(de) INFOS UND RICHTIGSTELLUNG ZUR DEN VORVERHANDLUNGEN IN ITALIEN

a.p. (06251983571-0001@t-online.de)
Sat, 19 Jul 1997 09:30:40 -0700


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(This text is about the last informations from the pre-trial against anarchists in italy - an english translation will be following within the next days. The pre-trial had ended on friday, 18th of july 1997, with the result that the main trial against 68 anarchists (for "founding an subversiv organisation", "founding and membership in weaponed groups" and other "crimes") will be start in october 1997. Look at the URL in this Text, there you can also get Infos in english and other languages)

Den folgenden Text erhielten wir vom "Solikomitee Italien" per Fax. Was die Richtigstellungen betrifft, schließen wir uns der Entschuldigung der Münchner GenossInnen an; auch wir haben das mit dem ROS-Papier falsch verstanden und falsch wiedergegeben. a.p. vom GdF [A-Flugschrift])

----------------------------------------------------------------------------- INFOS UND RICHTIGSTELLUNG ZUR DEN VORVERHANDLUNGEN IN ITALIEN

Zuerst möchten wir uns bei allen GenossInnen entschuldigen, daß wir - wegen eines Mißverständinisses - in den letzten Tagen falsche Infos verbreitet haben. In unserem Text "Neuste Infos zum Stand der Repression in Italien" unterschieben mit "Einige IndividualistInnen vom Solidaritätskomitee Italien" berichteten wir, die ROS (Spezialeinheit der Carabinieri) hätte dem Richter der Vorverfahren De Angelo ein 14seitiges Papier vorgelegt, das den Verlauf der anarchistischen Geschichte in Italien in den letzten 20 Jahren aus ihrer Sicht wiedergibt. DAS STIMMT SO NICHT! Und wir werden euch hier nun die Angelegenheit erneut (diesmal korrekt) schildern:

Vorige Woche (Mitte Juli), als die Vorverhandlungen wiederaufgenommen wurden, traf bei einigen italienischen (Szene)Radio Sendern ein anonym versandtes Dokument der ROS ein. Mittlerweile liegt uns dieses Papier auch vor, weiterhin ist es in italienisch und englisch, sowie kurze Zusammenfassungen in französisch und deutsch, im Internet unter der Adresse http://www.ecn.org.zero/anarchy.htm abrufbar. Im Gegensatz zu dem was wir ursprünglich verstanden (und weitergegeben haben), handelt es sich nicht um ein Paier, das dem Richter hätte vorgelegt werden sollen. genau das Gegenteil ist der Fall: Das Dossier hätte NIE in die Öffentlichkeit gelangen sollen; es enthält (Titat) "Informative Noten zum internen Gebrauch im Bezug auf die Ermittlungen, die möglicherweise die anarchistische Subversion erforschen können". Da das Papier ca. 14 Seiten lang ist, wollen wir uns hier darauf beschränken nur einen Auszug im der im Zusammenhang mit der Kronzeugin NAMSETCHI steht wiederzugeben. Wie vielen bekannt sein dürfte, wurde diese konstruierte Zeugin schon in den Verhandlungen in Trient erfolgreich eingesetzt (Prozess wegen Banküberfällen). Hier hieß es ja immer, daß sich die Kronzeugin im anarchistischen Spektrum sehr gut auskenne - interessant liest sich dann im ROS-Papier folgendes:

"(...) im Gegensatz zu den oben erwähnten Personen, scheint die NAMSETCHI nicht an den Anarchismus gebunden zu sein. Somit hat sie also keine ideologischen Bindungen, die sie an die Verdächtigen binden. nach der Verhaftung des TESSERI, wurde ihre finanzielle Lage sehr schlecht und man konnte innerhalb der Observierungen feststellen, daß die NAMSETCHI in einem Nachtlokal Freier unterhielt (...) (...) Durch die Bewertung dieser Elemente hat das Personal der Sektion A.C. (Abteilung der Ros - a.d.Ü.) entschieden Kontakt mit der NAMSETCHI aufzunehmen, und zwar im Hinblick auf eine Mögliche Zusammenarbeit mit den Operatoren der Armee (die Carabinieri gehören zur italienischen Armee - a.d.Ü.). Diese Aufgabe wurde vom Nucleo Operativo aus Civitaveccia (Rom - a.d.Ü.) mit Erfolg ausgeführt. Wie vorhergesehen äußerte die NAMSETCHI, daß sie überhaupt keine Zuneigung zum Anarchismus hätte und sich in einer finanziell schlechten Lage befände.. Sie erklärte ihre Bereitschaft brauchbare Elemente zu geben, die der A.C. nützlich sein könnten. An dieser Stelle eröffnete sich die Möglichkeitalle bis jetzt durchgeführten Ermittlungen gegen die anarchistische Subversion der letzten 10/ - 15 Jahre zu kristallisieren, die bis heute zu keinem befriedigenden strafverfolgungs-verwertbaren Ergebnissen geführt hatten. Es ist unsere Pflicht hervorzuheben, daß die Liebesbeziehung zwischen der NAMSETCHI und dem TESSERI, es ermöglicht die Verantwortung des o.g. TESSERI bei dem Banküberfall in Rovereto, die Mittäterschaft der WEIR, JEAN, Ehefrau des BONNANO, ALFREDO, ein Ermittlungsbild darstellen läßt, aus dem profitiert werden kann. besonders hebt sich die Möglichkeit hervor, mit Leichtigkeit Druck aus die NAMSETCHI ausüben zu können, da diese als verletzbares und psychisch gefügiges Element erkannt wurde und somit bezüglich auf der kriminellen Aktivitäten die von TESSERI und anderen Anarchisten, u.a. dem BONNANO, ausgeführt wurden, aussagen könnte. Wenn die Zeugenaussagen nicht ausreichende Beweise darlegen würden, so kann eine chimamata di correitá (juristischer Begriff, der für Verrätertum im Zusammenhang mit der italienischen Pentiti-Regelung [=Kronzeugenregelung] steht - a.d.Ü.) in Anbtracht gezogen werden, die nach einer schon bei anderen Vorgängen von der A.C. ausprobierten Methode, angewandt werden könnte. Dabei müßte bei der NAMSETCHI, wie in diesen Fällen üblich, das Schutzprogramm für Justiz-Kooperateure angewandt werde (...) Soweit der Auszug.

