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(de) FdA-IFA Gai Dao #39 - Zapatismus-Debatte - Teil 3 -- Antwort auf "Schlechte und nicht so schlechte Nachrichten" -- Offener Brief an den Subkomödianten Marcos.Gemeinsame Erklärung Von: versch. Gruppen aus Mexiko (s. u.) / Übersetzung: jt (afb)

Date Fri, 14 Mar 2014 19:46:31 +0200


Vorwort der Redaktion: Wir drucken hier die zweite Antwort aus dem anarchistischen Spektrum auf dem Brief von Marcos ab, die zugleich auch eine Antwort auf den Brief von Kapitän Guillermo (aus der letzten Ausgabe) darstellt. Die vorliegende Antwort stammt (vorgeblich) von verschiedenen Zellen aus dem Bereich des aufständischen Anarchismus in Mexiko. In der nächsten Ausgabe folgt schließlich eine Antwort auf diese Erklärung. Beachtet bitte, dass zum Verständnis die Lektüre der Texte aus der vorangegangenen Ausgaben sehr zu empfehlen ist (zum Beispiel zur "Sexta"). ---- Das bösartige Gelächter einiger sehr freier Geister oder: Verteidige uns nicht Compa, denn die Anarchie weiß sich selbst zu verteidigen! ---- "Ein Mensch, der an Krebs leidet, ist nicht bereit über die Ursachen seines Leidens oder über den Autoritarismus der Amputation zu diskutieren ..."

Encyclopédie des Nuisances, Nr. 13, Juli 1988

An alle Anarchist*innen der Praxis
An alle Zündler*innen und affinen Widerspenstigen
An alle jungen Antiautoritären
An alle, die sich der Macht in all ihren Facetten entgegenstellen
An alle mit offenen Ohren und unbezwingbarem Geist
Wir grüßen euch!

Im Laufe des vergangenen Oktobers haben wir alle möglichen
Beschimpfungen und Abwertungen des Anarchismus hö-
ren und lesen müssen, sogar aus dem Mund selbst ernannter
"Anarchist*innen". Einige dieser libertären Heuchler*innen und
Patriarchen erhoben ihre Stimme in dem Versuch, uns zurecht-
zuweisen und zeigten uns den Stinkefinger mit dem Ziel, uns
aller möglichen Übel zu beschuldigen. Es wurden sogar "Gesin-
nungsbeweise" verlangt und auch diejenigen fehlten nicht, die
noch einen Schritt weiter gingen und sich der "lobenswerten
Aufgabe" verschrieben, das anarchistische Ideal zu segnen und
es mittels einer grotesken "Kampagne", die darauf abzielt, die
"Massen" aufzuklären und ihnen die Güte des "guten Anarchis-
mus" näherzubringen, in den heiligen Stand zu erheben - ganz
im Gegensatz zu diesem fauligen Anarchismus der Praxis, der
bestrebt ist - allen Widrigkeiten zum Trotz -, seinen Instink-
ten freien Lauf zu lassen und das Feuer der Zerstörung wieder
anzufachen, aus dem das Neue entstehen wird; mit Zähnen und
Krallen - auch im wortwörtlichem Sinne - gegen die Macht an-
kämpfend; das anarchistische Ideal mit großer Reichweite aus-
stattend, während er gleichzeitig unsere Theorie und Praxis in
der heutigen Zeit verankert und sich als unbestreitbarer Prota-
gonist der entstehenden Geschichtsschreibung festsetzt, von der
er ein Teil ist.

