A - I n f o s
a multi-lingual news service by, for, and about anarchists **

News in all languages
Last 40 posts (Homepage) Last two weeks' posts

The last 100 posts, according to language
Greek_ 中文 Chinese_ Castellano_ Català_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ The.Supplement

The First Few Lines of The Last 10 posts in:
Greek_ 中文 Chinese_ Castellano_ Català_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe
First few lines of all posts of last 24 hours || of past 30 days | of 2002 | of 2003 | of 2004 | of 2005 | of 2006 | of 2007 | of 2008 | of 2009 | of 2010 | of 2011 | of 2012 | of 2013 | of 2015 | of 2016 | of 2017

Syndication Of A-Infos - including RDF | How to Syndicate A-Infos
Subscribe to the a-infos newsgroups
{Info on A-Infos}

(de) FdA/IFA - gai dao #81 - Zum Verhältnis von Anarchie, Solidarität, Fe­minismus und Militanz Von: ana*m 1

Date Thu, 28 Sep 2017 09:53:45 +0300


Als wir uns als Gruppe neu gegründet haben, war uns schon immer bewusst gewesen, dass wir eine geschlossene, militant agierende, anarcha-feministische Gruppe sein wollen. Dass wir mit dieser Entscheidung einen relativ selten begangenen und vielleicht auch einen nicht einfachen Weg einschreiten würden, wurde uns in den letzten Monaten immer klarer. ---- In Deutschland ist innerhalb der anarchistischen Bewegung die Strömung des "Anarcho-Pazifismus" mit ihren Vertreter*innen, wie die der bekannten "Graswurzelrevolution" 2 , stark ausgeprägt: „Bis heute ist sie (...) das langlebigste Sprachrohr des deutschen Nachkriegsanarchismus“ 3 . Dieser pazifistische Gedanke ist aber nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal der anarchistischen Szene, sondern auch auf einen Teil der "linken Bewegung" im deutschsprachigen Raum übertragbar: Militanz ist verpönt und wird als kontraproduktiv angesehen. Während in anderen Regionen, wie in Griechenland, Spanien oder Frankreich, die linke Szene Militanz befürwortet und nutzt, sind militante Aktionsformen hier in Deutschland fast in Vergessenheit geraten.

Seit ein paar Jahren dagegen scheint es erneut ein Aufleben militanter
Aktionsformen zu geben. Mit den Protesten und Ausschreitungen seit
Blockupy 2015, der Verteidigung der Rigaer94 in Berlin und während
der "NO-G20"-Aktionstage in Hamburg sind die hier beschriebenen Fol-
gen deutlich zu erkennen: Militanz wird als politische Aktionsform an-
gewandt und es hagelt Entsolidarisierung, Distanzierung und Vorwürfe,
dass "Gewalt kein politisch legitimes Mittel sei" und diejenigen, die Ge-
walt als Protestform anwenden "unpolitische Akteur*innen" sind. So
werden auch links des gewohnten "Mimimi" der Bratwurst-essen-gegen-
Rechts-Fraktion Stimmen immer lauter, für die brennende Autos ein
größeres Problem darzustellen scheint als die tagtägliche Gewalt des
kapitalistisch-etatistisch-patriarchalen Normalzustandes.4

Solidarität und Anarchie

Auch wir als Gruppe bekamen Kommentare wie diese zu spüren, wel-
che uns vorwarfen, der schönen deutschsprachigen anarcho-pazifisti-
schen Szene einen schlechten Ruf zu verpassen. Uns wurde konkret
vorgeworfen, mit unserer Politik das Vorurteil von "Molotov schmei-
ßenden Anarchist*innen" zu befeuern. Hier ein Zitat eines Linksun-
ten.Indymedia Kommentars zur Veröffentlichung unseres
Selbstverständnisses anlässlich unserer Gründung:

"Gerade diese selbst auferlegte Isolation (geschlossene Gruppen) vor der
Gesellschaft gab den reaktionären Kräften die Möglichkeit die Definiti-
onshoheit, was Anarchie bedeutet, zu gewinnen. Die Angst vor der An-
archie konnte so in die Gesellschaft transportiert werden, weil
Anarchist*innen sich aus eigener Angst vor Repressionen nicht in die
Öffentlichkeit getraut haben.

Im Endeffekt habt Ihr auch nur wieder einen "Echo-Raum" geschaffen,
wo Personen einer elitären Gruppe nur das zu hören bekommen, was sie
sowieso schon denken.

Dieser Hinterzimmer-Anarchismus befeuert nur die eh schon vorhande-
nen Vorurteile gegen die Anarchie" 5 .

