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(de) Vom 3. - 6. September findet in Val di Susa (Turin/Italien)einT Vom 3. - 6. September findet in Val di Susa (Turin/Italien) ein Treffen gegen den TAV statt

From 06251983571-0001@t-online.de (ap)
Date Thu, 20 Aug 1998 20:40:59 -0700


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
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Vom 3. - 6. September findet in Val di Susa (Turin/Italien) ein Treffen 
gegen den TAV statt

Kurzer Überblick zun besseren Verständnis:
                        

Das Mordprojekt Hochgeschwindigkeit in Italien


Der TAV ist ein Hochgeschwindigkeitszug, der die Zerstörung von Menschen 
und Natur zwischen Turin und Lion vorsieht. Hochgeschwindigkeitszüge 
sollen Turin mit Lion verbinden. Von Anfang an bildete sich im 
italienische Tal "Val Susa" (ca. 30 Min. von Turin entfernt) seitens der 
betroffenen Bevölkerung ein deklarierter Widerstand, der sich in den 
unterschiedlichsten Formen und Mitteln äußerte, inklusive diverse 
Sabotageaktionen gegen die Interessenten und UnterstützerInnen des 
Mordprojektes TAV.

Im Rahmen der ständig steigenden Repression in Italien, die sich seit 
über 5 Jahren gegen einen Teil der italienischen anarchistischen Szene 
richtet, wurden drei Personen aus diesem Gebiet verhaftet. Edo, Silvano 
und Soledad die Freundin von Edo, die zum ersten Mal nach Italien kam, da 
Argentinierin. 

Die Folge dieser Verhaftungen waren auch die Räumungen diverser besetzter 
Strukturen in Turin, da einer der beiden Personen in diesen 
Zusammenhängen lebte. Die Polizei, die besonders hart gegen die 
Besetzerszene vorgegangen war, erzeugte somit Reaktionen aus der gesamten 
Besetzerszene in Turin.

Edo, erhängte sich einige Wochen nach seiner Verhaftung.

Dieser Vorfall löste ein scheinheiliges Entsetzen unter den Medien, 
PolitikerInnen, SoziologInnen usw. aus, sowie auch unter einem Großteil 
der italienischen linken Szene.

Dazu einige genauere Darstellungen, die uns wichtig scheinen erwähnt zu 
werden, um die Hintergründe dieses scheinheiligen Entsetzens besser 
verstehen zu können:

a) Familienangehörige, Freunde und GenossInnen von Edo, hatten 
ausdrücklich darum gebeten, daß keine JournalistInnen an der Beerdigung 
teilnehmen sollten, sie wollten Edo im Rahmen seiner Freunde beerdigen.
Die JournalistInnen hielten sich jedoch nicht daran, schlichen immer 
wieder rund um den Friedhof herum und belästigten sogar die 
DorfbewohnerInnen des Herkunftsortes von Edo mit oft auch sehr 
persönlichen Fragen.
Besonders klever kam sich ein Journalist vor. Er wagte sich bis ans Grab 
und sprach sein "Mitleid" aus. Genau dieser Journalist der für die 
Lokalzeitung dieses Gebietes schreibt, hatte ein paar Jahre vorher eine 
Hetzkampagne gegen Edo gestartet, die ihm schon mal einige Zeit Knast 
gekostet hatte. Diese Frechheit der "Mitleidsausprechung" kostete ihm ein 
paar Watschen. Dies bedeutete ein paar Monate Knast für einen Freund von 
Edo, andere konnten noch rechtzeitig verschwinden.
Medien und PolitikerInnen schlachteten die ganze Angelegenheiten zu ihrem 
Gunsten (und dadurch natürlich zum Gunsten der Herrschenden) aus. Aus den 
bösen TerroristInnen wurden plötzlich zukunftslose Jugendliche, denen man 
doch entgegenkommen sollte, ihnen zumindestens ihre Freiräume (also 
sozialen Zentren) geben sollte, wenn das Leben ansonst schon jegliche 
Perspektivlosigkeit versagt, um sie resozialisieren zu können. 

Genau an diesem Punkt befindet sich der Übergang mit der Scheinheiligkeit 
der Politszene.

b) Wahrgenommen, daß es eine gute Möglichkeit wäre mit dem Staat um die 
eigenen Strukturen zu handeln, wahrgenommen, daß es eine gute Möglichkeit 
wäre seine EIGENEN politischen Inhalte an die Öffentlichkeit zu bringen, 
veranstaltete die Gesamtszene ein regelrechtes Schauspiel, dies auf der 
Leiche von Edo und über den Köpfen seiner GenossInnen. Der Gipfel wurde 
bei einer Demo in Turin erreicht, bei der 5.000 Personen anwesend waren 
die allen möglichen "Strömungen" - Rifondazione Comunista (tja man muß 
doch die Gelegenheit nützen der Opposition eins auszuwischen), den Grünen 
(wußten wir auch nicht, daß sie plötzlich mit den AnarchistInnen 
sympathisieren, ach ja wenn sie tot sind, dann können sie ja nicht mehr 
schaden), Autonomen und FreizeitrevolutionärInnen - angehörten. 
Es muß der Informationsgerechtigkeit erwähnt werden, daß z.B. 
Zusammenhänge wie die der Autonomia Operaia (und hier sei es noch einmal 
betont: die italienischen Autonomi, sind nicht mit den deutschen 
Autonomen gleichzusetzen. Es liegt eine grundsätzlich unterschiedliche 
Struktur, sowie Vorgehensmethode zu Grunde, informiert euch bitte mal 
über das was die vom Leoncavallo gerade so treiben!) und die FAI, seit 
Jahren und Jahren in einem sehr ernsthaften und gar nicht mehr lustigen 
Konflikt stehen, mit den anarchistischen Zusammenhängen denen sich Edo 
zugehörig fühlte. Plötzlich aber konnte man aus o.g. Flugblättern lesen, 
es würde sich um "ihren Genossen Baleno" handeln (Baleno war sein 
Spitznahme unter seinen eigenen GenossInnen). Diesen Baleno, den sie 
nicht mal kannten, und gegen dessen GenossInnen sie seit Jahren Abstand 
nahmen. Dieser Abstand war so groß, daß o.g. Zusammenhänge es nicht für 
nötig hielten an den Prozessen seiner Zusammenhänge teilzunehmen 
(Prozesse bezogen gegen die Verhaftungswelle des Konstrukt "Marini") und 
dieses Konstrukt bewußt in ihrer eigenen Presse verschwiegen, bzw. sich 
die FAI darauf beschränkte, um es so auszudrücken wie ein italienisches 
Sprichwort sagt, "um Gesicht und Arsch zu retten" einmal eine 
Stellungnahme von sich gab, ein anderes Mal 4 erbärmliche Zeilen über die 
Verhaftungen an sich brachte. Um das geht es uns aber auch gar nicht. 
Wesentlich schlimmer empfinden wir die Tatsache, daß wenn wir hier im 
Ausland (und das ist das Interessante daran, wir werden als irgendwelche 
deutschen GenossInnen betrachtet, daher wird uns ganz ehrlich und 
unbedarft geantwortet, ohne zu wissen, mit wem man da eigentlich 
tatsächlich spricht) mal auf einzelne Individuen stoßen die sich der FAI 
zugehörig fühlen und diese fragen, warum sie sich eigentlich um die halbe 
Welt kümmern, aber nicht um das was in Italien selbst vorgeht, Antworten 
erhalten haben, die wie hier nicht wiederbringen möchten, da sich nur 
Strukturen wie der VS darüber freuen würden.

Edo aber konnte nun herhalten, um die eigenen politischen Interessen zu 
vertreten.

Somit spielte der Großteil der italienischen Szene das Spielchen der 
Herrschenden mit: Ablenken vom TAV und dem Projekt Hochgeschwindigkeit, 
der eigentliche Grund der Verhaftung der drei Personen, der eigentliche 
Grund des Todes von Edo und später von Soledad. Plötzlich standen jedoch 
die "Squatters" im Rampenlicht, ihre "Besetzungen" und ihre Politik. 

Edo war jedoch kein "Squatter" im wahren Sinne des Wortes. Er "kämpfte" 
nicht dafür, um sich einen günstigen Wohnraum oder "Freizeitpark" zu 
garantieren, er sah seinen Lebensinhalt nicht im Hausbesetzerkampf (den 
es ja so wie er ursprünglich war, eh nicht mehr gibt), sondern lebte sein 
Leben in einer Realität von der er davon ausging zumindest eine ähnliche 
Gesinnung in den Grundsätzen zu haben; weder waren es Silvano (der 
zwischenzeitlich als Leader dargestellt wurde und in einen 
Hochsicherheitstrakt verlegt wurde) oder gar Soledad.

Da wo die Gelegenheit hätte wahrgenommen werden können, dem TAV konkret 
und revolutionär etwas entgegenzusetzen, da wurde wiedereinmal ein 
politischer Wettkampf geführt, dies im Namen einer "Solidarität" die wir 
keineswegs nachvollziehen können, im Gegenteil die uns zum kotzen reizt.

