(de) - Prozesserklärungen Italien

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Wed, 20 Aug 1997 23:04:09 -0700


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(these two texts are german translations of the statements of Antonio Budini and Jean Weir made during the pre-trail in july 1997 - the trial against italien anarchist will start on october 20th 1997 - WE CALL ALL PEOPLE TO THINK ABOUT THINGS THEY CAN DO TO SUPPORT THE PRISONERS AND RAISE THE PRESURRE ON THE ITALIEN GOVENMENT AND JUSTIZ; ALSO TO SPREAD THE INFORMATIONS ABOUT THIS CASE. More information about this case you can find under: http://www.ecn.org/zero/anarchy.htm

Prozesseerklärung von Antonio Budini - Vorverhandlungen Juli 1997

Ich werde nicht auf die spezifischen Delikte, die mir vorgeworfen werden eingehen, sondern habe damit nichts zu tun. Ich überlasse diese Aufgabe meinen RechtsanwältInnen. Auf rein persönlicher Ebene möchte ich jedoch ein paar Worte verlieren, was die Vereinigungsdelikte betrifft deren ich angeklagt bin. Ich bin Anarchist, und dies spicht für sich alleine was meine Liebe für Gesetzte, Regeln, FührerInnen, VertreterInnen und AnhängerInnen, betrifft. Ich bin nicht nur euch gegenüber feindlich gesinnt, sondern auch all denjenigen gegenüber, die mir eine gewisse Art und Weise zu leben und zu handeln aufzwingen möchten, denjenigen die Befehle geben, aber auch denjenigen die sie ausführen. Ihr wollt einen Anarchistien porzessieren in dem ihr ihn suf ein Herdentier oder einen Anführer - was konkret ist hier unwichtig - einer bewaffneten Bande reduziert? Ich jedoch bin viel mehr, ich bin Einzig und meine Einzigartigkeit passt nicht zu einer Gruppenmentalität mit der ihr mich in Verbindung bringen möchtet um mich leichter zu kriminalisieren. Jede Vereinigung, egal ob sie sich Partei nennt oder den phantasievollen Namen einer bewaffneten Gruppe trägt, bedeutet gezwungenermassen Kompormisse eingehen zu müssen. Ihr versucht soweit wie möglich das Gefühl der Individualität zu reduzieren: Die Einzigartigkeit mit dem Konformismus, die Spontaneität mit der Disziplin, die Eigenkraft mit der Seele des Herdentieres. Ein Ding ist die speziefische, bewaffnete oder nicht, auf alle Fälle jedoch vertikale, Organisation, andere Sache ist die Freundschaft, eine symphatische Verbindung, die auf dem Projektvorhaben und/oder dem Intellektuellen beruht, unter Individuen. Individuen die sich freiheitlich für einen bestimmten Zweck zusammentun, die sich aber nie und nimmer auf Grund der Direktiven, von wem auch immer diese stammen, zusammentun würden. Ich bin kein "Gläubiger", ich verbeuge mich nicht mal vor Bakunin, da stelle sich mal einer vor, ich würde mich einem Führer untergeben. Ich habe immer gegen all das gekämpft was autoritär ist, gegen all das, was meine und die Freiheit anderer begrenzt, meine subversive und nichteinzäunbare Potenzialität können nicht in eine bewaffnete Bande gesperrt werden. Der Versuch mir ein Kleid anzuziehen, das mir nicht nur eng ist, sondern das ich als erster in tausend Fetzen zerreissen würde, weil es mir ein Gefühl der Claustrophobie gibt, gegen die ich revoltieren würde, ist lächerlich. Es handelt sich um eine Liquidierung des guten Menschenverstandes. Ein solches Vorhaben, das seitens der Staatsanwaltschaft, die sich auf dienerhafte Verleumdungen bezieht, zum ersten Mal gegen die anarchistische Bewegung versucht wird, besitzt jedoch schon seit Jahren einen Namen: Staatsraison Man will die Stimmen derer AnarchistInnen, die nicht wie Marionetten in den unterschiedlichsten Fernsehsendungen auftreten, sondern den Aufstand aller Ausgeschlossenen gegen die Herrschaft herbeiwünschen, und dies nicht nur mit Worten sagen, sondern es auch noch in ihre Zeitungen und Bücher schreiben, ein für alle mal zum schweigen bringen. Einiger dieser AnarchistInnen, die es gewagt haben ihre Hände in einen Tresor zu stecken und die Eigenverantwortung dafür übernommen haben, waren bewaffnet und dies nicht nur mit ihrem Stolz und ihrer Aufrichtigkeit. Viele AnarchistInnen haben öfter als einmal die Autoritäten des Staates verspottet, sie haben sich nie von gefangenen AnarchistInnen abgewendet, sie waren an den Prozessverhandlungen anwesend, haben Solidaritätsveranstaltungen