Auch fehlte dieser Tage nicht der lauthals ausgestoßene Aus-
ruf "Haltet den Anarchisten!" gegen den Straßenjungen, der
am Ausgang der Metrostation Hidalgo dem fortschrittlich ge-
sinnten Akademiker seinen Laptop entriss, der dann keifend
zu seinem Abgeordneten rannte, um die Tat anzuprangern, und
damit drohte, notfalls bis zum Interamerikanischen Gerichtshof
zu ziehen, sollte die Aufklärung dieses Falls verzögert werden.
Ganz zu schweigen von der Bande illustrer "solidarischer" In-
tellektueller, die von der Höhe ihrer Kanzel (immer links vom
Kapital) herab versichern, dass wir, die wir der Hypergewalt des
Systems unsere Gewalt entgegenstellen, keine Anarchist*innen
seien, und die uns als "Ganov*innen", "Provokateur*innen"",Falken", "Kiffer*innen", "Vandal*innen", "programmierbare Ge-
waltreserve", "Polizeispitzel" und als "bezahlte Söldner*innen"
titulieren. Dies war etwa bei der alterschwachen Autorin Elena
Poniatowska der Fall, die - im Versuch, sich eigene neuronale
Anstrengungen zu ersparen - in ihren (gemeinsam mit Aure-
lio Fernández verfassten) unsinnigen Kolumnen zum Schluss
kam, die einzigen guten Anarchist*innen seien die bereits toten
Anarchist*innen. Um dies zu belegen, listet sie die Namen eini-
ger gefallener Genoss*innen auf, die - wie es logisch und kon-
sequent ist - zu ihrer Zeit ebenfalls auf anarchistischen Gewalt
zurückgegriffen haben. Wer daran Zweifel hat, möge sich die
umfassenden Biographien zu Ricardo Flores Magón, Praxedis G.
Guerrero, Errico Malatesta, Buenaventura Durruti und weite-
ren der dort erwähnten Personen zu Gemüte führen oder auf
entsprechende Polizeiakten zurückgreifen, wo von zahlreichen
"Delikten" die Rede ist, die sich unsere Vorgänger*innen haben
zu Schulden kommen lassen. Alternativ wäre auch möglich, in
den Zeitungen jener Zeit zu stöbern, wo sich mit Sicherheit ganz
ähnliche Anschuldigungen, verfasst von eifrigen Schreiberlin-
gen, deren Namen heute niemandem mehr etwas sagen, gegen
die damaligen Anarchist*innen finden ließen.

Selbstverständlich ist diese ganze anti-anarchistische Hysterie
stets von der Linken genährt und befördert worden. Sowohl bei
der bewaffneten als auch bei der parlamentarischen Sozialdemo-
kratie war das Kriegsgeheul groß, als sie verblüfft das Anwach-
sen des anarchistischen Widerstands und die Wiederaneignung
der Straßen als Ort des politischen Kampfes feststellen mussten.
Es sind dies dieselben Straßen, die zuvor (jahrzehntelang) von
den Simulationen der Opposition, von sinnlosem Protest, von
leblosen und unnützen Demos nach dem Motto "Latschen-Skan-
dieren-Rumstehen" übernommen und besetzt gewesen waren
- stets manipuliert von den parlamentarischen Parteien (oder
den Avantgardeparteien auf dem Weg zum Parlamentarismus)
und den klientelistischen Organisationen (Entschuldigung! Wir
wollten natürlich "sozialen" sagen), und ihrem üblichen "Her-
umreichen von Listen", ihren abgedroschenen Parolen und ihren
"Verhandlungskommissionen".

