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{Info on A-Infos}
(de) [FAU Berlin] Protest gegen Schonebergs Partnerstadt Levallois
Date
Wed, 28 Feb 2007 23:28:22 +0200
Freie ArbeiterInnen Union [FAU-IAA] Straßburger Str.38 / 10405 Berlin
fon: +49 (0)30-287 008 04 fax: +49 (0)30-287 008 13 mail:
faub[a]fau.org web: http://www.fau.org/ortsgruppen/berlin
<http://www.fau.org/ortsgruppen/berlin>Berlin, den 26.02.07 PRESSEMITTEILUNG
Die FAU Berlin protestiert gegen die Vertreibung von 17 Menschen aus
ihren Wohnungen in Levallois-Perret, der französischen Partnerstadt
Berlin-Schönebergs Durch die französische Gewerkschaft CNT-AIT wurde die
FAU Berlin auf die unhaltbaren Vorgänge in Levallois-Peret aufmerksam
gemacht. In der französischen Kleinstadt, mit der Berlin-Schöneberg seit
mehr als 20 Jahren eine Städtepartnerschaft unterhält, wurden mit einer
fadenscheinigen Begründung 17 Menschen, darunter Kinder und Jugendliche,
auf die Straße gesetzt. Dagegen hat sich bereits seit Monaten eine
breite Protestbewegung der Betroffenen und ihrer Unterstützer formiert.
Die FAU Berlin erklärt sich solidarisch mit dieser Bewegung und sieht
den Bezirk Tempelhof-Schöneberg in einer besonderen Verantwortung, sich
zu den Vorkommnissen in seiner Partnerstadt zu positionieren.
Hintergrundinformation
Grassierende Wohnungsnot, Obdachlosigkeit und die Vernichtung von
preiswertem Wohnraum sind in Frankreich nicht erst Thema, seit
Obdachlose und UnterstützerInnen medienwirksam Zelte an den Ufern der
Seine aufgebaut haben. Mehr als 2 Millionen Wohnungen stehen derzeit in
Frankreich leer, während gleichzeitig die Mieten in immer
astronomischere Höhen steigen und
3 Millionen Menschen einen würdigen Wohnraum suchen. So auch in
Levallois-Perret, vor den Toren von Paris, wo eine Stadtverwaltung unter
der Fuchtel eines streng rechten Bürgermeisters Wohnungslose drangsaliert.
Levallois-Perret ist ein Ort von rund 60.000 Einwohnern im Department
Hauts-de-Seine. Bekannt ist die Stadt, in der einst die Anarchistin
Louise Michel lebte, im Wesentlichen dafür, dass sich dort der Hauptsitz
des ALSTOM-Konzerns befindet und für seinen Bürgermeister Patrick Balkany.
Letzterer ist ein strenger Rechter, der in Levallois als erster
französischer Stadt eine öffentliche Video-Überwachung installieren ließ.
Mit dem Gesetz nimmt er es selbst nicht so genau. Dafür, dass er drei
kommunale Angestellte jahrelang ausschließlich für eine privaten
Immobilien arbeiten ließ, wurde er zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und
zur Rückzahlung von mehreren hunderttausend Euro verurteilt.
Gleichzeitig wurde ihm für zwei Jahre das passive Wahlrecht entzogen.
Wenn es nicht gerade um die Rechtsverstöße des eigenen Bürgermeisters
geht, versteht die Verwaltung in Levallois allerdings sehr viel weniger
Spass. So ließ sie beispielsweise am 15. November 2006 siebzehn
Menschen, darunter Kinder und Jugendliche aus ihren Wohnungen, die sich
im Besitz der Stadt befinden, vertreiben. Als Grund wurde der schlechte
bauliche Zustand der Wohnungen angegeben. Für einen angemessenen
Ersatzwohnraum sorgte die Stadt nicht. Ein Teil der Leute jetzt auf der
Strasse, in Pensionen oder in unzumutbaren Bruchbuden. Und das, obwohl
es in Levallois viele leerstehende brauchbare Wohnungen gibt.
Als Antwort auf die Vertreibungen organisierten sich Jugendliche aus
Levallois im «Mouvement Solidaire pour le Logement» (Solidarische
Bewegung für Wohnraum). Etliche Demonstrationen wurden organisiert, an
denen sich u.a. auch das Syndicat Interco Paris-Nord der CNT-AIT
beteiligte. Andere Leute, die das Wohnungsproblem kennen, schlossen sich
der Bewegung die ganze Zeit lang an. Doch die Stadt stellte sich taub.
Schlimmer, sie bediente sich der Zensur und Bedrohung, um die Sache zu
ersticken: Weblogs, die über den Kampf berichteten, wurden unterdrückt.
Die Stadt forderte die vertriebenen Familien auf, nicht mehr zu den
Demonstrationen zu kommen. Und schließlich steht einer der Jugendlichen
des Kollektivs permanent unter der Beobachtung der Polizei, wird ständig
von einem Polizisten verfolgt, der schon am Ausgang des Hauses wartet,
wenn er es verlässt!
Bislang ist er der Stadtverwaltung allerdings damit nicht gelungen, die
Entmieteten und ihre UnterstützerInnen zu entmutigen. Diese haben u.a.
für den 10. März zu einer weiteren Kundgebung vor dem Rathaus von
Levallois aufgerufen. Sie werden dort neben einem Ende der
Zwangsräumungen und einem würdigen Wohnraum für alle BesetzerInnen,
Obdachlosen und MieterInnen von Bruchbuden auch fordern, dass die Stadt
endlich die gesetzlich vorgeschriebenen 20 Prozent Sozialwohnungsbau
realisiert. Mit Leerstand und Wohnungsbesetzungen sollte man sich
übrigens auch in der Partnerstadt von Levallois-Perret auskennen:
Schließlich war der Berliner Bezirk Schöneberg Anfang der 80er Jahre ein
Besetzer-Hochburg.
Die FAU Berlin ist gerne Bereit, Kontakt zum «Mouvement Solidaire pour
le Logement» (Solidarische Bewegung für Wohnraum) herzustellen.
Aktuelle Informationen der Bewegung auf französisch sind auf ihrem
Weblog zu finden:
http://solidaires.blogspot.com/
Kontakt zur Stadt Levallois-Peret:
http://www.ville-levallois.fr <http://www.ville-levallois.fr/>
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