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Sun, 5 Jan 1997 17:13:05 GMT


2]) by zoso.lglobal.com (8.8.4/8.7.3) with ESMTP id QAA00574 for <a-infos@z= oso.lglobal.com>; Sun, 5 Jan 1997 16:24:11 GMT Received: from mailout01.btx.dtag.de (mailout01.btx.dtag.de [194.25.2.149])= by presence.lglobal.com (8.8.4/8.6.12) with SMTP id JAA12370 for <a-infos@= lglobal.com>; Sun, 5 Jan 1997 09:20:31 -0500 (EST) Received: from mailto00.btx.dtag.de ([172.16.2.1]) by mailout01.btx.dtag.de= with =09 smtp (S3.1.29.1) id <m0vgsFa-000NHIC>; Sun, 5 Jan 97 14:04 MET Received: from funnel40.btx.dtag.de (0625179964-0001(btxid)@[194.25.2.41])= =20 =09by mailto00.btx.dtag.de with smtp (S3.1.29.1)=20 =09id <m0vgsEv-0006umC>; Sun, 5 Jan 97 14:03 MET Message-ID: <32D0209A.3000@pop.btx.dtag.de> Date: Sun, 05 Jan 1997 13:43:54 -0800 X-Mailer: Mozilla 2.01DT [de] (Win16; I) MIME-Version: 1.0 To: a-infos@lglobal.com Subject: (deu) Anti-AKW - Kommunique automer Gruppen Content-Type: text/plain; charset=3Diso-8859-1 Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Sender: 0625179964-0001@t-online.de (Alfred-Peter Thom) From: 0625179964-0001@t-online.de (a.p.) Sender: owner-a-infos@tao.ca Precedence: bulk Reply-To: a-infos-d@tao.ca

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- The alternative newsservice - http://www.tao.ca/wind/ainfos.html

aus:=09Geist der Freiheit (Nr. 74 - Januar 1997) =09c/o Cafe Exzess =09Leipzigerstr. 91 =09D-60487 Frankfurt

Wir haben uns entschlossen die folgende Erkl=E4rung abzudrucken. Sie wurde= =20 bislang nur in der Interim und der Anti-Atom-Aktuell abgedruckt, wir=20 denken, da=DF sie =FCber deren LeserInnenschaft hinaus verbreitet und=20 diskutiert werden sollte, gerade weil die staatlich und mediale Hetze zu=20 diesem Thema immer heftiger wird. Wir m=F6chten uns an dieser Stelle etlichen anderen Gruppen anschlie=DFen,= =20 die von der BI L=FCchow-Dannenberg eine Diskussion =FCber die Inhalte diese= s=20 Schreibens einfordern, an Stelle der von ihnen in der letzten Zeit=20 ge=E4u=DFerten Distanzierungen und Verunglimpfungen des militatem=20 Widerstands. Auch anderen, wie z.B. der Graswurzelrevolution, m=F6chten wir nahelegen in= =20 Zukunft die gesammten Schreiben zu lesen, bevor sie Arikel schreiben, die= =20 sich nur auf die Versatzst=FCcke bezeihen, welche die Tagespresse=20 gn=E4digerweise ver=F6ffentlicht.

Abschrift: Stop die Bahn - Stop den Castor! Kommunique autonomer Gruppen

F=FCr einen lebendigen und militanten Widerstand gegen den Castor ins=20 Wendland oder Ein offener Brief

Liebe Leute,

Wir haben in den fr=FChen Morgenstunden des 07.10.1996 den Bahnverkehr im= =20 gesamten Bundesgebiet lahmgelegt. Hakenkrallen wurden an insgesamt 13=20 Stellen in die Oberleitung geh=E4ngt:

4 bei Stuttgart 1 bei Bremen 1 in Nordhessen 5 um Berlin 1 bei G=F6ttingen 1 zwischen Hannover und Celle.

Mit diesem brief laden wir euch aber auch zu einer =F6ffentlichen=20 Diskussion ein. Vielleicht wundert ihr euch, da=DF wir - im Gegensatz zu sonstigen eher=20 knapp gehaltenen "waswannwowarum"-Komminiques - geradezu ausschweifend=20 werden. Deshalb zur Erkl=E4rung ein paar Takte vorweg, wie die Idee zu=20 diesem Brief entstanden ist: In verschiedenen autonomen gruppen wird zur Zeit =FCberlegt, wie sie sich= =20 im Rahmen der Anti-AKW-Bewegung einbringen k=F6nnen. dabei sto=DFen wir auf= =20 folgende Beobachtungen:

