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(de) Fauchthunrundmail; 17.12.07: Tod des Anarchisten Guiseppe Pinelli

Date Sat, 22 Dec 2007 17:34:30 +0200



Agenda: ---- Bern:21.12.07 Fau Bar im Denk-mal: Zum Thema Bikestrike
www.faubern.ch www.denk-mal.info <snip>
Bern: 19.1.08 Demo gegen Wef und die Blutspur von H. Kissinger 15.00 Uhr
Waisenhausplatz Am Abend Tour de Lorraine mit 13 Bänds und Infoveranstaltung in
11 Berner Beizen www.tourdelorraine.ch ---- 1. Terror der Türkischen Armmee ----
2. Tod des Anarchisten Guiseppe Pinelli
--- 1. Terror der Türkischen Armmee ---- In der letzten Nacht kam es zu den
bislang umfangreichsten Angriffen auf die Kurden im Irak durch die türkische
Militärmaschinerie. Die bombardierten Dörfer liegen 150 km jenseits der
türkischen Grenze.

In einer Erklärung teilte der türlische Generalstab mit, man habe mit
Kampfflugzeugen „kurdische Kämpfer" im Nordirak angegriffen.
Bodentruppen griffen die Region gleichzeitig mit weitreichender
Artillerie an. Die Türkei hat 100.000 Soldaten mit Panzern und
Artillerie an der Grenze zum Irak massiert.

Bei dem Angriff seien 10 Dörfer zerstört worden teilten Ortsansässige
mit; Zivilisten seien umgekommen.

Abdullah Ibrahim von der Stadtverwaltung von Sangasar sagte, daß es
Basen kurdischer Freiheitskämpfer in der Region gebe, doch diese
befänden sich weit entfernt von den bombardierten Dörfern.

„Die Dortbewohner sind verzweifelt und verstecken sich in
nahegelegenen Höhlen. Sie haben ihre gesamte Habe verloren" sagte
Ibrahim.


In den letzten Wochen hatte die türkische Armee bereits mehrfach
begrenzte Vorstöße auf irakisches Gebiet unternommen, um den
Widerstand gegen die Unterdrückung der Kurden in der Osttürkei zu
brechen.

Das türkische Oberkommando teilte mit, die Angriffe würden
entsprechend „militärischen Notwendigkeiten" fortgesetzt.

Mitten im Winter ist allerdings ein größer angelegter Angriff von
Bodentruppen wenig wahrscheinlich zumal sich die Freiheitskämpfer zum
Großteil in den benachbarten Iran zurückgezogen haben, die jetzigen
Luftangriffe sich damit allein gegen die kurdische Ziuvilbevölkerung
als Strafmaßnahme richten.

Quelle: www.linkezeitung.de
Revolutionärer Aufbau Schweiz
****************************************************************
2. Tod des Anarchisten Guiseppe Pinelli
-----------------------------------------
In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1969 wurde der Anarchist
Guiseppe Pinelli ermordet. Er stirbt während eines Verhörs der
Staatspolizei, das im Zimmer des Commissario Luigi Calabresi geführt
wurde. Die ihn verhörenden Polizisten warfen ihn aus dem Fenster.
Pinelli wurde, wie weitere 150 andere Anarchisten und Mitgliedern der
außerparlamentarischen Linken, nach dem verheerenden Massaker von der
Piazza Fontana am 12. Dezember verhaftet. Der Anschlag geht als
"stragi di stato", als Staatsmassaker, in die italienische Geschichte
ein. Faschistische Militante zündeten in Zusammenarbeit mit
christsozialen Regierungskreisen, Nationalisten, Mitgliedern der
Freimaurerloge "Propaganda Due" und dem Dienst Gladio seit April 1969
mehrere Bomben. Der Mord an Pinelli wurde nie aufgeklärt!
Am 12. Dezember explodiert vor der Geschäftsstelle der Banca Nazionale
dell?Agricoltura an der Piazza Fontana in Mailand eine Bombe. 14
Personen sterben sofort, zwei im Krankenhaus. Über hundert werden
verletzt. Weitere Bomben detonierten in Rom in einem Verbindungsgang
der Banca Nazionale di Lavoro und zwei am "Altar des Vaterlandes", an
der Piazza Venezia. Siebzehn Personen werden in Rom verletzt. Die
Bomben des 12. Dezember sind der Höhepunkt einer Anschlagsserie, die
am 25. April, am Tag der "Befreiung vom Faschismus", begann. Auf einer
Mustermesse in Mailand explodierte im Frühjahr des Jahres 1969 vor dem
FIAT Pavillon ein Sprengsatz. Eine zweite Bombe zerstörte eine
Wechselstube der Banca Commerciale Italiana in der Nähe des
Hauptbahnhofes. In der Nacht vom 8. auf den 9. August knallte es
wieder. In Eisenbahnzügen detonierten 8 von 10 Sprengsätzen. Es werden
jedesmal Passanten und Angestellte verletzt.

