graswurzel revolution
nov 95
KRIEG GEGEN DIE ZIVILBEVOLKERUNG
(wir haben kein mann oder frau in unserer collectiv a-infos-d wie
kann deutsch verstehen (wie shade!) doch weissen wir nicht wenn
dieser artikle ist interesant oder nichts... wenn hat da mann oder frau
wie wir wollen helfen er/sie kann am a-infos-d subscriben)
GWR: Du bist bei den "Frauen in Schwarz" aktiv. Kannst Du uns
etwas zu den Umst=E4nden Eurer Arbeit sagen? =20
Dunja: Es ist sehr schwer, in Belgrad in einer pazifistischen Gruppe,
in einer feministischpazifistischen Gruppe zu arbeiten, denn Belgrad
ist die Stadt, in der alles anfing. Wir stehen jeden Mittwoch auf dem
Platz der Republik, in der Mitte der Stadt, und protestieren
schweigend gegen Krieg und Gewalt. Wir sind dabei in schwarz
gekleidet, was f=FCr uns Trauer symbolisiert. Bel@rad iSt einer der
schwierigsten Orte f=FCr den Kampf gegen den Krieg und f=FCr den
Frieden. Die Regierung sieht unsere Arbeit nicht gern. Wir haben uns
vor vier Jahren, am 9. Oktober 1991, gegr=FCndet. Wir sind eine
unabh=E4ngige Gruppe, und hatten am Anfang unserer Arbeit sehr viele
Probleme. Das =E4ndert sich jetzt etwas. Am 8. Oktober haben wir
anl=E4=DFlich unserer vierj=E4hrigen Bestehens mit vielen Frauen und
M=E4nnern gemeinsam mit Kerzen protestiert. Diese Demonstration
war gr=F6=DFer als gew=F6hnlich. Ein regierungsnaher Fernsehsender, der
haufig der Regierungspolitik etwas vorraus ist, hat das ganze gefilmt
und als erste Meldung in den Nachrichten gebracht. Das weist darauf
hin, da=DF sich die Politik =E4ndert.=20
GWR: Zu Beginn des Krieges gab es in Belgrad, in Serbien, gro=DFe
Demonstrationen und breiten Protest gegen den Krieg. Im Laufe der
Zeit ist der =F6ffentliche Protest verstummt, trok einer hohen Zahl von
Desertionen aus der serbischen Armee. Wo liegen die Ursachen f=FCr
diese Entwicklung? =20
Dunja: Nach Anfang des Krieges war der Widerstand gegen den Krieg
ziemlich stark. Im Laufe der Zeit haben sich weniger Menschen daf=FCr
interessiert. Die Menschen in Serbien wollen nicht wissen, da=DF nur
150 km von Belgrad enffernt Krieg ist. Viele leben, als wenn nichts
passieren w=FCrde. Das kommt, weil die =F6konomische Situation sehr
schwer ist. Das Embargo f=FChrt nicht zu dem Ergebnis, das die
europ=E4ischen L=E4nder und die Welt erreichen wollen. Es f=FChrt dazu,
da=DF die Regierung jetzt sehr stark ist und die Menschen in armen
Verh=E4ltnissen leben. Viele Menschen sind arbeitslos, 80% der
Wirtschaft arbeiten nicht mehr. Viele Menschen leben von
Schwarzarbeit, verkaufen ihre Habe, und m=FCssen =FCberlegen, wie sie
=FCberleben. Dadurch haben die Menschen nicht mehr den Willen,
etwas gegen den Krieg zu unternehmen. Man braucht einen sehr
starken Willen und Hoffnung, um unter diesen Bedingungen etwas zu
machen, zu protestieren. Widerstand zu organisieren ist sehr schwer.=20
GWR: Die R=FCckeroberung der Krajina durch die kroatische Armee
und die Offensive der kroatischen und bosnischen Truppen in Bosnien
haben zu neuer Flucht und Vertreibung gef=FChrt ohne das diesmal die
"Welt=F6ffentlichkeit" aufschrie. Wie ist die Situation dieser
Fl=FCchtlinge, die diesmal =FCbenNiegend "serbisch" sind? =20
Dunja: Aus der Krajina sind ungef=E4hr 150.000 Menschen nach
Serbien geflohen. Das war ein schreckliches Bild, sie kamen mit
Pferdewagen, viele sind Bauern und arme Menschen. Die serbische
Regierung wollte nicht, da=DF das im Fernsehen gezeigt wird, weil das
jetzt nicht popul=E4r ist. Wir, dis Frauen in Schwarz, k=FCmmern uns urn
