A - I n f o s

a multi-lingual news service by, for, and about anarchists **
News in all languages
Last 30 posts (Homepage) Last two weeks' posts Our archives of old posts

The last 100 posts, according to language
Greek_ 中文 Chinese_ Castellano_ Catalan_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ The.Supplement

The First Few Lines of The Last 10 posts in:
Castellano_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_
First few lines of all posts of last 24 hours

Links to indexes of first few lines of all posts of past 30 days | of 2002 | of 2003 | of 2004 | of 2005 | of 2006 | of 2007 | of 2008 | of 2009 | of 2010 | of 2011 | of 2012 | of 2013

Syndication Of A-Infos - including RDF - How to Syndicate A-Infos
Subscribe to the a-infos newsgroups

(de) FDA/IFA - GÇi DÃo Nr. 28 â Von Mensch, Natur und Anderen Absonderheiten Autor: B.Sc. Filtz â DÃsseldorf

Date Sun, 28 Apr 2013 12:05:59 +0300


Analyse + Diskussion ---- Wer kennt sie nicht? Die leidigen Diskussionen, die sich Ãber Stunden ziehen, nur um dann schlussendlich wieder zu hÃren: Eure Ideen sind ja ganz schÃn, aber es steckt leider in der Natur des Menschen, dass dieser immer mehr will, der StÃrkere sich durchsetzt, und so weiter, und so fort. ---- Auf einmal ist es wieder da, das Raubtier, dass seinen NÃchsten schlachtet. PlÃndernd und mordend durch die Gegend zieht, wenn es nicht vom groÃen Leviathan, dem starken Staat im Zaum gehalten wird. Vom Abbild Gottes, der Krone der SchÃpfung oder wie sich die Menschheit sonst noch in absoluter narzisstischer SelbstgefÃlligkeit gerne betitelt, ist j etzt nichts mehr zu hÃren. Der Mensch stutzt sich die Na tur zurecht, wie er sie gerade braucht. Und das nicht ânurâ indem er WÃlder abholzt , FlÃsse verseucht und Landschaften zubetoniert.

Sie musste auch immer wieder fÃr alles Schlechte, das BÃse, den Gegensatz zum GÃttlichen, das Tier im Menschen herhalten. Zumindest in der westl ichen HemisphÃre. Heute dient sie als ErklÃrung und Legitimation fÃr Verhaltensmuster und gesellschaftliche Konstruktionen,
welche als ânaturgegebenâ praktisch fÃr unantastbar erklÃrt werden.

Dabei sind die Prozesse in unserem Gehirn viel zu komplex, als dass wir unser Verhalten auf ein paar Gene und vermeintliche Instinkte herunter brechen kÃnnen. Wie viel von unserem Verhalten in die Wiege gelegt oder erlernt wird und wie viel freier Willen darin steckt wird wohl nie restlos aufgeklÃrt werden kÃnnen. AuÃerdem ist das At tribut ânatÃrlichâ ein zu abstrakter Begriff, da er zu stark von der subjektiven Wahrnehmung des Menschen geprÃgt ist, als dass er durch âobjektiveâ Kriterien bestimmt werden kÃnnte. Ãberhaupt kÃnnen wir davon ausgehen, dass alles, was existent ist, auch ânatÃrlichâ ist . Paradoxerweise verrÃt unser Blick auf die Natur hauptsÃchlich etwas Ãber uns selbst. Ist es doch so, dass unser Bild von der Natur wesentlich durch unsere Sozialisation geprÃgt wird.

Ein Dilemma fÃr die Wissenschaft: Der vermeintlich objektive Anspruch muss immer mehr
oder weniger menschlicher SubjektivitÃt weichen. Wir kÃnnen zwar versuchen
nachzuvollziehen, in welchen FarbtÃnen, in welcher SÃttigung, welchen Kontrasten und UV
Muster n Bienen eine BlÃte wah rnehmen, werden sie aber nie durch die Augen einer Biene
sehen. Problematischer ist dabei allerdings, dass das, was wir in der Natur zu beobachten
glauben und zu erklÃren versuchen, in erheblicher Form von unseren eigenen
Wertvorstellungen und gesellscha ftlichen Normen beeinflusst wird.