1)=09Der Widerstand im Wendland zu den Castor-Transporten hat an=20 Sch=E4rfe gewonnen, Tag X2 war ein voller Erfolg. Dennoch haben wir den=20 Eindruck, da=DF wir zum einen wie das Kanninchen vor der Schlange hocken:= =20 Wenn die Atommafia Transporte durchf=FChrt, rollt der Widerstand an, setzt= =20 sie jedoch auf Zeit und Deeskalation, wird es wieder ruhig; zum anderen=20 f=FChren wir wieder einen Kampf, den wir schon lange gewonnen gehofft=20 hatten, das deutsche Roll-back bekommt auch die Anti-AKW-Bewegung zu=20 sp=FChren. Wir wollen hier etwas frischen Wind hineinbringen und schlagen vor, nach=20 eigenem Rhythmus den Druck so zu verst=E4rken, da=DF die Herrschenden froh= =20 w=E4ren, mit einer Schlie=DFung von "Gorleben" davonzukommen. Wir haben rea= le=20 Chancen, ihnen kr=E4ftig in die Suppe zu spucken.

2)=09Aber dazu haben wir viele Fragen und Kritiken an der=20 Anti-AKW-Bewegung. Obwohl wir die Vielf=E4ltigkeit im Widerstand gegen die= =20 AKWs sch=E4tzen, erleben wir die Bewegung als sehr diffus und zu begrenzt= =20 auf den Kampf gegen Castor-transporte. Viele sich anbietende=20 Schnittpunkte zu anderen sozialen Bewgungen, zur Einbettung unseres=20 Kampfes grunds=E4tzlich gegen die herschenden Verh=E4ltnisse fallen=20 weitgehend unter den Tisch. Dies ist Ausdruck von unterschiedlichen=20 politischen Herangehensweisen und Perspektiven, die wir gerne zum Thema=20 machen w=FCrden...

3)=09Daran schlie=DFt f=FCr uns eine Auseinandersetzung an, bez=FCglich=20 unserer eigenen Widerspr=FCchlichkeiten gegen=FCber unserer radikalen Utopi= e.=20 Statt "Seid realistisch,, fordert das Unm=F6gliche" beteiligen auch=20 Autonome sich am allt=E4glichen Krisenmanagment. Statt "revolution=E4rer=20 Elan" ertappen wir uns =F6fters beim "tristen Tran", der Gewohnheit, sich= =20 zunehmend am scheinbar "Machbaren" zu orientieren. Dazu ist ein Versuch=20 der realistischen Selbsteinsch=E4tzung angesagt...

4)=09Und zuletzt verbinden wir mit diesem Text einen praktischen=20 Vorschlag von einer Aktionsform, von der wir hoffen, da=DF sie weiter=20 Bl=FCten tr=E4gt. Bislang fu=DFt die ganze Castortransportiererei auf der= =20 Bereitschaft der Deutschen Bundesbahn, diese auch weiterhin=20 durchzuf=FChren. Von der Gef=E4hrdeung, die von diesen Transporten ausgeht,= =20 wollen wir hier nicht reden. Wir reden hier =FCber die Achillesferse der=20 Atommafia. F=FCr die Kampagne "Stop die Bahn - Stop den Castor!". F=FCr einen offensiv= en=20 Angriff auf die Infrastruktur von Bahn-, Strom und Staatseinrichtungen=20 zum Thema Castor!

Genug der Vorrede!

THIS IS NOT A LOVESONG

Kaum ein halbes Jahr ist es her, und wieder klappert die Atommafia mit=20 ihrem wackeligen Gebi=DF. Nach dem 2. Castor h=E4ttens gern 110 weitere im= =20 Zwischenlager Gorleben. Mindestens einen Transport will die Atommafia=20 noch in diesem Jahr nach Gorleben bringen lassen, wieder mit einem=20 =E4hnlichen Bullenaufgebot wie im Mai. Doch einige Bundesl=E4nder, wie Hess= en=20 und Niedersachsen sind nicht mehr bereit, jedesmal mehrere tausend=20 PolizistInnen zur Verf=FCgung zu stellen. "Verfassungsbruch" pocht die=20 Atomindustrie, ihr Recht auf Profit sei im Grundgesetz verankert - auch=20 wenn sie dabei =FCber Leichen geht.

