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(de) RBh Online 12. 1. 1999

From Anarchistische Buchhandlung <rbh@inode.at>
Date Tue, 12 Jan 99 15:53:14 +0100


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RBH-Online

Revolutionsbräuhof (RBH) ‹ Postfach 142, A-1181 Wien 
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Mit diesem Internetdienst versenden wir sowohl aktuelle Informationen, 
Terminankuendigungen, als auch theoretische Texte etc. Grundsätzlich 
verstehen wir ihn als offenes Medium, daß heißt, daß wir auch Zusendungen 
anderer linker Gruppen/Personen weiterverbreiten.
Zusendungen, die wir über RBH-Online weiterverbreiten sollen, 
bitte entsprechend kennzeichnen. Wir verschicken die Nachrichten 
grundsätzlich an alle, von denen wir glauben, daß sie sich 
vielleicht dafür interessieren könnten. Wenn ihr sie nicht 
mehr bekommen wollt, reicht eine kurze Nachricht an uns.


Folgenden Text haben wir von einem Leser erhalten, zusammen mit dem Ersuchen
ihn weiterzuverbreiten. Hiermit geschehen. Die Red.


Gedanken über eine alternative, selbstbestimmte Ökonomie 

Dauerhafte Güter und sinnvolle Dienstleistungen zur
Bedürfnisbefriedigung sind bei mir verbunden mit der Vorstellung einer
Gesellschaftsformation jenseits von Konkurrenz-, Profit- und
Lohnarbeitsprinzip, die nach dem Prinzip "JedeR nach seinen Fähigkeiten,
jedeR nach seinen Bedürfnissen" organisiert ist. Das heißt, daß es
keinen Arbeitszwang gibt, daß jedeR nach seinen/ihren individuellen
Fähigkeiten, Interessen und Wünschen freiwillig arbeitet und Produkte
gratis in dem Ausmaß, daß er/sie für angemessen hält, zur Verfügung
gestellt bekommt. Dieses Ausmaß entspricht also individuellen
Bedürfnissen. Das geht nicht? Dann arbeitet niemand und alle wollen
Produkte im Übermaß, da Menschen nun mal egoistisch sind? Vielleicht
kommen ablehnende Haltungen gegenüber Lohnarbeit  und die oftmals
anzutreffende Gier nach immer mehr und immer neuem aber von der
Sozialisierung in einem fremdbestimmten System, das auf Konkurrenz,
entfremdeten Arbeitsbedingungen und der Erzeugung immer neuer und
intesiverer Bedürfnisse durch Manipulation (z.B.Werbung) basiert.
Vielleicht ist dies aber in einer Gesellschaft, die auf Solidarität und
Kooperation, statt auf Konkurrenz, setzt, möglich. 
Konkurrenz bedeutet eine wechselseitige Bezugnahme von Individuuen durch
Interaktionsprozesse, wobei es negative Rückkopplungen zwischen den
Individuuen gibt, d.h., sie wirken negativ aufeinander, bekämpfen sich.
Konkurrenz ist vielfach Warenbildung in menschlichen Bereichen, z.B.
dann, wenn Menschen am Arbeitsmarkt ihre Arbeitskraft als Ware anbieten
müssen. Kooperation bedeutet Interaktionen, bei denen beide Partner
davon profitieren, d.h. sie wirken positiv aufeinander, beide haben
Vorteile aus der Interaktion. Wirkt das eine Individuum positiv auf das
andere und das andere negativ auf das eine, so ist es entweder
Ausbeutung oder Altruismus (letzteres z.B. in der Familie, im sozialen
Bereich oder in Partnerschaften). Es geht um die Aufhebung derartiger
Konkurrenz- und Ausbeutungsverhältnisse in einer alternativen
Gesellschaftsformation. (Soziale) Interaktion bedeutet ein aufeinander
bezogenes Verhalten von Individuen, dabei gibt es immer aktives Handeln
und eine darauf bezogene Rückmeldung. Die Handlungskoordination erfolgt
dabei über ein Medium wie die Sprache. Für jedes Individuum/iede soziale
Gruppe gibt es verschiedene Wege, seine/ihre Ziele zu erreichen. Gewisse
Permutationen/Kombinationen dieser Wege mögen positiv aufeinander
wirken. Das Ziel wäre, eine soziale "Symbiose" verschiedener Ziele in
Individuen/Gruppen-Kombinationen über Kooperation zu erreichen. Dabei
entsteht eine positive Gesamtheit, alle gewinnen und niemand verliert.