ein Fl=FCchtlingslager mit 250 Fl=FCchtlingen. Sie sind in Holzhfiusem
einer Baufirma untergebracht, die w@ gen des Wirtschaftsembargos
nicht mehr arbeitet. Das serbische Rote Kreuz wollte sich um diese
Fl=FCchtlinge nicht k=FCmmern, da sie in den Kosovo fahren sollt@n, ein
Gebiet, mit =FCberwiegend albanischer Bev=F6lkerung. Die serbische
Regierung wollte die Fl=FCchtlinge aus der Krajina im Kosovo
ansiedeln, um die Bev=F6lkerungsmehrheiten zu ver=E4ndern. Doch die
Fl=FCchtlinge aus der Krajina wollten das nicht, da sie nicht noch
einmal das gleiche Schicksal erleben wollen. Wir unterst=FCtzen diese
Fl=FCchtlinge, da wir durch die Unterst=FCtzung internationaler
Friedensorganisationen etwas Nahrungsmittel usw. haben. Doch von
Seiten der Regierung erhalten sie nur 3009 Brot am Tag.=20
=20
GWR: Es gibt Berichte, da=DF m=E4nnliche Fl=FCchtlinge von der
serbischen Regierung in den Krieg zur=FCckgeschickt werden, zur=FCck an
die Front, um in den Truppen der bosnischen Serben zu k=E4mpfen. =20
Dunja: Eine Organisation serbischer nationalistischer Milizen, die f=FCr
ein Gro=DFserbien k=E4mpfen, versucht, die jungesl M=E4nner zu
rekrutieren. Sie haben ein Lager in Ostslawonien, das noch immer in
der Hand kroatischer Serben ist. Sie sp=FCren die M=E4nner aus der
Krajina auf, die nach Belgrad geflohen sind - auf den Stra=DFen, im
Fl=FCchtlingslager- und schikken sie wieder in den Krieg. I@ie
Fl=FCchtlinge haben keinen Pa=DF, keine Zivilpapiere und so ist es nicht
einfach, nach Serbien zu kommen. Es ist interessant, was letzten
Monat passiert ist. Menschen aus der Krajina, die nach Bosnien
zur=FCck sollten, um zu k=E4mpfen, haben sich dagegen gewehrt. Sie
wollten nicht weiter zur=FCckgehen, sie haben sich am Bahnhof
hingesetzt, ungef=E4hr 1.000 Menschen, und wollten nicht gehen. Es
war eine ziemlich starke Form des Protestes, doch niemand berichtet
dar=FCber, weil das nicht im Sinne der Regierung ist.=20
GWR: Vor kurzem wurde ein Waffenshllstand vereinbart, und im
Rahmen eines Friedensplanes sollen NATO-"Friedenstruppen" den
Waffenstillstand durchsetzen. Was h=E4lst Du davon? =20
Dunjla: Was ist das, eine Friedenstruppe? Wie soll das gehen? Ich,
und meine Gruppe, wir glauben, das geht nicht so leicht. Eine neue
Armee f=FChrt nur zu neuen Konflikten. Wir k=E4mpfen daf=FCr, da=DF alle
Konflikte ohne Gewalt gel=F6st werden. Im Moment gibt es in Bosnien
zwei Millionen Fl=FCchtlinge. Und wir meinen, da=DF nur ein Plan, der
allen erm=F6glicht, zur=FCckzukehren, ein sinnvoller Plan sein kann. Der
Plan, der jetzt diskutiert wird, hat davon nicht viel. Vielleicht ist das
nicht m=F6glich, doch wenn man Bosnien in drei Teile teilt, ist das auch
keine L=F6sung f=FCr das Leben der Menschen.=20
GWR: Im Rahmen dieser sogenannten "Friedenstruppe" sollen auch
deutsche Soldaten in @ Jugoslawien mit dabei sein. Vor dem
Hintergrund der deut-schen V@rbrechen w=E4hrend des Zweiten
Weltkrieges, wie beurteilst Du das? =20
Dunja: Ich finde das nicht gut! Mein Vater, Moslem, hat im Zweiten
Weltkrieg einige Serben in Banja Luka unterst=FCtzt, und er war zwei
Jahre in einem Konzentrationslager. Und viele an dere Menschen in
dieser Region haben diese Geschichte in ihrer Familie, und haben vor
50 Jahren gegen die Deutschen gek=E4mp@t. Die Menschen haben das
vergessen, doch wenn wieder eine deutsche Armee kommt, kommt
das vielleicht wieder in Erinnerung.=20
GWR: Vielen Dank f=FCr das Gespr=E4ch.=20
Interview: Andreas Speck
FREEDOM PRESS
http://www.lglobal.com/TAO/Freedom