Solidarität hätte bedeutet DA ANZUSEZTEN WO DER URSPRUNG DES  KAMPFES von 
Edo ausging und nicht dort anzusetzen, wo man die Möglichkeit sieht, 
einen Kuhhandel zu betreiben.
Einige GenossInnen die sich in diesem Gebiet befinden, dort kämpfen und 
dort leben, sind deklarierte GegnerInnen der Verhandlungen mit dem Staat 
und den Medien, wie also kann von Solidarität gesprochen werden, wenn 
genau das Gegenteil umgesetzt wird?

Nach diesem traurigen Polittheater, trat in Turin wieder die Ruhe ein. 
Alle 5.000 DemonstrantInnen kehrten wieder nach Hause. 

Geblieben ist aber das Projekt Hochgeschwindigkeit, geblieben sind die 
GenossInnen und Zusammenhänge, die den Kampf von Edo weiterführen. 
Geblieben ist auch die Leiche von Soledad, die sich vor ein paar Wochen 
in ihrer Wohnung, in der sie sich im Hausarrest befand, erhängt hat. 
Geblieben ist Silvano, der auf einen Schlag zwei Freunde verloren hat, 
und sich jetzt im Hausarrest befindet.
Geblieben ist auch das Konstrukt Marini, es wurde sogar noch erweitert. 
Geblieben ist uns die Wut im Bauch, aber auch der Überzeugung, daß nicht 
die ganze europäische Szene zu einem einzigen Politikum und 
Kuhhandelmarkt zusammengeschrumpft sein kann. Wir denken, daß es immer 
noch einige GenossInnen gibt, die als Individuen dieses Leben nicht mehr 
ertragen, die noch bereit dazu sind, einen kompromißlosen Kampf zu führen 
weil sie sich einfach unwohl fühlen und nicht weil sie eine Macht, eine 
politische Strategie (so Szene-intern diese auch sein mag) mit einer 
anderen austauschen möchten. Die sich nicht von 
Resozialisierungsprogrammen erobern lassen. Individuen die ihr Leben 
leben und kompromißlos gegen all das kämpfen, was ihnen im Wege steht, um 
an die Befreiung ihrer selbst zu gelangen; rebellisch, revoltierend, Tag 
für Tag, ohne Programme ohne Plattformen. An diese Individuen ist die 
folgende Einladung aus Italien gerichtet:

Vom 3. - 6. September findet in Val di Susa ein Treffen gegen den TAV 
statt. Der Ort befindet sich ca. 30 Min. von Turin entfernt. Wird 
demnächst genauer mitgeteilt. 
Wir glauben es sei notwendig wieder auf die ursprünglichen Gründe dieser 
Repressionswelle zurückzukommen.
Am Treffen werden Diskussionen geführt bzgl. der Interessen, Effekte und 
Sinn der Hochgeschwindigkeit. Es würde uns sehr freuen, wenn GenossInnen 
aus Deutschland daran teilnehmen könnten, die uns etwas über ihren Kampf 
in Gorleben berichten könnten. Es werden eine Reihe von Veranstaltungen 
stattfinden, Videoabende usw.

						-------

Es folgt die Übersetzung eines Flugblattes seitens der Koordination:

 
Die ÜbersetzerInnen: Wir bitten um Verständnis für das schlechte Deutsch, 
standen aber unter Zeitdruck, der es uns nicht ermöglichte noch in 
Korrektur zu gehen.




Mit Krallen und zähnefletschend

Wie viele wissen, sieht das Projekt des Hochgeschwindigkeitszuges auch 
die "angenehme" Durchfahrt durch das Gebiet Val di Susa vor, um von Turin 
nach Lion zu gelangen. In den letzten Jahren wurde viel über diese 
Gelegenheit geredet. Geschäftsleute, Vorsitzende der Naturschutzbunde, 
JournalistInnen, Bürgermeister, "FachkennerInnen" und die verschiedensten 
MinisterInnen haben unverfehlbar mit ihren Argumentationen um sich 
geworfen. Argumentationen, die unserer Ansicht nach irreleitend sind, um 
nicht zu sagen, daß sie gewollt scheinheilig und verdummend sind. Diese 
Überzeugung entsteht aus der Gewißheit, daß diejenigen die die 
Hochgeschwindigkeit planen, unterstützen und finanzieren, nichts anderes 
tun können als uns vorzugaukeln wie nützlich so ein Projekt sei. Auf der 
anderen Seite können die Bürgermeister,  Administratoren und 
PolitikerInnen nichts anderes machen, als so zu tun, als würden sie auch 
einige kleine Bedenken haben, um vor den mißgestimmten BürgerInnen ihre 
politische Glaubwürdigkeit zu bewahren. Das was all diese stinkenden 
Figuren nicht sagen können, ist genau das, was ihre infamen Projekte 
kriseln lassen würde, Projekte die auf Kosten eueres Lebens, euerer 
Zukunft aufgebaut werden. Genau das ist es aber, was wir sagen wollen; 
was die Hochgeschwindigkeit überhaupt bedeutet, wen ein solches Projekt 
tatsächlich interessiert, warum sich dagegen aufzulehen und als 
Konsequenz, auf welche Art sich darüber aufzulehnen.

Die Hochgeschwindigkeit ist ein Projekt, daß als Objektiv ausdrücklich 
die Erhöhung der Geschwindigkeit für den Transport der Waren und Menschen 
hat. Dabei werden die Menschen zur Ware herabgesetzt. Die Verwirklichung 
dieses Objektives wird als Errungenschaft verschäbert, eine 
Errungenschaft die sich alle Menschen wünschen sollten. In Wahrheit 
handelt es sich jedoch nur um eine Errungenschaft derer, die dieses 
falsche Bedürfnis geschaffen haben.
Welchem Menschen der mit gesunden Verstand ausgerüstet ist, kann es 
interessieren Gebiete zu durchqueren die von ihm selbst verwüstet wurden? 
Wer ist daran interessiert die Entfernungen zu reduzieren, weil er sie 
als Hindernis empfindet und nicht als einen Spielraum der eigenen 
Aktivitäten und der eigenen Wünsche? Wem ist es wichtig Buch zu führen 
über jede einzelne Minute unseres Lebens, uns vom Tyrann der Eile 
aufsaugen zu lassen, Hügel zu verwüsten, Berge zu durchlöchern, ganze 
Wälder abzuroden, nur um immer schneller zu sein?
Sicherlich sind daran nicht die Menschen interessiert die frei leben 
wollen, sondern im Gegenteil, diejenigen die die Macht weiter verstärken 
wollen, die Befehle geben wollen und alles noch unerträglicher machen 
wollen. Also der Kapitalismus - der uns das Bedürfnis aufzwingt uns immer 
schneller fortzubewegen, zu arbeiten um überleben zu können, uns 
abzulenken und uns zum konsumieren verleiten - findet immer eine Weise 
sich durchzusetzen und das auch noch in dem er den Menschen das Gefühl 
geben will, daß sie an diesem "Progreß" teilnehmen und darüber glücklich 
sind. Besonders was die so stolz verkündeten neuen Arbeitsplätze 
betrifft, die genau von den UnterstützerInnen der Geschwindigkeit 
frohlockt werden, so sind sie das deutlichste Beispiel, was mit dieser 
sinnlosen Erpressung eigentlich gemeint ist: acht Stunden am Tag auf 
gesundheitsschädlichen Bauplätzen, um ein Gebiet zu zerstören, in dem man 
lebt und um - eines Tages der grauenvoll nahe steht - noch schneller zur 
Arbeit fahren zu können. Eine Eroberung, auf die man wirklich nicht 
verzichten kann.

Damit hört es aber nicht auf. Wie es normalerweise in der demokratischen 
Welt passiert, ist die Scheinheiligkeit keine Prärogative einer einzigen 
betroffenen Partei, sondern aller oder fast aller Parteien. Genau so ist 
es auch passiert: kaum hat sich unter der Bevölkerung der Val di Susa dem 
TAV gegenüber ein gewisser Unmut verdeutlicht, sind die Profis der 
Resozialisation anmarschiert, um von diesem Unmut nicht übertroffen zu 
werden, Unmut der sich auch auf andere Bereiche erweitern hätte können. 
Die Rolle dieser Konsensgeier, im besonderen Falle Rifondazione 
Comunista, die Grünen und die Bündnisse für Umweltschutz, war sehr 
deutlich zu erkennen: sofort dort eingreifen, wo es zu einer Spaltung 
zwischen den Interessen des Kapitals und der Bevölkerung gekommen ist um 
den Konflikt zu schlichten, dies im Rahmen eines friedlichen und 
unschlüssigem demokratischen Geschwätz, mit dem kleine Forderungen 
gestellt werden, damit alles beim Alten bleiben kann.
Daß die Hochgeschwindigkeit der Umwelt hohen Schaden zufügt 
(idrogeologische Verschiebungen, Lärm,  noch höherer elektromagnetische 
Verschmutzung, Zerstörung des Gleichgewichtes der Fauna, usw.) ist allen 
bekannt, daß dieser Aspekt - der Offensichtlichste und der Einzige der 
von den Umweltschützern kritisiert wird - sich nicht durch 
Lärmschutzwände und ein paar Umleitungen der Linie, oder gar mit der 
Umleitung in ein anderes Tal lösen läßt, ist wohl offensichtlich; das 
Gegenteil zu behaupten, bedeutet eine Dummheit zu sagen, die keine 
zusätzlichen Wörter verlangt.
Der Kernpunkt dieser Angelegenheit befindet sich in der Auffassung und 
der Verwaltung unseres Lebens, unseres Zeitgefühls, unserer Freiräume und 
somit ein störendes Element für die Produktion und die Weiterleitung der 
Waren darstellt. Die Umweltschäden sind nichts anderes, als eine 
unausweichbare Konsequenz des Kapitals über die Ressourcen. Also ist der 
einzige Konflikt der es Wert ist geführt zu werden, um ihn zu gewinnen, 
derjenige der auf der einen Seite die Menschen sieht, die immer noch die 
Freiheit lieben und auf der anderen Seite, das Kapital mit all seinen 
Strukturen und UnterstützerInnen. Die ReformistInnen, egal ob grün, rot 
oder schwarz, werden diese Banalitäten nie zugeben, denn sie wissen ganz 
genau, daß sie die Ersten wären, deren Arschbacken den Boden küssen 
würden.