Die Rahmenbedingungen müssen dazu aber dementsprechend gestaltet sein,
Strukturen die strukturell auf Konkurrenz basieren wie der Markt müssen
dazu überwunden werden, da sie immer bewirken, daß gewisse
Individuen/Gruppen schlechter abschneiden als andere. 
Das Stichwort lautet also Erhebung des individuellen Bedarfes an
Produkten. Dazu eignen sich moderne Informations- und Kommunikations-
(I&K-) Systeme, da sie Eigenschaften wie Dezentralität,
Enthierarchisiertheit, große Reichweite und hohe Schnelligkeit,
Interaktivität, und polydirektionale Kommunikationsmöglichkeiten haben.
Polydirektional bedeutet dabei Kommunikation im Sinne von one-to-many
und many-to-many, während traditionelle bidirektionale Kommunikation
immer one-to-one verläuft. Dies ist also die Vorstellung von
I&K-Systemen als Handlungskoordinationsmedium kooperativer Interaktionen
in einer alternativen Gesellschaftsformation. Zur Bedarfserhebung in
frei gebildeten organisatorischen Einheiten in diesem Sinne benötigt
jedes Individuum bzw. jede kleine Gruppe von Individuen einen Computer.
Weiters muß eine Vernetzung dieser Computer über LANs (Local Area
Network, direkte Vernetzung von Computern in einem Gebäude oder einem
kleinen Bereich über ein Kabel) oder MANs (Metropolitan Area Network,
Vernetzung von Städten über Glasfaserkabel, Reichweiten bis zu 50 km)
oder über das Internet gegeben sein. Die Art des Netzwerkes hängt von
der Größe der organisatorischen Einheit ab. Ich stelle mir zwecks
Überschaubarkeit frei gebildete Einheiten von etwa bis zu 1000 Personen
vor. An jedem Computer läuft dann ein Programm, mit Hilfe dessen der
individuelle Bedarf an Produkten eingegeben werden kann. Über das
Netzwerk wird dieser Bedarf weitergeleitet und so kann durch einfache
Summation der Einzelbedarfe der Gesamtbedarf ermittelt werden, der an
die jeweiligen selbstverwalteten Produktionsstätten weitergeleitet wird.
Dies ermöglicht eine bedarfsorientierte Produktion. Nicht jeder kann mit
einem Computer umgehen? Dies führt zu einem Elitismus und zur Formation
neuer Herrschaftsverhältnisse Gebildeter? 
Nun ja,  Bildung unter kapitalistischen Reproduktionsverhältnissen
spiegelt die soziale Spaltung und die Klassen- und
Herrschaftsverhältnisse wider. Unter Aufhebung dieser Verhältnisse und
unter Reduktion der durch den Menschen zu leistenden gesellschaflich
notwendigen Arbeit, ist Bildung kein Ausdruck eines sozialen Status,
keine Elitenproduktion für Herrschaftszwecke und keine Zurichtung für
die Anforderungen eines neoliberalen Marktes, sondern ein
selbstbestimmtes Lernen abseits der Interessen anderer. Ein weniger an
notwendiger Arbeitszeit ermöglicht dann auch jedem ein mehr an
Möglichkeit zum Lernen nach persönlichen Interessen. Der
regelmentierenden, autoritär angehauchten Angewohnheit in unserem
Kulturkreis entspricht auch die Vorstellung, daß den Menschen
zielgerichtet etwas beigebracht werden muß, gelernt wird meist nur nach
Plan und Vorschrift. Das hat oft den Effekt, daß die Lernenden nichts
mehr von alleine lernen können/wollen, daß sie zu bequem sind,
selbständig geistig zu denken. Bei der fremdbestimmten Vorgabe der
Inhalte durch Lehrpläne spielt immer die Vorstellung mit, daß es
bestimmte Dinge gibt, die einE in einem Fachbereich TätigerR können muß.