Alle selbsternannten Anführer*innen der Linken waren reich-
lich verdutzt, als sie das Anwachsen des anarchistischen Auf-
stands feststellen und die Schlagkraft der libertären Konfron-
tation anerkennen mussten, als sie das Ausmaß des täglichen
Aufstands gegen alles Existierende erlebten, und insbesondere,
als sie sehen konnten, dass unser Kampf nicht vereinnahmbar
ist, als ihnen klar wurde, dass diese unbändige Flut jugendli-
cher Bilderstürmer*innen, die sich im Straßenkampf von An-
gesicht zu Angesicht den repressiven Kräften entgegenstellen,
gemeinsam mit den sich in der helfenden Dunkelheit rapide
vermehrenden Affinitätsgruppen, die das Schießpulver knallen
lassen und die Nacht mit ihrem befreienden Feuer erhellen, dass
diese sich nicht von den Sirenengesängen der selbsternannten
Anführer*innen der Linken einfangen lassen. Weil sie weder
Führer*innen noch Befehle oder einen Messias kennen, weil sie
sich nicht vor den Erleuchteten verbeugen, weil sie weder de-
ren demagogischen Diskurse schlucken noch deren Zukunfts-
versprechungen, weil sie sich nicht deren "Programmen zum
Kampf" oder deren "transformatorischen Projekten" anschlie-
ßen. Und dies ist auch der Grund, warum stets der Verdacht
genährt, der Zweifel gefördert und dieser konspiranoische Mist
gestreut wird. Wenn sie nicht vereinnahmbar, nicht manipu-
lierbar, nicht regierbar, nicht unterwürfig sind und niemandem
gehorchend dienen, dann nützen sie auch nicht. Sie dienen nicht
der Sache und sie dienen nicht der Macht (und nützen weder
denjenigen, die die Macht heute unrechtmäßig innehaben, noch
denjenigen, die hoffen, sie morgen übernehmen zu können),
sie sind keine Lakaien des Vaterlandes, sie sind keine potenti-
ellen Klient*innen, keine Marionetten der Revolution. Sie sind
Falken! Eingeschleuste Söldner*innen! Nützliche Idioten! (Die
"Vertreter*innen des guten Gewissens" haben sogar über die Ge-
burt eines neuen Fabelwesens spekuliert, dem sie den paradoxen
Namen des "Anarcho-Faschismus" verliehen haben.)

Merkwürdiger- und praktischerweise erschien vor einigen Ta-
gen inmitten dieser anti-anarchistischen Ressentiments (die ge-
zielt von den Massenmedien der Entfremdung gestreut und von
den linken und rechten politischen Parteien finanziert wurden)
das jüngste Kommuniqué des Subkomödianten Marcos. Nach
einer kurzen finanziellen Bilanz, die der sogenannten "kleinen
zapatistischen Schule" (Escuelita zapatista) keine besonders er-
folgreiche Zukunft voraussagt, versteigt sich dieses vermumm-
te Showgirl in Galauniform dazu, den Anarchismus gegen den
Strom von Anschuldigungen zu verteidigen (?!?). Er widmet uns
sieben Absätze unter dem Titel BESONDERE ANGELEGENHEI-
TEN: Die Anarchist*innen. Wie üblich, denkt er sich zu diesem
Zweck etwas aus, beginnt seine Worte zurechtzurücken und
seinen Diskurs auf einen bestimmten Sektor einzugrenzen: "Für
jene, die für das ,A' kämpfen und sich dazu bekennen, Fahne
ohne Nation und ohne Grenzen, und der SEXTA angehören, für
jene die wahrhaft kämpfen und für die dies kein Modetrend oder
eine Laune des Zeitgeists ist" (was diesen "bestimmten" Sektor
noch weiter eingrenzt). Und er hat an diese eine "spezielle Bitte".
Er lädt sie ein, nach der Eintragung in die erwähnte "Escuelita"
(und der Zahlung der 380$ im Voraus) EINE Seite zu schreiben,
auf der "ihr zu Kritiken und Vorwürfen Stellung nehmt, die
gegen Euch in den bezahlten Medien erhoben wurden". Und er
versichert ihnen, dass die gesammelten Texte auf seiner Website
(enlacezapatista.ezln.org.mx) sowie in einer bald erscheinenden
neozapatistischen Zeitschrift veröffentlicht werden.