In diesem Sumpf von Lügen und Partialitäten, so scheint es uns, sind die 
einzigen seriösen und ehrlichen Argumente die Angriffe und 
Sabotageaktionen von denjenigen die von diesem Zug und dieser 
zusätzlichen Unterdrückung nichts wissen wollen.
ReformistInnen und UmweltschützerInnen haben anfangs diese "Gewalttaten" 
mit dem Argument "sie seien dem echten und demokratischen 
Umweltschutzkampf schädlich" verurteilt - dann haben sie ein Wettrennen 
der vollkommenen Idiotie gestartet: "das ist sicherlich das Werk eines 
Wahnsinnigen, eines Provokateurs, der Wettbewerber der Asphalte, oder gar 
des Geheimdienstes". Also hätten es alle gewesen sein können, außer 
denjenigen die ein wirkliches Interesse daran haben, diesen weiteren 
Umweltschaden zu sabotieren.
Später wurden drei Personen aus dem anarchistischem Spektrum festgenommen 
und angeklagt, die Verantwortlichen dieser Angriffe zu sein. Ob sie es 
tatsächlich waren oder nicht, scheint für die italienischen 
Sondereinheiten (ROS) und die Richter nicht das Problem zu sein, genauso 
wenig wie ihnen der Tod von Edoardo Massari im Gefängnis, und der 
Selbstmord von Maria Soledad Rosas im Hausarrest Sorgen bereitet. Das 
sind Dinge die vorkommen. Das wichtigste ist jemanden zu finden, dem man 
die Kleider des Feindes überziehen kann.
Ökoterroristen. So wurden sie definiert. Was aber bedeutet dieses Wort? 
Wer sind die wirklichen Terroristen? Diejenigen die ganze Täler 
verwüsten, um ihre Profite und die soziale Kontrolle zu erhöhen, oder 
diejenigen die sich dazu entscheiden sich dagegen aufzulehnen mit den 
Mitteln die sie für angemessen halten? Was macht mehr Angst: ein 
Strommasten vor der Haustür, oder eine Molotov gegen einen Bauplatz durch 
den bleibende Umweltschäden erzeugt werden? Wir haben diesbzgl. keine 
Zweifel. Terroristen sind diejenigen, die mit Lügen und Knast einen 
Progreß aufzwingen der nur der Progreß der Herrschenden ist und dazu 
dient unser Leben zu zerstören. Terroristen sind diejenigen die uns 
einsperren, uns verwalten, uns entwürdigen und uns Tag täglich dem Tod 
ein Stück näher bringen, dies im Namen eines "gemeinsamen Wohles", das 
nichts anderes ist als das gemeinsame Wohl des Staates und des Kapitals. 
Wir stehen auf der anderen Seite, mit all den Menschen die heute noch von 
einem anderen Leben träumen, das nicht von solch einem Fluch überschattet 
ist.

Wir schlagen vor nicht zu resignieren. Es stimmt nicht, daß - so wie sie 
es uns sagen - es nur diese Welt geben kann, oder eine noch schlimmere. 
Wir schlagen eine permanente Feindseligkeit, gegenüber solcher Projekte 
wie das der Hochgeschwindigkeit, vor. Dieses ist ein konkretes Instrument 
eines Progresses der unausweichbarer Feind des Menschen ist. Wer die 
GenossInnen sein werden die diesen Kampf führen werden, wird sich auf dem 
Weg dahin zeigen, die Feinde stehen jedoch schon in einer Reihe und sind 
jetzt schon erkennbar. Es sind die UnterstützterInnen des technologischen 
Wahns, es sind Männer und Frauen in Fleisch und Blut, es sind konkrete 
Strukturen, es sind alle PolitikerInnen und ReformistInnen - die besten 
Wachhunde die den Herrschenden zur Verfügung stehen - die den Kampf 
anderer verwalten möchten, damit sich auch ja nichts ändern kann. Die 
Methoden können die des wilden Streiks sein, die der Verweigerung der 
Kooperation, der Boykott bis hin zur Sabotage und alle anderen Methoden 
die sich im Laufe des Kampfes mit Phantasie und Konfrontation entdecken 
und experimentieren lassen. Unsere Selbstbefreiung kann sich nicht auf 
den Umweltschutz oder auf kleine vorausgegangene, vom Kampf erzeugte, 
Ergebnisse begrenzen. Es ist unausweichbar zum Angriff überzugehen auf 
all das Schadvolle was uns umgibt. Wir müssen uns immer vor Augen halten, 
daß die Welt der wir gegenüberstehen aus einem einzigen Stück ist, daß 
die Hochgeschwindigkeit nur ein Teil von ihm ist, und diesen zu 
kritisieren und anzugreifen ein erster Schritt ist die historischen 
Gründe zu eliminieren, die solche Horrors ermöglicht haben. Der unsere 
ist der Schrei derer die es leid sind sich dauernd von den Schäden der 
Herrschenden verteidigen zu müssen, um überleben zu können. Er ist 
wiedereinmal, der Schrei der Revolte.

				        		       Vom 3. - 
6. September findet in Val di Susa (Turin/Italien) ein Treffen gegen den 
TAV statt

Kurzer Überblick zun besseren Verständnis:
                        

Das Mordprojekt Hochgeschwindigkeit in Italien


Der TAV ist ein Hochgeschwindigkeitszug, der die Zerstörung von Menschen 
und Natur zwischen Turin und Lion vorsieht. Hochgeschwindigkeitszüge 
sollen Turin mit Lion verbinden. Von Anfang an bildete sich im 
italienische Tal "Val Susa" (ca. 30 Min. von Turin entfernt) seitens der 
betroffenen Bevölkerung ein deklarierter Widerstand, der sich in den 
unterschiedlichsten Formen und Mitteln äußerte, inklusive diverse 
Sabotageaktionen gegen die Interessenten und UnterstützerInnen des 
Mordprojektes TAV.

Im Rahmen der ständig steigenden Repression in Italien, die sich seit 
über 5 Jahren gegen einen Teil der italienischen anarchistischen Szene 
richtet, wurden drei Personen aus diesem Gebiet verhaftet. Edo, Silvano 
und Soledad die Freundin von Edo, die zum ersten Mal nach Italien kam, da 
Argentinierin. 

Die Folge dieser Verhaftungen waren auch die Räumungen diverser besetzter 
Strukturen in Turin, da einer der beiden Personen in diesen 
Zusammenhängen lebte. Die Polizei, die besonders hart gegen die 
Besetzerszene vorgegangen war, erzeugte somit Reaktionen aus der gesamten 
Besetzerszene in Turin.

Edo, erhängte sich einige Wochen nach seiner Verhaftung.

Dieser Vorfall löste ein scheinheiliges Entsetzen unter den Medien, 
PolitikerInnen, SoziologInnen usw. aus, sowie auch unter einem Großteil 
der italienischen linken Szene.

Dazu einige genauere Darstellungen, die uns wichtig scheinen erwähnt zu 
werden, um die Hintergründe dieses scheinheiligen Entsetzens besser 
verstehen zu können:

a) Familienangehörige, Freunde und GenossInnen von Edo, hatten 
ausdrücklich darum gebeten, daß keine JournalistInnen an der Beerdigung 
teilnehmen sollten, sie wollten Edo im Rahmen seiner Freunde beerdigen.
Die JournalistInnen hielten sich jedoch nicht daran, schlichen immer 
wieder rund um den Friedhof herum und belästigten sogar die 
DorfbewohnerInnen des Herkunftsortes von Edo mit oft auch sehr 
persönlichen Fragen.
Besonders klever kam sich ein Journalist vor. Er wagte sich bis ans Grab 
und sprach sein "Mitleid" aus. Genau dieser Journalist der für die 
Lokalzeitung dieses Gebietes schreibt, hatte ein paar Jahre vorher eine 
Hetzkampagne gegen Edo gestartet, die ihm schon mal einige Zeit Knast 
gekostet hatte. Diese Frechheit der "Mitleidsausprechung" kostete ihm ein 
paar Watschen. Dies bedeutete ein paar Monate Knast für einen Freund von 
Edo, andere konnten noch rechtzeitig verschwinden.
Medien und PolitikerInnen schlachteten die ganze Angelegenheiten zu ihrem 
Gunsten (und dadurch natürlich zum Gunsten der Herrschenden) aus. Aus den 
bösen TerroristInnen wurden plötzlich zukunftslose Jugendliche, denen man 
doch entgegenkommen sollte, ihnen zumindestens ihre Freiräume (also 
sozialen Zentren) geben sollte, wenn das Leben ansonst schon jegliche 
Perspektivlosigkeit versagt, um sie resozialisieren zu können. 