Dabei standen ihren Gesch=E4ftspartnern bei der Deutschen Bundesbahn noch= =20 vor kurzem die Schwei=DFperlen im Gesicht, als umherstreifende Horden=20 energisch an ihrer deutschen P=FCnktlichkeit nagten. Das waren ja Zust=E4nd= e=20 wie in Latainamerika. Kommt der Zug oder kommt er nicht? fragten sich=20 ersch=FCtterte Reisende, w=E4hrend der selbige auf offener Strecke bei=20 G=F6ttingen, Hannover oder Magdeburg ein P=E4uschen einlegte. Wurfanker,=20 Barrikaden und Blockaden, zerknitterte Strommasten... Unkalkulierbar war es im Land trotz des Einsatz von 19.000 Staatsb=FCtteln= =20 - dem gr=F6=DFten Aufgebot in der Geschichte der Bundesrepublik. 10.000=20 St=F6renfriede im Wendland, schw=E4nzende Sch=FClerInnen, staatsverdrossene= =20 RentnerInnen, eine aufm=FCpfige Bauernschaft und zum Demontieren von=20 Gleisanlagen aufrufende Hausfrauen. Noch am Morgen, als der Castor schon in Danneberg auf dem Tieflader stand= =20 , =FCberlegten sich die Herren, ob sie diesen nicht wieder heimschicken=20 sollten (laut Polizeifunk).

Das Politheather um den Castor wird wahrscheinlich trotz alledem noch=20 einige Jahre so weitergehen: Die Bosse aus der Atommafia nabst Stoiber in= =20 Bayern und Kohl in Bonn sehen den Standort Deutschland gef=E4hrdet,=20 Schr=F6der in Niedersachsen f=FCrchtet um seine Wiederwahl, die SPD um ihre= =20 Glaubw=FCrdigkeit in Sachen "Einstieg in den Aussteig" etc. Es ist an der Zeit, da=DF wir ihnen bei der Entscheidungsfindung ein wenig= =20 nachhelfen! Zu plump sind ihre L=FCgen, zu langweilig ihr Geschw=E4tz,=20 "Energiekonsensgespr=E4che". Dramatisch ringen die Kasperlepuppen darum, ob= =20 der Startschu=DF f=FCr die neue Reaktorbrut schon heute oder erst im Jahre= =20 2005 fallen darf. Nach den 90 Millionen f=FCr den letzten Castor-Transport schlagen sie jetzt= =20 wieder den "Energiekonsens" vor. Aber mal erlich, f=FCr diesen Konsens=20 lockt ihr doch keinen hinterm Ofen hervor, au=DFer Siemens, RWE und die=20 Deutsche Bank. Macht das mal unter euch aus, aber wundert euch nicht, wie= =20 ihr unseren Konsens um die Ohren gehauen kriegt. Trotz massiver Regierungspropaganda, "Atomkraft ist total ungef=E4hrlich",= =20 sind sich ausnahmsweise 2/3 der Bev=F6lkerung einig: "Euren Schiet wolln=20 wir nicht!", weder per Luft, per Wasser oder Bahn. Weder in Gorleben,=20 Ahaus, Ru=DFland, noch auf dem S=FCdsee-Atoll oder auf dem Mars...