Diese Vorstellungen sind aber oftmals interessengeleitet, spiegeln also
die Interessen gewisser Gruppen wider. Dies zeigen z.B. auch die immer
wieder auftauchen Diskussionen über eine verstärkte Integration der
Wirtschaft in den universitären Lernbetrieb. Lernen sollte meiner
Ansicht nach ein selbstbestimmtes Lernen sein, ein Lernen das die
Lernenden zu kritischem Denken und der Wahrnehmung ihrer Interessen,
Wünsche und Bedürfnisse anregt. JedeR soll selbst entdecken können, was
ihn/sie interessiert und soll sich mit derartigen Inhalten beschäftigen
können. Inhalte sollten also meiner Ansicht nach viel individueller und
partizipativer (d.h. die Lernenden bestimmen selbst, was sie lernen
wollen) sein. Selbststeuerung heißt im Lernkontext, daß die Lernenden
selbst über die genauen Inhalte zu gewissen Themen nach ihren Interessen
entscheiden und daß sie selbst die Lernmethoden  wählen.
Zur Umgangsweise mit Computern ist noch zu sagen, daß User Interfaces
(Benutzerschnittstellen) so gestaltet werden können, daß sie
benutzerInnenfreundlich und leicht zu bedienen sind. Eigene Bereiche,
das User Interface Design und die Human Computer Interaction (HCI),
beschäftigen sich damit. Unter den herrschenden Bedingungen ist deren
Mainstream  natürlich auf das Design von User Interfaces für
kommerzielle Belange zwecks Profitmaximierung orientiert, aber Technik
ist immer verknüpft mit ihrer gesellschaftlichen Einbettung: 
Technik trägt unter den herrschenden Bedingungen über die Verstärkung
des Rationalisierungspotentials wesentlich zur Verschärfung sozialer
Verhältnisse bei: Die gesellschaftlich notwendige Arbeit, die durch den
Menschen zu verrichten ist, nimmt ab, da es aber zu keiner
gesamtgesellschaftlichen Gleichverteilung des Wohlstandes und der zu
leistenden Arbeit kommt, nimmt das Heer der "industriellen Reservearmee"
und damit die Armut zu. Technikentwicklung und gesamtgesellschaftliche
Entwicklung stehen also in einem engen Zusammenhang. Technik (und auch
Wissenschaft) bedeutet im Kapitalismus oftmals Instrumentarium der
Profitmaximierung, unter geänderten Vorzeichen kann sie jedoch auch
emanzipatorisch nutzbar gemacht werden. Für die HCI bedeutet dies, daß
es unrealistisch ist, daß sich ihr Mainstream unter kapitalistischen
Bedingungen mit dem Design von Benutzerschnittstellen für
Bedarserhebungen in alternativen Gesellschaftsformationen beschäftigt,
möglich ist diese Tätigkeit aber einerseits im Hier und Jetzt als eine
Vorarbeit und andererseits unter anderen gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen nach einer Aufhebung der herrschenden Verhältnisse.
Die traditionelle linke Technikfeindlichkeit, die sich durch die
zunehmende Vergrößerung der "industriellen Reservearmee" auf Grund der
Automatisierung und der damit einhergehenden Rationalisierung erklären
läßt, bringt uns nicht vorwärts. Ich halte eine Gesellschaft, in der
prinzipiell auf moderne Technologien (abgesehen von umweltgefährdenden
und/oder prinzipiell bedenklichen Technologien wie Atomkraft,
Gentechnik, usw.) verzichtet wird, für nicht realistisch und sinnvoll.
