(de)A-Infos Extra 2/9 1996 (Update Italien, FAI-Mitteilung)

freddy (freddy@mail.nadir.org)
29 Sep 1996 18:50:00 +0100


A-INFOS EXTRA 2/9 1996

Inhalt: 1. Neuer Stand der verhafteten AnarchistInnen aus Italien
2. Bericht der FAI ueber die verhafteten AnarchistInnen
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Neuer Stand der verhafteten AnarchistInnen aus Italien

(Quelle: lucpac@freenet.but.fi (luc pac))

Die Neuigkeiten bezueglich der polizeilichen Repression gegen
AnarchistInnen, die am Dienstag den 17.9. in der Verhaftung zahlreicher
Personen gipfelte (Operation "Pontelungo" a.d.Ue.: ="lange Bruecke"),
ueberbracht vom Verteidigungskomitee der AnarchistInnen, sind folgende:

Inzwischen wissen wir, dass einer der am Dienstag festgenommenen,
Salvatore Gugliara - in Turin verhaftet - um gegen dieses verrueckte
Konstrukt zu protestieren SICH SEIT DEM TAG SEINER VERHAFTUNG IM
HUNGERSTREIK BEFINDET. Bis jetzt ist er noch einigermassen bei Kraeften,
aber es geht ihm laufend schlechter, auch weil er aerztlichen Beistand
ablehnt, da die Knastleitung sich geweigert hat, ihm seine klinischen
Daten vom Knasteintritt auszuhaendigen.

Bis Dienstag, den 24.9. werden alle Verhafteten verhoert worden sein, vom
Staatsanwalt Antonio Marini selbst; Wir wissen von den Anwaelten der
Verhafteten, das niemensch auf die Fragen antworten wird und alle die
Aussage verweigern werden.

Die Ermittlungen sind bereits abgeschlossen, wir sind in Besitz der Liste
aller 68 Angeklagten, denen als "gemeinschaftliches Delikt" vorgeworfen
wird: Bildung einer bewaffneter Bande, subversive Vereinigung (=deutscher
129a, Stammt noch aus der Zeit des Faschismus, a.d.Ue.), Waffen- und
Sprengstoffbesitz und "Anschlaege auf Strukturen oeffentlichen Nutzens".
Einbegriffen sind sowohl die Angeklagten als auch diejenigen, gegen welche
die Haftbefehle bereits abgelaufen sind als auch diejenigen, bei denen am
17.9. (und am 16.10.95) Hausdurchsuchungen stattfanden.

Am 16.10 wird in Rom Marini's Antrag, die Menschen vor Gericht zu stellen,
diskutiert werden, sprich es wird entschieden werden WER/WELCHE fuer
welche Delikte vor Gerischt gestellt werden wird.
Fast alle Angeklagten sind seit Tagen in Rebibbia. Sie koennen dort auch
Post erhalten. Die Adresse des Knastes Rebibbia lautet:
-> Via R.Majetti 165, 00156, Roma

Am Sonntag den 23.9. wurde im anarchistischen Zentrum Cassero in Bologna
eine Versammlung abgehalten, waehrend welcher die Geschehnisse besprochen
wurden und ein Manifest verabschiedet wurde, das Italienweit zusaetzlich
zu lokalen Flugblaettern verteilt werden soll. Die Zahl der angeforderten
Exemplare ist bereits sehr hoch, daher wird der Druck unmittelbar
geschehen. Wer/welche Kopien moechte, richte sich bitte unmittelbar an EL
PASO OCCUPATO.

Hier nun der Text:
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DIE UNKONTROLLIERBAREN

"Vorwaerts Alle! Und mit den Armen und dem Herzen, mit dem Wort und dem
Stift, dem Messer und dem Gewehr, der Ironie und dem Fluch, dem Raub,
der Vergiftung und dem Brand, machen wir... den Krieg gegen die
Gesellschaft!"
Joseph Dejacque

Die Magistrate betreiben grossen Aufwand. Sie setzten einen Befehl und die
Truppen in Uniform und Montur fallen in unsere Haeuser ein auf der Suche
nach Beweisen und Notbehelfen um uns einzuknasten. Dann setzen sie sich in
Pose vor den Scheinwerfern um ihre Taten zu erklaeren, um Zustimmung zu
erzwingen, um einen "tollen" Abschluss zu finden, wie im Falle des
roemischen Staatsanwaltes Antonio Marini.

Aber was suchen sie?

Sie haben uns gesagt, das sie auf der Suche nach Gegenstaenden und Taten
sind, um die Existenz einer bewaffneten Bande zu beweisen.

Deshalb haben sie dutzende AnarchistInnen in ganz Italien verhaftet.
Eine bewaffnete Bande?