SIGN OF THE TIMES

Sofortige Abschaltung aller Atomanlagen" fordern viele, und meinen damit=20 l=E4ngst nicht dasselbe. Die Gr=FCnen reden davon seit ihrer Gr=FCndung vor 17 Jahren, auch die PDS= =20 hat eine =E4hnliche Forderung im Programm und bei der SPD hei=DFt das=20 Parteiprogramm "Einstieg in den Ausstieg". Viele Narurschutzverb=E4nde und= =20 Klimab=FCndnisse verlangen den Ausstieg. der BUND und die Katholische=20 Entwicklungsorganisation Misereor lie=DFen eine umfangreiche Studie=20 "Zukunftsf=E4higes Deutschland" anfertigen und belegen darin nocheinmal=20 gr=FCndlich, warum auf "die Nutzung der Kernenergie verzichtet" werden=20 sollte. Doch Programme und Sonntagsreden wie am Tschernobyl-Jahrestag haben eine=20 lange Weile. Wenn sie in die Niederungen der Realpolitik hinabsteigen,=20 sind die Parteien eingebunden in den Druck der Wirtschaft und ihrer=20 Klientel aus den Gewerkschaften (bei der SPD) und / oder der=20 Regierungsverantwortung ihrer rot-gr=FCnen Koalition bzw. der=20 Technologiebejahung ihrer W=E4hlerInnen (so wie bei der PDS). In Greifswald, auf dem Gel=E4nde des ehemals gr=F6=DFten AKWs der DDR, wird= ein=20 gro=DFes Zwischenlager gebaut und dort soll m=F6glichst der erste EPR Reakt= or=20 gebaut werden, geht es nach dem Willen der SPD in Mecklenburg-Vorpommern.= =20 H=F6chst pikant dabei ist, da=DF der Vorsitzende der SPD Ringsdorff schon d= ie=20 M=F6glichkeit einer Koalition mit der PDS ins Gespr=E4ch bringt. Die PDS vo= r=20 Ort bejaht das neue Atomzentrum bei Greifswald. Die Halbwertzeit der=20 Ausstiegsbeteuerungen vieler hochrangiger PDS-Funktion=E4re scheint noch=20 geringer zu sein als die bei den Gr=FCnen. Gerade in der Frage des Ausstiegs =FCbernehmen die Gr=FCnen in den=20 L=E4nderregierungen in Kiel, Wiesbaden und D=FCsseldorf die Rolle der FDP:= =20 Sie sind die neue (=D6ko-)Umfallerpartei. Im Bundestag lie=DFen sie im=20 November 1995 durch die Abgeordnete Hustedt verk=FCnden "Verantwortung f=FC= r=20 die Endlagerung von Atomm=FCll zu =FCbernehmen", vorausgesetzt die Laufzeit= =20 der AKWs werde begrenzt. Dies liest sich wie ein Einstieg in den Ausstieg= =20 aus ihrer Forderung nach sofortiger Abschaltung aller AKWs. Der=20 Europaabgeordnete Cohn-Bendit fabuliert bereits von der Notwendigkeit der= =20 Atombomben f=FCr eine westeurop=E4ische Armee. Und daf=FCr brauchen sie Ura= n=20 und Plutonium aus Atomkraftwerken.

Viele Anti-AKW-Gruppen werden die Argumente der BUND-Studie=20 "Zukunftsf=E4higes Deutschland" wegweisend finden. In der Wuppertaler=20 Studie werden mit einer globalen Betrachtungsweise die =F6kologischen=20 Folgen der Industriepolitik der L=E4nder des Nordens betrachtet. Die=20 Wuppertaler WissenschaftlerInnen arbeiten heraus, wie die BRD ohne AKWs=20 und ohne Klimakiller bei einem deutlich niedrigeren Energieverbrauch=20 trotzdem ihr Wohlstandsniveau halten kann, ohne da=DF die Schadstoffe in=20 den Trikont verschoben werden. Zugleich ist die Studie jedoch in der Frage der daf=FCr notwendigen=20 gesellschaftlichen Ver=E4nderungen reichlich naiv: Die Herrschaft von=20 Kapitalismus und Patriachat, die letztendlich erst die =F6kologische=20 Katastrophe heraufbeschworen hat, wird nicht thematisiert. Der Kapitalismus soll in "unserem" Deutschland in einen =D6kokapitalismus= =20 transformiert werden, die damit verbundenen Strukturver=E4nderungen mit=20 neuen Massenentlassungen und Umverteilungsk=E4mpfen werden aber von den=20 WuppertalerInnen nicht thematisiert. Stattdessen wird das Allheilmittel=20 =D6kosteuer gesehen.

Weltweit 400 Atommeiler wollen erneuert werden, gro=DFe Absatzm=E4rkte wart= en=20 im ostasiatischen Raum, ein riesiges Gesch=E4ft f=FCr Siemens, Westinghouse= ,=20 Framatome, Mitsubishi. Die Atommafia ist kein nationales Problem. In den Vorstandsetagen deutscher Stromkonzerne werden derzeit=20 verschiedene Gesch=E4ftsperspektiven entwickelt: Einerseits engagieren sich= =20 die gro=DFen wie VEBA und RWE mit milliardenschweren Investitionen im=20 Bereich Telekommunikation, andererseits tobt der Streit zwischen den=20 Stromkonzernen =FCber die Frage, ob nach dem Ende der alten Atomreaktoren= =20 =FCberhaupt noch eine neue Generation ben=F6tigt wird, wie dem von Siemens= =20 und Framatome geplanten "noch sichereren" EPR-Reaktor. Einige Bosse=20 spielen neuerdings mit dem Gedanken, die Atomkraft nach 2010 g=E4nzlich=20 fallen zu lassen, einfach weil andere, konventionelle Kraftwerke dann=20 profitabler sind. Doch der Streit ist noch nicht ausgestanden, zumal=20 dabei auch noch der Siemenskonzern ein W=F6rtchen mitreden d=FCrfte. Die Industriegiganten versuchen immer wieder, ihre Lobbypolitik zum=20 Staatsinteresse zu erkl=E4ren. Selbst wenn sie dort einmal scheitern, sind= =20 wir mit ihrer raffgierigen Energie in allen unseren Lebensbereichen=20 konfrontiert. Das j=FCngtse Beispiel daf=FCr ist die Gen- und Biotechnologi= e,=20 wo die Chemie- und Saatgutkonzerne einerseits Milliarden von=20 Forschungsgeldern abzocken und anderseits sich jegliche gesellschaftliche= =20 Einmischung in das Was, Wie und Warum ihrer Projekte verbieten.