Statt einer Solidarisierung findet eine Distanzierung statt, ohne wirklich
zu wissen, was wir als Gruppe für politische Arbeit leisten und welche
Themen wir behandeln wollen. Kommentare wie diese sind keine Form
von solidarischer Kritik, sondern eine Kritik von oben herab, meist oh-
ne Inhalt und Argumentation. Nur um hier ein paar Fakten klar zu
stellen: Die Gesellschaft, besonders die deutschsprachige, war und ist
reaktionär. Dementsprechend besteht eine reaktionäre Definitionsho-
heit über den Anarchismus ohnehin. Und um ehrlich zu sein, wenn der
heutige bürgerliche Mainstream uns nicht als eine feindliche Ideologie
wahrnehmen würde, dann sollten wir uns echt Gedanken über unsere
Politik machen.

Selbstverständlich wollen wir Menschen dazu bewegen, sich mit der
Idee des Anarchismus zu beschäftigen und kritisch über dieses System
zu reflektieren. Denn Anarchie heißt Leben: Es bedeutet den Versuch zu
starten das Leben so gut wie möglich in die eigenen Hände zu nehmen,
das Leben so zu leben, wie Mensch es möchte. Es bedeutet ein Leben
fernab von Unterdrückung und Diskriminierung, fernab von Leistungs-
zwang und Druck, fernab von materiellen Zwängen, traditionell kon-
servativen Normen und Werten. Sondern ein befreites Leben, ein Leben
in solidarischer Gemeinschaft, ein Leben, wo Mensch seine Bedürfnisse
nach seinen eigenen Maßstäben befriedigen kann, ein Leben, wo
Mensch sich frei entfalten kann.

--------------------------------------
[1] Für mehr Infos über unsere Gruppe: https://anam.noblogs.org/post/2017/04/09/selbstverstaendnis/
[2] Graswurzelrevolution bezeichnte sich aufihrer Internetseite als „gewaltfrei, radikal-demokratisch, antiautoritär, sozialistisch“und besteht seit 45 Jahren. Für mehr Information:
http://www.graswurzel.net/
[3] Zitat von Bernd Drücke aus dem Buch „Neoanarchismus in Deutschland“, geschrieben von Markus Henning und RolfRaasch, Kapitel: „Der gewaltfreie Anarchismus“, S. 180.
[4] Wir wollen hiermit nicht sagen, dass jede Form von Gewalt progressiv und zielführend ist. Sehr wohl gab es an diesen Riots viel zu kritisieren. Doch gibt es einen Unterschied zwischen
solidarischer Kritik und einer Kritik, welche sich komplett distanziert und Militanz als "unpolitische Aktionsform" bezeichnet.
[5] https://linksunten.indymedia.org/de/node/21502222
--------------------------------------------------

Doch zugleich dürfen wir nicht vergessen, dass es kein richtiges Leben
im falschen gibt und deswegen Anarchismus auch kämpfen bedeutet:
Für die befreite Gesellschaft und gegen alle reaktionären Tendenzen!

Es gibt gute Gründe, dass Menschen sich aus Angst vor Repression
schützen wollen und deswegen nicht offen agieren. Diese Gründe abzu-
werten sind ein sehr heftiger Angriff auf die Möglichkeit als eigenstän-
diges Individuum Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Wir fragen
uns bei solchen Kommentaren kopfschüttelnd, ob diese Personen ein so
anderes Grundverständnis des Anarchismus haben als wir: Das eigene
Leben in die Hände zu nehmen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Herrschaftsfrei. Selbstbestimmt.

Anarchie bedeutet für uns auch Solidarität untereinander. Es gilt für ei-
ne solidarische befreite Gesellschaft einzustehen. Wir würden uns des-
wegen auch mehr Solidarität innerhalb der Szene wünschen. Es gibt
viele verschiedene Ansätze, das Ziel einer befreiten Gesellschaft zu er-
reichen und dies muss auch verbunden sein mit solidarischer Kritik,
Diskurs und gegenseitigem Respekt für die Arbeit anderer Mitstrei-
ter*innen. Wenn dies von Anfang an nicht gewährleistet ist, so ist diese
Bewegung von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Nicht jede Einzel-
person und Gruppe kann das unglaublich breite Spektrum an politischer
Arbeit leisten, sondern sich einzelne Themen davon nehmen um daran
zu arbeiten. Zu sagen, dass es nur "einen richtigen politischen Weg und
Ansatz" gebe und alles andere falsch wäre, ist ein dogmatischer und to-
talitärer Gedanke und fernab vom allem, was wir als anarchistisch ver-
stehen.

