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(de) FDA/IFA, Gai Dào #47 - Für die Anarchistische Föderation der Karibik von: Kiskeya Libertaria (Dominikanische Republik) und Taller Libertario Alfredo López (Kuba) / Übersetzung: BS

Date Thu, 27 Nov 2014 16:35:48 +0200


Seit einiger Zeit erstarkt der Anarchismus in der Karibik. Eine kubanische und eine dominikanische Gruppe rufen nun zur Gründung einer anarchistischen Föderation auf. ---- Vorwort der Redaktion: Der im Text erwähnte, geplante Kongress ist mittlerweile für das Wochenende am 21./22.3.2015 in Santiago de Los Caballeros (Dominikanische Republik) angesetzt. Die Redaktion wird das Thema weiterverfolgen. Weitere Informationen zum aktuellen Anarchismus auf Kuba findet ihr in früheren Gaidao-Ausgaben. ---- I. ---- Die Karibik war einer der auserwählten Schauplätze, in denen sich die sogenannte Moderne, diese explosive Mischung aus Kapitalismus und Staatlichkeit, der Welt ihre am wenigsten vorzeigbaren Seiten zeigte. Die andauernde Barbarei, aufgeteilt auf spanische, englische, französische, niederländische und andere imperialistische Akteure, bereitete den Raum für eine Jahrhunderte dauernde Wende zu einer
Welt aus isolierten Inselbewohner*innen, die gehorsam gegenüber
den Signalen aus den alten und den neuen kolonialen Metropolen
sind und oftmals so weit kastriert wurden, dass ihnen die Fähigkeit
fehlt, ohne bevormundende Vermittler*innen miteinander zu spre-
chen. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte der Karibik die
Leidenschaft zur Entkolonialisierung und der "souveränen Staaten",
die unterm Strich eine weitere Stufe der Isolierung bewirkte, welche
scheinbar in den letzten Jahren abgeschwächt wurde durch Verei-
nigungen und Allianzen zwischen diversen karibischen Staaten.
Nichtsdestotrotz ist das, was sie uns als "Einheit der Völker" anbie-
ten, eine Union der aktuell Regierenden. Bis auf seltene und wun-
derbare Gelegenheiten ist dies keine (und war es auch nie) Allianz
von konkreter Brüderlichkeit, von Personen, die geeint sind in einem
mühsamen Ideal von befreiendem Anti-Autoritarismus.

II.

Wir, die Genoss*innen von Kiskeya Libertaria aus der dominikani-
schen Region und die vom Taller Libertario Alfredo López in Havan-
na, haben uns entschieden, unsere Anstrengungen zu vereinen, um
eine Anarchistische Föderation der Karibik auszurufen, in der wir
uns organisieren um hier und jetzt unsere Vorschläge zu vereinen: Für
eine Gesellschaft, die auf den von uns gewünschten Prinzipien von
Selbstverwaltung, freiwilliger Assoziation und gegenseitiger Hilfe
basiert, und ohne alle sozialen Beziehungen, die auf Hierarchien, Au-
torität und Diskriminierung wie Staatlichkeit, Kapitalismus, Klassis-
mus, Sexismus, Rassismus, Kolonialismus, Urbanismus, Industrialis-
mus oder Akademikertum und einer Unmenge an mehr oder weniger
institutionalisierten Erscheinungsformen von Macht auskommt. Die-
ser Verflechtung aus Herrschaftsformen wollen wir unsere Antwort
aus gegenseitiger Hilfe, Selbstverwaltung und Solidarität mit einem
klaren antiautoritären und libertären Geist entgegenstellen. Dieses
föderative Projekt wird nicht von vornherein eine bestimmte Form
des Anarchismus befördern, denn wir sehen den Anarchismus in kei-
ner seiner Strömungen als ein Dogma an, sondern als eine Bewegung
der Annäherung, des freien und eifrigen Lernens hin zu der Welt,
die wir wollen, ohne Unterdrückung, ohne Ausbeutung, ohne heilige
Autoritäten oder paralysierende Befehle. In diesem Sinne wird sich
die Föderation für Solidarität und Selbstbestimmung einsetzen und
Projekte aufbauen, in denen Personen und Kollektive kooperieren, die
sich selbst kohärent als "Anarchist*innen" definieren, ferner auch mit
denjenigen, die ohne ihren anarchistischen Lebensumstand an die
große Glocke zu hängen, in jedwedem Umfeld in diesem brüderlichen
und befreiendem Geiste täglich leben und so handeln, dass es weder
Hirt*innen noch Herden, weder Dirigent*innen noch Dirigierte gibt
.
III.