EAT THE RICH

Atomkraftwerke produzieren weltweit etwa 5 % des anfallenden=20 Energiebedarfs. "Ein Nord-Amerikaner verbraucht doppelt soviel Energie wie ein Deutscher,= =20 dreimal soviel wie ein Schweizer oder =D6sterreicher, 60mal mehr als ein=20 Inder, 160mal mehr als ein Tansanier und 1100mal mehr als ein Bewohner=20 von Ruanda (Ostafrika). Die 6 % Amerikaner auf der Erde verbrauchen mehr=20 Energie als die zwei Drittel der Weltbev=F6lkerung in den=20 Entwicklungsl=E4ndern" (Rudolf H. Strahm). Wenn uns jemand erkl=E4ren kann,= =20 mit welchem Recht diese Verschwendung durchgesetzt wird, fressen wir=20 unsere eigenen Wurfanker. Die Kosten menschlicher Arbeitskraft an der Herstellung eines Paar=20 Nike-Sportschuhe liegt bei 0,1 % der Gesamtkosten. Bei Vollbesch=E4ftigung= =20 w=FCrden wir glatt in einem Ozean von Sportschuhen ersaufen... Die=20 Durchsetzung fast ausschlie=DFlich maschineller Energie in der Produktion= =20 geht direkt auf Kosten von Millionen Menschen nicht nur in diesem Land=20 und hat doch nichts mit dem hiesigen Anti-AKW-Kampf zu tun. Fast genauso ausgeblendet unter uns ist die Frage, welche Art von G=FCtern= =20 da eigentlich hergestellt wird, wem da Bed=FCrfnisse eingeredt werden und= =20 wer daran verdient.

Es ist zwar richtig, wenn manche sagen, da=DF die Erde genug Ressourcen=20 hat, damit es allen gut gehen kann. Aber daraus zu folgern, da=DF alles nur= =20 ein mehr oder weniger gro=DFes Verteilungsproblem sei, ignoriert, da=DF es= =20 zum Wesen der marktwirtschaftlichen Demokratien geh=F6rt, Ausbeutung und=20 Unterdr=FCckung aufrecht zu erhalten. Sonst funktioniert dieses System=20 n=E4mlich nicht.

Wieviele Ressourcen werden in der Gen- und Biotechnologie dazu=20 aufgewendet, am menschlichen Erbgut zu manipulieren, Pflanzen und Tiere=20 profitabler zu verwerten. Mit welcher geballten Herrschaftsgewalt wird zur Zeit die Abschottung des= =20 reichen Europas vor Fl=FCchtlingen durchgesetzt, die brutalste Abgrenzung= =20 von den Menschen, die hierher kommen, wo der Ursprung ihrer Armut liegt. Das seit dem Ende des Realen Sozialismus sich noch schneller drehende=20 Karusell der Globalisierung schleudert immer mehr Menschen auch auf der=20 n=F6rdlichen Halbkugel in die Armut und beschert dem internationalen=20 Gro=DFkapital immer neue Gewinnrekorde. Die Nationalstaaten bauen in=20 gegenseitigem Wettkampf erk=E4mpfte soziale Rechte ab. Die Skrupellosigkeit= =20 der Politik f=FCr die Reichen und Superreichen errinnert an die Zeiten des= =20 Fr=FChkapitalismus im 19. Jahrhundert. Unter dem Medientrommelfeuer f=FCr den "Standort Deutschland" wird hier=20 gespart an Kinderg=E4rten, Jugendzentren, Ausbildung, sozialen und=20 kulturellen Einrichtungen und Projekten, Krankenversorgung. Der=20 politische Roll-Back ist allenorts zu sp=FCren: Die Arbeitszeit wird=20 verl=E4ngert, die Massenarbeitslosigkeit zu einer Naturkonstante erkl=E4rt= =20 und die Profite f=FCr die Konzerne und Verm=F6gensbesitzer zum Staatsziel= =20 hochstilisiert. Zugleich wird das Geschick der Nation an die Existenz=20 einer weltweit operierenden Bundeswehr gekoppelt. Der Umzug nach Berlin=20 steht dabei f=FCr die Wiedererweckung deutscher Vormachtstellung in Europa= =20 und der Welt.