Eines der augenscheinlichsten Beispiele hierfÃr ist der Umgang der Wissenschaft mitHomosexualitÃt im Tierreich. Getreu dem Motto: Was nicht sein darf, kann nicht sein,
ignorierten Wissenschaftler*innen homosexuelles Verhalten unter Tieren Ãber die Jahrhunderte hinweg. Und das, obwohl Aristoteles bereits 400 vor Chr. sexuelle Handlungen unter HyÃnenmÃnnchen beschrieb. Als sich Beobachtungen von HomosexualitÃt Ãber Arten hinweg mehrten und diese nicht mehr als RandphÃnomene abgetan werden konnten, mussten neue
ErklÃrungen her, welche in das heteronormative Weltbild der Forscher*innen passten. Unter
der christlichen Doktrin, dass jede r sexuelle Kontakt der Fortpflanzung zu dienen habe (und mit vÃlliger Ausblendung menschlichen Ve rhaltens) wurde jede homosexuelle Regung in der Tierwelt so zurechtgebogen, dass sie in ein entsprechendes Schema passt. Dumm nur, dass die aufgestellten Hypothesen einer ernsthaften ÃberprÃfung nur in den seltensten FÃllen standhielten. So wurde fÃr eine Antilopenart, bei der die weiblichen Tiere zum GroÃteil untereinander verkehren, die Hypothese aufgestellt, dies kÃme durch den Mangel an
mÃnnlichen potentiellen Partnern zustande. Was allerdings nicht der Fall war. Auch dass junge Weibchen mit Tieren gleichen Geschlechts erst einmal Erfahrungen sammeln, um sich dann spÃter ganz den BÃcken hingeben zu kÃnnen, lieà sich einfach widerlegen, da auch Ãltere Weibchen untereinander Sex haben. Am meisten entlarvend dÃrfte wohl die Interpretation voneinigen Forscher*innen sein, welche in dem lesbischen Verhalten der Antilopen den Versuch sahen, ihre mÃnnlichen Artgenossen a nzutÃrnen. Der kanadische Zoologe Valerius Geist gab, bezogen auf homosexuelle Widder, ganz off en zu ,vom Gedanken Ãberfordert zu sein, dass âsolche wunderbaren GeschÃpfe schwul sindâ.

Auch in (von den meisten Menschen unhinterfragten) âWahrheitenâ steckt mehr Suggestion als
einem lieb sein dÃrfte. Als Kind lernst du in der Schule, dass jeder Mensch (mit EinschrÃnkung auch jedes Tier) als MÃnnlein oder Weiblein auf die Welt kommt. Damit verknÃpft sind bestimmte gesellschaftliche Konv entionen, welche dem jeweiligen Geschlecht an haften, beruhend auf vermeintlich naturgegebene Eigenschaften. Dabei wurde noch nic ht einmal wirklich verstanden, wie es zur Ausbildung eines bestimmten Geschlechtstypus kommt. In der Regel sind die Informationen, welche zur AusprÃgung bestimmter Merkmale fÃhren, nicht bloà im Erbgut codiert, sondern sie entstehen durch eine Interaktion der DNA mit der Zelle und ihrer Umwelt. Das Vorhandensein eines Y- Chromosoms oder der darauf befindlichen sex determing region (Sry) fÃhrt nicht unweigerlich zur Ausbildung eines mÃnnlichen Geschlechts.

Beispielsweise ist Dax1 ein determinierender Faktor fÃr die Eierstockentwicklung und sorgt in duplizierter Form auch bei Anwesenheit von Sry fÃr die Ausbildung von EierstÃcken. Ebenso ist er allerdings fÃr die Entwicklung befruchtungsfÃhiger S permien von Bedeutung. Wir kÃnnen davon ausgehen, dass auf die Ausbildung komplexer Geschlechtsmerkmale zahlreiche Gene und Genprod ukte Einfluss nehmen. Was nicht sehr Ãberraschend sein dÃrfte, wenn wir uns vor Augen halten, dass allein fÃr die Bildung der Genitalfurche wÃhrend der Embryonalentwicklung tausende Gene exprimiert werden mÃssen. Hinzu kommt, dass eine DNA-Sequenz unterschiedliche Genprodukte bilden kann.