Wir sehen jede emanzipatorische Gruppe als potentielle Verbündete an,
auch pazifistisches Denken und Handeln sollen ihren Platz in der Bewe-
gung haben. Doch auch Militanz ist Teil davon und sollte als solcher
anerkannt werden und Solidarität erfahren.

Erneut, wir haben eigentlich kein Problem damit, wenn Gruppen oder
Einzelpersonen pazifistisch handeln und denken, doch wir haben sehr
wohl ein Problem da-
mit, wenn diese sich
dazu ermächtigen uns
eine Lehrstunde in
"gutem oder schlech-
tem" Anarchismus zu
geben.

Militanz und Pazifismus

Wie am Anfang be-
schrieben, distanziert
sich die deutschsprachige anarchistische Bewegung des Öfteren von
Militanz. 6 Deshalb sehen wir uns jetzt dazu gezwungen, ein paar kriti-
sche Worte zu schreiben und unsere Sichtweise darzulegen.

Gewalt ist immer eine Form von Herrschaft und Macht. Deswegen be-
deutet es für uns Anarchist*innen Gewalt als solche abzulehnen und zu
versuchen sie zu vermeiden. Dies ist die Argumentation von Pazi-
fist*innen und ja, gewissermaßen entspricht es der Wahrheit. Allerdings
ist eine Formulierung wie diese auch ein sehr verkürzter Gedanke.
Denn Gewalt ist nicht gleich Gewalt. Es findet eine Täter*innen-Opfer-
Umkehr durch eine solche Sichtweise statt, welche schlussendlich die
Täter*innen schützt.

Gewalt erzeugt Gewalt? Ja, auch ein gängiges Argument von Pazi-
fist*innen und ja, auch wir stimmen dem zu. Schließlich leben wir in
einer Welt voller Gewalt und Herrschaftsmechanismen: Sexismus, Ras-
sismus, LGBTQI*-Ablehnung, Ableismus, Klassismus etc. Viele von uns
bekommen Diskriminierungen im Alltag zu spüren. Wir leben in einer
Welt, in der eine freie Entfaltung unserer Persönlichkeit schwer mög-
lich ist, in der wir an materielle Zwänge gebunden sind, in der wir den
Großteil unserer Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Dieses System tötet uns. Jeden Tag. Ob in Kriegen, an der Grenze, auf
den kalten Straßen, in einsamen Zimmern ohne Perspektiven. Am An-
fang war nicht der Pflasterstein, sondern die Wut und Trauer, die uns
dazu bewegten, diesen zu werfen.

Wir wollen ein Ende der Gewalt, deswegen sind wir, unter anderem,
Anarchist*innen.

Insofern wollen wir natürlich Friede, Freude und vegane Pfannkuchen-
Torte 7 . Die Abwesenheit von Gewalt ist dementsprechend selbstver-
ständlich etwas Erstrebenswertes. Doch besteht diese Welt aus Gewalt
und ist auf ihr aufgebaut, sei es strukturelle oder institutionalisierte,
symbolische oder psychische, sei es Krieg oder wenn du aufgrund dei-
ner persönlichen
Merkmale verbal o.
körperlich angegrif-
fen wirst. Es geht
darum, uns und un-
sere Mitstreiter*in-
nen zu schützen und
diejenigen, die diese
Gewalt ausüben,
auszubremsen. Ein
Angriff auf Angrei-
fer*innen ist somit
Selbstschutz!

