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(de) Gegen die Fahne - Der Newsletter des Anares Buch- und Medienvertriebes

Date Sun, 27 Jun 2010 19:14:04 +0200


Liebe lesende, hörende, sehende & denkende Gemeinde, "was tut das
Volk? Es volkt" schrieb unser leider längst verstorbener
Aufkleberdrucker-Genosse Peter Rose bereits Anfang 1990 auf eines
seiner Motive. "Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung
wechseln kann" (wohlgemerkt: das Denken, nicht die Überzeugungen), so
Francis Picabia. Momentan ist zwar viel Rund um uns, aber wenig
Denken.

Deutschland, einig Fahnenmeer: diesen Eindruck bekommen wir, wenn wir
derzeit vor die Türen treten. Doch auch wenn anderes suggeriert wird:
die schwarz-rot-gelbe (goldene?) Party ist eine von oben initiierte;
vorgefeiert wird von Politik, Geschäftsleuten, Sportfunktionären
und Zeitungsmachern. Und "das Volk"? Siehe oben!

Der Nationalismus funktioniert immer noch als Rekrutierungsideologie.
Als verordnete Konsensproduktion, bei der niemanden aufzufallen
scheint, das nicht deshalb alle gleich sind, weil sie dieselbe Flagge
an ihre Autos & Mopeds pinnen. Das ist klasse für die Regierenden: 2006
wurde die höchste Mehrwertsteuer-Erhöhung in der deutschen Geschichte
während der Fussball-WM beschlossen, 2010 das grösste Sparpaket. Und
was tut "das Volk"? Siehe oben!

So dürfen "wir" denn feiern, während die Arbeitslosen die Zechen für
die Banken zahlen dürfen, während deren Vorstände - dem
Bankenrettungspaket sei dank - wieder ihre Millionen-Boni einstreichen
können, als wäre nichts gewesen. Deutsche Arithmetik: bei den Armen 20
Milliarden sparen, den Reichen 400 Milliarden geben. Wie ist es doch so
oft mit dem Feiern? Der Kater kommt danach!

Wir wollen als notorische Partymuffel bloss wieder die Feierlaune
verderben? Wenn´s doch so einfach wäre: gegen Feiern ist nichts zu
sagen, doch warum eigentlich betont man hierzulande immer, "endlich
wieder richtig feiern" zu können, seit überall die Winkelemente geschwenkt
werden "dürfen"? Wir erinnern uns an gute Feiern, die ganz ohne Fahnen
auskamen, oder allenfalls mit ein- bis zweifarbigen Fahnen bestückt
waren...

Und so unschuldig wie vorgegeben ist die Fahnen-Hysterie eben auch
nicht. Müssen wir daran erinnern, das alle bisherigen Weltkriege von
Deutschland ausgingen (das macht andere Fahnen nicht zwangsläufig
sympathischer, markiert aber doch einen entscheidenden Unterschied)?
Das hat nichts mit der Vererbung von Schuld zu tun, aber mit
Verantwortung. In Deutschland fühlt man sich mit der Fahne stark. Und
so darf im Windschatten der nationalen Euphorie auch SPD-Mitglied
Sarazin wieder fast unwidersprochen herumfoulen und erklären, wer denn
nun die gewünschten Kinder gebären darf und wer eh´schon zu viele hat.

Nein, wir haben nichts gegen Fussball, bloss gegen dessen nationalistische
Aufladung. Und die Fahnen? Momentan gibt es drei Möglichkeiten des
Umgangs damit, die konstruktive (die Anti-AKW-Bewegung schlägt vor,
besser die Anti-Atom-Fahne zu nehmen), die kreative (Anarchos machen
Workshops und widmen die Wimpel kurzerhand um) und die humoristische
(denn was ausser dem Lachen bleibt einem noch?): die Fahnen sind
Warnzeichen für besonders miese Autofahrer: je mehr Fahne, desto
schlechter. Es sollen schon Autos mit 7 Fahnen gesichtet worden sein,
von den Aussenspiegeln ganz zu schweigen. Dumm nur, das mancher
anscheinend nicht mal weiss, welche Farbe nun nach oben gehört. Das
"Volk" mag volk-sam sein, aber mit dem Denken hapert´s...

Es folgt der Werbeblock: unser Lesetip in Sachen "Die Erfindung der
Nation" ist das gleichnamige Buch von Benedict Anderson, das mit der
Bestellnummer 28634 für 19,90 Euro bei uns zu bekommen ist, und zwar
als kleine "WM-Aktion" versandkostenfrei! Pflichtlektüre für alle, die
sich eine Identität gar nicht anders als national vorstellen können &
Basislektüre für die politische (Erwachsenen-)Bildung!

Und was gibt´s noch über Afrika zu sagen, ausser das man auch dort
Fussball spielen kann? Zur afrikanischen Geschichte, Politik, Kultur &
Literatur haben wir Material versammelt in unserer Rubrik "Nicht nur
zur Fussball-WM: Afrika er-lesen" (siehe unter "Bücher" auf unserer
Homepage).

Lebt und lest, selbstbestimmt und radikal.

Und bestellt da, wo es sich gehört, beim Medienhändler eures
Vetrauens.

In diesem Sinne beste Grüsse vom Anares Buch- und Medienversand!

PS: diese mail darf mit Quellenangabe gerne weiterverbreitet werden
(bitte uns Belege bzw. Link zusenden)!

Und wer den Newsletter künftig nicht mehr bekommen will - eine kurze
mail genügt!
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Der Internetversand für gesellschaftskritische Medien
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