Zu arm: Sie koennte nicht unsere unermesslichen Vorhaben beinhalten. Zu
beschraenkt: Sie koennte nur unsere unzurueckhalbaren Explosionen
komprimieren. Wer/welche offen gegen die eigene Unterdrueckung und die der
anderen aufbegehrt sucht weder Chefs, noch anderen Organisationsarten,
andere Kaefige als Ersatz fuer jene dieser Gesellschaft, auch keine
Mitglieder.

Der/die Unduldsame, welcheR tagtaeglich revoltiert, ist weder vernuenftige
Person, noch voller guten Willen: Sie/er erregt immer Unruhe. Wer/welche
dagegen sich vorsieht es zu tun, lebt in ruhe: Wenn ein Instinkt ihn/sie
zu einem Lustexess draengen sollte, wuerde die eigene Vernunft sie/ihn
schnell ueberreden das es in ihrem Interesse ist, die Laune zurueck zu
halten.
Wer/welche intensiv die Freiheit geniessen will, es schaffen will sie zu
kosten, wird sich immer vor einer Uniform, die bereit ist es zu
verhindern, wiederfinden, aber wird ebenfalls vielen begeisterten
Beziehungen begegnen, Komplizen in der Gemeinsamkeit.
Antonio Marini strengt sich an.

Er stellt sich nicht vor, was seine Aktion bewirken wird: Er, der nur mit
vermasselten Persoenlichkeiten die ihm aehnlich sind zu tun hat, weiss
nicht das jedeR der/die das Unbekannte nicht fuerchtet frei ist, die
selbst bevorzugten Mittel zu waehlen, je nach den Umstaenden und den
individuellen Gewohnheiten. Ohne Begrenzungen.

Unterschrieben: ANARCHISTiNNEN

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Ausserdem wurde die Moeglichkeit diskutiert, eine Italienweite
Demonstration in Rom zu organisieren, auf der Basis eines genauen
Vorschlags - welcher demnaechst in einem eigenen Dokument praesentiert
werden wird, der Repression, ein Vorschlag also der folglich auch auf
Bereiche ausserhalb der anarchistischen Bewegung erweitert ist.

Die Neuigkeiten ueber diesen Zusammenhang koennen per FAX bei EL PASO
OCCUPATO eingeholt werden, unter +3911-3174107 (Tel. + FAX), alternative
Radiostationen koennen Beitraege bei RADIO BLACK OUT unter +3911-6503422
in Turin bestellen, die gesammte Dokumentation, einschliesslich vieler
Flugblaetter und Pressemitteilungen, koennen elektronisch bestellt werden:

Mailing-Listen: ainfos@lglobal.com und cslist@ecn.org
Web-Seiten: http://www.geocities.com/Hollywood/3879/anarchy

Fuer allerdringlichste Kontakte: +39360-554094 (Mario Spesso)

Wir bitten alle, die Berichte, Flugblaetter usw. produziert haben, sie uns
zukommen zu lassen.

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Bericht der FAI ueber die Verhafteten AnarchistInnen

Folgendes ist ein Bericht der FAI (Federazione Anarchica Italiana) ueber
die juengsten Ereignisse die zu der Verhaftung vieler anarchistischer
GenossInnen gefuert haben. Er ist auf dem Kongress der FAI in Carrara
verabschiedet worden.

Ursprung: chaos@arpnet.it (Associazione Culturale Chaos)
http://services.csi.it/~chaos

DIE FOEDERIERTEN ANARCHISTiNNEN KLAGEN AN:

Die juengsten Repressionen, aufgebauscht von der Presse, auf der Basis von
Mitteilungen der Magistratur und der R.O.S. (Sondereinheiten??? a.d.Ue.),
stellen eine listige Artikulation der neuen Techniken der sozialen
Kontrolle dar, basierend auf der Erfindung von Zugehoerigkeiten,
Kongressen, Ausschluessen die niemals stattgefunden haben, indem sie den
verschiedenen Komponenten der anarchistischen Bewegung guenstige Rollen
zuweisen.
Insbesondere die F.A.I. hat niemals 1988 in Forli' einen Kongress
abgehalten, sie sieht in dem eigenen Foederationspakt keine Ausschluesse
vor, vor allem nicht gegen Menschen die niemals MitgliederInnen waren.
Die Protagonisten dieser Episoden, die Staatsanwaelte Marini und Ionta,
und die Sondereinheiten der Polizei, beschuldigen die Angeklagten
besonders infamer Delikte: Entfuerungen und Blutbaeder.
Es sollte daran erinnert werden das Marini der erste Staatsanwalt in der
Untersuchung wegen dem Blutbad von Ustica war, stets bemueht jegliche
Verwicklung der Luftwaffenspitze zurueckzuhalten, und seinen Beitrag
geleistet hat, die Untersuchung wegen den italienischen "Desaparecidos"
versanden zu lassen (die Ermittlungen wurden nach 7 Jahren ad Akta gelegt,
a.d.Ue.), und so den Brasilianischen Schlaechtern einen guten Dienst
erweisend.
Was die Carabinieri angeht, die Blutbaeder, die in Italien stattgefunden
haben, von Piazza Fontana bis heute, sie sind unter schwerster Beteiligung
der Spitzen der Truppe geschehen (wie in Peteano und Bologna).
Die "Filosophie" dieser Untersuchung hat ihre Wurzeln in der Beschuldigung
der Angeklagten der "subversiven Vereinigung". Dieser Tatbestand,
eingefuehrt in das Strafgesetzbuch zu Zeiten des Faschismus, trifft keine
spezifizierten kriminellen Handlungen, sondern ist eine Bedrohung fuer all
jene Vereinigungen, welche die Beseitigung der Unterdrueckung und der
Ungerechtigkeit mittels einer radikalen Veraenderung der Gesellschaft
anstreben, eine Bedrohung die je nach politischer Interessenslage
verwendet wird. Die "subversive Vereinigung" wird auch als Unterstuetzung
unterdrueckerischer Massnahmen gegen die Selbstorganisation von
ArbeiterInnen verwendet, wie die juengste Verhandlung gegen die
gewerkschaftlichen Rechte der Unione Sindacale Italiana (U.S.I. - I.A.A. -
revolutionaere bzw. AnarchosyndikalistInnen, a.d.Ue.) aufgrund der im
Statut enthaltenen angestrebten Veraenderungen.
Falsch und strumentell erscheinen daher die Aussagen der verantwortlichen
Befehlshabenden ueber die FAI: der Tatbestand der "subversiven
Vereinigung" liesse sich ruhig auf eine Organisation wie die unsere
ausweiten, welche die Niederschlagung des Staates und die Errichtung des
anarchistischen Kommunismus anstrebt, wie auf jeden anderen Bereich der
sozialen Opposition.
Die gerichtliche Ordnung garantiert folglich nur denjenigen die Freiheit
der Vereinigung, welche eine Gesellschaft der Ausbeutung und
Unterdrueckung akzeptieren.
Die foederierten AnarchistInnen praktizieren die Uebereinstimmung der
Mittel und Zwecke, daher erkennen sie als die eigenen nur jene Regeln an,
die frei angenommen werden und lehnen jede Form der Heteronomie ab, sowie
jegliche autoritaere Einmischung von Seiten irgendeines Staatlichen Organs
(Gesetze, Magistratur, Polizei, ect.).
Mit der selben Bestimmtheit, mit der sie gegen den Staat kaempfen, lehnen
die foederierten AnarchistInnen jegliche Annaeherung an Praktiken, die den
Autoritarismus staerken oder reproduzieren, ab: Die wahllose Gewalt, den
Zwang im Falle eine Entfuehrung, die traurigerweise an die Staatlichen
Enfuehrungen in Knaeste erinnert.
Wir lehnen den Mythos des Illegalen ab, und das illegale Aktionen an sich
revolutionaer seien, da es dem Ermessen der richterlichen Ordnung
unterliegt, was legal und was illegal ist, ohne sich dem Problem der
revolutionaeren Ueberwindung der Ordnung selber zu stellen, daher verraet
sich dieser Mythos als durch und durch reformistisch.
Die foederierten AnarchistInnen betonen noch einmal ihre Teilnahme an
sozialen Kaempfen, in der Bewegung fuer Selbstverwaltung und der fuer die
Selbstorganisation der ArbeiterInnen, indem sie in den Praktiken der
direkten und nicht delegierten Aktion, der foederalen Organisation und der
Solidaritaet mit den Kaempfen der Ausgebeuteten in aller Welt die Mittel
fuer eine effektive Befreiung der Menschheit erkennen.

Kongress der Anarchistischen Foederation Italiens (FAI)
Carrara 21 und 22 September 1996

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Eine Uebersetzung von A-Infos (D)
Nachdruck mit Quellenangabe erwuenscht, ueber Belegexemplare wuerden wir uns
freuen.

Um eine serioese, unabhaengige Berichterstattung gewaehrleisten zu koennen, sind
wir auf Eure Unterstuetzung durch Zusendung von Vorankuendigungen, Kurzmeldungen
und Berichten ueber Veranstaltungen und Ereignisse angewiesen. Auf diese Weise
hoffen wir, auch Nachrichten publizieren zu koennen, die in den etablierten
Medien gar nicht oder entstellt erwaehnt werden.

A-Infos (D)
c/o Barrikade
Bismarckstr. 41a
47443 Moers
Deutschland

Fax.: 0(049)-2151-951806
E-Mail: 101607.2566@compuserve.com (En, De)
freddy@mail.nadir.org (It, De)
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AVREMO CURA DI REALIZZARE TUTTO CIO' CHE L'OSSESSIONE DELLA REALTA' HA
DICHIARATO ASSURDO!!!
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