Eine Rückkehr in die "heile Urgesellschaft" wird es nicht geben. Viel
mehr möchte ich betonen, daß z.B. Automatisierung nicht prinzipiell
etwas Schlechtes und Verwerfliches ist, sondern daß die
gesamtgesellschaftliche Einbettung der ausschlaggebende Faktor ist. Es
ist doch auch durchwegs ein emanzipatorischer Nutzen aus Robotern,
Automatisierung und Computern vorstellbar: Die Vorstellung einer
Gesellschaft, in der die gesellschaftlich notwendige Arbeit zu einem
guten Teil (soziale Tätigkeiten z.B. schließe ich davon prinzipiell aus)
von Maschinen erledigt wird und es somit zu einer Entlastung des Faktors
menschliche Arbeit kommt. Entscheidend dabei ist, daß es in einer
derartigen Vorstellung keine 2 Klassen von GewinnerInnen
(profitabschöpfende KapitalistInnen, die die Produktionsmittel und somit
die Maschinen kontrollieren) und VerliererInnen (freigesetzte
ArbeiterInnen) der Automatisierung - was zur Zunahme der sozialen Kluft
mit all ihren Konsequenzen und der gesellschaftlichen Spannungen führt -
gibt, sondern, daß alle gleichermaßen davon profitieren. Die
kapitalistische Reproduktionsweise verunmöglicht derartiges prinzipiell.
Um derartiges zu realisieren ist eine basisdemokratische,
antihierarchische, klassenlose, ökologisch und sozial verträgliche Form
der Gesellschaft jenseits von Profit und Markt und eine Aufhebung der
Lohnarbeits-, Klassen-, Konkurrenz-, Herrschafts- und
Eigentumsverhältnisse notwendig. Nicht "Hoch die Arbeit" und "Recht auf
Arbeit" müssen die Devisen lauten, sondern die konsequente Reduzierung
der durch menschliche Hand zu verrichtenden, gesellschaftlich
notwendigen Arbeit und durchwegs das "Recht auf Faulheit" - wobei ich
diese Faulheit nicht im Sinne eines prinzipiellen Nichtstuns verstehen
will, sondern im Sinne einer Ausweitung der Freizeit - müssen in
Betracht gezogen werden.
Entfremdete Lohnarbeit ist die Basis für Desinteresse, Passivität,
Unzufriedenheit und Krankheit. Technik kann prinzipiell aber eine Basis
für die Aufhebung dieser Entfremdung über Reduktion der gesellschaftlich
notwendigen, durch den Menschen zu leistenden Arbeit  und
Gleichverteilung des Wohlstandes sein. Dazu bedarf es auch nicht des
Geldes als generalisiertem Tauschmedium und Mittel der
Kapitalakkumulation. Es geht nämlich nicht um Tausch, sondern um
Bedarfserhebung, freiwillige Beteiligung am Produktionsprozeß und
Befriedigung aller Bedürfnisse. Lohnarbeit im Kapitalismus ist nicht nur
entfremdet, zunehmend gewinnen Elemente wie partizipatorisches
Management, Enthierarchisierungen in Betrieben, mehr Mitbestimmung der
Arbeitenden; größere Entscheidungs-, Handlungs- und
Verantwortungsspielräume der Arbeitenden, verlangte Identifikation und
verlangter Spaß mit/bei der Arbeit an Bedeutung  Gilles Deleuze nennt
dies eine Tendenz zur sogenannten "Kontrollgesellschaft", die Linke
müßte meiner Ansicht nach lernen, mit dieser Tendenz umzugehen. 
Die hier vorgeschlagene Methode der Bedarfserhebung ist schon eine Form
von "Planwirtschaft". Allerdings hat dies nicht viel zu tun mit den
zentralistischen Jahresplänen im Real-"Sozialismus", denn diese hatten
mit der Erhebung der wahren Bedürfnisse nichts zu tun. Hier geht es
jedoch um genau diese Erhebung der wahren Bedürfnisse der Individuen
über einen kurzen Zeitraum (z.B. von einigen Wochen). Dieser Zeitraum
hängt auch von der Art des Produktes, den Herstellungs- Lagerungs-,
Transportbedingungen und einer eventuell gegebenen Haltbarkeit ab.
