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(de) Anarchistische Gruppe Köln und A4-Kollektiv nun Teil des FdA

Date Wed, 21 Nov 2012 18:33:08 +0200


- Weiterleitung und Veröffentlichung gewünscht ---- Auf dem letzten Treffen des Forums deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA), das Anfang November in der nördlichen Schweiz stattfand, bekundeten sowohl die Anarchistische Gruppe Köln als auch das A4-Druckereikollektiv aus Zürich ihren Wunsch, sich dem FdA anzuschließen. ---- Die Anarchistische Gruppe Köln ging vor einigen Monaten aus der Anarchosyndikalistischen Jugend (ASJ) Köln hervor. Neben der Beteiligung an verschiedenen Kampagnen und Demonstrationen, etwa einer Solidaritätsdemonstration für den bundesweiten Flüchtlingsstreik, veranstaltet die AG Köln in regelmäßigen Abständen Vorträge, Diskussionsrunden und Infoveranstaltungen, meist im Rahmen ihres monatlichen „Schwarzen Tresens“.

Dieser ist besonders bemerkenswert, ist er doch unseres Wissens nach der einzige offene, anarchistische Tresen in unserem Sprachraum, der bewusst drogenfrei (d. h. auch alkoholfrei) gehalten wird.

Mit dem Beitritt der Kölner Gruppe sind wir nun auch erstmalig im
geografischen Westen Deutschlands vertreten. Wir denken, dass dies ein
weiterer, wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Gründung einer
Anarchistischen Föderation im deutschsprachigen Raum bedeutet, denn eine
zukünftige befreite Gesellschaft kann sich nicht auf einige ausgesuchte
Teile eines Landes oder Kontinents beschränken, und dies gilt auch schon
heute, auf dem Weg dorthin. Eine Vernetzung und Zusammenarbeit von
Gruppen, Strukturen und Einzelpersonen in möglichst vielen Teilen
unseres Wirkungsgebietes bietet sowohl viele Vorteile für uns selbst,
aber besonders auch für unsere alltägliche, politische Arbeit im Kampf
für eine Welt ohne Ausbeutung, Ausgrenzung und Unterdrückung.
Anarchistische Strukturen haben in jedem Dorf, in jeder Stadt, in jeder
Region unterschiedliche Ansätze, Themenfelder oder Probleme, mit denen
sie konfrontiert sind und machen ganz unterschiedliche – mal positive,
mal negative – Erfahrungen. Eine möglichst breite Vernetzung bietet
Raum, um sich über all dies auszutauschen, über den eigenen Tellerrand
hinwegzusehen, neue Ansichten auf die eigenen Arbeit zu erfahren, von
den Erfahrungen anderer zu profitieren und eigene Erfahrungen weiterzugeben.

Gerade die anarchistische Bewegung in Deutschland ist seit Jahrzehnten
einem Prozess von permanentem Zerfall und Wiederaufbau unterworfen, der
natürlich die inhaltlichen Debatten und praktischen Aktivitäten nicht
unberührt lässt und nur zu oft dazu führt, dass viel Zeit, Energie und
Kapazitäten in Debatten, den Aufbau von organisatorischen Strukturen und
eine Vielzahl an Problemen gesteckt wird, die andere Menschen in anderen
Zusammenhängen schon unzählige Male zuvor geführt und gemacht haben. Wir
denken, dass einer anarchistische Bewegung, die nicht nur als marginaler
Bestandteil einer bunten, radikalen Linken auftreten will, eine solche
Art von Vernetzung perspektivisch dazu verhelfen kann, ein Fundament zu
errichten, auf das zukünftige Mitstreiter*innen aufbauen können und es
nicht Mal um Mal neu gießen müssen. Dies gilt besonders für die heutige
Zeit, da wir deutlich eine gewisse Aufbruchstimmung und zunehmendes
Interesse an anarchistischen Inhalten und Zusammenhängen spüren. Es
entseht eine wachsende positive Wahrnehmung anarchistischer Ideen als
gesellschaftliche Alternative zu den kapitalistischen
Gesellschaftsformen. Zumindest steigt die Zahl derer, die sich
anarchistischen Ideen gegenüber offen und interessiert zeigen.

All dies sehen wir im Kontext unseres pluralistischen Ansatzes, also
unserer Auffassung, dass die Anarchie, wie wir sie uns vorstellen und
tagtäglich leben, aus vielen Anarchismen bestehen kann und bestehen
muss. Dies spiegelt sich in den verschiedenen Ansätzen, Schwerpunkten
und Aktionsformen der Menschen und Gruppen innerhalb unseres Forums
wieder, aber auch mit all denen, die unsere Ziele teilen, aber andere
Formen der Organisierung gewählt haben, um diese zu erreichen und mit
denen wir uns solidarisch zeigen und zusammen arbeiten, kämpfen,
diskutieren, lieben, lachen und leben.