Das 14seitige Papier wurde von einigen Radiosendern sofort an die Rechtsanwälte der AnarchistInnen weitergeleitet. Diese (ALSO NICHT DIE ROS!) legten es umgehend dem Richter De Angelo vor. Der eigentlich nun übliche, nach IHREN Gesetzen vorgesehene Vorgang, nämlich daß der Richter sofort die Polizei oder die DIGOS (? - d.T. vom GdF) zwecks Durchsuchung und Auffinden des Orginals zur ROS geschickt hätte, fand natürlich nicht statt. Richter De Angelo ließ lapidar verlauten, er werde dieser Angelegenheit in den nächsten tagen nachgehen. es ist klar, daß er damit der ROS zeit gibt, das Orginal verschwinden zu lassen; möglicherweise werden sie dann das veröffentlichte Papier als Fälschung bezeichnen... Mal wieder wird klar, daß Richter wie DE Angelo, die nach IHREN eigenen Regeln und Gesetzen eine UNABHÄNGIGE Position einnehmen sollten, also auf der Basis von vorhandenen Fakten entschieden sollten, sich einen Dreck um die oft bemühte "Unabhängige Justiz" scheren. dies bestärkt er noch mit Benmerkungen wie, daß die AnarchistInnen ja eh schuldig seine. Es wird ziemlich schnell klar, daß es lediglich als verlängerter Arm des leitenden Staatsanwalts Marini fungiert.

Ein anderes Thema ist die Presse bzw. eher die Nicht-Presse. >Die im Verhandlungssaal anwesenden JournalistInnen wurden gefragt, warum sie die ganze Sache totschweigen würden. Wir haben die italienischen Tageszeitungen der letzten Tage persönlich durchforstet, kein Wort war dort zu der Konstruktion zu lesen...). Die zu erwartende Antwort der JournalistInnen: "Wer interessiert sich denn schon für ein paar schuldige AnarchistInnen, das ich uninteressant, warum sollten wir darüber berichten..." Interessant hierbei ist, daß genau am 15.07.97 eine ganze Seite über die in Amerika gefangene Sivia Baraldini geschrieben wurde - Niuchts gegen die Person von Silvia Baraldini und die Tatsache, daß es sich um übelste, grausame Haftbedingungen handelt, aber da sieht man eben die Unterschiede, wenn man einen Vater hat, der in den USA als Diplomat tätig ist und es sich um wen handelt der/die sich als unschuldig bezeichnen und somit an die "Gerechtigkeit der bürgerlichen Demokratie" appellieren, oder zumindest nichts dagegen haben, wenn das eigene Unterstützungs-Komitee dies tut.

Soweit nun mal die Last News und unsere Richtigstellung. Am Freitag, den 18.07.97, hat das Gericht dann, wie zu erwarten war, entschieden die Hauptverhandlung zuzulassen. Der Prozeß soll im Oktober 1997 beginnen. Näheres dazu, was konkret zu wem läuft, werden wir in Zukunkt veröffentlichen (bevor wir nun hier wieder irgendwelche Unkorrektheiten überstürzt veröffentlichen).