Ausgangspunkt ist, daß jedeR selbst am besten weiß, wieviel er/sie von
jedem Produkt braucht, wieviel Butter, Milch, Käse, Brot, Wurst, usw.
er/sie z.B. für die nächsten zwei Wochen benötigt. Es geht aber auch um
bewußte Planung mit Überschußkontingenten und die Auslieferung von
Produkten und nicht um das planlose dahinproduzieren und nicht um die
Vorstellung, daß sich jedeR einfach das nimmt, was er/sie will, solange
der Vorrat reicht. Letzteres führt nämlich wieder zu neuen
Ungleichheiten und benachteiligt Minderheiten wie z.B. Behinderte, Alte
oder Kranke. Prognosen sind immer eine kritische Angelegenheit, da
kleine Ursachen große Wirkungen haben können, da die Zukunft nur in
beschränkten, kurzfristigen  Maßen voraussagbar ist und da die
geschichtliche Evolution und zukünftige Vorgänge oftmals nicht
determiniert sind, sondern den Gesetzen des Zufalls gehorchen. Dies
zeigt uns die Selbstorganisations- und Chaostheorie. 5-Jahrespläne oder
ähnliches müssen daher zwangsläufig scheitern, sehr wohl möglich ist
aber eine kurzfristige Produktionsplanung auf der Basis von
Bedarfserhebungen. Da jedoch immer etwas unvorhersehbares passieren kann
(z.B. Naturkatastrophen, schlechte Ernte, technische Mängel,
Qualitätsminderung, ...), sind Überproduktion und Überschußkontingente
notwendig. 
Auch abgeschlossene ökonomische Produktion in organisatorischen
Einheiten ist unvorstellbar, da es regional unterschiedliche
Rahmenbedingungen wie z.B. Klima, Bodenschätze oder
Produktionsbedingungen gibt. In Bayern können z.B. niemals Bananen
wachsen und Getreide wird z.B. in der Sahara nur sehr bedingt fruchtbar
sein Es geht dabei einerseits auch um den sparsamen Umgang mit
natürlichen Ressourcen, um ökologische Nachhaltigkeit und anderseits um
Lieferungen (nicht Tausch!) zwischen organisatorischen Einheiten. Es ist
also auch interorganisationale Bedarfserhebung notwendig. Dabei muß
erhoben werden, in welchem Umfang eine organisatorische Einheit
Rohstoffe und Produkte benötigt, über die sie nicht selbst verfügt bzw.
die sie nicht selbst herstellen kann, welche anderen organisatorischen
Einheiten diese Mehrproduktion freiwillig leisten können und wie die
Auslieferung erfolgt. Dazu ist eine Vernetzung zwischen
organisatorischen Einheiten nötig. Dies kann z:B. über WANs (Wide Area
Networks, weitreichende Verbindungen über sogenannte "Host"-Computer,
die in verschiedenen Städten, Einheiten, Kontinenten, ...  situiert sein
können) oder über das Internet (wobei dies nichts anderes als eine
weltweite Zusammenfassung von verknüpften WANs und LANs ist) erfolgen.
Kooperative Planung, Absprache und koordiniertes Handeln spielen hier
eine wichtige Rolle. Moderne I&K-Systeme können dabei einen Mechanismus
der globalen, schnellen Handlungskoordination darstellen. Wichtig ist
dabei auch die schnelle Handlungskoordination im Falle von
nichtvorhersehbaren Ereignissen wie z.B. Naturkatastrophen oder
drohenden Hungerkatastrophen. Dabei ist dann auch so etwas wie globale
Solidarität, globale Kommunikation und globale Handlungskoordination
nötig. 
