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(de) FAU-IAA - Direct Action #222 - Geschichtsstunde

Date Sat, 03 May 2014 12:37:29 +0300


"Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B", der jüngste Comic von Jacques Tardi, erzählt die Geschichte seines Vaters, auf dessen handschriftliche Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und an die Zeit in der deutschen Kriegsgefangenschaft er dafür zurückgreift. Um Frankreich gegen Nazideutschland zu verteidigen, meldet sich René Tardi freiwillig, er wird Panzerfahrer und gerät 1940 in Kriegsgefangenschaft und wird ins Stalag II B im Wehrkreis II, im heutigen Polen, seinerzeit Pommern, 100 Kilometer von der Ostsee entfernt, verfrachtet. Hunger, Regen, Schlamm, Demütigungen, Willkür, Schläge und wieder Hunger - physische und psychische Kälte sind die zentralen Themen. Die Welt in Tardis Comic ist grau in grau gehalten, nicht nur im Lager, sondern auch schon zuvor bei den Schilderungen der Panzerschlachten, einziger Farbtupfer ist das Rot der Hakenkreuzfahnen.

Jacques Tardi zeichnet sich selbst in den Comic hinein und lässt sich in den Illustrationen zu den verschiedenen Erinnerungs-Schauplätzen seines Vaters mitnehmen und kommentiert die Situationen, ebenso wie sein Vater dies im Nachhinein tut und so seinen Erkenntnisprozess dokumentiert. Es ist nicht Hoffnungslosigkeit und Entsetzen, sondern Wut auf alles - auf den Krieg, auf die Politiker, auf Hitler, auf seine Befehlshaber, auf Frankreich - von der die Erinnerungen von René Tardi geprägt sind: "Ich hasste die ganze Welt (...) Ich hätte sie alle umbringen können!" so lauten seine Worte, als das Lager endlich evakuiert wird, und damit endet der erste Teil dieser von Jacques Tardi illustrierten Erinnerungen seines Vaters, eine Fortsetzung ist geplant. "Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B" sollte Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht sein.
Karin Hoog

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB", 200 Seiten, farbig, Hardcover, ISBN 978-3-037311-12-7 EUR (D) 35,-.
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