Genau an diesem Punkt befindet sich der Übergang mit der Scheinheiligkeit 
der Politszene.

b) Wahrgenommen, daß es eine gute Möglichkeit wäre mit dem Staat um die 
eigenen Strukturen zu handeln, wahrgenommen, daß es eine gute Möglichkeit 
wäre seine EIGENEN politischen Inhalte an die Öffentlichkeit zu bringen, 
veranstaltete die Gesamtszene ein regelrechtes Schauspiel, dies auf der 
Leiche von Edo und über den Köpfen seiner GenossInnen. Der Gipfel wurde 
bei einer Demo in Turin erreicht, bei der 5.000 Personen anwesend waren 
die allen möglichen "Strömungen" - Rifondazione Comunista (tja man muß 
doch die Gelegenheit nützen der Opposition eins auszuwischen), den Grünen 
(wußten wir auch nicht, daß sie plötzlich mit den AnarchistInnen 
sympathisieren, ach ja wenn sie tot sind, dann können sie ja nicht mehr 
schaden), Autonomen und FreizeitrevolutionärInnen - angehörten. 
Es muß der Informationsgerechtigkeit erwähnt werden, daß z.B. 
Zusammenhänge wie die der Autonomia Operaia (und hier sei es noch einmal 
betont: die italienischen Autonomi, sind nicht mit den deutschen 
Autonomen gleichzusetzen. Es liegt eine grundsätzlich unterschiedliche 
Struktur, sowie Vorgehensmethode zu Grunde, informiert euch bitte mal 
über das was die vom Leoncavallo gerade so treiben!) und die FAI, seit 
Jahren und Jahren in einem sehr ernsthaften und gar nicht mehr lustigen 
Konflikt stehen, mit den anarchistischen Zusammenhängen denen sich Edo 
zugehörig fühlte. Plötzlich aber konnte man aus o.g. Flugblättern lesen, 
es würde sich um "ihren Genossen Baleno" handeln (Baleno war sein 
Spitznahme unter seinen eigenen GenossInnen). Diesen Baleno, den sie 
nicht mal kannten, und gegen dessen GenossInnen sie seit Jahren Abstand 
nahmen. Dieser Abstand war so groß, daß o.g. Zusammenhänge es nicht für 
nötig hielten an den Prozessen seiner Zusammenhänge teilzunehmen 
(Prozesse bezogen gegen die Verhaftungswelle des Konstrukt "Marini") und 
dieses Konstrukt bewußt in ihrer eigenen Presse verschwiegen, bzw. sich 
die FAI darauf beschränkte, um es so auszudrücken wie ein italienisches 
Sprichwort sagt, "um Gesicht und Arsch zu retten" einmal eine 
Stellungnahme von sich gab, ein anderes Mal 4 erbärmliche Zeilen über die 
Verhaftungen an sich brachte. Um das geht es uns aber auch gar nicht. 
Wesentlich schlimmer empfinden wir die Tatsache, daß wenn wir hier im 
Ausland (und das ist das Interessante daran, wir werden als irgendwelche 
deutschen GenossInnen betrachtet, daher wird uns ganz ehrlich und 
unbedarft geantwortet, ohne zu wissen, mit wem man da eigentlich 
tatsächlich spricht) mal auf einzelne Individuen stoßen die sich der FAI 
zugehörig fühlen und diese fragen, warum sie sich eigentlich um die halbe 
Welt kümmern, aber nicht um das was in Italien selbst vorgeht, Antworten 
erhalten haben, die wie hier nicht wiederbringen möchten, da sich nur 
Strukturen wie der VS darüber freuen würden.

Edo aber konnte nun herhalten, um die eigenen politischen Interessen zu 
vertreten.

Somit spielte der Großteil der italienischen Szene das Spielchen der 
Herrschenden mit: Ablenken vom TAV und dem Projekt Hochgeschwindigkeit, 
der eigentliche Grund der Verhaftung der drei Personen, der eigentliche 
Grund des Todes von Edo und später von Soledad. Plötzlich standen jedoch 
die "Squatters" im Rampenlicht, ihre "Besetzungen" und ihre Politik. 

Edo war jedoch kein "Squatter" im wahren Sinne des Wortes. Er "kämpfte" 
nicht dafür, um sich einen günstigen Wohnraum oder "Freizeitpark" zu 
garantieren, er sah seinen Lebensinhalt nicht im Hausbesetzerkampf (den 
es ja so wie er ursprünglich war, eh nicht mehr gibt), sondern lebte sein 
Leben in einer Realität von der er davon ausging zumindest eine ähnliche 
Gesinnung in den Grundsätzen zu haben; weder waren es Silvano (der 
zwischenzeitlich als Leader dargestellt wurde und in einen 
Hochsicherheitstrakt verlegt wurde) oder gar Soledad.

Da wo die Gelegenheit hätte wahrgenommen werden können, dem TAV konkret 
und revolutionär etwas entgegenzusetzen, da wurde wiedereinmal ein 
politischer Wettkampf geführt, dies im Namen einer "Solidarität" die wir 
keineswegs nachvollziehen können, im Gegenteil die uns zum kotzen reizt.

Solidarität hätte bedeutet DA ANZUSEZTEN WO DER URSPRUNG DES  KAMPFES von 
Edo ausging und nicht dort anzusetzen, wo man die Möglichkeit sieht, 
einen Kuhhandel zu betreiben.
Einige GenossInnen die sich in diesem Gebiet befinden, dort kämpfen und 
dort leben, sind deklarierte GegnerInnen der Verhandlungen mit dem Staat 
und den Medien, wie also kann von Solidarität gesprochen werden, wenn 
genau das Gegenteil umgesetzt wird?

Nach diesem traurigen Polittheater, trat in Turin wieder die Ruhe ein. 
Alle 5.000 DemonstrantInnen kehrten wieder nach Hause. 

Geblieben ist aber das Projekt Hochgeschwindigkeit, geblieben sind die 
GenossInnen und Zusammenhänge, die den Kampf von Edo weiterführen. 
Geblieben ist auch die Leiche von Soledad, die sich vor ein paar Wochen 
in ihrer Wohnung, in der sie sich im Hausarrest befand, erhängt hat. 
Geblieben ist Silvano, der auf einen Schlag zwei Freunde verloren hat, 
und sich jetzt im Hausarrest befindet.
Geblieben ist auch das Konstrukt Marini, es wurde sogar noch erweitert. 
Geblieben ist uns die Wut im Bauch, aber auch der Überzeugung, daß nicht 
die ganze europäische Szene zu einem einzigen Politikum und 
Kuhhandelmarkt zusammengeschrumpft sein kann. Wir denken, daß es immer 
noch einige GenossInnen gibt, die als Individuen dieses Leben nicht mehr 
ertragen, die noch bereit dazu sind, einen kompromißlosen Kampf zu führen 
weil sie sich einfach unwohl fühlen und nicht weil sie eine Macht, eine 
politische Strategie (so Szene-intern diese auch sein mag) mit einer 
anderen austauschen möchten. Die sich nicht von 
Resozialisierungsprogrammen erobern lassen. Individuen die ihr Leben 
leben und kompromißlos gegen all das kämpfen, was ihnen im Wege steht, um 
an die Befreiung ihrer selbst zu gelangen; rebellisch, revoltierend, Tag 
für Tag, ohne Programme ohne Plattformen. An diese Individuen ist die 
folgende Einladung aus Italien gerichtet:

Vom 3. - 6. September findet in Val di Susa ein Treffen gegen den TAV 
statt. Der Ort befindet sich ca. 30 Min. von Turin entfernt. Wird 
demnächst genauer mitgeteilt. 
Wir glauben es sei notwendig wieder auf die ursprünglichen Gründe dieser 
Repressionswelle zurückzukommen.
Am Treffen werden Diskussionen geführt bzgl. der Interessen, Effekte und 
Sinn der Hochgeschwindigkeit. Es würde uns sehr freuen, wenn GenossInnen 
aus Deutschland daran teilnehmen könnten, die uns etwas über ihren Kampf 
in Gorleben berichten könnten. Es werden eine Reihe von Veranstaltungen 
stattfinden, Videoabende usw.