Erwähnt werden soll hier auch nochmals, daß kapitalistische Produkte ein
Ausdruck der Konkurrenzverhältnisse und der Profitinteressen am Markt
sind. "Vielfalt" eines gleichartigen Produktes (wie z.B. hunderte
verschiedene Waschmittel, obwohl eigentlich nur eines für jeweils
Handwäsche, Köchwäsche, Farbwäsche und Wolle notwendig wäre) und immer
neue Produkte sind Ausdruck der Erzeugung immer neuer Bedürfnisse zwecks
deren Kapitalisierung und Ausdruck von Disproportionen. Disproportionen
zwischen Industriesektoren und zwischen wahrem Bedarf und produzierten
Produkten. Produktions- und Investitionsentscheidungen werden im
Kapitalismus auf Grund von Profitüberlegungen gemacht. Daher werden zu
einem Zeitpunkt z.B. zu viele Maschinen produziert, zu einem anderen zu
wenig. Marx nannte diese Disproportionen unpassenderweise "Anarchie der
Produktion". Sie sind einer der Gründe für Krisen im Kapitalismus. 
Wenn Popper  meint, daß die Politik, der Staat über Gesetze die
Ausbeutung der Arbeitenden verhindern kann und "jedem, der willens ist
zu arbeiten, eine Lebensmöglichkeit gewähren kann" (dies ist nebenbei
gesagt ziemlich reaktionär, denn was ist mit denen, die nicht arbeiten
können oder wollen? Sollen sie verrecken? Wäre nicht eine soziale
Grundsicherung für alle notwendig?), dann ist dies kurzsichtig, da der
Staat nebenbei auch dirigiert, reglementiert, normiert, kommandiert,
kontrolliert, belehrt, registriert, erfaßt, bewertet, autorisiert,
ermahnt, behindert und bestraft, um die Kapitalverhältnisse repressiv
abzusichern. Eine Wiederausweitung des Einflusses der Politik auf die
Ökonomie, sozusagen ein Neokeynesianismus, erscheint angesichts der
globalen Kapitalverhältnisse unrealistisch.Wozu ist in einer
alternativen Gesellschaftsformation, die auf Solidarität und Kooperation
der Individuen aufbaut, der Staat als Herrschaftsinstanz mit seinem
repressiven Instrumentarium nötig? Natürlich, Staat, das bedeutet auch
Aspekte wie soziale Grundsicherung (dies allerdings immer weniger bzw.
sowieso nur in Teilen der Welt) und hoffentlich auch Sicherung von
Grundrechten, Menschenrechten und Garantierung ihrer Einhaltung.  Wer
sagt jedoch, daß dazu eine übergeordnete Herrschaftsinstanz notwendig
ist? Eine Selbstorganisation all dieser Bereiche durch die Individuen
ist möglich.  Macht ist die Verfügbarkeit über Mittel, um Prozesse und
Entscheidungen im eigenen Sinne beeinflussen zu können. Herrschaft ist
die Verfügbarkeit über Zwangsmittel, um andere und Prozesse und
Entscheidungen im eigenen Sinne beeinflussen zu können und ist meist
institutionalisiert. In der Repräsentativdemokratie verläuft Macht von
oben nach unten, wird Macht zu Herrschaft über das Volk in der
Institution Staat. Meine Definition von Macht und Herrschaft mag mit
diversen gängigen Definitionen (z.B. jener von Max Weber, der Macht als
"jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch
gegen Widerstreben durchzuführen" definiert, was schon auch immer eine
Macht über jemanden impliziert) widersprechen, Macht wird hier nicht als
etwas verstanden, was notwendigerweise über jemanden ausgeübt wird. Die
Idealvorstellung ist die Ermöglichung "symbiotischer"
Interessensdurchsetzung (wie bereits erläutert), die Gleichverteilung
von Macht in dem Sinne, daß jedeR an der Macht als basisdemokratischen
Prozeß von unten nach oben teilhaben kann. Ob es sich dabei um Konsens-
oder Mehrheitsentscheidungen handelt und wie die genaue
Organisationsform dabei aussieht, ist eine Frage des individual choice
in organisatorischen Einheiten, fest steht, daß dazu keine übergeordnete
Herrschaftsinstanz nötig ist, sondern daß die Selbstorganisation und
Selbstverwaltung der Individuen sehr wohl machbar ist. Daher nehme ich
mir das Recht zu fordern: Weg mit Markt und Staat als Ausdruck von
Herrschaftsverhältnissen und Herrschaftsinteressen!  