Die Repressionswelle nach den Anschlägen ist immer dieselbe. Die
Staatspolizei verhaftet willkürlich zahlreiche bekannte Anarchisten,
freie Gewerkschafter, Marxisten, Kommunisten und andere Protagonisten
der außerparlamentarischen Linken. Hunderte landen im Gefängnis. Die
Verfahren werden verschleppt, wobei die Inhaftierten im Gefängnis
ausharren. Für die Linke ist schnell klar, dass hinter den Anschlägen
die faschistischen Kreise um den "Ordine Nuovo", die
bürgerlich-nationale Freimaurerloge "Propaganda Due", christsoziale
Regierungskreise, weitere Altfaschisten und Bürgerliche stecken. Die
Konspiration sollte einen Linksruck in der italienischen Gesellschaft
verhindern und die Machtübernahme durch die Christdemokraten durch die
"Strategie der Spannung" gewährleisten. Zu diesem Zweck opferte der
Staat am 12. Dezember 16 Menschen. Die Übergriffe des Staates auf die
eigenen Bevölkerung und die Linke im besonderen geschahen planvoll,
konstruiert und totalitär. Die Eskalation am 12. Dezember und die
Ermordung Pinelllis markierte den Wendepunkt in der Auseinandersetzung
des Staates mit der Linken. Sie begann sich zu wehren. In der Folge
starben sowohl auf linker, auf rechter, aber auch auf staatlicher
Seite Dutzende Opfer.

Guiseppe "Pino" Pinelli wurde am 28. Oktober 1928 in einem
Arbeitervorort in Mailand geboren. In den 40iger Jahren unterstützte
er die Resistenza, die um Mailand operierenden anarchistischen
Partisanen, als Kurier. Nach dem Krieg organisierte er sich zunächst
in der Libertären Jugend (Gioventù Libertaria). Im Jahre 1968 nennt
sich die Organisation in Bandiera Nera (Schwarze Fahne) um. 1965
organisierte er den Circolo Sacco & Vanzetti, der sich nach der
Räumung seiner Örtlichkeiten in neuen Räumen als Circolo Ponte della
Ghisolfa neu konstituierte. Im Frühjahr 1969 gründete er mit anderen
Unterstützern nach Vorbild des anarchistischen Schwarzen Kreuzes
(siehe www.anarchistblackcross.org) den "croce nero", der sich um die
nach den Anschlägen Inhaftierten kümmerte. Als leidenschaftlicher
Leser und Autodidakt versorgte er die Gefangenen mit Büchern,
Magazinen und brachte Briefe der Familienangehörigen. Deshalb war er
auch in polizeilichen Kreisen durchaus bekannt und anerkannt. Pinelli
war Eisenbahner, verheiratet und hatte zwei Mädchen.