organisiert, sich darum bemüht, die Rechtsanwaltkosten zu decken. Dabei sind Freundschaften entstanden, die Beziehungen haben sich entwickelt, es wurde eine besondere Aufmerksamkeit auf nationaler und internationaler Ebene was diese Konstruktion betrifft geschafften, und diese werdet ihr nicht lautlos durchziehen können. Wie kann ein Magistrat, der nicht einmal den Hauch der Idee tollerieren kann, dass auch nur ein einziger Mensch existiert, der die Fähigkeit besitzt sich gegen die Autorität und der herrschenden Entfremdung zu erheben, was kann er machen um all diese AnarchistInnen zum Schweigen zu bringen? Er sucht sich ein paar Namen, der sich noch auf freiem Fuss befindenden AnarchistInnen aus, setzt dazu noch ein paar Namen von, für andere Delikte, gefangene AnarchistInnen, instruiert jemanden zur Justizkooperatörin und baut sich eine schöne bewaffente Bande auf. Eine alte Praxis diese, stalinistischer Erinnerungen. Die Opfer dieser Operationen vergeudeten damit ihre Zeit darzustellen, dass ihre GegenerInnen Anklagen verteilen die offensichtliche Lügen sind. Meistens begriffen sie gar nicht, dass diese Anklagen ganz genau ausgesucht waren, denn sie sind offensichtlich falsch. Man versuchte den Angeklagten jegliches Mittel der Verteidigung zu nehmen. Bei dem Prozess in Trient am 13.12.96, bei dem vier AnarchistInnen (ich inbegriffen) wegen eines Banküberfalles, den sie nie gemacht haben verurteilt wurden, wurde sogar jedes Recht zur Verteitigung zertreten. Eine riesige Initiative wie diese Konstruktion, die als Essenz den bestimmten Willen hat systematisch Behauptungen zu konstruieren die offensichtlich unglaublich sind, löst auf radikale Art des Verständnis der Realität auf, und löst sie somit unendlich irrelevant und unnütz erscheinen. Soviel Phantasie kann man gar aufbringen, um sich ein besseres Mittel vorstellen zu können, das es ermöglicht die Menschen fühlen zu lassen, dass ihr Bewusstsein keinen Grund zu existieren hat, dass es nichts anderes ist, als ein grotteskes Merkmal. Von wegen bewaffneter Bande! Der Herr Marini sollte sich mal ausser den " Kleinen Ratgeber für den Bau von Luftschlössern" zu lesen, sich auch mal die Geschichte des anarchistischen Gedankens studieren. Dabei wird er auch auf grimmige Fakten stossen, aber nie und nicht mehr auf eine Hypthese die eine vertikale Organisationsform beinhaltet, in die er und seine Biertieschkumpanen uns reidrücken will, um uns für viele Jahre im Käfig zu sehen. Ihr könnt mich für das verurteilen was ich sage und schreibe, dies steht in euerer Macht. Ihr könnt mich verurteilen, so wie ihr es gemacht habt, weil ich eine Bank ausgeraubt habe und ihr könnt mich sogar verurteilen für Banküberfälle die ich nie gemacht habe. Wie aber werdet ihr es euch verwalten, wenn ihr dazu gerufen werdet micht für ein Delikt zu verurteilen das schon immer die Negierung meines eigenen Lebens war und ist? Ich bin zu widerspenstig mich mit anderen Menschen zu vermischen. Trotzdem könnt ihr auch das machen, denn wenn es sich darum handelt den Dissens derer zum Schweigen zu bringen, die keine heiligen BeschützerInnen haben, die diese nicht nur nicht haben, sondern auch bekämpfen, dann seit ihr sofort breit euere Staatsraison die die Kraft jeder Demokratie ist, walten zu lassen. Gegen die feige Verleumdung entsetze ich mich und werde sie mit all meiner Kraft bekämpfen. Als freier Mann, als welcher ich mich fühle, behaupte ich meine unauflösbare Einzigartigkeit die aus einem antiautoritärem Empfinden stammt und sich mit konstanter Opposition gegen all das was die Freiheit begrenzt und unterdrückt audrückt. Als freier Mann, frei auch von den Schemen, in denen ihr mich individualisieren wollt, werde ich mich weiter auf dem Weg der Auflehnung begeben, ich werde weiterhin das möglichste machen um die Menschen in diesen Befreiungsprozess miteinzubeziehen. Das Bewusstsein der eigenen Ausbeutung kann nicht von dem Bewusstsein unabhängig sein, dass sich die Herrschaft nicht von alleine auflösen wird. Alleine oder in Gesellschaft werde ich euer Dorn im Auge sein, so wie sich für einen acrrimo Feind der autoritören Verfasssung gehört, dies ausserhalb und gegen jeglichen Zaun, der meine Bewegungsfreiheit und meine gedankliche Freiheit eingrenzt.

