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(de) Bremer Bildungsbehörde will Schulversuch zerstören

From i-afd_1@anarch.free.de (I-AFD/IFA Bremen - A-Infos.de)
Date 02 Jul 1998 17:23:00 +0200


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
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Liebe Leute!

Bitte verbreitet die folgende Presseerklärung und unterstützt den Aufruf
des (noch) selbstverwalteten Instituts für Erwachsenenbildung, damit nicht ein
weiterer Schulversuch der aggressiven Kürzungspolitik im Bildungsbereich
zum Opfer fällt.

Die zweite Anlage, das Schreiben der Schülerinnen und Schüler des IFE's an
die Bremer Bildungssenatorin Bringfriede Kahrs, kann auch als Vorlage für
eigene Protestschreiben genutzt werden.

Bitte richtet Euren Protest gegen die Behördenpläne an:

 Bildungssenat
 z.H. Frau Kahrs
 Rembertiring 8-12
 28195 Bremen
 Tel.: (0421) 361-4777 / 6403
 Fax.: (0421) 361-15542

Freiheit und Glück!
Robert

Anlagen: 1. Presseerklärung des Instituts für Erwachsenenbildung e.V.
         2. Protestschreiben der Schülerinnen und Schüler des Instituts
            für Erwachsenenbildung

--- 1. Presseerklärung ---------------------------------------------------

*Aktuelle Presseerklärung*
Des Institut für Erwachsenenbildung e.V.
2.7.1998

*BREMER BILDUNGSBEHÖRDE WILL SELBSTVERWALTETEN SCHULVERSUCH VERNICHTEN*

*Die Bremer Bildungsbehörde beabsichtigt ein Viertel des Stammkollegiums*
*des selbstverwalteten Schulversuchs Institut für Erwachsenenbildung*
(IFE) *aufzulösen. Eine Entscheidung, die im Widerspruch zu allen*
*bisherigen Zusicherungen der Behörde steht und den Schulversuch selbst*
*in seinem Bestand akut gefährdet.*

Seit 1986 besteht das Institut für Erwachsenenbildung (kurz IFE) als
selbstverwaltete Schule des zweiten Bildungsweges in Bremen. Das IFE
versucht, alternative, neuartige Formen des Lehrens und Lernens zu
entwickeln und zu verwirklichen; der Unterricht wird von SchülerInnen und
LehrerInnen gemeinschaftlich und selbstbestimmt gestaltet, Lernen findet
ohne Notendruck statt und sämtliche Entscheidungen, die die Schule
betreffen, werden von LehrerInnen und SchülerInnen gemeinsam diskutiert
und beschlossen.

Im Juli 1996 wurde das IFE auf Wunsch des Bildungssenats als staatlich
geförderter Schulversuch übernommen und der Bremer Erwachsenenschule (EWS)
als vierte Abteilung angegliedert. Grund für die Übernahme war
ausdrücklich der Modellcharakter des IFE, in dem Impulse für die
Veränderung von Lehr- und Lernmethoden erarbeitet werden sollen. In der
Deputationsvorlage schrieb die Behörde damals, daß sie durch die Übernahme
einen "ausreichenden Rahmen für die Erprobung alternativer Formen der
Gestaltung von Schule und Unterricht" schaffen und einer möglichen
"Fluktuation bei den Lehrkräften" entgegentreten wolle.

Neuerdings will die Behörde von diesen Vereinbarungen jedoch nichts mehr
wissen; der Modellcharakter des IFE soll aufgehoben und die Struktur des
Instituts derjenigen von konventionellen Schulen angepaßt werden.

Aktuell plant die Behörde nämlich u.a. drei langjährige Lehrkräfte vom
Schulversuch abzuziehen. Mit dieser Streichung eines Viertels des
STammkollegiums des IFE sollen Überhangsstunden abgebaut, werden welche am
Kolleg und am Abendgymnasium der EWS bestehen. Und dies, bowohl das IFE
als einzige Abteilung der EWS bereits jetzt Minusstunden aufweist. Die
drei betroffenen KollegInnen waren in den vergangenen zwei Jahren vom
Verein des IFE bezahlt worden, um eine Kontinuität des Stammkollegiums zu
ermöglichen und eine Fluktuation von Lehrkräften zu verhindern. Denn die
Behörde hatte mündlich und schriftlich zugesichert, die LehrerInnen nach
diesem Zeitraum von zwei Jahren am Schulversuch IFE in den öffentlichen
Dienst zu übernehmen.