						-------

Es folgt die Übersetzung eines Flugblattes seitens der Koordination:

 
Die ÜbersetzerInnen: Wir bitten um Verständnis für das schlechte Deutsch, 
standen aber unter Zeitdruck, der es uns nicht ermöglichte noch in 
Korrektur zu gehen.




Mit Krallen und zähnefletschend

Wie viele wissen, sieht das Projekt des Hochgeschwindigkeitszuges auch 
die "angenehme" Durchfahrt durch das Gebiet Val di Susa vor, um von Turin 
nach Lion zu gelangen. In den letzten Jahren wurde viel über diese 
Gelegenheit geredet. Geschäftsleute, Vorsitzende der Naturschutzbunde, 
JournalistInnen, Bürgermeister, "FachkennerInnen" und die verschiedensten 
MinisterInnen haben unverfehlbar mit ihren Argumentationen um sich 
geworfen. Argumentationen, die unserer Ansicht nach irreleitend sind, um 
nicht zu sagen, daß sie gewollt scheinheilig und verdummend sind. Diese 
Überzeugung entsteht aus der Gewißheit, daß diejenigen die die 
Hochgeschwindigkeit planen, unterstützen und finanzieren, nichts anderes 
tun können als uns vorzugaukeln wie nützlich so ein Projekt sei. Auf der 
anderen Seite können die Bürgermeister,  Administratoren und 
PolitikerInnen nichts anderes machen, als so zu tun, als würden sie auch 
einige kleine Bedenken haben, um vor den mißgestimmten BürgerInnen ihre 
politische Glaubwürdigkeit zu bewahren. Das was all diese stinkenden 
Figuren nicht sagen können, ist genau das, was ihre infamen Projekte 
kriseln lassen würde, Projekte die auf Kosten eueres Lebens, euerer 
Zukunft aufgebaut werden. Genau das ist es aber, was wir sagen wollen; 
was die Hochgeschwindigkeit überhaupt bedeutet, wen ein solches Projekt 
tatsächlich interessiert, warum sich dagegen aufzulehen und als 
Konsequenz, auf welche Art sich darüber aufzulehnen.

Die Hochgeschwindigkeit ist ein Projekt, daß als Objektiv ausdrücklich 
die Erhöhung der Geschwindigkeit für den Transport der Waren und Menschen 
hat. Dabei werden die Menschen zur Ware herabgesetzt. Die Verwirklichung 
dieses Objektives wird als Errungenschaft verschäbert, eine 
Errungenschaft die sich alle Menschen wünschen sollten. In Wahrheit 
handelt es sich jedoch nur um eine Errungenschaft derer, die dieses 
falsche Bedürfnis geschaffen haben.
Welchem Menschen der mit gesunden Verstand ausgerüstet ist, kann es 
interessieren Gebiete zu durchqueren die von ihm selbst verwüstet wurden? 
Wer ist daran interessiert die Entfernungen zu reduzieren, weil er sie 
als Hindernis empfindet und nicht als einen Spielraum der eigenen 
Aktivitäten und der eigenen Wünsche? Wem ist es wichtig Buch zu führen 
über jede einzelne Minute unseres Lebens, uns vom Tyrann der Eile 
aufsaugen zu lassen, Hügel zu verwüsten, Berge zu durchlöchern, ganze 
Wälder abzuroden, nur um immer schneller zu sein?
Sicherlich sind daran nicht die Menschen interessiert die frei leben 
wollen, sondern im Gegenteil, diejenigen die die Macht weiter verstärken 
wollen, die Befehle geben wollen und alles noch unerträglicher machen 
wollen. Also der Kapitalismus - der uns das Bedürfnis aufzwingt uns immer 
schneller fortzubewegen, zu arbeiten um überleben zu können, uns 
abzulenken und uns zum konsumieren verleiten - findet immer eine Weise 
sich durchzusetzen und das auch noch in dem er den Menschen das Gefühl 
geben will, daß sie an diesem "Progreß" teilnehmen und darüber glücklich 
sind. Besonders was die so stolz verkündeten neuen Arbeitsplätze 
betrifft, die genau von den UnterstützerInnen der Geschwindigkeit 
frohlockt werden, so sind sie das deutlichste Beispiel, was mit dieser 
sinnlosen Erpressung eigentlich gemeint ist: acht Stunden am Tag auf 
gesundheitsschädlichen Bauplätzen, um ein Gebiet zu zerstören, in dem man 
lebt und um - eines Tages der grauenvoll nahe steht - noch schneller zur 
Arbeit fahren zu können. Eine Eroberung, auf die man wirklich nicht 
verzichten kann.

Damit hört es aber nicht auf. Wie es normalerweise in der demokratischen 
Welt passiert, ist die Scheinheiligkeit keine Prärogative einer einzigen 
betroffenen Partei, sondern aller oder fast aller Parteien. Genau so ist 
es auch passiert: kaum hat sich unter der Bevölkerung der Val di Susa dem 
TAV gegenüber ein gewisser Unmut verdeutlicht, sind die Profis der 
Resozialisation anmarschiert, um von diesem Unmut nicht übertroffen zu 
werden, Unmut der sich auch auf andere Bereiche erweitern hätte können. 
Die Rolle dieser Konsensgeier, im besonderen Falle Rifondazione 
Comunista, die Grünen und die Bündnisse für Umweltschutz, war sehr 
deutlich zu erkennen: sofort dort eingreifen, wo es zu einer Spaltung 
zwischen den Interessen des Kapitals und der Bevölkerung gekommen ist um 
den Konflikt zu schlichten, dies im Rahmen eines friedlichen und 
unschlüssigem demokratischen Geschwätz, mit dem kleine Forderungen 
gestellt werden, damit alles beim Alten bleiben kann.
Daß die Hochgeschwindigkeit der Umwelt hohen Schaden zufügt 
(idrogeologische Verschiebungen, Lärm,  noch höherer elektromagnetische 
Verschmutzung, Zerstörung des Gleichgewichtes der Fauna, usw.) ist allen 
bekannt, daß dieser Aspekt - der Offensichtlichste und der Einzige der 
von den Umweltschützern kritisiert wird - sich nicht durch 
Lärmschutzwände und ein paar Umleitungen der Linie, oder gar mit der 
Umleitung in ein anderes Tal lösen läßt, ist wohl offensichtlich; das 
Gegenteil zu behaupten, bedeutet eine Dummheit zu sagen, die keine 
zusätzlichen Wörter verlangt.
Der Kernpunkt dieser Angelegenheit befindet sich in der Auffassung und 
der Verwaltung unseres Lebens, unseres Zeitgefühls, unserer Freiräume und 
somit ein störendes Element für die Produktion und die Weiterleitung der 
Waren darstellt. Die Umweltschäden sind nichts anderes, als eine 
unausweichbare Konsequenz des Kapitals über die Ressourcen. Also ist der 
einzige Konflikt der es Wert ist geführt zu werden, um ihn zu gewinnen, 
derjenige der auf der einen Seite die Menschen sieht, die immer noch die 
Freiheit lieben und auf der anderen Seite, das Kapital mit all seinen 
Strukturen und UnterstützerInnen. Die ReformistInnen, egal ob grün, rot 
oder schwarz, werden diese Banalitäten nie zugeben, denn sie wissen ganz 
genau, daß sie die Ersten wären, deren Arschbacken den Boden küssen 
würden.

In diesem Sumpf von Lügen und Partialitäten, so scheint es uns, sind die 
einzigen seriösen und ehrlichen Argumente die Angriffe und 
Sabotageaktionen von denjenigen die von diesem Zug und dieser 
zusätzlichen Unterdrückung nichts wissen wollen.
ReformistInnen und UmweltschützerInnen haben anfangs diese "Gewalttaten" 
mit dem Argument "sie seien dem echten und demokratischen 
Umweltschutzkampf schädlich" verurteilt - dann haben sie ein Wettrennen 
der vollkommenen Idiotie gestartet: "das ist sicherlich das Werk eines 
Wahnsinnigen, eines Provokateurs, der Wettbewerber der Asphalte, oder gar 
des Geheimdienstes". Also hätten es alle gewesen sein können, außer 
denjenigen die ein wirkliches Interesse daran haben, diesen weiteren 
Umweltschaden zu sabotieren.
Später wurden drei Personen aus dem anarchistischem Spektrum festgenommen 
und angeklagt, die Verantwortlichen dieser Angriffe zu sein. Ob sie es 
tatsächlich waren oder nicht, scheint für die italienischen 
Sondereinheiten (ROS) und die Richter nicht das Problem zu sein, genauso 
wenig wie ihnen der Tod von Edoardo Massari im Gefängnis, und der 
Selbstmord von Maria Soledad Rosas im Hausarrest Sorgen bereitet. Das 
sind Dinge die vorkommen. Das wichtigste ist jemanden zu finden, dem man 
die Kleider des Feindes überziehen kann.
Ökoterroristen. So wurden sie definiert. Was aber bedeutet dieses Wort? 
Wer sind die wirklichen Terroristen? Diejenigen die ganze Täler 
verwüsten, um ihre Profite und die soziale Kontrolle zu erhöhen, oder 
diejenigen die sich dazu entscheiden sich dagegen aufzulehnen mit den 
Mitteln die sie für angemessen halten? Was macht mehr Angst: ein 
Strommasten vor der Haustür, oder eine Molotov gegen einen Bauplatz durch 
den bleibende Umweltschäden erzeugt werden? Wir haben diesbzgl. keine 
Zweifel. Terroristen sind diejenigen, die mit Lügen und Knast einen 
Progreß aufzwingen der nur der Progreß der Herrschenden ist und dazu 
dient unser Leben zu zerstören. Terroristen sind diejenigen die uns 
einsperren, uns verwalten, uns entwürdigen und uns Tag täglich dem Tod 
ein Stück näher bringen, dies im Namen eines "gemeinsamen Wohles", das 
nichts anderes ist als das gemeinsame Wohl des Staates und des Kapitals. 
Wir stehen auf der anderen Seite, mit all den Menschen die heute noch von 
einem anderen Leben träumen, das nicht von solch einem Fluch überschattet 
ist.