Antonio Budini, Voghera il 22 Febbraio 1997

Prozesserklärung von Jean Weir - Vorverhandlungen Juli 1997

Im Gegensatz zu dem, was wiederholt von der Presse behauptet wird, ist dies ein Prozess gegen die Ideen. Genau in dieser Stadt war es, hier in Rom, in der ich vor vielen Jahren zum ersten Mal mit dem libertären Gedankengut in Berührung kam. Einen Freudensausruf bewirkte in mir die Lektüre von Herbert Reads "Anarchie und Poesie", ein Buch, welches ich verstaubt in einem Bücherregal der British Council Bibliothek in der Via Quattro Fontane in Rom entdeckte. Wenige Zeilen reichten aus, um im tiefsten meines Inneren eine Spannung auszulösen, einen Willen zu rebellieren, begleitet durch eine blitzartige Klarheit, die mir bis zu diesem Zeitpunkt fehlte. Es stimmt! Kriege und Hunger können nicht besiegt werden, wenn nicht parallel auch die autoritären Beziehungen und die Unterjochung, die ihre höchste Konkretisierung in dem Ausdruck jeglicher Hierarchie, also dem Staat finden, bekämpft werden. Den Missbrauch des Menschen durch den Menschen bekämpfen zu wollen, ohne diesen fundamentalen Aspekt zu berücksichtigen, führt zu nichts anderem, als eine Form der Ausbeutung durch eine andere auszutauschen, die vielleicht sogar raffinierter, ja sogar noch mehr zu fürchten ist. In einem Augenblick wurde mir alles klar: Die Schule, die Fabrik, die Familie, die Religion, die Parteien, der Staat, all dies sind Strukturen, die den Vorsatz haben, die Menschen zu beeinflussen und zu kontrollieren, die Zäune darstellen um den Geist und den Körper gefangen zu halten, um Träume und Bestrebungen vorzugeben. Die Grauheit dieser Realität kannte ich schon und es kam in mir der Wunsch und die Idee auf, diese mit einer uneingeschränkten Freiheit auszutauschen. Es wurde mir sofort klar, dass Rebellen überall existieren und dass der Staat den Konsens nur von einem minimalsten Teil der Leute - welche er beherrschen möchte - geniesst, und dass er, um diesen Konsens zu erreichen, skrupellos jede Art von Mittel einsetzt. Ich bemerkte jedoch auch, dass diese Beeinflussung über Jahrtausende hinweg den Menschen einen tiefen Riss zugefügt hatte, eine so tiefgreifende Verkrüppelung, dass viele von ihnen glauben, nur Dank der Ketten laufen zu können, und sich ein Leben ohne Prothesen gar nicht vorstellen können. Ich begriff schnell, dass es nicht ausreichte Worte zu verbreiten, um die Freiheit zu fordern, sondern es notwendig ist, mit tauglichen Mitteln einzugreifen, um dieses Ziel erreichen zu können. Mittel, die fähig sind den Gemeinplatz den die Macht benötigt angreifen zu können, dass sie ihre Chefs brauchen, ihre Wissenschaft ihre Wahrheit ist, das Eigentum ihnen heilig ist, die Technologie für sie übermächtig ist. Ich begriff, dass ich nach einem Weg