Von daher halten wir die Forderung nach sofortiger "Abschaltung aller=20 Atomanlagen" - ohne Bezug auf die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung=20 - f=FCr zu begrenzt, auch wenn sie alleine schon unrealistisch erscheinen= =20 mag. Das "Kehren vor der eigenen Haust=FCr" - z.B. Verschiffung des Atomm=FClls= =20 ins S=FCdseeatoll - geht wieder zu Lasten der Menschen im Trikont, =E4ndert= =20 nichts am Kern der Sache.

WE DON=B4T WANT A PIECE OF THE CAKE - WE WANT THE WHOLE FUCKING BAKERY!?

Wir behaupten immer noch, gerade nach dem Scheitern des Realsozialismus,=20 da=DF ohne eine =DCberwindung des globalen kapitalismus, der patriarchalen= =20 Herrschaftsverh=E4ltnisse, der Anh=E4ufung von Reichtum und Zentralisierung= =20 der Macht und Energie in den Metropolen, ein Ende der Unterdr=FCckung und= =20 ein =DCberleben der Weltbev=F6lkerung in W=FCrde nicht m=F6glich ist. Dar= =FCber=20 hinaus w=E4re ein v=F6llig neues Verst=E4ndnis der Rolle von Wissenschaft u= nd=20 Technologie von N=F6ten. Die vorherrschende "objektive" Naturwissenschaft= =20 hat sich in Europa von beginn an in den Dienst der (m=E4nnlichen)=20 Herrschaft gestellt und sie legitimiert. "Das entfremdete Verh=E4ltnis des= =20 menschen zu sich und zur Natur aufl=F6sen" - diese Maxime mu=DF mehr in den= =20 Mittelpunkt unserer Politik ger=FCckt werden.

Ein energiepolitisch schl=FCssiges Konzept oder gar=20 gesamtgesellschaftliches Gesamtkonzept, um diese hochgesteckten Ziele zu=20 erreichen, haben wir nicht, zumal wir auch selbst an vielen Punkten ein=20 Teil dieser gesellschaftlichen Verh=E4ltnisse sind - mitten drin stecken.= =20 Problematisch sehen wir in diesem Zusammenhang unsere eigene=20 widerspr=FCchliche Realit=E4t - unsere Krise zwischen radikaler Kritik und= =20 realer Konzeptlosigkeit. Ein schlechtes Konzept wie die Wuppertaler=20 Studie wird deshalb aber f=FCr uns nach nicht zu einem gangbaren Weg!

Wir denken, da=DF wir eine Gesellschaftsstruktur nur ver=E4ndern k=F6nnen,= =20 indem wir den Geist des Widerstands bewahren: "Eine Chance zur=20 Ver=E4nderung haben wir nur da, wo wir uns als Teil einer offenen=20 Kollektivit=E4t begreifen, die sowohl im gesellschaftlichen Raum als auch= =20 untereinander k=E4mpferisch, kritisch und solidarisch ist". (Aufruf zum=20 Autonomie-Kongre=DF, Ostern 95) Daf=FCr gibt es allerdings keinen allein richtigen Weg, wir m=FCssen immer= =20 wieder neu ausprobieren.

Die Bewegung gegen den Castor im Wendland ist seit dem letzten Transport=20 so gro=DF wie nie zuvor. Auf der anderen Seite ist die Mobilisierung zum=20 Tag X zur Zeit die einzige, die eine relevante Gegenkraft zum Thema=20 Atomenergie besitzt. Das Wendland und sie Anti-Castor-Bewegung sind zwar=20 ein gro=DFer Hoffnungsschimmer, um der Atommafia einmal wieder das F=FCrcht= en=20 zu lehren, von einem Come-Back der Anti-AKW-Bewegung kann aber noch nicht= =20 gesprochen werden - die ist nach unserer Einsch=E4tzung auch nicht in=20 Sicht.