Wir schlagen vor nicht zu resignieren. Es stimmt nicht, daß - so wie sie 
es uns sagen - es nur diese Welt geben kann, oder eine noch schlimmere. 
Wir schlagen eine permanente Feindseligkeit, gegenüber solcher Projekte 
wie das der Hochgeschwindigkeit, vor. Dieses ist ein konkretes Instrument 
eines Progresses der unausweichbarer Feind des Menschen ist. Wer die 
GenossInnen sein werden die diesen Kampf führen werden, wird sich auf dem 
Weg dahin zeigen, die Feinde stehen jedoch schon in einer Reihe und sind 
jetzt schon erkennbar. Es sind die UnterstützterInnen des technologischen 
Wahns, es sind Männer und Frauen in Fleisch und Blut, es sind konkrete 
Strukturen, es sind alle PolitikerInnen und ReformistInnen - die besten 
Wachhunde die den Herrschenden zur Verfügung stehen - die den Kampf 
anderer verwalten möchten, damit sich auch ja nichts ändern kann. Die 
Methoden können die des wilden Streiks sein, die der Verweigerung der 
Kooperation, der Boykott bis hin zur Sabotage und alle anderen Methoden 
die sich im Laufe des Kampfes mit Phantasie und Konfrontation entdecken 
und experimentieren lassen. Unsere Selbstbefreiung kann sich nicht auf 
den Umweltschutz oder auf kleine vorausgegangene, vom Kampf erzeugte, 
Ergebnisse begrenzen. Es ist unausweichbar zum Angriff überzugehen auf 
all das Schadvolle was uns umgibt. Wir müssen uns immer vor Augen halten, 
daß die Welt der wir gegenüberstehen aus einem einzigen Stück ist, daß 
die Hochgeschwindigkeit nur ein Teil von ihm ist, und diesen zu 
kritisieren und anzugreifen ein erster Schritt ist die historischen 
Gründe zu eliminieren, die solche Horrors ermöglicht haben. Der unsere 
ist der Schrei derer die es leid sind sich dauernd von den Schäden der 
Herrschenden verteidigen zu müssen, um überleben zu können. Er ist 
wiedereinmal, der Schrei der Revolte.

				        		      
Koordination gegen die Hochgeschwindigkeit
 Vom 3. - 6. September findet in Val di Susa (Turin/Italien) ein Treffen 
gegen den TAV statt

Kurzer Überblick zun besseren Verständnis:
                        

Das Mordprojekt Hochgeschwindigkeit in Italien


Der TAV ist ein Hochgeschwindigkeitszug, der die Zerstörung von Menschen 
und Natur zwischen Turin und Lion vorsieht. Hochgeschwindigkeitszüge 
sollen Turin mit Lion verbinden. Von Anfang an bildete sich im 
italienische Tal "Val Susa" (ca. 30 Min. von Turin entfernt) seitens der 
betroffenen Bevölkerung ein deklarierter Widerstand, der sich in den 
unterschiedlichsten Formen und Mitteln äußerte, inklusive diverse 
Sabotageaktionen gegen die Interessenten und UnterstützerInnen des 
Mordprojektes TAV.

Im Rahmen der ständig steigenden Repression in Italien, die sich seit 
über 5 Jahren gegen einen Teil der italienischen anarchistischen Szene 
richtet, wurden drei Personen aus diesem Gebiet verhaftet. Edo, Silvano 
und Soledad die Freundin von Edo, die zum ersten Mal nach Italien kam, da 
Argentinierin. 

Die Folge dieser Verhaftungen waren auch die Räumungen diverser besetzter 
Strukturen in Turin, da einer der beiden Personen in diesen 
Zusammenhängen lebte. Die Polizei, die besonders hart gegen die 
Besetzerszene vorgegangen war, erzeugte somit Reaktionen aus der gesamten 
Besetzerszene in Turin.

Edo, erhängte sich einige Wochen nach seiner Verhaftung.

Dieser Vorfall löste ein scheinheiliges Entsetzen unter den Medien, 
PolitikerInnen, SoziologInnen usw. aus, sowie auch unter einem Großteil 
der italienischen linken Szene.

Dazu einige genauere Darstellungen, die uns wichtig scheinen erwähnt zu 
werden, um die Hintergründe dieses scheinheiligen Entsetzens besser 
verstehen zu können:

a) Familienangehörige, Freunde und GenossInnen von Edo, hatten 
ausdrücklich darum gebeten, daß keine JournalistInnen an der Beerdigung 
teilnehmen sollten, sie wollten Edo im Rahmen seiner Freunde beerdigen.
Die JournalistInnen hielten sich jedoch nicht daran, schlichen immer 
wieder rund um den Friedhof herum und belästigten sogar die 
DorfbewohnerInnen des Herkunftsortes von Edo mit oft auch sehr 
persönlichen Fragen.
Besonders klever kam sich ein Journalist vor. Er wagte sich bis ans Grab 
und sprach sein "Mitleid" aus. Genau dieser Journalist der für die 
Lokalzeitung dieses Gebietes schreibt, hatte ein paar Jahre vorher eine 
Hetzkampagne gegen Edo gestartet, die ihm schon mal einige Zeit Knast 
gekostet hatte. Diese Frechheit der "Mitleidsausprechung" kostete ihm ein 
paar Watschen. Dies bedeutete ein paar Monate Knast für einen Freund von 
Edo, andere konnten noch rechtzeitig verschwinden.
Medien und PolitikerInnen schlachteten die ganze Angelegenheiten zu ihrem 
Gunsten (und dadurch natürlich zum Gunsten der Herrschenden) aus. Aus den 
bösen TerroristInnen wurden plötzlich zukunftslose Jugendliche, denen man 
doch entgegenkommen sollte, ihnen zumindestens ihre Freiräume (also 
sozialen Zentren) geben sollte, wenn das Leben ansonst schon jegliche 
Perspektivlosigkeit versagt, um sie resozialisieren zu können. 

Genau an diesem Punkt befindet sich der Übergang mit der Scheinheiligkeit 
der Politszene.

b) Wahrgenommen, daß es eine gute Möglichkeit wäre mit dem Staat um die 
eigenen Strukturen zu handeln, wahrgenommen, daß es eine gute Möglichkeit 
wäre seine EIGENEN politischen Inhalte an die Öffentlichkeit zu bringen, 
veranstaltete die Gesamtszene ein regelrechtes Schauspiel, dies auf der 
Leiche von Edo und über den Köpfen seiner GenossInnen. Der Gipfel wurde 
bei einer Demo in Turin erreicht, bei der 5.000 Personen anwesend waren 
die allen möglichen "Strömungen" - Rifondazione Comunista (tja man muß 
doch die Gelegenheit nützen der Opposition eins auszuwischen), den Grünen 
(wußten wir auch nicht, daß sie plötzlich mit den AnarchistInnen 
sympathisieren, ach ja wenn sie tot sind, dann können sie ja nicht mehr 
schaden), Autonomen und FreizeitrevolutionärInnen - angehörten. 
Es muß der Informationsgerechtigkeit erwähnt werden, daß z.B. 
Zusammenhänge wie die der Autonomia Operaia (und hier sei es noch einmal 
betont: die italienischen Autonomi, sind nicht mit den deutschen 
Autonomen gleichzusetzen. Es liegt eine grundsätzlich unterschiedliche 
Struktur, sowie Vorgehensmethode zu Grunde, informiert euch bitte mal 
über das was die vom Leoncavallo gerade so treiben!) und die FAI, seit 
Jahren und Jahren in einem sehr ernsthaften und gar nicht mehr lustigen 
Konflikt stehen, mit den anarchistischen Zusammenhängen denen sich Edo 
zugehörig fühlte. Plötzlich aber konnte man aus o.g. Flugblättern lesen, 
es würde sich um "ihren Genossen Baleno" handeln (Baleno war sein 
Spitznahme unter seinen eigenen GenossInnen). Diesen Baleno, den sie 
nicht mal kannten, und gegen dessen GenossInnen sie seit Jahren Abstand 
nahmen. Dieser Abstand war so groß, daß o.g. Zusammenhänge es nicht für 
nötig hielten an den Prozessen seiner Zusammenhänge teilzunehmen 
(Prozesse bezogen gegen die Verhaftungswelle des Konstrukt "Marini") und 
dieses Konstrukt bewußt in ihrer eigenen Presse verschwiegen, bzw. sich 
die FAI darauf beschränkte, um es so auszudrücken wie ein italienisches 
Sprichwort sagt, "um Gesicht und Arsch zu retten" einmal eine 
Stellungnahme von sich gab, ein anderes Mal 4 erbärmliche Zeilen über die 
Verhaftungen an sich brachte. Um das geht es uns aber auch gar nicht. 
Wesentlich schlimmer empfinden wir die Tatsache, daß wenn wir hier im 
Ausland (und das ist das Interessante daran, wir werden als irgendwelche 
deutschen GenossInnen betrachtet, daher wird uns ganz ehrlich und 
unbedarft geantwortet, ohne zu wissen, mit wem man da eigentlich 
tatsächlich spricht) mal auf einzelne Individuen stoßen die sich der FAI 
zugehörig fühlen und diese fragen, warum sie sich eigentlich um die halbe 
Welt kümmern, aber nicht um das was in Italien selbst vorgeht, Antworten 
erhalten haben, die wie hier nicht wiederbringen möchten, da sich nur 
Strukturen wie der VS darüber freuen würden.

