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(de) FDA/IFA - GÇi DÃo Nr. 28 â âEndlich aus der Nische rausâ Aber warum und wohin? â Fragen statt Antworten - Eine Erwiderung. Von Tuli (systempunkte.org)

Date Mon, 29 Apr 2013 15:21:54 +0300


Der Beitrag âEndlich aus der Nische rausâ (gÇi-dÃo Nr.27) versucht eine Frage zu beantworten: ---- Wie kÃnnen wir uns effektiver organisieren? ---- Das Problem sind dabei nicht die Hinweise, sondern was sie voraussetzen. Das Problem ist nicht die Beantwortung der Frage als solche, sondern die anderen Fragen, die durch diese Beantwortung verstellt werden. ---- Diese Erwi derung will das Gegenteil bieten: keine Antworten, nur Fragen. ---- Die grundsÃtzlichsten Fragen der Organisationsdebatte, die gar nicht mehr gestellt werden, lauten: Warum wollen wir uns Ãb erhaupt organisieren? Wer ist Ãberhaupt wir? Und was heiÃt es sich (anarchistisch) zu organisieren? ---- Das Wir sollen wohl âdie Anarchist*innenâ sein. Eine heterogene Gruppe, denn die unterschiedlichsten Anarchismen, die nur wenig gemeinsam haben, existieren.

Es ist vollkommen abwegig, ein Set von VorschlÃgen fÃr âanarchistische ZusammenhÃngeâ zu
prÃsentieren, da diese ZusammenhÃnge in ihrer konkreten Zielsetzung, wenn sie Ãber eine
solche verfÃgen, ÃuÃerst divers sind. Doch vorausgesetzt wird, dass es ein einheitliches
positives Ziel âder Anarchist*innenâ gÃbe. Nein, das gibt es nicht. (Es gibt zumindest
weitreichend geteilte negative Ziele.)

Der Text setzt voraus, dass es ein anarchistisches Wir gibt und, dass dieses Wir eine
Massenbewegung werden will. Dies ist bei weitem keine SelbstverstÃndlichkeit. Vielleicht gibtes auch Anarchist*innen, die nur ein widerstÃndiges, ein eigenes Leben fÃhren wollen, die nichts halten von der Massenbewegung als erstem Gebot unserer Organisierung? Ja, es gibt sie.

Dieser Beitrag nimmt keine RÃcksicht auf die PluralitÃt selbst jener anarchistischen
SelbstverstÃndnisse, die Organisierung gutheiÃen. Nicht jedes anarchistische
Organisierungsmodell hat âpersonelle Reproduktionâ als Ziel, manche verneinen derartige
Vorstellungen vollkom men. Nicht in jedem Organisationsmodell sind von Personen getrennte
Funktionen vorgesehen. Und es gibt Fragen, die sich an solche Prozesse stellen lassen: Was
bedeutet es wenn Funktionen von einzelnen Personen abgespaltet werden? Ist dies womÃglich
der erste Gitterstab zu einem stÃhlernen GehÃuse der BÃrokratie?

ZurÃck zum Anfang: Warum organisieren wir uns? FÃr die Bewegung! Das ist die Antwort, die
uns der Text bietet. Doch vi elleicht tun wir es, um mit unseren Freund*innen etwa zu erleben, vielleicht um mehr Dinge in kÃrzerer Zeit zerstÃren zu kÃnnen, vielleicht auch nur um uns mit Theorie zu beschÃftigen. Alle diese Zwecke kÃnnten im Anarchismus Platz haben, wenn wir nicht zu schnell den Raum fÃr sie schlieÃen.

Die VorschlÃge von âEndlich raus aus der Nischeâ haben eine legalistische Schlagseite. Ich
wÃrde Personen, die Verbrechen bege hen wollen, nicht empfehlen, dabei eine
âOrganisationschronikâ zu fÃhren . Auch wÃre das Anwerben von Mitglieder*innen wohl nicht
die erste PrioritÃt.

Doch all dies verschwindet, denn es wird eine massenkompatible anarchistische Praxis als
implizites Ziel gesetzt. Warum sollten wir dies tun? Weil wir uns so nach 1936 sehnen? Weil uns ein widerstÃndiges Leben nicht reicht, sondern wir in der Bewegung aufgehen wollen?
Steckt hinter den VorschlÃgen womÃglich eine Sehnsucht in der groÃen revolutionÃren Masse
verschwinden zu kÃn nen? âEndlich aus der Nische rausâ Aus der Nische raus und rein in die
Massenbewegung! Diese Z ielrichtung wird vorausgesetzt.

Das tiefe Warum bleibt ungeklÃrt. Vermutlich ist das anarchistische Wir zu schwach. Stellen wir die Frage des Warums in allem Ernst, droht es zu zerspringen und ermÃglicht auf keinen Fall derart einfache Antworten.
Ich denke, wir befinden uns in einer Zeit in der das Stellen von schwierigen Fra gen eine hohe PrioritÃt beizumessen ist. In diesem historischen Moment hÃngen wir genug in der Luft, um durch Reflexion unseren eigenen Pfad soweit wir kÃnnen zu reflektieren und neuzukalibrieren.
Ansonsten wechseln wir hÃchstens von einer unreflektierten Praxis zur nÃchsten.

Eine weitere SchwÃche des Textes ist, dass er die UmstÃnde in denen wir uns befinden,
weitestgehend unreflektiert lÃsst. Aus welchen VerhÃltnissen heraus wollen wir uns
organisieren (wenn wir uns Ãberhaupt organisieren wollen)? Ist in solchen VerhÃltnissen eine Massenbewegung Ãberhaupt sinnvoll? Was fÃr eine Rolle kÃnnen VortrÃge in einer Welt, in der eine ungeheure Menge an Informationen stÃndig zu VerfÃgung stehen, spielen? Sollten
vielleicht Situationen geschaffen, statt VortrÃge gehalten werden?

Und was sind das Ãberhaupt fÃr Leute, die sich auÃerhalb dieses merkwÃrdigen Wirs stellen,
von dem aus auch ich hier geschrieben habe? In welchen VerhÃltnissen finden sie sich wieder?
Fragen wir umgekehrt, nicht mehr âWie kÃnnen wir Leute organisieren?â, sondern âWarum
sollten sich welche Leute aus ihrer spezifischen Situation heraus mit uns organisieren?â Haben wir darauf eine Antwort? Eine bessere als âfÃr die Anarchie!â? Ich nicht. Doch der Text stellt nicht einmal mehr die Frage.

KÃnnen wir die Frage des Warums Ãberhaupt sinnvoll stellen, wenn wir nicht genau sagen
kÃnnen, von wo au s wir sie stellen?

Vor den VorschlÃgen fÃr die Organisierung einer anarchistischen Massenbewegung sind
Fragen zu stellen. Wer sie schon vorab im Einklang mit dem Text âRaus aus der Nischeâ
beantwortet hat, wird mit den Inhalten des Textes zufrieden sein. Er wird sich sogar als ÃuÃerst nÃtzlich erweisen.

Doch wenn wir keine oder nur eine in den Hintergrund gedrÃngte Debatte Ãber diese Fr agen
fÃhren, dann sind wir, wer auch immer dieses wir ist, sic herlich kein selbstbestimmtes Wir, sondern eines das sich von der Geschichte werfen lÃsst.
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