Er betont allerdings, dass sich diese Bitte nicht an uns richtet,
sondern an jene, die sich als Anarchist*innen bezeichnen und
der Sexta angehören (sprich: Wir sind damit nicht gemeint). Was
uns auf den Plan ruft, sind die Andeutungen, die dieser Guerilla-
Schreiberling bezüglich des weit gefächerten und zuweilen dif-
fusen libertären Spektrums, sprich: zu "den Anarchist*innen" (1) ,
in die Welt setzt,. Deswegen antworten wir. Fast überflüssig zu
erwähnen, dass wir die militärischen Hierarchien zutiefst ver-
achten. Für professionell Bewaffnete empfinden wir lediglich
Abscheu. Ebenso überflüssig ist es, auszuführen, was für uns
Anarchist*innen die Führer*innen und die politische Avantgar-
de bedeuten. Dennoch lohnt es sich, all dies schriftlich festzu-
halten, damit diese Erklärung nicht mit einem Meinungsaus-
tausch oder dem Versuch eines Dialogs verwechselt wird (weder
mit dem Unterzeichnenden noch mit denjenigen, die sich als
Anarchist*innen bezeichnen und der Sexta angehören oder gar
mit diesem Willhelm Tell von Bürglen (bzw. Tlalnepantla)(2) ,
der sich ebenfalls als Anarchist bezeichnet und stolz ist auf sei-
ne dreifarbige Vermummung(3), auf seinen Kapitänsrang und
(4) (5)darauf, dem Peje die Florsheim-Schuhe zu polieren, wäh-
rend er die Volksfront im alten stalinistischen Stil herbeisehnt).

Überflüssig zu erwähnen, dass es uns nicht darum geht in ih-
ren Medien zu erscheinen. Wir sind uns dessen bewusst, dass es
keine "neutralen" Medien gibt, weil alle - ohne Ausnahme - der
politischen Linie ihrer Herausgeber*innen bzw. Sponsor*innen
folgen. Auch möchten wir unsere gemeinsame Erklärung nicht
auf den reduzierten Platz einer Seite begrenzen oder gar auf eine
wortwörtliche Erfüllung seiner "Bitte", weshalb wir genau das
schreiben werden, was wir als notwendig erachten, damit un-
sere Position als Anarchist*innen klar wird, ohne uns durch die
Form einschränken zu lassen.

Zunächst würden wir anmerken wollen, dass diejenigen, die
sich als Anarchist*innen bezeichnen und der Sexta angehören,
weder bei den Auseinandersetzungen mit den Repressionskräf-
ten noch bei Sabotageakten und Angriffen auf das heilige Eigen-
tum zu sehen waren; noch weniger waren sie bei den massiven
Enteignungsaktionen zu sehen (weder am 1. Dezember, noch
am 1. September noch am 2. Oktober). Die wenigen, die sich als
Anarchist*innen bezeichnen und der Sexta angehören und die
wir bei den letzten Straßenkämpfen bemerkten, hielten sich et-
was am Rande der Aktionen auf, manche filmten die Ausein-
andersetzungen für ihre alternativen Cyber-Nachrichtenkanäle,
manche führten Interviews (mit dem Krachen der Böller und
den Schreien im Hintergrund, um der Dokumentation mit der
geeigneten Atmosphäre eine gewisse Dramatik zu verleihen)
für ihre Gegeninformationsradios, die über das Internet senden,
oder fotografierten für ihre zahlreichen Websites, Blogs oder
virtuellen Foren. Wir haben auch andere, ganz andere gesehen,
die sich als Anarchist*innen, bezeichnen und der Sexta angehö-
ren, doch die aus sicherer Entfernung jene Schändlichkeiten vor
sich hinmurmelten, die ihre Kolleg*innen von der Linken später
wiederholen würden ("Provokateur*innen", "Kiff er*innen", "Fal-
ken", "Spitzel" ... ) oder jene, die den gedruckten und/oder elek-
tronischen Medien (bezahlt, of course) umsichtige Interviews
gaben, in denen sie versicherten, "nein, nein, nein", das waren
keine Anarchist*innen, die die Uniformierten bekämpften und
Geschäfte, Banken und Filialen multinationaler Firmen entglas-
ten. Einer verstieg sich sogar dazu, zu sagen (und dabei auch
noch für ein Foto zu posieren), dass der beste Beweis dafür, dass
die Vermummten keine Anarchist*innen gewesen seien, der un-
barmherzige Angriff auf das "Hemiciclo a Juárez" auf der zent-
ralen Alameda gewesen sei - dabei völlig vergessend, dass jener
verdienstvolle Bomberito (6) während seiner langen Regentschaft
ein erbarmungsloser Mörder von Anarchist*innen war, der die
Erschießung von Julio Chávez López und rund fünfzig weiteren
Anarchist*innen befohlen hatte. Und natürlich waren nicht alle
Vermummten Anarchist*innen. Allerdings war ein einziger Mo-
lotov gepaart mit dem Knallen der Böller und dem Krachen eini-
ger Pflastersteine auf die Schilder und Helme der Uniformierten
ausreichend dafür, dass sich alle ansteckten und sich der Kampf
gegen das System ausbreitete. Darin bestand die Aufgabe der
Koordination der Schatten (Coordinadora de las Sombras) (7) und
des Schwarzen Blocks: den Funken zu entzünden, der die Steppe
in Brand setzen sollte.