Wir möchten jetzt hier noch auf eine sich immer wiederholende Frage die an uns gerichtet wird eingehen: Oft schon wurden wir gefragt, warum wir keine Unterschriftenaktion starten. Zum einen wissen wir aus Erfahrung, daß dies eine nutzlose Zeitverschwendung ist, dazu braucht man sich nur den fall Baraldini anzuschauen. Für sie wurden tausende und abertausende Unterschriften gesammelt, und das schon vor Jahren, aber sie ist immer noch im Kanst, genau wie vor der Unterschriftensammlung auch. Zweitens stellen sich natürlich auch die Fragen (und das sind für uns die wesentlicheren Aspekte): Für was sammeln wir da Unterschriften? "Bitte, bitte, haltet eure eigenen Gesetzte ein!"? An wen schicken wir sie dann? An den Präsidenten von Italien oder gar an Dr. Helmut Kohl, mit der Bitte, er möchte doch mal bei seinen italienischen Kollegen für die armen verfolgten AnarchistInnen einsetzen? Das wäre wohl nicht nur dumm, sondern auch lächerlich und peinlich. Wir sind schon der Meinung, daß wir soviel Öffentlichkeit wie möglich schaffen sollten, dies aber mit unseren Mitteln, mit unseren Methoden, mit unseren Wünschen, mit unseren Kräften. Wir wollen weder unseren eigenen Arsch, noch den der italienischen AnarchistInnen "verkaufen". Und eins ist sicher: Würden wir Kompromisse mit dem Staat und seinen Organen eingehen, würden wir unsere Würde und die der gefangenen GenossInnen verletzen; und dies ist schlimmer als ungebeugt in Knast zu sitzen.

Da nun die Entscheidung gefallen ist, haben wir bis Oktober Zeit soviel Öffentlichkeit wie Möglich zu schaffen. Wir müssen uns auf technischer Ebene besser mit den ItalienerInnen und deren Strukturen koordinieren. Wir müssen das Sprachproblem und die Übersetzungsarbeit besser in den Griff bekommen. Oft merken wir, daß die selben Artikel doppelt und dreifach übersetzt werden, während andere unübersetzt ewig liegen bleiben. Derzeit hapert es ziemlich mit Übersetzungen deutsch-englisch oder auch italienisch-englisch (wir sind hier für jede Hilfe sehr dankbar). Wir werden uns bemühen das ROS-Papier in den nächsten Tagen ins Deutsche zu übersetzen und es allen Interessierten zukommen zu lassen, wir bitten alle, es so breit wie möglich zu verteilen (Radio Sender wären nicht schlecht). Ein Team von internationalen ProzeßbeobachterInnen wäre ebenfalls sehr sinnvoll, aber bislang kommen wir da auf keinen grünen Zweig, ebenso ist es uns bislang nicht gelungen, ausländische (=nicht italienische Rechtsanwältinnen) für den fall zu "begeistern" oder zumindest zu dafür zu interessieren, wem dazu was einfällt, nichts wie zur Tat! Es gibt vieles was dazu getan werden kann und wir finden, das alle Individuen, Gruppen, Zusammenhänge selbst entscheiden sollten, was sie tun können und wollen. Ferner bitten wir alle ÜbersetzterInnen, die die bislang schon Sachen übersetzt haben und die die vielleicht in Zukunft was in dieser Richtung tun wollen, sich mit uns zwecks besserer Koordination in Verbindung zu setzen.

Soweit mal für den Augenblick. Liebe Grüße

Solidaritätskomitee Italien c/o Infoladen Breisacherstr. 12 D-81667 München Tel.: 089/4489638 Fax.: 089/4802006

(der neue "Ausbruch" mit Infos zu dem Italien-Konstrukt und einigem mehr erscheint in den nächsten Tage. es ist bei der o.g. Adresse für 3.- inkl. Porto zu bekommen, es erscheint auch eine englische Ausgabe)

Und nun noch etwas GdF-"Senf":

Und zwar zum Thema Öffentlichkeit. Nicht nur die etablierten Medien zeigen ein gehöriges Desinteresse. Wir haben in den letzten 1,5 Jahren sehr viele Infos zu der Repression in Italien an sehr, sehr viele anarchistische, autonome, linxradikale... Printmedien, Archive... per e-mail, Fax und Post weitergeleitet. Aufgegriffen wurde die Thematik leider nur in den seltensten Fällen. Die uns bekannten positiven Beispiele sind Interim, radikale Zeiten, Freiraum, LOM und das war's dann auch schon. Was wir nicht ganz verstehen, ist sowas wie: Der Schwarze Faden z.B. hat alle Infos von uns per Fax bekommen, publiziert wurde nicht mal eine Kurzmeldung. Gut, der SF ist ja jetzt nicht gerade die Zeitung mit einem Schwerpunkt Repression oder so, komisch finden wir nur, wenn in der letzten Ausgabe immerhin 1/3 Seite über die Repression gegen Ex-Lotto-Continua-Leute drinne ist, die Repression gegen AnarchistInnen aber komplett außen vor bleibt. (Auch dieser Text geht als Fax an den SF, vielleicht kann uns das ja mal wer von denen erklären). Aber wie gesagt, der SF ist da nur ein Beispiel, das für viele andere Publikationen gilt... Es wäre also gut, wenn Leute mit nem Draht zu irgendwelchen "Medien"-MacherInnen selbigen etwas auf die Füße steigen könnten. Weiterhin wäre es gut, Belegexemplare an die Adresse des Solikomitees in München zu schicken, falls ihr etwas dazu macht oder publiziert.

soweit mal unser Senf grüzze + küzze

a.p. vom GdF (A-Flugschrift)

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