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(de) fau ggb hannover - Sozialarbeiterische Standards in Flüchtlingsunterkünften: Modell findet Befürworter

Date Mon, 4 Sep 2017 07:45:35 +0300


Hannover, 29.08.2017. Die Forderung nach einer unabhängigen Beschwerdestelle für Flüchtlinge und Beschäftigte in Gemeinschaftsunterkünften stößt auf immer breitere Zustimmung. Die Basisgewerkschaft GGB begrüßt dies, sieht hierin einen ersten Schritt zur Durchsetzung weiterer sozialarbeiterischer Standards in Hannovers Flüchtlingsunterkünften. ---- Bild: Kundgebung am 1. Mai 2017 vor dem Neuen Rathaus in Hannover. - Foto: Jens Kammradt ---- Nach der Ratsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen fordert nun auch die Fraktion der CDU die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdestelle zur Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen in Hannover.[1] Nach gleichlautenden Vorstellungen soll künftig in Hannover eine Ombudsstelle nach Kölner Vorbild den Beschwerden und Anregungen der Bewohner_innen, Mitarbeiter_innen und ehrenamtlichen Helfer_innen von Flüchtlingsunterkünften nachgehen.[2] Die Basisgewerkschaft GGB sieht darin einen ersten Teilerfolg der u.a. von ihr gemeinsam mit dem Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Hannover (AKS) angestoßenen Diskussion um die Verbesserung sozialarbeiterischer Standards in Flüchtlingsunterkünften.

Vorbild Köln

In der unlängst von den Grünen beantragten Anhörung im Rathaus hatte der Vertreter der GGB die Einrichtung einer solchen unabhängigen Beschwerdestelle nach Vorbild der niedersächsischen Besuchskommissionen angeregt. Und am Ende auf das Modell der Kölner Ombudsstelle für Flüchtlinge verwiesen. Ausführlich war es im Anschluss von der Vertreterin des Flüchtlingsrats Niedersachsen e.V. vorgestellt worden.

Die bereits seit 2016 in Köln arbeitende Beschwerdestelle nimmt auf kommunaler Ebene vergleichbare Aufgaben wie der Psychiatrieausschuss und die Besuchskommissionen in Einrichtungen und bei Diensten des psychiatrischen Gesundheitssektors im Land Niedersachsen wahr. Wie diese ist das unabhängige Gremium mit Kontroll- und ungehinderten Zutrittsrechten ausgestattet und berichtet dem Rat (statt dem Landtag) regelmäßig über seine Arbeit.

Es fehlen Heim-TÜV und Heimbeiräte

In der Anhörung hatten sich AKS und GGB auch für die Etablierung eines "Heim-TÜV" für die Beurteilung von Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge nach sächsischem Vorbild stark gemacht und hierbei Unterstützung von Frau Prof. Dr. Nivedita Prasad von der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin erhalten.[3]Außerdem für von Flüchtlingen selbst zu wählende Heimbeiräte. Dass das letzte Unterfangen nicht so selbstverständlich umzusetzen ist, wie es nun vereinzelt im Nachgang dargestellt wird, hätte spätestens nach den Ausführungen Mohammad Hajabdous auch zu den größten Enthusiasten durchdringen müssen. Dieser hatte im Rathaus berichtet, wie er verschiedentlich von der Security an den Türen von Flüchtlingsunterkünften abgewiesen wurde, als er sich mit Bewohner_innen von Unterkünften lediglich über deren Erfahrungen austauschen wollte. Die GGB sieht einen grundlegenden Unterschied darin, ob Möglichkeiten der Selbstorganisierung von Flüchtlingen, also der Bildung eigener Interessenvertretungen, aktiv in den Unterkünften unterstützt werden oder aber nicht. Beziehungsweise derartigen Bemühungen sogar aktiv Steine in den Weg gelegt werden.

Soziale Forderungen

Nicht zuletzt hatte sich die Basisgewerkschaft in der Anhörung auch für die Stärkung der festen Teams an den Standorten sowie eine angemessene Bezahlung Sozial Arbeitender in den Unterkünften ausgesprochen. Die GGB sieht im eklatanten und viel beklagten Fachkräftemangel ein hausgemachtes Problem, solange Betreiber_innen nicht gleichauf mit den kommunalen Diensten ziehen, sondern weiter untertariflich zahlen. Die Gewerkschaft betrachtet dies jedoch auch im Hinblick auf alle anderen Beschäftigtengruppen der Unterkünfte mit Sorge, nicht nur bei den Sozial Arbeitenden mit abgeschlossenem Studium.[4]Die berufsgruppenübergreifende Organisierung von Beschäftigten in den Betrieben gehört nicht ohne Grund zu den elementaren Prinzipien der GGB. Denn nur gemeinsam werden die von allen Beschäftigten erhofften Verbesserungen errungen. Zumindest solche, die ihren Namen auch noch mittel- und langfristig verdienen.

Frank Matz

Anmerkungen

[1]Vgl. hierzu die Position der Ratsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, die Pressemitteilung der Ratsfraktion der CDU sowie den Antrag der CDU-Ratsfraktion.

[2]Vgl. hierzu die Ombudsstelle für Flüchtlinge in Köln.

[3]Den"Heim-TÜV" zur Beurteilung von Gemeinschaftsunterkünften des Sächsischen Ausländerbeauftragten findet ihr hier. Und das sehr lesenswerte "Positionspapier: Soziale Arbeit mit Geflüchteten - Professionelle Standards und sozialpolitische Basis", an dem Frau Prof. Dr. Nivedita Prasad mitwirkte, findet ihr hier.

[4]Die GGB hatten nach der Anhörung u.a. Anschreiben erreicht, in denen ihr zwar inhaltlich beigepflichtet wurde, zugleich jedoch auch Bedenken geäußert wurden, dass damit die Interessen der anderen in den Unterkünften arbeitenden Berufsgruppen hintenüber fallen könnten. Beispielsweise die von beruflichen Quereinsteiger_innen, Haustechniker_innen usw. Diese hat die GGB jedoch genauso im Blick. Eine Spaltung liegt allein im Interesse des sozialen Gegenspielers. Mit der GGB ist diese niemals zu machen!

Die Medienberichterstattung zur Anhörung am 16. August 2017:

HAZ, 17.08.2017

NP, 17.08.2017

Radio Leinehertz, 17.08.2017

HAZ, 19.08.2017

https://ggb.hannover.fau.org/2017/08/29/sozialarbeiterische-standards-in-fluechtlingsunterkuenften-modell-findet-befuerworter/
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