Mit der nun geplanten Streichung verstößt die Behörde aber nicht nur gegen
ihre eigenen Zusicherungen in der Deputationsvorlage zur Übernahme des IFE
als staatlichen Schulversuch vom 9.12.1994 und gegen eine weitere
Bestätigung dieser Absicht durch die Bildungssenatorin Kahrs vom 12. Mai
1997. Die Behördenentscheidung hebelt auch die Selbstverwaltung und damit
die Grundlage dieses Schulmodells selbst aus. Denn die durch
Stellenstreichungen am IFE entstehenden zusätzlichen Minusstunden sollen
durch die Abordnung von LehrerInnen aus anderen Abteilungen der EWS
aufgefüllt werden, um die dort bestehenden Überhangsstunden abzubauen.
Eine solche unfreiwillige Zuweisung von Lehrkräften an das IFE, die sich
mit dessen Selbstverwaltungskonzept nicht identifizieren, stellt die
Erprobung alternativer Lehr- und Lernformen im Unterricht in Frage. Mehr
noch: Sie zerstört die gesamte schulische Selbstverwaltung. Denn
Lehrkräfte, die lediglich stundenweise für einzelne Kurse abgeordnet
werden, können sich an den im Stundenplan integrierten
Selbstverwaltungsausschüssen und Vollversammlungen nicht beteiligen. Die
Beteiligung aller SchülerInnen und LehrerInnen an diesen Gremien ist
jedoch die Voraussetzung für die Selbstverwaltung der Schule. Die drei
Lehrkräfte, welche nun entgegen den bisherigen Zusagen aus dem Kollegium
entfernt werden sollen, unterrichten hingegen bereits seit 10 bis 12
Jahren am IFE und sind aufgrund ihrer Erfahrung wesentliche Stützen des
Schulversuchs.

Die aktuelle Planung der Behörde ist Teil einer Entwicklung, die den
Schulversuch zunehmend erschwert oder grundsätzlich in Frage stellt.
Anfragen und Anträge des IFE werden von Behördenseite nicht beantwortet
oder verzögert. Zusagen, wie die Einrichtung eines GastschülerInnenstatus
und die Beibehaltung des Bestandes von sechs IFE-Klassen werden nicht
eingehalten. Die Schulklassen werden auf verschiedene Gebäude verteilt,
obwohl die Kommunikation zwischen allen SchülerInnen und LehrerInnen
wesentlich zu dem von der Behörde bewilligten Schulkonzept zählt.

Seit das IFE vor einer Woche rein zufällig von den Plänen der Behörde
erfuhr, bemühen sich Schülerinnen und Schüler des IFE die sich
abzeichnende Auflösung der Selbstverwaltung abzuwenden. In einem
Protestschreiben wandten sie sich an die Bildungssenatorin Kahrs, um sie
zu einer Einhaltung ihrer Zusagen aufzufordern (siehe Anlage). Bisher
wurde die Behörde dadurch jedoch ebensowenig zum Umdenken bewegt, wie
durch ein Gespräch, welches IFE-SchülerInnen mit dem Vertreter der
Senatorin, Staatsrat Dr. Zietz, am 1. Juli führten. Während dieser
offiziellen Unterredung zeigte Dr. Zietz keinerlei Bereitschaft, das
besondere Konzept des Schulversuchs und die sich daraus ergebenden
Probleme anzuerkennen oder die früheren Zusagen der Behörde einzuhalten.
SchülerInnen sprachen nach dem Termin enttäuscht von der "Ignoranz der
Behördenleitung", die ihnen entgegengeschlagen sei.

Das IFE wird den Kampf um seine Existenz aber nicht so schnell aufgeben.
Es fordert die Behörde weiterhin zur Einhaltung ihrer Zusagen auf.
Außerdem ruft es dazu auf, Protestschreiben an die Bildungssenatorin Kahrs
zu richten, um die Aushebelung des Modellversuchs abzuwenden. Vom 15. bis
17. Juli wird das IFE Aktionstage durchführen, um öffentlich auf sich und
seine Situation hinzuweisen.