Geht alles doch nicht? Die Menschen sind politisch desinteressiert,
egoistisch, wollen gar nicht selbst alle Entscheidungen treffen und
Herrschaft liegt in der Natur des Menschen? Wie bereits erwähnt, bin ich
der Meinung daß derartiges durch die Sozialisierung in einem System, das
auf Konkurrenz, Entfremdung, Entzug von Verantwortlichkeit/Mit- und
Selbstbestimmung und der Anleitung zum Handeln nach Plan und Vorschrift
basiert, kommt. Eine Aufhebung dessen ist aber möglich. Das Bedürfnis
nach Autorität ist ein sozialisiertes, oftmals eines, daß die
individuelle Selbstentfaltung entmündigt. Jan Liedloff schildert, daß
ein Indiokind sich auf einem Waldweg nie von seinen Eltern entfernen
würde. Dies hat nichts mit Autorität zu tun, sondern damit, daß sich die
Eltern nicht ständig umsehen, wo das Kind ist. Ist es zu langsam, so
passen sie ihr Tempo an. Fällt das Kind, ruft es meist nicht nach den
Eltern, sondern steht von alleine auf und holt den Zeitverlust durch
Laufen auf. Es ist keine Gleichgültigkeit der Eltern, sondern sehr wohl
Interesse für das, was das Kind tut, aber es gibt keine Neigungen zu
Autorität und Besitzanspruch gegenüber/auf dem/das Kind. Dieses Beispiel
soll zeigen, daß eine Sozialisierung jenseits von entmündigender
Autorität und Vorschriften möglich ist. 
Eine alternative Gesellschaftsformation, deren mögliche ökonomische
Organisationsform hier kurz umrissen wurde, benötigt selbstbestimmte
autonom-altruistische Individuen, die sich ihre Normen aufgrund innerer
Entscheidungen selbst wählen und ständig differenzieren. Passivität,
Autoritätsgläubigkeit und Entmündigung stehen dem entgegen. Es geht um
solidarische, sozial und vernünftig denkende, rationale Citoyens, die
kollektive Interessen erkennen können und an ihrer Verwirklichung
mitwirken wollen, also um eine Art kollektives Pflicht- und
Verantwortungsbewußtsein. Das heißt nicht, daß es um eine
Kollektivierung von Individuen geht, um Vorstellungen (wie sie im
Real-"Sozialismus" gepflegt wurden), daß jedeR dieselben Interessen und
Bedürfnisse hat, sondern sehr wohl um Individualität und individuelle
Selbstverwirklichung und um eine wechselseitige Befruchtung und
Anreicherung von Individualität und Kollektivität. Individualität darf
dabei nicht mit einem falsch verstandenen Individualismus, der keine
kollektiven Interessen kennt und Egoismus fördert, verwechselt werden.
JedeR hat ein Vernunft- und Kompetenzpotential, unter den herrschenden
Bedingungen kann dies aber meist nicht adäquat realisiert werden.
Politik ist keine Arena der Intellektuellen und Gebildeten, sondern
jedeR hat prinzipiell die Fähigkeit, Entscheidungen verantwortlich zu
treffen und umzusetzen. Unsere Gesellschaft entfremdet jedoch diese
Eigenschaften und Tugenden. Der Formierungsprozeß, der einer des Lernens
und der Sozialisierung ist,  von selbstbestimmten autonom-altruistischen
Citoyens wurde in der athenischen Demokratie "paideia" genannt. Und
darum sollte es auch heute und in Zukunft gehen. Ein Umdenkprozeß;
lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen und sie nicht dem Staat,
Gott, dem Vorgesetzten, dem Chef oder jemand anderem zu überlassen, ist
als Basis für eine zukünftige solidarische, kooperative und soziale
Gesellschaft nötig.

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