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Weitere Infos:
o Gesamter Brief von Marcos:
http://periodicoellibertario.blogspot.com.es/2013/11/
subcomandante-marcos-ls-anarquistas.html
(auf Spanisch)
o Quelle dieser Antwort (auf Spanisch):
http://vivalaanarquia.espivblogs.net/?p=16760
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Nachdem wir dies alles vorausgeschickt haben, erscheint es uns
wichtig, minutiös auszuarbeiten, was sich tatsächlich hinter der
neuen Erklärung dieses Clowns steckt, der sich mit der mythi-
schen Sturmhaube vermummt. Einmal mehr treffen wir hier auf
eine Erklärung, die auf den externen Konsum ausgerichtet ist
(d.h. darauf, dass sie außerhalb der Gemeinschaften Gefallen
findet, aufgenommen und verdaut wird). Gestaltet, ausgearbei-
tet und gut gewürzt für den Geschmack der großen Mehrheiten
und für die Zufriedenheit und um den Gaumen der Allgemein-
heit zu gefallen. Zweifellos trifft die Erklärung den Geschmack
und das Wohlgefallen ausländischer Konsument*innen. Vor
allem jener, die sich in anderen, aber gänzlich anderen Welt-
gegenden befinden - die noch weiter entfernt sind - und die
hochgradig von exotischen und sorgsam zubereiteten Gerichten
begeistert sind, die in "autotochtonem" Geschirr serviert wer-
den - sehr empfohlen in Kombination mit reichlich kalimocho
(allerdings ist der Export von pox leider etwas schwierig ange-
sichts all der Zollbeschränkungen für Spirituosen - sonst hät-
ten sie in verschiedenen europäischen Städten bereits kleine Lä-
den aufgemacht und es gäbe zapatistische Pocherías(8) in Athen,
Barcelona, Berlin, Hamburg, Paris, Prag, Madrid, Mailand und
Rom; in den von der EZLN kontrollierten Gemeinschaften wäre
der Konsum dieses alkoholischen Getränks natürlich noch im-
mer verboten(9) ... nun, nicht verboten, verboten, verboten: Es
gibt immer einige, die von derartigen Verboten ausgenommen
sind. Das ist das Tolle an der Ambivalenz des "gehorchenden
Regierens" und das wahrlich Beglückende daran, in den oberen
Rängen der diskursiven Horizontalität zu stehen).