Die Grenzen der Karibik zu definieren war von jeher ein mühseli-
ges Definitionsproblem für etliche Sozialwissenschaften. Allerdings
stellt dies für uns kein Problem dar, sondern eine Chance. Die Karibik
besteht nicht nur aus ihren Inseln oder den angrenzenden Festland-
gebieten, die Karibik existiert dort, wo diejenigen sind, denen Wider-
sprüche und Ungleichheiten Schmerzen und Leiden bereiten. Aber
sie ist auch dort, wo die Freund*innen und Genoss*innen sind, die
ihre Ideen, ihre Gefühle und ihre Kämpfe teilen. Deshalb verpflich-
ten wir, die wir die Anarchistische Föderation der Karibik aufleben
lassen, uns dazu, die Einbindung der Genoss*innen aus Zentralame-
rika zu suchen, von wo im Jahr 2010 der erste föderative Impuls in
Zentralamerika und der Karibik erwuchs - durch die Genoss*innen
des Colectiva La Espiral und ihrer Zeitschrift "La Libertad" in San
José in Costa Rica.

Von ihnen müssen wir uns den Hinweis zu Herzen nehmen, dass es
für einen föderalen, regionalen Prozess "wichtig ist, zuerst die loka-
len Prozesse der Ausbildung einer libertären Praxis und Mentalität
zu stärken". Wobei sie selbst darauf hinweisen, dass eine regi-
onale Föderation ein Mittel sein kann, dass "unsere Identität
dynamisiert und stärkt (...) während wir mit den Füßen stets
fest in der Realität verankert sind". Welchen Sinn hat der An-
archismus in unserer Region? Was sind die Möglichkeiten?
Was sind Grenzen und Schwierigkeiten? Das sind einige der
Fragen, die uns unsere zentralamerikanischen Genoss*innen
vor vier Jahren hinterlassen haben, und die in den lokalen
Versammlungen miteinander besprochen werden könnten,
als Ausgangspunkt für den erneuten Versuch einer regiona-
len Organisierung. Das, wovon wir träumen, ist nicht beglei-
tet vom Glanz "objektiver Bedingungen", aber im Gegensatz
zu anderen glauben wir nicht daran, dass die Verhandlung
von verzerrten Fragmenten unserer Ideale oder das Ruhen-
lassen unserer Ideale für eine unbestimmte Zeit im Winter-
schlaf für bessere Momente, uns weiter brächte als das, was
wir bereits kennen. Mit großer Wahrscheinlichkeit müssen
wir uns Anstrengungen aller Art stellen, die sich in gegenseitige Zu-
neigung und Vertrauen verwandeln. Schlussendlich werden dies die
stärksten Faktoren der Allianz, aus denen Verlässlichkeit für unserer
föderatives Bestreben erwachsen kann.

Wir schlagen die Durchführung eines ersten konstituierendes Tref-
fens der Anarchistischen Föderation der Karibik und Zentralameri-
kas (FACC) (provisorischer Name) von Individuen und "Delegierten"
von anarchistischen Kollektiven im März 2015 in der dominikani-
schen Region vor. Möge es der Startpunkt sein, um sich zu begegnen
und die Aktionen, Ideen und den Input zu koordinieren, die sich aus
den thematischen Dreh- und Angelpunkten der lokalen Kollektive
ergeben.
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