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(de) FDA-IFA, Gai Dao N°68 - Aufruf zu Anarchistischen Perspektiven auf die Wissenschaft (“Call for Papers”) Von: Vorbereitungsgruppe

Date Thu, 8 Sep 2016 10:33:44 +0300


Wir freuen uns vom 28.30.10.2016 zu einer Neu auflage des „Anarchistische Perspektiven auf
die Wissenschaft“-Kongresses nach Hamburg einladen zu können. Wer ist dieses Wir? Das ist erst mal die Vorbereitungsgruppe, die sich aus unterschiedlichen Individuen der „anarchistischen Galaxie“ mit ebenso unterschiedlichen Ideen und Vorstellungen zusammensetzt. Das „Wir“ will sich aber nicht von den vielen unterschiedlichen Menschen, Zu sammenhängen und Gruppen im „Anarchismus“ abgrenzen, die – mal informell, mal formell organisiert – die vielseitigen Strömungen und Ausformungen ausmachen und sich manchmal nur auf Grundsätze wie Gegenseitige Hilfe, Direkte Aktion, Herrschaftsfeindlichkeit, Freie Assoziation, Ablehnung von Staat, Religion und Eigentum einigen können. Trotz aller Uneinigkeiten machen sie das aus, was sich heute in vielfältiger Weise auf dem Begriff Anarchie im Positiven bezieht. Das schließt per se „Anarchokapitalist*innen“ und „Anarchonationalist*innen" aus.

So wünschen wir uns, dass der kommende Kongress ein Begegnungsort
für all diese unterschiedlichen Anarchist*innen und daran Interessierten
wird. Ein solcher Begegnungsort ist für uns ein Ort für direkte Debatten
unter Menschen auch ohne Computer und Internet; ein Ort auch für
kontroverse Diskussionen; ein Ort an dem uns gegenseitige Kritik helfen
soll Alternativen zu einem exklusiven Umgang mit Wissen zu denken
und bestenfalls zu praktizieren, welche heute im akademischen Zirkus
eingesperrt zu sein scheinen.

Eine anarchistische Bewegung steht heute und zukünftig vor der
Herausforderung aktuelle Antworten auf drängende Fragen ihrer Zeit
zu finden und diese zu allgemein nutzbaren, änderungsfähigen Praxen
zu entwickeln. Dazu gehört nicht nur das Anstellen von Analysen und
der Austausch darüber, sondern gerade auch die permanente Weiter-
entwicklung anarchistischer Theorien und Strategien. Wir brauchen
Begegnungsräume, in denen wir vergangene Erfahrungen betrachten,
reflektieren und Schlüsse für die Zukunft ziehen. So beinhalten „alte
Bücher“ meist etwas Interessantes, auch heute noch Aktuelles. Es gilt
sie jedoch neu zu lesen, auf ihre heutige Brauchbarkeit hin zu prüfen,
sie sich wieder- und neu anzueignen; auch sollten neue Theorien
aufgestellt werden. Wir brauchen freie Formen der Wissensweitergabe,
die allen Menschen offen steht, und wir brauchen Orte, an denen dies
möglich wird.

Um diesem Anspruch näher zu kommen, möchten wir bei dem, was wir
hier Kongress genannt haben, unterschiedlichen Formen Raum geben.
Unsere Vorstellung ist eine bunte Mischung aus Vorträgen, Lesungen,
Workshops, Gesprächskreisen und vielleicht auch Filmvorführungen,
um so den Kongress für viele Menschen so zugänglich und attraktiv wie
möglich werden zu lassen. Wichtig ist uns kein exklusives Happening
für Akademiker*innen zu organisieren. Wir wünschen uns allen
Menschen einen Ort des Wissensaustausches und der Begegnung anzu-
bieten, egal welchen Zugang zu Bildung diese bisher haben konnten.
Dies soll als eine Einladung verstanden werden, zu beginnen die
gesellschaftlichen Barrieren nach besten Möglichkeiten zu überwinden.
Ausgehend von der Abschlussdiskussion des Kongresses 2015 erscheint
es uns sinnvoll, die im Folgenden aufgeführten Punkte als eine Art
inhaltlichen Rahmen vorzuschlagen:

1. Wege zu anarchistischen Formen der Wissensaneignung und Theorie-
produktion:

a) Formen/Praktiken einer anarchistischen Wissenschaft und Wissens-
vermittlung; Wie sind diese im Hier und Jetzt zu realisieren, unab-
hängig und im Konflikt stehend zu den normierenden, diszipli-
nierenden und Herrschaft reproduzierenden Institutionen (Schule, Uni,
...) der aktuellen Gesellschaft?

b) Möglichkeiten der inhaltlichen und methodischen Einflussnahme auf
„wissenschaftliche Fächer“, auf Grundlage anarchistischer Grundsätze
(sicherstellen das Wissenschaft ohne Herrschaft möglich wird) z.B.
Zugang zu Wissen und Weitergabe, Öffnung der Forschung für
anarchistische Interessengebiete.

2. Wissenschaftliche Betrachtungen und Aneignung der anarchistischen
Ideengeschichte – Erforschung und zugänglich Machen diesbezüglicher
historischer Schriften und Überlieferungen. Was können brauchbare
anarchistisch-wissenschaftliche Methoden sein? Wie konstituiert sich
eine „Anarchismusforschung“ welche sich der Vereinnahmung und
Kontrolle durch die aktuellen Wissensinstitutionen entziehen kann?

3. Anarchistische Betrachtungen von Wissenschaft aus einem erkennt-
nistheoretischen Blickwinkel, mit dem Ziel der Weiterentwicklung be-
stehender anarchistischer Ideen / Theorien bspw. in Bezug auf die nicht
repressiven Techniken der Herrschaftssicherung, zur Frage der sozialen
und interkulturellen Differenzen, Schnittmenge von verschiedenen Dis-
kriminierungsformen (Intersektionalität), Queer-Theorie, ...

Hierzu laden wir alle Interessierten zu einem „Call for Papers“ ein, mit
eigenen Beiträgen am Kongress teilzunehmen, sodass das Programm
nicht nur aus unserer Filterblase entspringt und weiter an Vielseitigkeit
gewinnen wird.

Wir bitten um das Einreichen einer aussagekräftigen Beschreibung des
geplanten Inhalts (max. 2 Seiten) mit einem Titel bis zum 21.08.2016 an
anarchie-uhh@riseup.net (PGP möglich) mit dem Betreff „Beitrag A-
Kongress 2016“. Eine kurze Information zu Person oder zum Gruppen-
zusammenhang wäre ebenfalls gut. Eine Antwort als Resultat der Aus-
wahl durch die Vorbereitungsgruppe wird ab dem 31.08.2016 erfolgen.
Als Orientierung sind für Vorträge/Lesungen 30-45 Minuten (+30Min.
Diskussion) und für Gesprächskreise/Workshops 2,5 Stunden Zeit
angedacht.

Des Weiteren wollen wir dazu einladen, 2-3 Tage direkt vor dem
Kongress für ein vertieftes Arbeiten zum Thema zusammenzukommen.
Dazu bitten wir auch um eine Anmeldung per Mail, um sehen zu
können, ob sich dafür ausreichend Teilnehmer*innen finden. Schickt
uns gerne auch Feedback, Kritik und Anmerkungen!

Wir freuen uns auf deine/eure Teilnahme!
Die diesjährige Vorbereitungsgruppe

Weitere Infos
http://anarchie.userblogs.uni-hamburg.de/

Beiträge an:
anarchie-uhh@riseup.net (PGP-Key gibt es vom
Schlüsselserver oder per Mailanfrage)
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