Edo aber konnte nun herhalten, um die eigenen politischen Interessen zu 
vertreten.

Somit spielte der Großteil der italienischen Szene das Spielchen der 
Herrschenden mit: Ablenken vom TAV und dem Projekt Hochgeschwindigkeit, 
der eigentliche Grund der Verhaftung der drei Personen, der eigentliche 
Grund des Todes von Edo und später von Soledad. Plötzlich standen jedoch 
die "Squatters" im Rampenlicht, ihre "Besetzungen" und ihre Politik. 

Edo war jedoch kein "Squatter" im wahren Sinne des Wortes. Er "kämpfte" 
nicht dafür, um sich einen günstigen Wohnraum oder "Freizeitpark" zu 
garantieren, er sah seinen Lebensinhalt nicht im Hausbesetzerkampf (den 
es ja so wie er ursprünglich war, eh nicht mehr gibt), sondern lebte sein 
Leben in einer Realität von der er davon ausging zumindest eine ähnliche 
Gesinnung in den Grundsätzen zu haben; weder waren es Silvano (der 
zwischenzeitlich als Leader dargestellt wurde und in einen 
Hochsicherheitstrakt verlegt wurde) oder gar Soledad.

Da wo die Gelegenheit hätte wahrgenommen werden können, dem TAV konkret 
und revolutionär etwas entgegenzusetzen, da wurde wiedereinmal ein 
politischer Wettkampf geführt, dies im Namen einer "Solidarität" die wir 
keineswegs nachvollziehen können, im Gegenteil die uns zum kotzen reizt.

Solidarität hätte bedeutet DA ANZUSEZTEN WO DER URSPRUNG DES  KAMPFES von 
Edo ausging und nicht dort anzusetzen, wo man die Möglichkeit sieht, 
einen Kuhhandel zu betreiben.
Einige GenossInnen die sich in diesem Gebiet befinden, dort kämpfen und 
dort leben, sind deklarierte GegnerInnen der Verhandlungen mit dem Staat 
und den Medien, wie also kann von Solidarität gesprochen werden, wenn 
genau das Gegenteil umgesetzt wird?

Nach diesem traurigen Polittheater, trat in Turin wieder die Ruhe ein. 
Alle 5.000 DemonstrantInnen kehrten wieder nach Hause. 

Geblieben ist aber das Projekt Hochgeschwindigkeit, geblieben sind die 
GenossInnen und Zusammenhänge, die den Kampf von Edo weiterführen. 
Geblieben ist auch die Leiche von Soledad, die sich vor ein paar Wochen 
in ihrer Wohnung, in der sie sich im Hausarrest befand, erhängt hat. 
Geblieben ist Silvano, der auf einen Schlag zwei Freunde verloren hat, 
und sich jetzt im Hausarrest befindet.
Geblieben ist auch das Konstrukt Marini, es wurde sogar noch erweitert. 
Geblieben ist uns die Wut im Bauch, aber auch der Überzeugung, daß nicht 
die ganze europäische Szene zu einem einzigen Politikum und 
Kuhhandelmarkt zusammengeschrumpft sein kann. Wir denken, daß es immer 
noch einige GenossInnen gibt, die als Individuen dieses Leben nicht mehr 
ertragen, die noch bereit dazu sind, einen kompromißlosen Kampf zu führen 
weil sie sich einfach unwohl fühlen und nicht weil sie eine Macht, eine 
politische Strategie (so Szene-intern diese auch sein mag) mit einer 
anderen austauschen möchten. Die sich nicht von 
Resozialisierungsprogrammen erobern lassen. Individuen die ihr Leben 
leben und kompromißlos gegen all das kämpfen, was ihnen im Wege steht, um 
an die Befreiung ihrer selbst zu gelangen; rebellisch, revoltierend, Tag 
für Tag, ohne Programme ohne Plattformen. An diese Individuen ist die 
folgende Einladung aus Italien gerichtet:

Vom 3. - 6. September findet in Val di Susa ein Treffen gegen den TAV 
statt. Der Ort befindet sich ca. 30 Min. von Turin entfernt. Wird 
demnächst genauer mitgeteilt. 
Wir glauben es sei notwendig wieder auf die ursprünglichen Gründe dieser 
Repressionswelle zurückzukommen.
Am Treffen werden Diskussionen geführt bzgl. der Interessen, Effekte und 
Sinn der Hochgeschwindigkeit. Es würde uns sehr freuen, wenn GenossInnen 
aus Deutschland daran teilnehmen könnten, die uns etwas über ihren Kampf 
in Gorleben berichten könnten. Es werden eine Reihe von Veranstaltungen 
stattfinden, Videoabende usw.

						-------

Es folgt die Übersetzung eines Flugblattes seitens der Koordination:

 
Die ÜbersetzerInnen: Wir bitten um Verständnis für das schlechte Deutsch, 
standen aber unter Zeitdruck, der es uns nicht ermöglichte noch in 
Korrektur zu gehen.




Mit Krallen und zähnefletschend

Wie viele wissen, sieht das Projekt des Hochgeschwindigkeitszuges auch 
die "angenehme" Durchfahrt durch das Gebiet Val di Susa vor, um von Turin 
nach Lion zu gelangen. In den letzten Jahren wurde viel über diese 
Gelegenheit geredet. Geschäftsleute, Vorsitzende der Naturschutzbunde, 
JournalistInnen, Bürgermeister, "FachkennerInnen" und die verschiedensten 
MinisterInnen haben unverfehlbar mit ihren Argumentationen um sich 
geworfen. Argumentationen, die unserer Ansicht nach irreleitend sind, um 
nicht zu sagen, daß sie gewollt scheinheilig und verdummend sind. Diese 
Überzeugung entsteht aus der Gewißheit, daß diejenigen die die 
Hochgeschwindigkeit planen, unterstützen und finanzieren, nichts anderes 
tun können als uns vorzugaukeln wie nützlich so ein Projekt sei. Auf der 
anderen Seite können die Bürgermeister,  Administratoren und 
PolitikerInnen nichts anderes machen, als so zu tun, als würden sie auch 
einige kleine Bedenken haben, um vor den mißgestimmten BürgerInnen ihre 
politische Glaubwürdigkeit zu bewahren. Das was all diese stinkenden 
Figuren nicht sagen können, ist genau das, was ihre infamen Projekte 
kriseln lassen würde, Projekte die auf Kosten eueres Lebens, euerer 
Zukunft aufgebaut werden. Genau das ist es aber, was wir sagen wollen; 
was die Hochgeschwindigkeit überhaupt bedeutet, wen ein solches Projekt 
tatsächlich interessiert, warum sich dagegen aufzulehen und als 
Konsequenz, auf welche Art sich darüber aufzulehnen.