Einmal mehr erkennen wir in seiner humorigen und lässigen
Schreibe eine gut inszenierte Finte mit dem einzigen Ziel, Auf-
merksamkeit zu erregen und wieder zur "Nachricht" zu werden.
Einmal mehr erkennen wir, dass es um Ablenkung und Ver-
nebelung geht. Einmal mehr sehen wir, wie auf das revoluti-
onäre Marketing zurückgegriffen und eine neue Strategie zur
Rekrutierung von Adept*innen entwickelt wird, mit derselben
Unverfrorenheit wie die restliche politische Klasse es tut (es ist
sogar sehr wahrscheinlich, dass der vermummte Possenreißer
sich der Illusion hingibt, Wasser auf seine eigenen Mühlen ge-
ben zu können, indem er sich auf das altbekannte Motto "Der
Feind meines Feindes ist mein Freund" bezieht; Dabei liegt er
jedoch völlig falsch. Machiavellische Maximen bleiben an uns
Anarchist*innen, nicht haften, weil uns die Geschichte - in
zahlreichen und wiederholten Fällen - gelehrt hat, dass das, was
dem Principe (10) funktional erscheint, normalerweise unseren
eigenen Prinzipien zuwiderläuft, oder anders gesagt: Der Feind
unseres Feindes kann ebenso gut unser Feind sein). Einmal mehr
erkennen wir, wie versucht wird, eine Grenzlinie zu ziehen, in-
dem dieser beschämenden Meute aus naiven, weltfremden, ver-
wirrten, karrieristischen und oportunistischen Personen, die
sich als Anarchist*innen bezeichnen und der Sexta angehören,
ein Freibrief ausgestellt wird (Achtung: Wir haben weder vor,
irgendwelche Urkunden auszustellen noch den angeschimmel-
ten Anarchometer auszumotten, um Zeugnisse anarchistischer
Authentizität auszustellen, wir sprechen ganz einfach deswegen
auf diese Art und Weise über jene, die sich als Anarchist*innen
bezeichnen und der Sexta angehören, weil jede*r, der*die die
leiseste Ahnung davon hat, was es bedeutet, Anarchist*in zu
sein, sich keinesfalls diesem populistisch-sozialdemokratischen
Programm vorgeblich indigenen Ursprungs anschließen kann,
in dem die EZLN, neben anderen, ähnlichen Perlen, nicht zum
Schluss kommt, dass Politik nutzlos ist, sondern dass "DIESE Po-
litik nutzlos ist. Und sie ist nutzlos, weil sie nicht die Massen einbe-
zieht, ihnen nicht zuhört, nicht auf sie hört ...". Dann verfolgt sie
noch das Ziel, eine "NATIONALE KAMPAGNE [zu initiieren] zur
Entwicklung einer anderen Politikform, mit einem Programm des
nationalen, linken Kampfes und einer neuen Verfassung").

Als konsequente Anarchist*innen, lehnen wir jede Form des
Autoritarismus entschieden ab und wir zeigen mit unseren Ak-
tionen unseren Willen zur Zerstörung aller Idole, unsere auf-
ständische Berufung und unsere Ablehnung von Macht - völlig
unabhängig davon, wie gering diese auch ausfallen oder wie ge-
meinschaftlich sie organisiert sein sollte. Uns ist klar, dass eine
tiefgehende Debatte (unter Anarchist*innen) noch aussteht, mit
der wir jene bedauerlichen Zweideutigkeiten und schmählichen
Widersprüche überwinden können, welche die vollständige
Entfaltung des libertären Kampfes dieser Tage verhindern. Es
liegt auf der Hand, dass diese "Zweideutigkeiten" und diese "Wi-
dersprüche" nicht nur mit Worten, sondern in der alltäglichen
Praxis überwunden werden müssen. Das ist der einzige Weg, die
Anarchie hier und heute möglich zu machen.

Die historisch gesehen effektivste und brutalste Unterdrückung
- die im Grunde genommen die Mutter aller Unterdrückun-
gen darstellt - hat ihre Wurzel in der beständigen Apathie der
Mehrheiten, im beständigen Konformismus, in der unersättli-
chen freiwilligen Knechtschaft, in der permanenten Blindheit
der Massen. Ohne Apathie, ohne Konformismus, ohne diese
ganzen Blinden, die sich weigern, die Augen aufzumachen,
ohne freiwillige Knechtschaft, würde die Macht in sich zusam-
menstürzen; weil es nur solange Regierende geben wird, wie
es Regierte gibt (ob diese nun "schlechte Regierung" oder "gute
Regierung" (11) genannt wird, lediglich eine semantische
istFrage, oder letztendlich ein demagogisches Argument).