Kontakt: Institut für Erwachsenenbildung e.V.
         Doventorscontrscarpe 172, Block A
         28195 Bremen
         Telefon: (0421) 361-17074


--- 2. Protestschreiben --------------------------------------------------

Sehr geehrte Frau Kahrs,

 wie wir vergangene Woche zufällig erfahren haben, plant die
Bildungsbehörde drei LehrerInnen aus dem Schulversuch ife abzuziehen. Der
Grund für diese Entscheidung ist ein Stundenüberhang an der Gesamt-EWS. Um
diesen auszugleichen, sollen dem ife als einzige Abteilung der EWS bereits
unterrichtende Lehrkräfte gestrichen werden. Und das, obwohl diese
Abteilung als einzige der EWS - auch mit den drei KollegInnen - ein
Stundenminus von gut 20 Stunden aufweist (gut 60 Stunden ohne diese
KollegInnen).

 Für die betroffenen drei KollegInnen des ife (die alle bereits seit 10 -
12 Jahren bei uns unterrichten) findet ab 1.8.'98 ein Statuswechsel statt.
Sie werden dann nicht mehr vom Verein ife bezahlt, sondern vom Land
Bremen, also in den öffentlichen Dienst übernommen.

 Der Verein - das heißt vor allem wir Schülerinnen und Schüler des ife -
hat die KollegInnen zwei Jahre lang bezahlt, um eine Kontinuität des
Schulversuchs zu gewährleisten. Wir waren hierzu bereit, da wir auf Ihre
Zusage (zuletzt mit Schreiben vom 12.05.'97) vertrauten, die betroffenen
KollegInnen in das ife zu übernehmen.

 Ein selbstverwalteter Schulversuch wie das ife kann nur auf der Grundlage
eines beständigen und im Sinne des Schulkonzeptes engagierten
LehrerInnenkollegiums durchgeführt werden und nicht als Auffangbecken für
Überhangsstunden anderer Abteilungen. Wie Ihnen bekannt ist, beruht die
Selbstverwaltung des ife auf der Beteiligung aller SchülerInnen,
LehrerInnen und Bürokräfte an den Selbstverwaltungsausschüssen und
Vollversammlungen. Dies ist für KollegInnen, die bloß für ein paar Stunden
abgeordnet sind, nicht leistbar. Hinzu kommt, daß das für den gemeinsam
gestalteten Unterricht erforderliche Verhältnis der Gleichberechtigung
zwischen SchülerInnen und LehrerInnen nur unter den Bedingungen des
vertrauten und dauerhaften Umgangs miteinander wachsen kann. Mit den drei
betroffenen KollegInnen würde ein Viertel des Stammkollegiums des ife
wegfallen - das Ausmaß des LehrerInnenwechsels und die Folgen für die
Selbstverwaltung lassen sich unschwer ausmalen.

 Die aktuelle Planung reiht sich in verschiedene Entwicklungen ein, die
unseren Schulversuch zunehmend erschweren oder gar - wie im jetzigen Falle
- insgesamt in Frage stellen:

- Unser bisheriger Bestand von sechs Klassen wurde ohne unsere
  Einwilligung um eine Klasse gekürzt.

- Das BAföG-Amt versucht über Begründungen, die im Widerspruch zu Zusagen
  der Bildungsbehörde stehen, dem ife insgesamt die BAföG-Berechtigung
  abzusprechen.

- Unsere Klassen werden auf verschiedene Schulgebäude verteilt, obwohl der
  gemeinsame Austausch untereinander eine elementare Voraussetzung der
  Selbstverwaltung darstellt.

- Der GastschülerInnenstatus für InteressentInnen am ife, welche die BAföG-
  Bedingungen nicht erfüllen, wurde uns im Zusammenhang mit der
  Veränderung unserer Zugangsvoraussetzung zunächst in Aussicht gestellt.
  Zum Schuljahresbeginn im Februar '98 galt diese Aussage plötzlich nicht
  mehr.

- Wesentliche Anfragen an die Bildungsbehörde werden gar nicht oder nur
  mit mehrmonatiger Verzögerung beantwortet.

 Vor diesem Hintergrund würde die geplante Streichung eines Viertels
unseres Stammkollegiums einer faktischen Auflösung des
Selbstverwaltungskonzeptes des ife gleichkommen. Wir Schülerinnen und
Schüler haben uns bewußt für das ife als selbstverwaltete Schule
entschieden und unseren Beitrag zum Erhalt dieses Konzeptes geleistet. Wir
erwarten von Ihnen, daß sie die uns gemachten Zusagen einhalten und die
drei KollegInnen am ife belassen.

Mit freundlichen Grüßen,

Die Schülerinnen und Schüler des ife

Einstimmig verabschiedet auf der Vollversammlung vom 29.06.1998


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