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(de) Spanische ArbeiterInnen in Konflikt mit Stuttgarter Automobil-Multi Behr

Date Fri, 28 Dec 2007 08:51:21 +0200


Am 21. Dezember 2007 haben sich die ArbeiterInnen des Werkes "Frapa

Behr" in Barcelona in der Fabrik eingeschlossen. Vorausgegangen war die
Ankündigung einer massiven Entlassungswelle seitens der spanischen Tochter des
Automobilzuliefer-Multis "Behr Industries" mit Sitz in Stuttgart. Mehr als 300
ArbeiterInnen sollen entlassen werden, andere zu erheblich schlechteren
Bedingungen weiterarbeiten müssen. Die Aktion ist der aktuelle Höhepunkt in
einer Kette von Mobilisierungen, die mit der Ankündigung der Massenentlassung
und der Gründung einer Betriebsgruppe der spanischen Gewerkschaft CNT-AIT im
Oktober ihren Anfang nahm. ---- Am Abend des 21. Dezember ist die Belegschaft
von "Frapa Behr" nicht wie üblich für die Weihnachtstage nach Hause zu ihren
Familien zurückgekehrt. Stattdessen haben sie sich im Kampf gegen die massive
Verschlechterung ihrer Bedingungen im Werk eingeschlossen und versuchen zu
verhindern, dass die katalanische Regionalregierung (Generalitat) am 24.
Dezember den von der Firma eingereichten Schließungs- und Sozialplan (ERE)
genehmigt. Die ArbeiterInnen haben sich nach drei Monaten des Kampfes gegen die
Werkschließung für diese zunächst begrenzte aber entschlossene Aktion entschieden.

Die Behr Gruppe

Die Firma "Frape Behr" gehört zur "Behr Group" bzw. "Behr Industries"
mit Sitz in Stuttgart. Der Konzern ist ein wichtiger Zulieferer für die
Automobilindustrie, besonders im Bereich Klimaanlagen und Motorkühlung.
Über ein Netz von dreizehn Beteiligungsgesellschaften arbeiten weltweit
in 30 Produktionswerken und 17 Entwicklungsstandorten knapp 20.000
ArbeiterInnen um dem Konzern einen Jahresumsatz von zuletzt über 3
Milliarden Euro zu bescheren. In Spanien produziert Behr u.a. in der
Freihandelszone "Zona Franca" von Barcelona, in unmittelbarer Nähe eines
Zentrums der iberischen Automobilindustrie.

Die ArbeiterInnen wehren sich

Nachdem im September die Umstrukturierungs- und Entlassungspläne des
Managements bekannt geworden waren, gingen die ArbeiterInnen sofort
gegen die Pläne auf die Straße. Ein Teil der Belegschaft organisierte
sich außerdem in der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft CNT. Am 18.
Oktober waren die ArbeiterInnen erneut auf der Straße. Mit drei Bussen
fuhren sie Montblanc und Constantì in der Provinz Tarragona, wo
verschiedene Firmen, die zur "Behr Group" gehören, ihren Sitz haben. Die
ArbeiterInnen informierten die EinwohnerInnen und zogen dann zum Sitz
von "Behr-Montblanc", wo sie die Zufahrtstraße blockierten. Da die
Werksleitung die Tore geschlossen hatte, konnten die ArbeiterInnen der
Frühschicht das Werk zunächst nicht verlassen. Als die von Behr eilends
herbeigerufene Guardia Civil und später eine
Aufstandsbekämpfungs-Einheit aus Benemérita eintraf, kam es zu
Schubsereien und Schlagstockeinsätzen, die aber angesichts der
Entschlossenheit der ArbeiterInnen genauso erfolglos blieben wie der
Versuch, ein Fernsehteam von TV3 an Aufnahmen zu hindern.