Der Kampf gegen den Castor ist f=FCr uns ein (weder kleiner noch=20 entscheidender) Ansatzpunkt oder auch Versuch aktiv zu werden. Wir teilen= =20 mit vielen CastorgegnerInnen durchaus die Motivation an diesem Punkt=20 gegen die menschenverachtende Atommacht und f=FCr eine =F6kologisch bewu=DF= tere=20 Zukunft einzutreten. Wir betrachten diese Zielsetzung jedoch nicht=20 isoliert von den Ursachen und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Wir=20 denken heute nicht, da=DF sich an der Castor- oder Atom-Frage, flachs=20 gesagt die "revolution" entz=FCndet - die System-Frage gestellt ist oder=20 eben eine radikale gesellschaftliche Umw=E4lzung entbrennt. Aber wir halten= =20 es f=FCr m=F6glich an diesem Punkt Kapital und herrschende Politik ein St= =FCck=20 weit zur=FCckzudr=E4ngen, um mit vielen Menschen, mit denen wir hier gek=E4= mpft=20 haben und zusammengekommen sind, an anderen Punkten weiterzumachen.

WIR SCHLAGEN VOR...

...in n=E4chster Zeit nach einem eigenen Rythmus die Sabotage auf die Bahn= =20 zu konzentrieren, um damit im Vorfeld die Mobilisierung zum Tag X gegen=20 den Castor im Wendland zu unterst=FCtzen und am Castor die Atomfrage=20 zuzuspitzen. Vorsorglich empfehlen wir der DB auf den Druck des folgenden= =20 Winter- und Sommerfahrplans zu verzichten. W=E4re ja deprimierend, die=20 h=E4ufigen =C4nderungen... Wir haben mit dieser Aktion einen konkreten Schaden angerichtet, um die=20 Bahn AG damit unter Druck zu setzen und so die Castor-Transporte zu=20 stoppen. Der politische Schaden wird gr=F6=DFer sein als der materielle, de= nn=20 wir wissen, da=DF tausende von AtomkraftgegnerInnen mit uns lachen werden. Wir bewegen uns mit dieser Aktion im Konsens des wendl=E4ndischen=20 Widerstands, keine Menschenleben zu gef=E4hrden.

WANN WENN NICHT JETZT?

"Es gibt f=FCr uns kein hierachisches System von Aktionen, wo ganz unten=20 das Flugblattverteilen steht und ganz oben die bewaffnete Aktion". Dieser= =20 Satz der Revolution=E4ren Zellen von 1980 zum Anti-AKW-Kampf hat nichts an= =20 G=FCltigkeit verloren.

Wir wissen, da=DF die Bewegung f=FCr die "sofortige Abschaltung aller=20 Atomanlagen" au=DFerordentlich breit ist, da=DF es unterschiedliche=20 Aktionsformen gibt und da=DF wir mit vielen der hier aktiven oft nicht viel= =20 gemeinsam haben. Trotzdem begreifen wir uns als ein Teil davon.

Wir denken, da=DF militante Aktionen ein notwendiges Mittel sind, um in=20 diesem Staat grunds=E4tzliche Ver=E4nderungen zu erk=E4mpfen. mehr noch, di= e=20 Bereitschaft zu militanter Aktion ist Voraussetzung, die eigene W=FCrde zu= =20 wahren. Mit militanter Aktion meinen wir aber nicht nur die zerst=F6rende= =20 Sabotage sondern jegliche Handlung, der eine entschiedene=20 systemablehnende und zugleich menschliche Haltung zugrunde liegt. Ob wir=20 dabei die bestehenden Gesetze ignorieren m=FCssen oder nicht, diktiert uns= =20 die Gegenseite. Widerstand, der sich voll und ganz auf dem Boden der=20 "Freiheitlich demokratischen Grundordnung" bewegt, hat in diesem Land der= =20 staatlichen Macht noch nie etwas abringen k=F6nnen. Gesellschaftliche Gegenmacht wird ohne die militante Macht der illegalen=20 Aktion keine Ernstzunehmende sein. Gleichzeitig verkennen wir nicht die St=E4rke der Anti-AKW-Bewegung: ihre= =20 Vielf=E4ltigkeit, ihre Toleranz und ihren Respekt vor den verschiedenen=20 Aktionsformen. Diesen Respekt teilen wir, denn auch wir leben lange genug= =20 in diesem Land, um zu wissen da=DF die Schritte vom Unbehagen zum Protest= =20 und zum Widerstand nicht einfach sind. Jede/r hier kennt die Angst, eine=20 Unterschriftenliste zu unterschreiben, weil das auch nach Jahren noch=20 Konsequenzen haben kann. Und doch mu=DF es einen Punkt geben, an dem=20 Courage gezeigt wird. Da=DF es genug Menschen in diesem Land gibt, die dazu= =20 bereit sind, haben wir im Wendland endlich wieder gesehen. Wenn Tausende=20 wie im Wendland erkl=E4ren, "eure Gesetze befolgen wir nicht mehr", hat das= =20 politische Wirkung, wenn sich diese Leute dann auch aktiv zur Wehr=20 setzen.

