(deu) zu repression in italien - Übersetzung aus canenero nr.43

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Mon, 16 Dec 1996 01:08:47 -0800


DIE BUTLER DIENEN WEITER (Übersetzung aus: CANENERO Nr. 43 Mitte Dezember 1996)

Am 10. Dezember 1996 sollte die Vorverhandlung bzgl. der 68 Angeklagten - fast alle AnarchistInnen - gegen die wegen "bewaffneter Bande" und ähnliche Delikte ermittelt wird, beginnen. Diese Ermittlungen begannen auf Initiative der Staatsanwälte Antonio Marini und Franco Ionta, und führte am 17. September 1996 zu den zahlreichen Verhaftungen der GenossInnen. Wie schon vorhersehbar war, wurde die Verhandlung verschoben, da vielen Angeklagten die Verhandlungsbenachrichtigung nicht zugestellt worden war, und die Rechtsanwälte keinen Zugang zu allen Ermittlungsunterlagen hatten. So wurde beschlossen, daß die Verhandlungen auf den 16. und 24 Januar. (ab 10 Uhr), verschoben werden. Dieses Mal nicht mehr im Gericht von Rom, sondern direkt in dem Bunkergerichtsaal des Gefängnises in Rebbibbia (so was wie Stammheim!). Offensichtlich lieben die Damen und Herren die Öffentlichkeit und Präsenz nicht, die - wenn auch nur von ein paar Dutzend GenossInnen - vor dem Gericht stattgefunden hatte, um Solidarität mit den betroffenen AnarchistInnen zu zeigen und um auf die Entscheidungen zu warten. Übrigens, diese Vorverhandlungen finden hinter geschlossen Türen statt (also ohne Publikum). Irgendwer muß sich von der Solidarität gestört gefühlt haben, also ist es wohl besser, diese Angelegenheit in dem Bunkergerichtssaal in der man sicherer ist, zu erledigen. Und sicherer fühlt sich auf alle Fälle der allermutigste Antonio Marini, der den Gerichtsaal am 10. Dezember mit geduckten Kopf , gefolgt von seinen Rückenschauern (also Secury-Typen) verließ und wohl einige Beleidigungen fürchtete. In Rebibbia ist es nicht mal möglich außerhalb des Gerichtsaal zu stehen, also werden sich die unterschiedlichsten Polizisten und Wächter darum bemühen können, den Richtern eine gewisse Ruhe zu versichern. Also alles auf den Januar verschoben. Drei Tage später, am 13. Dezember, fand der Berufungsprozeß gegen Antonio Budini, Carlo Tesseri, Christos Stratigopulos und Jean Weir in Trient statt. Diese Prozeß bezog sich auf die Anklage, vor 2 Jahren in der Umgebung von Trient gleichzeitig zwei Banken überfallen zu haben. Wie sich viele von euch erinnern werden, brachte die erste Instanz dieses Verfahrens 7 Jahre Haft für Carlo und 6,5 Jahre Haft für die restlichen Angeklagten. Dies aufgrund des plötzlichen Erscheinens der sogenannten "Reuigen" Mojdeh Namsetchi, die Ex-Freundin von Carlo, welche sich selbst beschuldigte, an diesen Banküberfällen teilgenommen zu haben, um die GenossInnen festzunageln. Im Laufe der ersten Instanz am vorigen 7. November, hatten die Rechtsanwälte die zahlreichen Widersprüche beleuchtet, in die die Zuarbeiterin der Justiz gefallen war und auf die sich die ganze Anklage von Marini stützt. Die Rechtsanwälte forderten eine zusätzliche Vernehmung der Namsetchi und des Marschalls der Carabinieri, der seine Künste eingesetzt hatte und die "Reuige" dazu bewegt hatte, dem Staatsanwalt Marini zu "beichten". Na gut, dieser Marschall der Carabinieri - Namens Mercurio Farini - erschien erst gar nicht im Gericht. An seiner Stelle befand sich ein Krankenattest aus dem man entnehmen konnte, daß der "Ärmste" bei einer Schießerei - schau mal einer an, die genau ein paar Tage vor der Verhandlung stattgefunden hätte - verletzt worden wäre und eine Prognose: 6 Monaten nicht vernehmungsfähig. Also wird ihm niemand peinliche Fragen stellen können wie er denn - rein zufälig natülich - dieses Mädchen kennengelernt hat. Dafür aber war sie anwesend, Modjeh Namsetchi. Ihre Vernehmung fand unter Ausschluß der aus ganz Italien und auch aus dem Ausland angereisten GenossInnen statt. Für sie war extra eine Trennwand aufgerichtet worden und sie wurde von 4 Carabinieri des Sonderkommandos ROS beschützt. Anfangs dachten wir, um ehrlich zu sein befürchteten wir, daß dieses Mädchen Zeit genug gehabt hätte, ihre Rolle perfekt einzustudieren und 4 Daten auswendig zu lernen. Aber nichts. Zum zweiten Mal stellte sich ihre Vernehmung als ein "Kasperle-Theather" heraus, die so absurd war, daß sogar der stellvertretende Staatsanwalt etwas benommen blieb. Ihre Antworten wichen nie vom "weiß ich nicht", "kann mich nicht erinnern" und einigen anderen einsilbigen Worten ab. Nicht nur wiederholte sie die Widersprüche, die schon in der ersten Instanz aufgefallen waren, sondern steigerte diese auch noch. Sie verließ den Gerichtsaal weinend, alleine und verzweifelt. Ein Spektakel das mehr Mitleid als Wut erregte. Ein weiterer Zeuge, ein Bankangestellter, hat dann noch zusätzlich die Aussagen dieses Mädchen nicht bezeugen können. Er lieferte eine ganz andere Beschreibung der Frau, die an diesen Banküberfall beteiligt gewesen sein soll. Angesichts dessen hat der verlegene Staatsanwalt die Richterschaft aufgefordert, sich von den Aussagen der "Reuigen" nicht weiter beeinflussen zu lassen, da die Schuld der Angeklagten ja durch die Videoaufnahmen in der Bank und der Erkennung von den Bankangestellten unfragwürdig wäre. Er forderte 3 Jahre Haft für "Wiederholung eines Banküberfalls" für alle Angeklagten, mit Außnahme von Jean Weir, für die er den Freispruch verlangte. Seine Vorderungen - aus denen die Unglaubwürdigkeit von Modjeh Namsetchi hervorgingen - hatte im Publikum die Hoffnung auf einen möglichen Freispruch entfacht. Gespannt erwarteten wir den Urteilsspruch. Nach einigen Stunden Beratung wurde gegen 23 Uhr im Gerichtsaal von Trient das unerwartete Urteil verkündet: 2 Jahre Haft wegen "Wiederholungstat" für alle Angeklagten, ohne Außnahme. Die Justiz ist ihren Weg gegangen. Nun warten wir darauf, die Begründung des Urteils zu erfahren. Diese wird in ca. einem Monat vorliegen. Auf alle Fälle hat dieser Prozeß einen positiven Aspekt deutlich gemacht: Die absolute Unfähigkeit der Modjeh Namsetchi ihre Rolle als "Reuige" zu spielen. Die Ermitlungen Marini fangen an zu schwimmen...

Dieser Artikel wurde dem italienischen Canenero entnommen, die deutschen GenossInnen, die den Prozeß beobachteten, schließen sich dieser Einschätzung und Darstellung an.

Übersetzung: "Solidaritätskomitee Italien" c/o Infoladen Breisacherstraße 12 D-81667 München Fax: +49-(0)89-4802006