----------------------------------------
[6] Als Beispiel: http://www.graswurzel.net/350/gewalt.shtml
Dieser folgende Artikel mit der Überschrift: „Je mehr Gewalt, desto weniger Revolte“ befasst sich mit der Kritik an Militanz an den Beispielen von Ausschreitungen in Griechenland und Frankreich. Es werden dabei Beispiele angeführt die auch von unserer Seite aus kritikwürdig sind. Militanz sollte nicht die Grenze von Menschenleben überschreiten. Dem stimmen wir zu.
Auch wird die Verknüpfung von Mackertum und Militanz zu Recht kritisiert und analysiert. Trotz dessen ist dieser Artikel unserer Meinung nach erneut viel zu einseitig geschrieben. Es wird viel zu wenig aufdie Situationen in den französischen Vorstädten oder der finanziellen Krise in Griechenland eingegangen, welche überhaupt zu einer solchen Wut und dem daraus folgenden Riots führte. Auch wird die Repression, die Verteidigung von besetzten Häusern oder das autonome Viertel Exarcheia in Griechenland, welche sich eben durch Militanz gegenüber Repression verteidigen kann, viel zu wenig beleuchtet. Militanz wird als solche verachtet und wie der Text schon heißt "Je mehr Gewalt, desto weniger Revolte" abgekürzt, ohne auch die positiven Folgen dessen aufzuführen. Auch ist der Text in seiner Art sehr widersprüchlich: Zum einen werden „Steine, Mollis und Schusswaffen als verletzende und tötende Kampfmittel“ bezeichnet und somit abgelehnt, zugleich werden am Ende des Textes verschiedene Frauen*-Aufstände beschrieben, welche aber ähnliche Kampfmittel benutzten. An einer anderen Textstelle wird diese „Gewalt“ als
„Verrat an der puren Revolte, eine negative Identifikation mit dem Aggressor“ bezeichnet. Militanz, wie wir auch im Text kritisierten, als kontraproduktiv und wie die Überschrift auch verdeutlicht als „anti-revolutionär“bezeichnet. Es findet keine solidarische Kritik statt, sondern eine Kritik von oben herab.
[7] Rezept: http://www.chefkoch.de/rezepte/2631801413397402/Herzhafte-vegane-Pfannkuchen-Torte.html
------------------------------------------

Pazifismus ist zumeist ein Privileg. Oft handeln diejenigen pazifistisch,
welche innerhalb dieses Systems eine mit Privilegien ausgestattete Stel-
lung besitzen. Für eine cis-weiße und nicht am Existenzminimum le-
bende Person ist es sehr viel einfacher Gewalt abzulehnen. Andere von
uns haben nicht die Möglichkeit ein so einfaches Leben zu führen, weil
wir jeden Tag Gewalt erleben. Als linke, nicht-weiße Person aus dem
tiefsten Dorf aus Sachsen kommst du mit Pazifismus nicht weit, wenn
die lokale Nazi-Gang dir auflauert und dich zusammenschlagen will.
Oder wenn wir Frauen* von Mackern aggressiv bedrängt werden und
wir Angst davor haben müssen, dass uns Selbstbestimmung über unse-
ren eigenen Körper genommen wird. Genauso wenig, wenn autoritäre
Staaten Genoss*innen ermorden und in Gefängnissen stecken.

„Wer sich aus Pazifismus heraus nicht gegen Naziangriffe verteidigen
möchte, kann das tun, sollte sich aber nicht Menschen in den Weg stel-
len, die anderes vorhaben, die sich verteidigen. Sich öffentlichkeitswirk-
sam von militanten Strategien zu distanzieren hilft der demokratischen
Mehrheitsmeinung dabei, „Linksextremisten“ zu diffamieren und die
Mitte der Gesellschaft gegen sie aufzuhetzen. Wird jedoch häufiger die
Notwendigkeit von Radikalität und Militanz verständlich begründet, so
könnte diese mehr Akzeptanz finden. Eine Linie ist aus anarchistischer
Sicht jedoch dann überschritten, wenn Menschen, welche austauschbare
Funktionär*innen des Systems sind, als Sündenböcke inszeniert und
„eliminiert“ werden. Nicht nur finden sich hier Elemente der Ent-
menschlichung und des strukturellen Antisemitismus, „die da oben“, „ei-
ne kleine Gruppe von Kapitalisten und Politikern“ für das Übel der Welt
verantwortlich zu machen ist schlicht verkürzt. Es bedarfhier einer aus-
führlicheren Analyse der herrschenden Verhältnisse. Entzieht den Wur-
zeln des Systems ihren Boden, anstatt einzelne Früchte zu entsorgen! 8 “.

Dass in Deutschland Militanz so verhasst ist, spricht von einer sehr pri-
vilegierten Stellung der "deutschsprachigen Linken". Im Gegensatz zu
autoritärer regierten Staaten müssen wir nur in den seltensten Fällen
Angst um unser Leben haben.

Schon Errico Malatesta hatte in seiner Schrift "Anarchismus und Ge-
walt" kluge Worte zum Verhältnis zwischen beiden Thematiken gefun-
den:

"Von diesem Standpunkt aus ist die Gewalt kein Widerspruch zum An-
archismus und seinen Prinzipien, denn sie ist nicht das Resultat unser
freien Wahl und Entschließung. Wir sind oftmals gezwungen, die Ge-
walt anzuwenden indem wir gezwungen werden, uns zu verteidigen,
solche Rechte, welche durch brutale Gewalt unterdrückt werden, zu ver-
teidigen.