suchen musste, bei dem die Idee zur Aktion wird und die Aktion zur Idee. Ich begann meine Suche nach der Totalität, weit entfernt von der Welt der Trennung und der Entfremdung. So näherte ich mich der anarchistischen Bewegung, eine pluralistische Wirklichkeit, die aus verschiedenen Tendenzen zusammengesetzt ist, und die Vorstellungen und Methoden der Einzelnen widerspiegelt, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Die Zerstörung des Existierenden, für eine freie Gesellschaft, die von Menschen ausgeht. Über die Jahre, habe ich durch meine Erfahrungen, durch meine Kenntnisse versucht, eine individuelle Dimension zu schaffen, ein Projektvorhaben, das von den Ideen, den Methoden, den zu verwirklichenden Träumen ausgeht. Dies Dank eines aktiven Lebens in dieser informellen Wirklichkeit, die sich immer in Bewegung befindet: Tausend Plenen, Debatten, Treffen, Vorträge, immer auf der Suche die Theorie zu vertiefen, nach neuen Methoden und neuen AffinitätsgenossInnen. Versuche, sich im Zusammenhang des Territorium auf andere Art zu organisieren, informelle Experimente mit der Masse gegen die Atomlobby, gegen die militärischen Besetzung in den Regionen durchzuführen. Dies immer mit den Mitteln, die sich leicht verbreiten lassen, leicht begreifbar sind, leicht auffindbar und gegen jegliche Tendenz der Spezialisierung und der Leistungsfähigkeit sind.

Vertiefung der Theorie, ein paar Bücher, einige Übersetzungen, einige Zeitungen, Diskussionen, Polemiken und Reisen gehören dazu. Einige Male bin ich mit der Repression zusammengestossen. Ein absolut freies Leben im Kontext der informellen Bewegung mit Tendenz zum Aufstand der Masse. Ein qualitatives Vorhaben das für den Staat weder eingliederbar ist, sich weder von ihm ausnützen (orig. strumentalizzare, bitte nachschlagen), noch erobern lässt.

Die Macht verteidigt sich. Sie wirft mir die Anklage die Gründung einer klandestinen, hierarchischen mit Organigrammen versehen Organisation vor. Sie möchte Schmetterlinge in Dinosauriere umwandeln. Es gibt keinen Ort auf dieser Welt für eine solche Versperrung, weder gibt es einen geistigen Raum für einen solchen Betrug. Wenn ich von einem doppelten Level reden höre, dann ist es so als würde jemand behaupten, dass die Farben des Regenbogens schwarz und weiss sind.

Ja, in diesen drei Jahren, in denen ich mich in Gefangenschaft befinde, wegen einem Versuch mit einigen Komplizen meine individuelle Freiheit zu erweitern in dem wir die Kasse einer Bank erleichtert haben, wohne ich dem Versuch bei, wie eine Konstruktion, Stein für Stein aufgebaut wird, um diese heterogene und wilde Existenz einzusperren. Aber mit diesem Vorhaben, kann niemand mehr betrogen werden.

Jean Weir, Juli 1997

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