Diese kÃnnen sich in der LÃnge ihre r AminosÃureketten oder im Faltungszustand des Proteins unterscheiden oder aber durch Anlagerung bestimmter chemischer Gruppen modifiziertwerden. Auch steht dem nichtcodierenden Teil der DNA scheinbar eine wesentlich grÃÃere Gewichtung bei der MerkmalsausprÃgung zu als lange Zeit angenommen. Dieser wirkt sich vielfach regulierend auf die Genexpression aus, was die ganze Sache nicht gerade vereinfacht. Doch auch derart komplexe ZusammenhÃnge scheinen der Suche nach dem heiligen Gral der Geschlechtsbestimmung keinen Abriss zu tun. Nach KeimdrÃse, Y-Chromosom und Sr y wird immer noch nach der EINEN Ursache gefahndet, die die Ausbildung unseres Geschlechts
determinier t. Der Biologe Heinz-JÃrgen Voà beschreibt die Ausbil dung gesc hlechtlicher
Merkmale als einen Prozess unter Einfluss individueller Faktoren ohne vorbestimmtes
Ergebnis. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden bedarf es mehr als ein Schwarz/WeiÃ-Schema,
welches versucht in Kategorien w ie Frau oder Mann zu denken und alles, was nicht hinein
passt, pat hologisiert. Statistisch gesehen wird mindestens 1 Kind unter 1000 mittels einer Zwangsoperation der sexuellen Norm angeglich en. So schafft sich der Mensch wiedereinmal seine eigene RealitÃt.
Getreu dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Ãberhaupt tut mensch sich schwer damit, alte ErklÃrungsmuster Ãber Bord zu werfen. Gerade
auch, wenn diese sich gesellschaftlich âbewÃhrtâ haben. Das Patriarchat hat seine UrsprÃnge ânatÃrlichâ ebenfalls ganz tief in der âNatur des Menschenâ und so wÃhnt sich das âstarke Geschlechtâ in einer Reihe mit brÃnstigen Hirschen und prÃgelnden Schimpansen. So war es fÃr mÃnnliche Wissenschaftler lange Zeit kaum vorstellbar, dass sich Sozialstrukturen unter in Gruppen lebenden Organismen auch nach anderen Kriterien organisieren kÃnnen, als ausschlieÃlich nach Aggression und physischer StÃrke. Die Biologen Heribert Hofer und Marion East erforschen afrikanische TÃpfelhyÃnen und machten dabei interessante Entdeckungen bezÃglich deren Verhaltens- und Sozialstruktur. TÃp felhyÃnen leben in groÃen GruppenzusammenhÃngen, bei denen einige um die hundert Tiere umfassen kÃnnen. Dabei ist allseits bekannt, dass die Clanhierachie weiblich dominiert wird. Lange Zeit gingen (Ãberwiegend mÃnnliche Wissenschaftler) davon aus, die matriarchale Gesellschaftsst ruktur beruhe auf einer kÃrperlichen Ãberlegenheit der Weibchen.

Doch weibliche HyÃnen sind im Schnitt, weder grÃÃer noch schwerer als ihre mÃnnlichen
Artgenossen. Auch haben erwachsene Tiere keine erhÃhten Testosteronwerte, was die These
von der AggressivitÃt und Ve rmÃnnlichung weiblicher TÃpfelhyÃnen widerlegt. TatsÃchlich
kommen HyÃnenjunge mit einem erhÃhten Testosteronspiegel, offenen Augen und einem gut
entwickelten Gebiss zur Welt. Nur so kÃnnen sie sich beim Kampf um die Muttermilch gegen
ihre Geschwister durchsetzen, allerdings nimmt der Testosteronspiegel mit den Jahren wieder ab und sinkt auf ein ânormalesâ Niveau. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dies die Ursache fÃr die verlÃngerte Klitoris der Tiere ist, welche vom mÃnnlichen Geschlechtsapparat nur schwer zu unterscheiden ist. Dieses markante Sexualorgan macht es fÃr die MÃnnchen sehr schwer in die Weibchen, ohne deren Zustimmung, einzudringen. Zwar gibt es immer wieder mÃnnliche HyÃnen die durch aggr essives Verhalten eine Paarung erzwingen, allerdi ngs istderen Fortpflanzungserfolg wesentlich geringer als der von MÃnnchen, die einfach âfreundlichâ sind. Dies liegt vor allem in der sozialen Strukturierung des HyÃnenclans. Selbst das rangniedrigste Weibchen steht immer noch Ãber dem ranghÃchsten MÃnnchen. Die weiblichen Tiere verteidigen sich gemeinsam gegen Angriffe vom anderen Geschlecht und entscheiden wie nah sich ein MÃnnchen dem Bau nÃhern darf. Aggressive mÃnnliche Tiere lassen sich in der Regel an ihrem vernarbten Hinterteil erke nnen. Dies ist die empfindlichste Stelle von HyÃnen und wenn ein MÃnnchen Ãber die StrÃnge schlÃgt muss es damit rechnen von einem Mob von Weibchen verprÃgelt und in den Arsch gebissen zu werden. Die Theorie der âfreiwilligen Unterwerfungâ und ihre Auswirkungen auf den Fortpflanzungserfolg wurde jetzt du rch Verwandschaftsanalysen bestÃrkt. Interessant ist hierbei, dass es sich vor allem um eine soziale Komponente handelt, welche die Gesellschaftsstruktur von HyÃnen bestimmt, und nicht um einen genetisch de terminierten Sexualdimorphismus.

So kÃnnen wir in n ahezu allen wissenschaftlichen B ereichen feststellen, wie gesellschaftliche Konventionen und politische PrÃgung jeglichen Interpretationen von dem, was wir auf dieser Erde vorfinden, ihren subjektiven Stempel aufdrÃcken Dabei hÃngen die Antworten, die wir bekommen, im wesentlichen davon ab, welche Fragen wir gewillt sind zu stellen.
_________________________________________
A - I n f o s Informationsdienst
Von, Fr, und Ber Anarchisten
Send news reports to A-infos-de mailing list
A-infos-de@ainfos.ca
Subscribe/Unsubscribe http://ainfos.ca/cgi-bin/mailman/listinfo/a-infos-de
Archive: http://www.ainfos.ca/de
A-Infos Information Center