Leider ist bei dem aufgepusteten Gehabe von manchen Autonomen von diieser= =20 Achtung gegen=FCber "gewaltfreiem Widerstand" wenig zu merken. An dieser=20 Stelle kritisieren wir Teile der BI L=FCchow-Dannenberg, die nach dem Tag= =20 X2 die militanten Aktionen agents provokateurs der Bullen zuordneten. Sie= =20 unterst=FCtzten damit die Medienkampagne, dem militanten Widerstand=20 jegliche Legitimit=E4t abzusprechen. Dies finden wir nicht gerade n=FCtzlic= h.=20 Aus Angst vor der St=E4rke und zeitweilig sich immer wieder herstellenden= =20 Einigkeit der Anti-AKW-Bewegung lauern unsere Gegner immer auf=20 M=F6glichkeiten der Spaltung und Befriedung.

WE CAN GET IT IF WE REALLY WANT

Wir sind ein Haufen Menschen, die sich entschlossen haben, ihre W=FCrde zu= =20 erk=E4mpfen. Und da die M=E4chtigen weder auf Argumente noch Proteste h=F6r= en,=20 au=DFer wenn gro=DFe Teile der Bev=F6lkerung ihre Loyalit=E4t aufk=FCndigen= , m=FCssen=20 wir die Sprache sprechen , die sie verstehen. Und das ist eben die des=20 Widerstandes und der direkten Aktion.

Wie sehen ganz viel Schei=DFe um uns herum und sind selbst weit davon=20 entfernt ,"Der Neue Mensch" zu sein. Aber wir belassen es nicht beim=20 Sehen, sondern versuchen einzugreifen - gesellschaftlich, wie auch in=20 unseren Strukturen oder bei unseren eigenen Pers=F6nlichkeiten. Das Wissen,= =20 aufgestanden zu sein, und es auch leben zu k=F6nnen, hat etwas befreiendes= =20 und l=E4=DFt manchmal das Gef=FChl aufkommen, =FCber anderen zu stehen. Wenn wir n=FCchtern unseren gesellschaftlichen Einflu=DF betrachten, dann= =20 m=FCssen wir feststellen, da=DF dieser gering ist und wir =F6fter mal=20 "objektiv" in die Rolle hineinrutschen, der "militante Arm" der=20 ReformpolitikerInnen u.a. der Gr=FCnen zu sein. Auch wenn wir das=20 "subjektiv" nie sein wollen und dies per Deklaration radikaler,=20 revolution=E4rer Sichtweisen in unseren Papieren hinzuf=FCgen. Trotz der eigenen Unzul=E4nglichkeiten und der immer wiederkehrenden=20 Gefahr, vereinnahmt zu werden, gilt es, die eigene Sprache nicht zu=20 verlieren. Unsere Sprache, auch wenn wir sie uns immer wieder erk=E4mpfen= =20 m=FCssen ist die der Z=E4rtlichkeit und Solidarit=E4t untereinander und der= =20 Entschlossenheit im Kampf f=FCr eine menschliche Welt.

Zu hohl und abgedroschen?

Dann anders:

"AUTONOME" ZU SEIN HEI=DFT F=DCR UNS

- eine Vielf=E4ltigkeit der Mittel, da=DF wir unsere Aktionsformen sehr=20 unterschiedlich ausw=E4hlen, je nachdem was angesagt ist, was uns Spa=DF=20 macht, was wir uns zutrauen, was unseren Wertma=DFst=E4ben entspricht, was= =20 andere um uns herum tun, was eine Bewegung von Widerst=E4ndigen st=E4rkt, w= as=20 die Herrschenden verunsichert, ihren Pl=E4nen vielleicht sogar Einhalt=20 gebietet, was ihre Schw=E4chen zeigt wie auch ihre aufgeblasene=20 L=E4cherlichkeit.

- da=DF Widerstand nicht so f=FCrchterlich dogmatisch sein mu=DF. Auf=20 weitestgehende Selbstbestimmung legen wir jedoch gro=DFen Wert, sei es bei= =20 unseren Alltagsproblemen, Utopien oder Hoffnungen oder auch bei unseren=20 eigenen Widerspr=FCchen. Wir lassen uns weder in unseren Aktionsformen noch= =20 in unserer Organisationsstruktur festlegen - lebendig f=FCr uns und=20 unberechenbar f=FCr die M=E4chtigen, das ist unsere Devise!

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