen und dass der Rest der Familien, die noch keinen
Erfolg bei der Wohnungssuche hatten, in die von ihm verwalteten Wohnungen ziehen kÃnnten.
Wir wollten das erst nicht glauben. Deshalb sind wir sofort losgezogen, um diese Wohnungen
anzusschauen und Fotos von den VertrÃgen zu machen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur einen einzigen Anwalt gefunden â FrantiÅek ValeÅ vom
Beratungszentrum fÃr BÃrgerrechte (Poradna pro obÄanstvÃ) â dem wir diese VertrÃge zur
Ãberpr Ãfung geschickt haben. Er hat uns geantwortet, dass die QualitÃt der VertrÃge Ãber dem Standard liegt. Wir hatten keinen Grund, ihm nicht zu glauben. Die VertrÃge wurden sofort unterschr ieben â fÃr den Fall, dass die staatliche Organisation fÃr den sozialen und rechtlichen Schutz von Kindern kommt. Dann hÃtten wir mit den VertrÃgen ein Argument in der Hand gehabt, dass sie die Kinder in Ruhe lassen.
Ich glaube, am Sonntag waren dann schon alle umgezogen.

Herr Äernà von âMenschen in Notâ behauptet jedoch, dass die abgeschlossenen VertrÃge
keinerlei Gewinn darstellen. Wie ist das also ?

Die Situation verhÃlt sich folgendermaÃen: Von den letzten sechs Familien sind drei aus
Mafiastrukturen mit Wuchermieten umgezogen in Wohnungen der ersten Preiskategorie, mit
guten VertrÃgen und Mieten in Ãblicher HÃhe â und nicht festgelegt im Rahmen eines
GeschÃftes mit der Armut. Die anderen drei Familien sind zwar auch in Wohnungen der ersten
Preisklasse mit Ãblichen Mieten u ntergebracht, aber leider mit zweifelhaften VertrÃgen. Ja,diese VertrÃge sind nichts besonders Gutes und es macht keinen Sinn, dem auszuweichen. Nur so viel dazu: VertrÃge sind immer nur so gut wie die anwaltliche Beratung. Wenn wir gewusst hÃtten, dass die VertrÃge derart zweifelhaft si nd, dann hÃt ten wir alles gemacht, um bessere Wohnungen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es geschafft hÃtten, aber wir hÃtten mindestens einen ganzen Tag dafÃr Zeit gehabt. Abgesehen davon, dass wir unter einem enormen Druck standen und dass wir mit einer guten Portion GlÃck, ohne Bezahlung und ohne Erfahrungen oder Fachkenntnisse erfolgreich die Arbeit der Leute von âMenschen in Notâ, der Stadtverwaltung und anderer staatlicher Institutionen gemacht haben, wofÃr die mit unseren Steuern und Ãffentlichen Geldern bezahlt werden. Aber trotzdem waren sie nicht in der Lage, diese Arbeit zu machen. Gleichzeitig sollte man die Sit uation unter dem Blickwinkel betrachten, dass schlechte VertrÃge immer noch bess er sind als die Wegnahme der Kinder oder die Trennung d er Familien durch Heimunterbringung in der ganzen Region verstreut. Und nicht zuletzt stimmt es, dass es in St Ãdten wie Ãstà nad Labem keine hundertprozentige Erfolgsquote gibt bei der Wohnungsuche von Familien aus Ghettos â man muss immer die QualitÃt der Wohnunge n, den Besitzer, die HÃhe der Miete und den Vertrag berÃcksichtigen und zwischen schlechten und noch schlechteren Optionen wÃhlen.

Seid ihr noch in Kontakt mit den Familien?

Ja, aber eher individuell als im Rahmen der Initiative. Besonders Freiwillige von der
Vereinigung Konexe arbeiten nun dort vor Ort. Ich mÃchte betonen, dass Sozialarbeit nicht zu den AktivitÃten der Initiative âWohnraum fÃr alleâ gehÃrt, auch wenn einige Leute aus dem Umfeld von âMenschen in Notâ versucht haben, unsere Arbeit mit genau solchen Positionen zu diskreditieren. Gleichzeitig haben sie die Arbeit ihrer eigenen Mitarbeiter vor Ort und die Ideologie des Individualismus, die in die von ihnen vertr etene Sozialarbeit eingebettet ist, verteidigt. Das ist ein Ãhnlicher argumentativer Tiefschlag, als wÃrde man einem Schriftsteller vorwer fen, dass er kein Maler ist, einem Hockeyspieler, dass er kein Sportkommentator ist oder einer Antilope, dass sie kein Fleisch frisst.

Wie gesagt, ist âWohnraum fÃr alleâ eine Gruppe von Aktivisten, die sich fÃr Leute in
Krisensituationen eingesetzt hat, die bereit sind fÃr ihre Rechte zu kÃmpfen. Die Initiative hat dafÃr verschiedene politische Taktiken verwendet. Das Ziel war die Leute dabei zu unterstÃtzen, dass ihre Forderungen gehÃrt und umgesetzt werden und zur gleichen Zeit die Aufmerksamkeit auf die tieferliegenden Probleme von gesamtgesellschaftlicher Wichtigkeit zu lenken. Wir hoffen, dass jetzt mehr Diskussionen Ãber diese Probleme beginnen, wozu z.B. das Fehlen von Sozialwohnungen gehÃrt, die Ideologie der sozialen Arbeit , das GeschÃft mit der Armut, die Rolle der Ausgeschlossenen bei der Selbstverwaltung ihrer eigenen Leben oder das sogenannte âempowerme ntâ von Gemeinschaften.

Wir haben sowohl den standardmÃÃigen politischen Weg ausprobiert â sich mit BehÃrdenauseinandersetzen, mit der staatlichen Organisation fÃr den sozialen und rechtlichen Schutz von Kindern, mit âMenschen in Notâ â als auch die Strategie von Ãffentlichem Druck und direkten Aktionen, die sich letzlich ausgezahlt hat â wenn auch mit einer unverdienten Portion GlÃck und mit vielen Fehlern und nicht genug Bereitschaft fÃr Ãhnliche AktivitÃten.
Nichtsdestotrotz haben sich Wege zu neuen Dimensionen politischer AktivitÃt erÃffnet.
Vielen Dank an dich und die ganze Initiative âWohnraum fÃr Alleâ fÃr eure Arbeit. Bis bald.
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