Pinelli wird am 12. Dezember verhaftet. Er folgt dem Polizeiauto der
Staatspolizei aufs Revier, das er nicht mehr lebendig verlassen wird.
Die Verhaftungen werden vom ehemaligen Mussolini Vertrauensmann und
stellvertretendem Polizeipräsidenten Marcello Guida und dem obersten
Staatspolizisten Commissario Luigi Calabresi geleitet. Pinellis Verhör
zieht sich über Tage. Als prominente Persönlichkeit der
anarchistischen Szene in Mailand soll er dazu gebracht werden seine
Kameraden zu belasten. Die anderen Inhaftierten wurden zumeist am 14.
Dezember entlassen oder aus dem Präsidium verlegt. Pinelli und der
konstruierte Hauptschuldige Valpreda, am Morgen des 15. Dezember
verhaftet, verbleiben im Präsidium. Am Abend des 15. Dezember verhört
Calabresi Pinelli höchstpersönlich in seinem Zimmer zusammen mit 5
weiteren Beamten. Kurz vor Mitternacht geht im Krankenhaus aus dem
Präsidium ein Notruf ein. Kurz danach fällt Pinelli aus dem Fenster.
Es soll ein Selbstmord gewesen sein. Er stirbt! Sein Leichnam ist grün
und blau geschlagen. Der Kopf hat unzählige Schnittwunden. Sieht so
ein Selbstmord aus? Und warum?

Trotz des verhängten Ausnahmezustand, der jede politische
Demonstration verbot, treffen sich zu Pinos Beerdigung 3.000 Personen.
Die Mitglieder des Circolo Ponte della Ghisolfa bezichtigen den Staat
das Massaker angerichtet zu haben und es nun den Linken in die Schuhe
schieben zu wollen. Commissario Finestra, wie Luigi Calabresi nun
genannt wird, und seine Staatspolizisten werden des Mordes
beschuldigt. Am 17. Mai 1972 fordert die Rache ihr erstes Opfer.
Calabresi wird auf offener Strasse von Unbekannten erschossen. Später
folgen ihm weitere an der Vertuschung des Mordes an Pinelli Beteiligte.

Die ?Strategie der Spannung? paralysierte Italien bis weit in die
90iger Jahre. Die Umstände um die Bomben des Jahres 1969 konnten erst
Jahrzehnte später aufgeklärt werden, was jedoch nicht heißt, dass
juristische Konsequenzen gezogen wurden. Im Gegenteil, die
vermeintlichen, eher skandalös Inhaftierten und Beschuldigten am Tode
von Commissario Finestra - Adriano Sofri und Giorgio Pietrostefani -
sitzen bis heute im Knast. Ovidio Bompressi wurde 2006 begnadigt. Die
beiden anderen weigern sich unschuldig ein Gnadengesuch zu stellen.
Der Mörder wurde durch eine Briefmarke geehrt und seit diesem Jahr
läuft ein Seligsprechungsverfahren beim Vatikan.

Pinellis Tod ist Anfang und Ende des Staatsterrors gegen links und
gegen die eigene Bevölkerung. Die staatliche Taktik der ?Strategie der
Spannung? ist bis heute auch außerhalb von Italien akut. Auch die
alten Strukturen, der konspirativen Zusammenarbeit des Staates mit
Faschisten, den Diensten und kirchlichen Einrichtungen ist bis heute
aktuell. Die Eskalation von staatlicher Seite begann nicht erst mit
dem 11. September und den Exzessen in Seattle und Genua. Auch in
Deutschland fand sich mit Wolfgang Schäuble ein würdiger Epigone der
?Strategie der Spannung?. Wahrscheinlich ging er beim ?Propaganda
Due?-Mitglied Berlusconi in die Lehre. Der G8 Gipfel in Heiligendamm
war nur der erste Schritt zur Militarisierung der Gesellschaft.
Willkürliche Verhaftungen mit konstruierten Beweisen nehmen wieder zu.
Pinelli wurde ermordet! Er starb im Knast! Wie so viele andere.......


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