Nochmals sei es konstantiert: als Anarchisten haben wir nicht die Ab-
sicht, nicht den Wunsch, die Gewalt zu benutzen, wenn man uns nicht
zwingt, sich oder andere gegen Unterdrückung zu verteidigen. Und nur
dieses Recht der Selbstverteidigung fordern wir voll und ganz!".

Militanz und Feminismus

Militanz und Gewalt wird sehr oft gleichgesetzt mit "Antifa-Macker-
tum". Zum einen stimmen wir dem zu und zum anderen kritisieren wir
diese Gleichsetzung.

Die linksradikale Szene hat ein Problem mit Mackertum. Wer kennt sie
nicht, die "coolen Antifa-Dudes", die stolz darüber erzählen, wie viele
Nazis sie letztes Wochenende auf dem Nachhauseweg geklatscht haben
und mit ihrem dominanten und Raum einnehmenden Verhalten Sexis-
mus auch innerhalb von linken Räumen und Gruppen reproduzieren.
Damit wollen wir nicht zum Ausdruck bringen, dass es schlecht sei Na-
zis zu boxen, sondern dass ein Fetischisieren politischer Gewalt und ein
Abfeiern dieser falsch ist. Gewalt ist manchmal notwendig, bleibt aber
schlussendlich ein notwendiges Übel.

Dieser Sexismus und die cis-männlich dominierte linksradikale Szene
waren Gründe, warum wir uns als Gruppe dazu entschlossen haben ei-
ne Genderquotierung einzuführen, um diesem Umstand entgegenzu-
wirken. Wir haben keine Lust noch eine weitere männlich dominierte
Gruppe zu sein.

Gewalt, Stärke und Kraft sind männlich zugeschriebene Attribute und
werden durch das Patriarchat reproduziert. Insofern ist es auch nicht
verwunderlich, dass Militanz als Begriff mit Mackertum gleichgesetzt
wird. Während Frauen* innerhalb der patriarchalen Denkweise als das
gegenteilige dargestellt werden: Friedlich, Schwach und Kraftlos. Auf
Grund dieser Sozialisation fällt es cis-männlichen Linksradikalen leich-
ter, militant zu agieren und sich mit den damit assoziierten Attributen
zu identifizieren. Währenddessen wird es uns als Frauen* schwerer ge-
macht, sich in dieser männlich dominierten Szene zu behaupten und
militante Aktionsformen für sich zu nutzen. Das Patriarchat, dass Frau-
en* die Militanz abspricht, macht auch vor linken Räumen nicht Halt.

Aus diesen Gründen sind wir der Meinung, dass nicht die Militanz an
sich bekämpft, kritisiert und sich davon distanziert werden muss, son-
dern Mackertum und patriarchale Verhältnisse, sowohl gesamtgesell-
schaftlich, als auch explizit in linken Räumen. Wir als Gruppe möchten
keine patriarchalen Denkweisen reproduzieren, sondern klar sagen, dass
auch Frauen* militant und stark sein können, ohne dass es ihrer Gen-
derpositionierung widerspricht.

Oder um es mit einem Zitat aus dem bundesweiten Fantifa Treffen ` 93
abzuschließen:

"Unser Frauenalltag per se ist kämpferisch, wir sind nicht gegen Mili-
tanz, sofern sie zielgerichtet und für uns sinnvoll ist. Wir unterstützen
gemeinsames, miteinander abgestimmtes, konsequentes Bekämpfen von
FaschistInnen wo immer es möglich ist. Wir wehren uns aber gegen Mi-
litanz als Selbstzweck, die andere unnötig gefährdet und mehr dem
männlichen Profilierungsgehabe als dem politischen Kampfdient" 9 .

Wir bleiben dabei: "Make Anarcha-Feminism A Threat Again!"

----------------------------------------------------
[8] Wir empfehlen diesen vorliegenden Text mit dem Titel:“Für einen anarchistischen Anarchismus“: http://infoladenazkoeln.blogsport.de/2015/10/29/fuer-einen-anarchistischen-anarchismus-zur-kritik-an-pazifismus-und-basisdemokratie/
[9] Siehe FANTIFA 2013, S.5424
_________________________________________
A - I n f o s Informationsdienst
Von, Fr, und Ber Anarchisten
Send news reports to A-infos-de mailing list
A-infos-de@ainfos.ca
Subscribe/Unsubscribe http://ainfos.ca/mailman/listinfo/a-infos-de
Archive: http://www.ainfos.ca/de
A-Infos Information Center