Die Hochgeschwindigkeit ist ein Projekt, daß als Objektiv ausdrücklich 
die Erhöhung der Geschwindigkeit für den Transport der Waren und Menschen 
hat. Dabei werden die Menschen zur Ware herabgesetzt. Die Verwirklichung 
dieses Objektives wird als Errungenschaft verschäbert, eine 
Errungenschaft die sich alle Menschen wünschen sollten. In Wahrheit 
handelt es sich jedoch nur um eine Errungenschaft derer, die dieses 
falsche Bedürfnis geschaffen haben.
Welchem Menschen der mit gesunden Verstand ausgerüstet ist, kann es 
interessieren Gebiete zu durchqueren die von ihm selbst verwüstet wurden? 
Wer ist daran interessiert die Entfernungen zu reduzieren, weil er sie 
als Hindernis empfindet und nicht als einen Spielraum der eigenen 
Aktivitäten und der eigenen Wünsche? Wem ist es wichtig Buch zu führen 
über jede einzelne Minute unseres Lebens, uns vom Tyrann der Eile 
aufsaugen zu lassen, Hügel zu verwüsten, Berge zu durchlöchern, ganze 
Wälder abzuroden, nur um immer schneller zu sein?
Sicherlich sind daran nicht die Menschen interessiert die frei leben 
wollen, sondern im Gegenteil, diejenigen die die Macht weiter verstärken 
wollen, die Befehle geben wollen und alles noch unerträglicher machen 
wollen. Also der Kapitalismus - der uns das Bedürfnis aufzwingt uns immer 
schneller fortzubewegen, zu arbeiten um überleben zu können, uns 
abzulenken und uns zum konsumieren verleiten - findet immer eine Weise 
sich durchzusetzen und das auch noch in dem er den Menschen das Gefühl 
geben will, daß sie an diesem "Progreß" teilnehmen und darüber glücklich 
sind. Besonders was die so stolz verkündeten neuen Arbeitsplätze 
betrifft, die genau von den UnterstützerInnen der Geschwindigkeit 
frohlockt werden, so sind sie das deutlichste Beispiel, was mit dieser 
sinnlosen Erpressung eigentlich gemeint ist: acht Stunden am Tag auf 
gesundheitsschädlichen Bauplätzen, um ein Gebiet zu zerstören, in dem man 
lebt und um - eines Tages der grauenvoll nahe steht - noch schneller zur 
Arbeit fahren zu können. Eine Eroberung, auf die man wirklich nicht 
verzichten kann.

Damit hört es aber nicht auf. Wie es normalerweise in der demokratischen 
Welt passiert, ist die Scheinheiligkeit keine Prärogative einer einzigen 
betroffenen Partei, sondern aller oder fast aller Parteien. Genau so ist 
es auch passiert: kaum hat sich unter der Bevölkerung der Val di Susa dem 
TAV gegenüber ein gewisser Unmut verdeutlicht, sind die Profis der 
Resozialisation anmarschiert, um von diesem Unmut nicht übertroffen zu 
werden, Unmut der sich auch auf andere Bereiche erweitern hätte können. 
Die Rolle dieser Konsensgeier, im besonderen Falle Rifondazione 
Comunista, die Grünen und die Bündnisse für Umweltschutz, war sehr 
deutlich zu erkennen: sofort dort eingreifen, wo es zu einer Spaltung 
zwischen den Interessen des Kapitals und der Bevölkerung gekommen ist um 
den Konflikt zu schlichten, dies im Rahmen eines friedlichen und 
unschlüssigem demokratischen Geschwätz, mit dem kleine Forderungen 
gestellt werden, damit alles beim Alten bleiben kann.
Daß die Hochgeschwindigkeit der Umwelt hohen Schaden zufügt 
(idrogeologische Verschiebungen, Lärm,  noch höherer elektromagnetische 
Verschmutzung, Zerstörung des Gleichgewichtes der Fauna, usw.) ist allen 
bekannt, daß dieser Aspekt - der Offensichtlichste und der Einzige der 
von den Umweltschützern kritisiert wird - sich nicht durch 
Lärmschutzwände und ein paar Umleitungen der Linie, oder gar mit der 
Umleitung in ein anderes Tal lösen läßt, ist wohl offensichtlich; das 
Gegenteil zu behaupten, bedeutet eine Dummheit zu sagen, die keine 
zusätzlichen Wörter verlangt.
Der Kernpunkt dieser Angelegenheit befindet sich in der Auffassung und 
der Verwaltung unseres Lebens, unseres Zeitgefühls, unserer Freiräume und 
somit ein störendes Element für die Produktion und die Weiterleitung der 
Waren darstellt. Die Umweltschäden sind nichts anderes, als eine 
unausweichbare Konsequenz des Kapitals über die Ressourcen. Also ist der 
einzige Konflikt der es Wert ist geführt zu werden, um ihn zu gewinnen, 
derjenige der auf der einen Seite die Menschen sieht, die immer noch die 
Freiheit lieben und auf der anderen Seite, das Kapital mit all seinen 
Strukturen und UnterstützerInnen. Die ReformistInnen, egal ob grün, rot 
oder schwarz, werden diese Banalitäten nie zugeben, denn sie wissen ganz 
genau, daß sie die Ersten wären, deren Arschbacken den Boden küssen 
würden.

In diesem Sumpf von Lügen und Partialitäten, so scheint es uns, sind die 
einzigen seriösen und ehrlichen Argumente die Angriffe und 
Sabotageaktionen von denjenigen die von diesem Zug und dieser 
zusätzlichen Unterdrückung nichts wissen wollen.
ReformistInnen und UmweltschützerInnen haben anfangs diese "Gewalttaten" 
mit dem Argument "sie seien dem echten und demokratischen 
Umweltschutzkampf schädlich" verurteilt - dann haben sie ein Wettrennen 
der vollkommenen Idiotie gestartet: "das ist sicherlich das Werk eines 
Wahnsinnigen, eines Provokateurs, der Wettbewerber der Asphalte, oder gar 
des Geheimdienstes". Also hätten es alle gewesen sein können, außer 
denjenigen die ein wirkliches Interesse daran haben, diesen weiteren 
Umweltschaden zu sabotieren.
Später wurden drei Personen aus dem anarchistischem Spektrum festgenommen 
und angeklagt, die Verantwortlichen dieser Angriffe zu sein. Ob sie es 
tatsächlich waren oder nicht, scheint für die italienischen 
Sondereinheiten (ROS) und die Richter nicht das Problem zu sein, genauso 
wenig wie ihnen der Tod von Edoardo Massari im Gefängnis, und der 
Selbstmord von Maria Soledad Rosas im Hausarrest Sorgen bereitet. Das 
sind Dinge die vorkommen. Das wichtigste ist jemanden zu finden, dem man 
die Kleider des Feindes überziehen kann.
Ökoterroristen. So wurden sie definiert. Was aber bedeutet dieses Wort? 
Wer sind die wirklichen Terroristen? Diejenigen die ganze Täler 
verwüsten, um ihre Profite und die soziale Kontrolle zu erhöhen, oder 
diejenigen die sich dazu entscheiden sich dagegen aufzulehnen mit den 
Mitteln die sie für angemessen halten? Was macht mehr Angst: ein 
Strommasten vor der Haustür, oder eine Molotov gegen einen Bauplatz durch 
den bleibende Umweltschäden erzeugt werden? Wir haben diesbzgl. keine 
Zweifel. Terroristen sind diejenigen, die mit Lügen und Knast einen 
Progreß aufzwingen der nur der Progreß der Herrschenden ist und dazu 
dient unser Leben zu zerstören. Terroristen sind diejenigen die uns 
einsperren, uns verwalten, uns entwürdigen und uns Tag täglich dem Tod 
ein Stück näher bringen, dies im Namen eines "gemeinsamen Wohles", das 
nichts anderes ist als das gemeinsame Wohl des Staates und des Kapitals. 
Wir stehen auf der anderen Seite, mit all den Menschen die heute noch von 
einem anderen Leben träumen, das nicht von solch einem Fluch überschattet 
ist.

Wir schlagen vor nicht zu resignieren. Es stimmt nicht, daß - so wie sie 
es uns sagen - es nur diese Welt geben kann, oder eine noch schlimmere. 
Wir schlagen eine permanente Feindseligkeit, gegenüber solcher Projekte 
wie das der Hochgeschwindigkeit, vor. Dieses ist ein konkretes Instrument 
eines Progresses der unausweichbarer Feind des Menschen ist. Wer die 
GenossInnen sein werden die diesen Kampf führen werden, wird sich auf dem 
Weg dahin zeigen, die Feinde stehen jedoch schon in einer Reihe und sind 
jetzt schon erkennbar. Es sind die UnterstützterInnen des technologischen 
Wahns, es sind Männer und Frauen in Fleisch und Blut, es sind konkrete 
Strukturen, es sind alle PolitikerInnen und ReformistInnen - die besten 
Wachhunde die den Herrschenden zur Verfügung stehen - die den Kampf 
anderer verwalten möchten, damit sich auch ja nichts ändern kann. Die 
Methoden können die des wilden Streiks sein, die der Verweigerung der 
Kooperation, der Boykott bis hin zur Sabotage und alle anderen Methoden 
die sich im Laufe des Kampfes mit Phantasie und Konfrontation entdecken 
und experimentieren lassen. Unsere Selbstbefreiung kann sich nicht auf 
den Umweltschutz oder auf kleine vorausgegangene, vom Kampf erzeugte, 
Ergebnisse begrenzen. Es ist unausweichbar zum Angriff überzugehen auf 
all das Schadvolle was uns umgibt. Wir müssen uns immer vor Augen halten, 
daß die Welt der wir gegenüberstehen aus einem einzigen Stück ist, daß 
die Hochgeschwindigkeit nur ein Teil von ihm ist, und diesen zu 
kritisieren und anzugreifen ein erster Schritt ist die historischen 
Gründe zu eliminieren, die solche Horrors ermöglicht haben. Der unsere 
ist der Schrei derer die es leid sind sich dauernd von den Schäden der 
Herrschenden verteidigen zu müssen, um überleben zu können. Er ist 
wiedereinmal, der Schrei der Revolte.

				        		      
Koordination gegen die Hochgeschwindigkeit



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