Behr versucht es mit Sanktionen

Nach einer ganzen Reihe von weiteren Mobilisierungen erfuhr die
Belegschaft Anfang Dezember, dass Behr sechs ArbeiterInnen entlassen
hatte. Unter den Gefeuerten befand sich auch ein Mitglied der
CNT-Betriebsgruppe. Er teilte mit, dass die Firma ihm vorwerfe und den
anderen fünf Entlassenen vorwerfe, sie hätten im Werk Unruhe gestiftet
und Sabotageakte begangen. Für die Arbeiter stellen die Kündigungen nur
die Spitze eines Eisberges von Schikanen dar, zu denen die Werksleitung
in den letzten Monaten gegriffen hatte und zu denen u.a. penible
Einlasskontrollen gehören, die aus angeblichen "Sicherheitsgründen"
notwendig geworden seien.

Champions-League der besonderen Art

Falls das Management glaubte, die ArbeiterInnen einschüchtern zu können,
hatte es sich reichlich getäuscht. Nur zwei Tage nach Bekanntwerden der
Entlassungen hatten sich die Beschäftigten etwas ganz besonderes
einfallen lassen. Aus Anlass des Champions-League-Spiels Barcelona : VfB
Stuttgart liefen sie vor dem Hotel auf, in dem das deutsche Team
untergebracht war, das ja aus der Stadt kommt, in dem die "Behr Group"
ihren Konzernsitz hat. Mit Schmunzeln nahmen die ArbeiterInnen zu
Kenntnis, dass der Vereinspräsident ihnen versicherte, er kenne den
Konzernchef persönlich und werde diesem die Beschwerden der spanischen
Arbeiter weiterleiten.

Der Sozialplan

Bis Mitte Dezember hatte niemand aus der Belegschaft den ERE, - eine Art
Sozialplan bei massiven Entlassungen - als Dokument zu Gesicht bekommen.
Lediglich die Absichten und einige Eckdaten, wie z.B. die Entlassung von
300 ArbeiterInnen, waren im September bekannt geworden. Auf einer
Vollversammlung hatten die ArbeiterInnen seinerzeit diese Pläne rundweg
abgelehnt. Am 14. Dezember, nachdem die Betriebsgruppe der CNT-Frape
offiziel registriert war, hatten die ArbeiterInnen zum ersten Mal
Zugriff auf das Dokument, das die Firmenleitung bei der katalanischen
Regionalregierung eingereicht hatte. Keine halbe Stunde, nachdem die CNT
in der Regionalverwaltung den Sozialplan kopieren konnte, machte Behr
diesen plötzlich öffentlich. Nicht genug der Zufälle, die vom Konzern
veröffentlichte Fassung war zudem nicht identisch mit dem bei der
Generalitat eingereichten Dokument und enthielt in den Zusätzen eine
Reihe von Verschlechterungen u.a. bei den Abfindungen.

Wie geht es weiter

Seit dem 21. Dezember haben sich die ArbeiterInnen im Werk
eingeschlossen. An den Außenwänden haben sie große Transparente
angebracht und u.a. 300 Hemden aufgehängt, eines für jede der geplanten
Entlassungen. In Barcelona hat sich ein Solidariätskomitee, das "Comité
de Apoyo a los Trabajadores de Frape" gegründet, an dem eine ganze Reihe
von sozialen und gewerkschaftlichen Gruppen der Stadt beteiligt sind,
darunter auch die CNT. Für den Abend des 24. Dezember haben die
ArbeiterInnen eine Demonstration an der Fabrik angekündigt. Die CNT hat
angekündigt, dass sie in ganz Spanien Aktionen gegen die "Behr Group"
starten wird und dass sie bereit ist, den Konflikt zu
internationalisieren und die Sektionen der IAA an den anderen Standorten
der "Behr Group" (u.a. in Brasilien, der BRD, Frankreich und Tschechien)
zu Aktionen aufzurufen. Wir werden unsere LeserInnen weiter informieren.

Mehr Infos unter: http://www.fau.org/artikel/art_071224-091522


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