Genauso wie die befreite Gesellschaft, kann die politische Arbeit aber
auch nicht nur aus politischen Gruppen und Zusammenschlüssen bestehen.
Deshalb freuen wir uns besonders, dass mit dem Züricher A4-Kollektiv
erstmals ein Betrieb sich entschieden hat, Teil des FdA zu werden. Denn
ebenso wie in der jetzigen Welt die Produktion von Waren und
Dienstleistungen eine, wenn nicht die wichtigste, Rolle spielt, ist die
Frage nach einer anarchistischen Produktion, die Wohlstand für alle, im
Einklang mit Mensch, Tier und Natur bedeutet, eine wesentliche. Viele
von uns fanden es bisher schade, dass es zwar in der Vergangenheit
zahlreiche Zusammenschlüsse und Vernetzungen von politischen Gruppen auf
der einen und selbstverwalteten Betrieben auf der anderen Seite
existierten, sich die Zusammenarbeit zwischen diesen oft nur auf
bestimmte Projekte, oder personelle Überschneidungen beschränkt hat. Wir
sind gespannt, wie sich die gemeinsame Arbeit zukünftig entwickeln wird
und hoffen, dass wir damit einen kleinen, inhaltlichen und praktischen,
Beitrag zum großen Experiment einer stetig wachsenden, anarchistischen
Gegenstruktur leisten können. Ein erstes Projekt wurde schon auf dem
Treffen in der Schweiz gestartet. So wird das A4-Kollektiv Druck,
Vertrieb und Werbung unserer – und nun auch ihrer – monatlichen
Zeitschrift, der Gaidao, in der Schweiz übernehmen, was nicht nur unsere
Vertriebsstrukturen in Deutschland erheblich entlastet, sondern durch
die wegfallenden, exorbitanten Portokosten in die Schweiz, auch den
geneigten Leser*innen in der Schweiz finanziell zu Gute kommt.

Das A4-Kollektiv hat sich vor einigen Monaten gegründet und betreibt
seit August diesen Jahres ein Ladengeschäft im Züricher Kreis 4. Neben
den klassischen Aufgaben einer Druckerei, also etwa Kopieren, Drucken,
Zuschneiden, Entwerfen oder Laminieren, ist ein wesentliches Anliegen
des Kollektivs, einen Anlaufpunkt in einem der „sozialen Brennpunkte“
Zürichs zu bieten, in dem sowohl „normale“ Kund*innen und Nachbar*innen,
als auch Drogenabhängige, Migrant*innen oder Sexarbeiter*innen
zusammenkommen können. Durch eine Kaffeeecke, sonntäglichem, veganem
Gratisbrunch vor dem Laden oder vielen netten Gesprächen wird eine
Atmosphäre geschaffen, in der sich sowohl die „Kund*innen“ gewollt und
gewünscht fühlen, als auch niedrigschwellig verschiedene Aspekte
anarchistischer Utopien vermittelt werden können. Die
nicht-hierarchische und egalitäre Struktur des Kollektivs, die niedrigen
Preise aufgrund fehlenden Profitstrebens oder die fair gehandelten
Produkte im Laden bieten dabei genügend Gesprächseinstiege. Einige
Menschen des Anarchistischen Radios Berlin haben auf dem Treffen in der
Schweiz ein interessantes und ausführliches Interview mit Mitgliedern
des Kollektivs über Entstehung, Ziele, Probleme und die alltägliche
Arbeit geführt, das in der nächsten Zeit veröffentlicht werden wird und
einen tiefen Einblick in die Arbeit des A4 bietet.

Neben dem Beitritt der Anarchistischen Gruppe Köln, des A4-Kollektivs
und des Anarchistischen Netzwerks Südwest* Anfang November, freuen wir
uns auch über die Entwicklungen im Raum Rhein-Ruhr, namentlich in der
Initiative für eine Anarchistische Föderation in diesem Gebiet. In den
letzten Wochen und Monaten haben sich aus der Initiative erste konkrete
Gruppen herausgebildet, die sich stetig inhaltlich, strukturell und
praktisch festigen. Auf unserem letzten Treffen waren Vertreter*innen
aller Gruppen zu Gast, um uns darüber zu berichten und mit uns gemeinsam
zu diskutieren, wie wir uns zukünftig gegenseitig unterstützen können.
Besonders überrascht und gefreut hat uns am Ende das Angebot, unser
nächstes Treffen im kommenden Jahr in dieser Region abhalten zu können,
wo wir die begonnenen Diskussionen weiter vertiefen werden.

Wir blicken frohen Mutes in die Zukunft.

Forum deutschsprachiger Anarchist*innen, November 2012
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