Kein Millimeter zurück: 9 Millimeter in die Köpfe der Macht!
Auf dass sich der anarchische Kampf in alle Gegenden ausbreite!

Es leben das Feuer der Befreiung
und das Schießpulver der Rache!
Gegen die Herrschaft!
Kämpfen wir gegen jede Hoffnung!
Auf dass niemand unseren Kampf vereinnahmen möge!
Für die internationale anarchistische Koordination!
Für die Zerstörung aller Gefängnisse!
Für die totale Befreiung!
Für die Anarchie!

Unsere solidarischen Grüße an unseren Genossen Mario Gon-
zález, unseren Bruder Gabriel Pombo da Silva, unseren affinen
Genoss*innen der Verschwörung der Feuerzellen in Griechen-
land, unserem Genossen Hans Niemeyer, dem Genossen Marco
Camenisch, dem Genossen Henri Zegarrundo (im Hausarrest),
unseren bewundernswerten Kompliz*innen Mona und Francis-
co (in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages von den
Repressionskräften des spanischen Staates entführt) und an alle
gefangenen Anarchist*innen auf der ganzen Welt.

Mexiko, 13. November 2013

· Anonyme Anarchistische Aktion AAA (Acción Anarquista Anónima)
· Autonome Zellen zur unmittelbaren Revolution "Praxedis G. Guerrero" ·
CARI-PGG (Células Autónomas de Revolución Inmediata)
· Konspiration der Feuerzellen/Informelle Anarchistische Föderation
CCF-FAI (Conspiración de las Células de Fuego/Federación Anarquista
Informal)
· Insurrektionelle Zelle "Mariano Sánchez Añón" CI-MSA
(Célula Insurreccional)

ps.: (Über Wiederholungen und das Tragen von Wasser ins
Meer): Es bliebe nur noch zu betonen, dass wir uns dessen be-
wusst sind, dass wir nichts gesagt haben, was nicht bereits ge-
äußert worden wäre - auf deutlichere und besser formulierte
Art und Weise. Wir sind weder die ersten noch die einzigen
Anarchist*innen, die in dieser Region (und anderen weit ent-
fernten) die neo-zapatistische Farce kritisiert und konfrontiert
hätten. Wir sind weder die ersten noch die einzigen
Anarchist*innen, die die offensichtliche Wirkmacht
des pyrotechnischen Spektakels bemerken. Wir sind
weder die ersten noch die einzigen Anarchist*innen,
die den autoritären und die despotischen Anwandlun-
gen des wunderbar geschminkten und gut getarnten
postmodernen Leninismus in dieser einheimischen
Burleske aufzeigen.

