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(de) FDA-IFA, Gai Dào #37 - Vivir la Utopia -- Zu Besuch in Spaniens besetzten Dörfern Von: die schwarzen katzen

Date Fri, 17 Jan 2014 23:14:03 +0200


Es gibt Gegenden, da hält nur sehr selten ein Bus. Und es gibt Gegenden, da weiß nicht mal die Busfahrerin, dass man dort halten kann. Und genau in diese Gegen verschlug es uns auf unserer Suche nach gelebter Utopie. ---- Nach langer Fahrt hält der Bus und wir stehen vor einer Schotterpiste in den Bergen bei Pamplona. Von hier oben lässt sich die bergige und bewaldete Gegend überblicken und im Hintergrund vermischen sich der Duft von frisch gebackenem Brot mit Geräuschen eines aufgeweckten Dorftreibens. Nun nur noch ein 5-minütiger Anstieg bis zum besetzten Dörfchen Lakabe. Hier leben verschiedene Individuen selbstorganisiert und größtenteils autark zusammen. ---- Mit über 30 Jahren Besetzung und über 50 Bewohner*innen ist Lakabe sozusagen die Mutter der besetzten Dörfer in dieser Region. Auch die Anbindung an eine asphaltierte Strasse ist ein einzigartiges Privileg, denn all die anderen Doerfer sind lediglich über holprige Waldwege und daher nur zu Fuss oder mit einem Geländewagen erreichbar.

Im Zuge von Protesten gegen den Bau eines Stausees wurden
hier, in der Region Navarra, nach und nach die teilweise seit den
1940ern leerstehenden Dörfer besetzt. Mittlerweile sind 6 Dörfer
wieder bewohnt und aufgebaut worden, die sich mehr oder we-
niger in Gehweite (oder besser gesagt Wanderweite) voneinan-
der befinden. Das jüngste Dorf wurde vor weniger als 2 Jahren
bezogen.

Die meisten der Dörfer, die schon vor vielen Jahrzehnten verlas-
sen wurden, waren stark verfallen und wurden von ihren neuen
Bewohner*innen nach und nach wieder aufgebaut. Alte Kirchen
dienen so als Gemeinschaftshäuser, Ruinen wurden zu Wohn-
häusern, Vorratskammern und Ställen und Bäume mit Baum-
häusern geschmückt. Mittlerweile gibt es sogar Bäckereien,
Schulen und Gästehäuser. Lakabe hat mittlerweile einen legalen
Rechtsstatus erlangt. Durch eine Gesetzesänderung ist dies für
die anderen Dörfer nicht möglich. Diese werden geduldet, ver-
beiben aber in einer rechtlich unsicheren Situation.

Während in Lakabe eine sehr große Gemeinschaft zusammen
lebt, sind es in anderen Dörfern nur eine handvoll Leute, wes-
halb sich die Art und Weise der Organisation unterscheidet. In
den meisten der Dörfer gibt es regelmäßige Treffen für Organi-
satorisches sowie Treffen zu sozialen Themen, die das Zusam-
menleben betreffen. Entscheidungen werden grundsätzlich auf
basisdemokratischer Ebene getroffen, wobei auch Kinder gleich-
berechtigt in den Prozess integriert sind. Auffallend ist auch die
enorme Offenheit für Besucher*innen. Dennoch gibt es auch Zei-
ten, zu denen Besucher*innen eher unerwünscht sind (vor allem
Herbst und Winter), sodass die Menschen zur Ruhe kommen und
an ihren gemeinsamen Projekten arbeiten können. Die meisten
der Dörfer sind grundsätzlich offen für neue Bewohner*innen,
wenn Wohnraum vorhanden ist (es befinden sich stets Häuser
im Aufbau). Nach einer längeren ,,Probezeit"wird geschaut ob
alle zufrieden sind und dann kann mensch bleiben.

Die Menschen in den einzelnen Dörfern leben selbstorganisiert
und mit einer gemeinsamen Ökonomie zusammen. Ein Großteil
der Güter des täglichen Gebrauchs wird dabei selbst produziert.

Strom wird beispielsweise durch Solarzellen, Windräder und
Wasserkraft gewonnen und auch was Trinkwasser angeht sind
die Kommunen unabhängig, da sie dieses aus Quellen in der
Nähe holen. Besonders beeindruckend sind die riesigen Gärten,
die viele der benötigten Lebensmittel bieten. Teilweise gibt es
auch Hühner, Kühe, Esel und Ziegen. Was nicht selbst erwirt-
schaftet wird, bezahlen die Leute aus Gemeinschaftskassen,
in die jede*r nach seinen*ihren Möglichkeiten einzahlt. Jedoch
wird versucht auch vom Verkauf gemeinsamer Erzeugnisse (Ap-
felsaft, Brot, Seifen, Öle usw.) zu leben. Werkzeuge, Maschinen
und Autos sind Gemeinschaftsgüter. Auch die Bildung und Er-
ziehung der Kinder ist gemeinschaftlich organisiert. Alle Dörfer
sind miteinander vernetzt, tauschen Waren aus und organisie-
ren die gegenseitige Hilfe. Darüber hinaus gibt es auch spani-
enweite Treffen und Camps für die Bewohner*innen besetzter
Dörfer und Aktivist*innen aus anderen Zusammenhängen. Je
nach ihren Möglichkeiten sind die Bewohner*innen auch in so-
ziale Kämpfe außerhalb der Dörfer (vor allem in der baskischen
Unabhängigkeitsbewegung) eingebunden und unterstü8tzen
diese.

Natürlich gibt es aber auch immer wieder Rückschläge. Ange-
fangene Projekte verlaufen im Sand, Stress mit Behörden und
ähnliches halten die Leute auf Trab. Auch das Zusammenleben
funktioniert nicht immer reibungslos, so dass Menschen wieder
gehen. Trotzdem wird hier ein Stück konkrete Utopie sichtbar,
mit allen Ecken und Kanten.

Navarra ist mit ihren 6 Dörfern nur eine von vielen Regionen,
in denen Aktivist*innen die Städte verlassen, um sich das Land
wieder anzueignen und selbstorganisierte Lebensstrukturen
aufzubauen. Mit diesem Bericht wollen wir ein Beispiel ange-
wandter Autonomie zeigen, eine Anregung für alle Aktiven, die
nach Alternativen auf dem Land suchen.

Mehr Infos:

http://rie.ecovillage.org/es/lakabe
(Lakabe im Netzwerk spanischer Oekodoerfer; span.)

http://uli-alto.net/wiki/en/pmwiki.php
(Website von Uli Alto, inaktiv aber mit
Wegbeschreibung, franz./eng.)

http://aritzkurenbizirik.blogspot.com/
(Website von Aritzkuren; bask./span.)
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