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(de) FDA-IFA, Gai Dao N°68 - Zum Reformationsjahr 2017 Von: Helge Döhring

Date Sun, 11 Sep 2016 12:45:49 +0300


Geht dir Luther auf die Nerven? Spätestens nächstes Jahr ist es soweit. Das sogenannte „Reformationsjahr“ 2017 wird von der herrschenden Elite in zahlreichen Veranstaltungen gefeiert werden. 2017 soll es sogar einen gesetzlichen Feiertag geben. Denn Martin Luther ist einer von ihnen. Vor 500 Jahren verstand er es meisterhaft, die revolutionäre Bewegung der Reformation zu bändigen. Als ihr Anführer wandte er sich von ihr ab, um schließlich gegen sie aufzutreten. Diese Kehrtwende trat vor anderen Kulissen in der Geschichte bis heute immer wieder auf. ---- Kaum jemals in der Geschichte ist das sozialrevolutionäre Prinzip dem andienend-reformistischen Prinzip jedoch so lehrreich entgegengetreten wie in der Zeit der Reformation um 1517. Allein diese Tatsache lohnt für uns schon den Blick in die etwas weiter zurückliegende Geschichte.

Dieses Andienen ist zwar ein Prinzip in der Geschichte, dennoch blieb
es niemals unwidersprochen! Und so wie die Herrschenden ihre Tradi-
tionen im „Reformationsjahr“/„Lutherjahr“ mächtig und als alternativ-
los hervorheben werden, so können wir unsere Traditionen ans Licht
bringen. Denn die Reaktion hatte arg zu kämpfen, ihre Herrschaft
durchzusetzen. Künftige Generationen können es richten.

Vor 500 Jahren sammelte sich die sozialrevolutionäre Bewegung unter
verschiedenen Persönlichkeiten. Deren bedeutendste war Thomas
Müntzer (um 1490-1525), der in der westlich-kapitalistischen Ge-
schichtsschreibung, in ihrer Gedenkpolitik sowie in den Lehrplänen ver-
schwiegen wird.

In der anarcho-syndikalistischen Bewegung war Thomas Müntzer hoch
angesehen, ihm wurde der 15. Kongress der „Freien Arbeiter-Union
Deutschlands“ (FAUD) im Jahre 1925 gewidmet. Rudolf Rocker (1873-
1958) sprach unter dem Beifall der Kongressdelegierten:

„Aber der Mann, der mit seinen Gesellen ganz Deutschland aufflammen
ließ, war Thomas Münzer, seiner wollen wir gedenken. In diesem Monat
sind vierhundert Jahre seit dem Bauernkrieg verflossen. Nehmen Sie
diese Parallele mit ins Land hinaus und gedenken Sie dieses Vorläufers
der sozialen Revolution in ihren Ortsversammlungen. [...] Wir [...]
wollen eine Welt erobern, wie sind Nachkommen jenes Prozesses, der
vor vierhundert Jahren von Thomas Müntzer geführt wurde, wir stehen
zu jenen, die nicht die Sache der Enterbten für einen Posten Linsen
verkaufen wollen. So glaube ich den Kongreß nicht besser beschließen
zu können, als daß ich in letzter Stunde den Riesenschatten Thomas
Müntzers in unserer Mitte heraufbeschwöre.“

Wer Rudolf Rocker etwas kennt, weiß, dass er nicht zu Personenkult
neigte, wenn er Thomas Müntzer außerdem eine „Monumentalfigur der
deutschen Geschichte“ nannte. Dies kann auch insofern unterstrichen
werden, als dass es in Deutschland erst knapp 400 Jahre nach den
Bauernkriegen wieder mit der Novemberrevolution 1918 zu Er-
hebungen ähnlichen Ausmaßes kam.

Das Institut für Syndikalismusforschung nahm sich dieser Geschichte
an und bringt eine Broschüre heraus unter dem Titel „500 Jahre Thomas
Müntzer! Zum Reformationsjahr 2017“.

Sie stellt die Zeit der Reformation dar, die sozial-politischen Ver-
hältnisse und das Wirken der sozialrevolutionären Bewegung, von
denen Müntzer nur einer war. Die Kämpfe gipfelten in den Deutschen
Bauernkriegen, die 1525 in der Schlacht bei Frankenhausen unter
Führung Thomas Müntzers ihren Höhepunkt fanden und zugleich ihren
Wendepunkt - zugunsten der herrschenden Klasse. Müntzer wurde
hingerichtet, sein Andenken entstellt. Einen weiteren Schwerpunkt in
dieser Broschüre stellt folglich die Rezeptionsgeschichte dar: Wie ist
Thomas Müntzer in die Geschichtsdeutungen zurückgekehrt? Warum
wurde er in der BRD verschwiegen und in der DDR verehrt? Wie kann
Thomas Müntzer jenseits autoritär-marxistischer Betrachtung geehrt
werden? Was kann die freiheitlich-sozialistische Bewegung dieser
Geschichte heute abgewinnen?

Weitere Infos

Helge Döhring: „500 Jahre Thomas Müntzer! Zum
Reformationsjahr 2017. Gedenken an Thomas
Müntzer und seine Mitstreiter der Deutschen
Bauernkriege 1524-1526“, Edition Syfo, Nr. 7,
Moers 2016, 32 Seiten, 2,50 Euro

https://www.syndikat-a.de/index.php?article_id=2
&cat=3987&prod=4265

https://syndikalismusforschung.wordpress.com/tho
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