(ger) repression on italian anarchists

luc pac (lucpac@freenet.hut.fi)
Thu, 28 Nov 1996 21:34:42 +0100


Notizen des anarchistischen
Verteidigungskomitees bez=FCglich der
Ermittlungen Staatsanwalt Marinis Stand
12.11.1996

(Deutsche =DCbersetzung: "Soli-Komitee Italien", M=FCnchen)

Zu den Gefangenen:

In unserem letzten Info brachten wir die Notiz von einem weiteren=20
Hungerstreik, der von Giuseppina Riccobono, inhaftiert in Rebibbia ab dem=20
17 September aufgrund der Ermittlungen von Marini, gegen die=20
phantomatische ORAI (Organisazione Rivoluzionara Anarchica=20
Isurrezionalista - Revolution=E4re Anarchistsiche Aufst=E4ndische=20
Organisation - A.d.=DC.), der anarchistische bewaffnete Haufen. Auch=20
Tiziano Andreozzi ist aus Protest gegen die Haft nun im Hungerstreik. Aus=20
einem Info von Forte Prenestino (besetztes Zentrum in Rom - A.d.=DC.)=20
entnehmen wir, da=DF Tiziano Andreozzi ab dem 28. Oktober den Hungerstreik=
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auf den Durststreik versch=E4rft hat. Es folgt die Erkl=E4rung von=
Giuseppina=20
Riccobono:

Gef=E4ngnis Rebibbia, 23 Oktober, Giuseppina Riccobono:
"...vorigen Sommer hatte Tiziano einen Autounfall der ein Gehirnh=E4mathom=
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zur Folge hatte. Aus diese Grund ist er darauf angewiesen ein besonderes=20
Medikament (Gardenale) einzunehmen. Es handelt sich um ein=20
Anti-Epileptikum, dessen Einnahme auf keinen Fall unterbrochen werden=20
darf. Aber seit dem 30. Oktober hat die Krankenabteilung des Gef=E4ngnis=20
aufgeh=F6rt es ihm zu geben mit der Begr=FCndung, da=DF er es nicht auf=
leeren=20
Magen nehmen kann. Diese Begr=FCndung mag wohl auch berechtigt sein, die=20
Situation Tizianos ist aber trotzdem gef=E4hrlich und verlangt nach=20
anderen Bedingungen. Au=DFerdem wartet Tiziano nach eineinhalb Monaten=20
Haft, immer noch auf die Haftpr=FCfung."

Salvatore Gugliara befindet sich seit Dienstag, den 2. November in=20
"Hausarrest" (Ist in Italien an Stelle von U-Haft m=F6glisch - A.d.=DC.). Im=
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Gegensatz zu dem was wir geh=F6rt haben, ist dies nicht darauf=20
zur=FCckzuf=FChren, da=DF der Staatsanwalt sich entschieden h=E4tte alle=20
Angeklagten gegen die wegen Vereinigungsdelikten ermittelt wird=20
(bewaffneter Haufen, subversive Vereinigung, Anschl=E4ge, Waffen und=20
Sprengstoffbesitz) in "Hausarrest" zu schicken, sondern h=E4ngt alleine mit=
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dem Gesundheitszustand von Salvo zusammen (dem es jetzt wieder gut geht).

Wir bringen in Erinnerung, da=DF Antonio Budini, Marco Camenish, Orlando=20
Campo, Gregorian Garagin, Salvatore Gugliara, Francesco Porcu, Paolo=20
Ruberto, Giuseppe Stasi und Carlo Tesseri, 9 der inhaftierten=20
Anarchisten, uns eine Erkl=E4rung zukommen haben lassen, die wir in voller=
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L=E4nge am 30. Oktober ver=F6ffentlich haben.

Zum Proze=DF am 7. November 1996:

Donnerstag, dem 7. November 96, fand der Berufungsproze=DF in Trient gegen=
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Jean Weir, Carlo Tesseri Christos Stratigopulos, Antonio Budini (alle im=20
Gef=E4ngnis von Rebibbia, da auch gegen sie Ermittlungen Marinis wegen der=
=20
anderen Geschichten, ORAI etc. laufen) statt. Die vier sind in einem=20
anderen Verfahren wegen eines Bank=FCberfalls, der in Serravalle=20
durchgef=FChrt wurde, verurteilt worden. Dieser Proze=DF jedoch betraf zwei=
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weitere Bank=FCberf=E4lle in Ravina di Trento. Die Anklagen beruhen auf den=
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Aussagen einer "Reuige" (Kronzeugin - A.d.=DC.), auf Grund der Aussagen=20
dieser "Reuhig" sind 68 Anarchisten in den anderen Verfahren wegen=20
bewaffneter Haufen etc. anklagt.=20
Die Verhandlung, welche von 9:00 Uhr in der Fr=FChe, bis 20:30 Uhr dauerte,=
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wurde von ca. 100 Personen verfolgt. Ein gro=DFes Polizei- und und=20
Carabinieri-Aufgebot war vor Ort (voriges Mal kam es zu harten=20
Auseinandersetzungen bei ihrem Versuch, die anwesenden Freunde und=20
GenossInnen vom Gerichtsaal fernzuhalten). Nur jeweils 25 Leute konnten=20
der Verhandlung im Gericht beiwohnen.
Von der technischen Seite her haben die drei Verteitiger sehr gute Arbeit=20
geleistet. Sie stellten die ganze Angelegenheit im Gesamtrahmen der=20
Ermittlungen Marinis dar, um dann die gesamte Operation in ihrer=20
Aufbauschtheit und Willk=FCr zu verdeutlichen. Sie hoben das Interesse der=
=20
Magistratur und der CC (Carabineiri) hervor, die eine "Reuige" ben=FCtzen,=
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um sie in diesem Proze=DF der Bank=FCberf=E4lle glaubw=FCrdig erscheinen zu=
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lassen, damit sie dann im =FCbergeordenten Rahmen der Ermittlungen im=20
Verfahren wegen "bewaffneter Haufen" etc. auch mit Glaubw=FCrdigkeit=20
eingesetzt werden kann. Tats=E4chlich, im Ermittlungsprotokoll kann man=20
lesen, da=DF man nur Dank der Aussagen der obengenannten "Reuigen" dazu=20
gekommen sei, diese gef=E4hrlich Bande zu enth=FCllen, und da=DF es keinen=
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Grund gibt an ihrer "Reue" und somit ihrer Glaubw=FCrdigkeit zu zweifeln,=20
da ihr ja schon die Richterschaft der ersten Instanz aus Trient, glauben=20
geschenkt h=E4tte. Die Verteitiger haben die unfa=DFbaren Aussagen in allen=
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ihren Einzelheiten auseinandergenommen. Sie hoben alle Widerspr=FCche=20
hervor, die schon im ersten Verfahren deutlich waren (n=E4heres in der=20
deutschen Brosch=FCre "Hands up", Adr. siehe am Schlu=DF - A.d.=DC.) und=
haben=20
daher gezeigt, wie unglaubw=FCrdig diese Person ist, und aus welchen=20
Gr=FCnden heraus sie gehandelt hat. Der Staatsanwalt wiederholte, da=DF wenn=
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die "Reuige" tats=E4chlich instruiert worden w=E4re, diese nie und nimmer in=
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Widerspr=FCche gefallen w=E4re ( Erinnert ihr euch an die Hexenprozesse? Sie=
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wurden in einen See geworfen, wenn sie ertranken war es ein Zeichen ihrer=20
Unschuld, wenn sie nicht ertranken war es Zeichen von Hexerei und sie=20
wurden verbrannt).

Nachdem sich die Richter f=FCr drei Stunden zur=FCckgezogen hatten,=20
beschlossen die dann den Proze=DF auf den 13. Dezember 96 zu vertagen um=20
neue Beweise zu finden. Also sie m=F6chten Mojdeh Namsetchi (die "Reuig")=20
und den Marschall Farini (der Carabinieri der sie "=FCberzeugt" h=E4tte,=
sich=20
zu reuen) nocheinmal vernehmen und m=F6chten Unterlagen bzgl. einer=20
Operation pr=FCfen, welcher sie zwei Monate vorher hatte und die ihre=20
Teilnahme an den Bank=FCberf=E4llen in Frage stellen w=FCrde.

Unsere Beurteilung aus politischer Sicht ist, da=DF die Richter es nicht=20
gewagt haben, die vier (plus die anderen 4 untergetauchten Angeklagten)=20
angesichts solch einer widerspr=FCchlichen Beweislage nocheinmal zu=20
verurteilen. Dies ist jedoch ein Proze=DF, der von Rom gewollt und=20
gesteuert ist, von Staatsanwalt Marini, der alles daran setzten mu=DF=20
seinen einzigen Beweis gegen die Anarchisten glaubw=FCrdig zu machen. Also=
=20
hat die Richterschaft ein typisches "die hei=DFe Kartoffel weitergeben"=20
gemacht und hat das Verfahren vertagt - da schau an - genau auf drei Tage=20
nach der Vorverhandlung der Ermitttlungen Marinis in den andren F=E4llen,=20
die f=FCr den 10. Demzember 96 festgesetzt ist. So haben sie nicht nur=20
Zeit, die "Reuige" besser zu instruieren, sondern bei diesem Anla=DF werden=
=20
die offensichtlichen L=FCgen der Kronzeugin noch nicht festgestellt sein.=20
Es ist auf alle F=E4lle kein negatives Zeichen, da=DF die Richter nicht=20
gleich das Urteil gesprochen haben. Niemand erwartete sich etwas=20
besonders anderes von der Justiz.

Infos der letzten Minuten: Wir erfahren, da=DF Carlo Tesseri, einer der=20
Gefangen wegen der Prozesse in Trient, beim Transport vom Gericht ins=20
Gef=E4ngnis, nach dem Verlassen des Gerichtes von sieben Knastw=E4rtern=20
brutal zusammengeschlagen wurde. Wir haben es nicht geschafft uns die=20
Kenntniss anzueignen, in welchen Knast er genau ist. Vielleicht in=20
Verona, oder vielleicht in Fossombrone (Pesaro).

Soweit die =DCbersetzung

Weitere Infos in deutscher und englischer Sprache =FCber:

"Solidarit=E4tskomitee Italien"
c/o Infoladen M=FCnchen
Breisacherstr. 12
D-81667 M=FCnchen (Kohle f=FCr Brosch=FCren + Porto!)

es berichtet auch regelm=E4=DFig:

Geist der Freiheit (NEU ADRESSE!)
c/o Cafe Exzess=DF
Leipzigerstra=DFe 91
D-60487 Frankfurt

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