ps2.: (Von "Spitzeln", "Falken", "Söldner*innen" und "Zi-
vis"):Was natürlich auch unstrittig ist, ist die Präsenz von Stoß-
gruppen auf den letzten Straßenfights, die zusammengesetzt
sind von Söldner*innen und freiwilligen Schläger*innen (wir
haben sie gesehen, wir haben sie konfrontiert und wir haben
sie identifiziert) im Dienste der Regierung des Hauptstadtdist-
rikts DF, die sich, wenn es am stärksten kracht, unter die Leute
mischen - manchmal vermummt, manchmal auch nicht - um
bestimmten Genoss*innen direkt zu folgen, diese sogar anzufal-
len, um die spätere Festnahme zu erleichtern und den soforti-
gen Abtransport, sei es in die Polizeitransporter oder in falsche
Krankenwägen. In Wirklichkeit ist diese Taktik nicht besonders
innovativ und sehr verbreitet bei den linksgerichteten Regierun-
gen in Lateinamerika (einschließlich der PRI-Regierungen, von
denen wir nicht vergessen sollten, dass sie sich auch stets als
links begriffen haben); die einzige Neuheit besteht in der An-
wendung dieser faschistischen Methode durch den Regierungs-
chef des Hauptstadtdistrikts, Miguel Ángel Mancera. Und wir
sagen, dass wir sie identifiziert haben, wie auch der Subkomö-
diant Marcos sie hat identifizieren können, da es sich um alte
Weggefährten handelt, die ihm bereits eine Unterkunft gaben,
als die 1.101 Bewohner*innen der von der EZLN kontrollierten
Zone zu Besuch in Mexiko-Stadt waren. Damals bezeichneten
sie sich noch als Maoist*innen und waren Teil eines Bündnis-
ses, später waren sie auch Anhänger*innen der PRD, der PT und
schließlich werden sie (je nachdem, welche Abgeordnetensitze
ihren Anführer*innen versprochen werden) wahrscheinlich
Klient*innen der MORENA-Bewegung (12) werden. Ach, wie
schrecklich es doch ist, ein gutes Gedächtnis zu haben!

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(1) Anm. d. Ü.: Was in der Übersetzung verloren geht, ist eine orthografische Besonderheit. Immer wenn die Autor*innen von sich als den Anarchist*innen sprechen,
beginnt das Wort mit einem großen A (entgegen der Rechtschreibregeln im Spanischen), ist dagegen von den anderen Anarchist*innen die Rede, beginnt das Wort
klein. Um dies auch im Deutschen zu markieren und so nah wie möglich am Original zu bleiben, haben wir in den Fällen, wo die Autor*innen von sich als den
Anarchist*innen sprechen, den Anfangsbuchstaben fett markiert.
(2) Anm. d. Ü.: Anspielung auf den Namen von Kapitän Guillermo (spanische Version von Wilhelm) und dadurch auf die bekannte Gestalt der Schweizer Folklore.
(3) Anm. d. Ü.: Dreifarbig bezieht sich in diesem Fall auf die Farben der mexikanischen Fahne.
(4) Anm. d. Ü.: "El Peje" ist einer der Beinamen von Andrés Manuel López Obrador (auch: AMLO), dem linken Oppositionsführer der PRD in Mexiko und ehemaligen
Bürgermeister von Mexiko-Stadt, der zwei Mal in Folge bei den Präsidentschaftswahlen knapp unterlegen war und jedes Mal von Wahlbetrug sprach.
(5) Anm. d. Ü.: Edle Schuhmarke in Mexiko.
(6) Anm. d. Ü.: Ironische Anspielung auf den offiziellen Beinamen "Benemérito de las Américas" (der Verdienstvolle der Amerikas) für den mexikanischen Ex-Präsidenten
Benito Juárez (1861-1872). Die Neubenennung "Bomberito" (der Bombige) geht auf einen Scherz des mexikanischen Komikers "El Loco" Valdés aus den 1970er Jahren
zurück.
(7) Anm. d. Ü.: Gruppierung/Vernetzung, die erstmals im September 2013 mittels eines Kommuniqués an die Öffentlichkeit trat: http://tinyurl.com/ky6tj72 (span.)
(8) Anm. d. Ü.: Anspielung auf die zahlreichen Kollektive, die zapatistischen Kaffee verkaufen.
(9) Anm. d. Ü.: Anspielung auf das von Frauen durchgesetzte Verbot des Alkoholkonsums in den zapatistischen Gemeinschaften.
(10) Anm. d. Ü.: Verweis auf Niccolò Machiavelli und sein Werk Il Principe aus dem Jahr 1513.
(11) Anm. d. Ü.: Anspielung auf die "Räte der guten Regierung" in den autonomen zapatistischen Regionen.
(12) Anm. d. Ü.: Neues Projekt von AMLO (s.o.) auf dem Weg zur Werdung einer linken Partei.
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