(de) GI-Presseerklaerung zur Kryptoreglementierung

Stefan Merten (merten@dfki.uni-kl.de)
Fri, 07 Feb 1997 10:52:05 +0100


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Zur Quelle: Bei der `Gesellschaft f"ur Informatik' (GI) handelt es sich um die deutsche Standesvereinigung f"ur Informatik.

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================================= ================================= Gesellschaft fuer Informatik e.V.

PRESSEMITTTEILUNG ================================= =================================

Zusammenfassung: - ---------------- Gesellschaft fuer Informatik e.V. haelt staatliche Einschraenkungen der Nutzung kryptographischer Verfahren fuer bedenklich und als Mittel zur Bekaempfung der organisierten Kriminalitaet fuer wirkungslos

- ---------------------------------------------------------- Bedenken der Gesellschaft fuer Informatik gegen staatliche Einschraenkung der Kryptographie - ----------------------------------------------------------

Bonn, 30.4.1996 (28.2.1996)

In der politischen Diskussion der juengeren Vergangenheit ist wiederholt gefordert worden, den Gebrauch von Kryptographie, d.h. deren Einsatz, Herstellung, Einfuhr und Ausfuhr staatlich zu beschraenken. Auch in Deutschland gibt es dazu detaillierte Ueberlegungen in Richtung auf gesetzgeberische Massnahmen. Hierzu erklaert die Gesellschaft fuer Informatik:

Wer Nachrichten uebertraegt muss sich darauf verlassen koennen, dass diese Nachrichten unverfaelscht erhalten bleiben (Integritaet) und keinem Unbefugten bekannt werden (Vertraulichkeit). Diese Forderungen zu erfuellen, ist seit jeher Aufgabe einer sicheren d.h. einer verlaesslichen Kommunikation.

In einer Informationsgesellschaft, in der Unternehmen, Behoerden und Privatpersonen in weiter wachsendem Masse Nachrichten ueber offene Kommunikationsinfrastrukturen (Netze) uebertragen, wird die Forderung der Nutzer nach angemessener Sicherung der Informationen vor unerwuenschter Ausspaehung oder Aenderung zur zentralen Frage. Diese Forderung ist erfuellbar. Bei digitaler Uebertragung sind sichere kryptographische Verfahren bekannt und praktikabel, sogenannte "starke" Kryptographie.

Ueber diese starken kryptographischen Verfahren hinaus koennen zusaetzlich steganographische Techniken verwendet werden. Mit diesen koennen geheime Informationen in umfangreicheren, unverfaenglichen Daten so versteckt werden, dass sie sich von Dritten nicht entdecken lassen. Das aber bedeutet auch: Nicht nachweisbare, vertrauliche Kommunikation kann gar nicht verhindert werden.

Eine Ueberwachung von Nachrichten in digitalen Netzen ist praktisch nicht moeglich, insbesondere die organisierte Kriminalitaet wird u.a. steganographische Techniken anwenden. Als technische Moeglichkeit zur effektiven Verbrechensbekaempfung bietet sich statt Einschraenkung der Kryptographie eher eine gezielte Ueberwachung der Endgeraete an, auf denen die Nachrichten im Klartext erscheinen.

Um in bestimmten Faellen die Entschluesselung von Nachrichten in digitalen Netzen zu ermoeglichen, verlangen u.a. die Strafverfolgungsbehoerden eine Hinterlegung der geheimen Schluessel. Diese Massnahme kann aber die Abhoerbarkeit der Nachrichten von Verdaechtigen nicht grundsaetzlich garantieren (siehe oben). Dagegen ist die Schluesselhinterlegung ein zusaetzliches Risiko fuer die Geheimhaltung der Schluessel und damit der Daten aller, gerade auch der unbelasteten Teilnehmer. Durch eine zentrale Hinterlegung und zusaetzliche Sicherungskopien wird diese Gefahr noch wesentlich gesteigert.

Beschraenkung der Kryptographie ist zur Bekaempfung der organisierten Kriminalitaet ungeeignet. Sie wird aber den dringend notwendigen Schutz von Betriebs-, Geschaefts-, Berufs- und Privatgeheimnissen gefaehrden.

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Weitere Informationen:

Gesellschaft fuer Informatik e.V. Wissenschaftszentrum Ahrstrasse 45, 53175 Bonn Tel. (0228) 302-145 Fax -167

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Bei Interesse k"onnen weitere Texte der GI zu diesem Thema bezogen werden.

Diese Nachricht hat folgende Geschichte:

Date: Thu, 6 Feb 1997 09:55:27 +0100 From: "Ralf E. Streibl" <res@informatik.uni-bremen.de>

Date: Thu, 06 Feb 97 09:24:32 +0100 From: Uta Bohnebeck <bohnebec>

Date: Wed, 05 Feb 97 12:31:30 MEZ From: Ruediger.Dierstein

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